ttt Musiker als Tagelöhner

Wiedereinaussteiger

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Sparen a la carte hollandaise..

Der Musiklehrer hätte es so machen sollen wie andere Lehrer und Musiklehrer auch - in eine Partei eintreten, dann im Öffi-Dienst Karriere machen - bis hinauf zum Kuturdezernenten winken best besoldete Stellen mit exzellenter Altersversorgung... s.w.u. ...

In solchen Stellen dann muss selbstverständlich gespart werden - immerhin jedoch beschließen Städte wie Hamburg ihre Elb-Philharmonie. Dass Bochum zwischen Essen (Opernhäuser) und Dortmund (Opernhaus, Konzerthaus) liegt, hindert eine Bochum-Stiepeler Hautevolée (feines Wohnviertel!) auch nicht daran, auch noch für Bochum dann (bereits ein Schauspielhaus) noch ein Konzerthaus zu fordern.

Frech, dreist, unfassbar dickfellig.

Dann weiß man noch, dass die mit 40 Euro zu bezahlende Opernkarte (die sich Kumpel Anton auch meist nicht kauft) mit min. weiteren 140 Euro bezuschusst wird, aus Steuermitteln.

Große Firmen haben eben erkannt (...), dass ein örtliches gutes Kulturangebot ein exzellentes Argument ist, hochqualifizierte Mitarbeiter herwerben zu können.

An all diesen Segnungen darf der Ex-Lehrer, nunmehrige Kulturdezernent dann doch dezent mitwirken …

...die eigene städtische Musikschule? Pah. Der Kumpel des letzten Dezernenten ist dort doch noch verbeamteter Leiter... Was das kostet … Der muss irgendwie zusehen, dass er seinen Laden durchgefüttert bekommt.

Die Ehefrau des Dezernenten leitet dort das Sekretariat - verbeamtet… Das ist bestimmt gut und richtig so... wird jedenfalls schon seit 38 Jahren so gemacht… Macht…

Nu, da muss eben bei den Instrumenten gespart werden ...

Wie, das reicht noch nicht?? ...die Kosten seien zu hoch, wegen Leitung der Schule etc. ??...

...nuuun: dass die Lehrer dann nur paar Pfennig, nein Cent heißt das jetzt bekommen, und dies auch nur, wenn sie auch Schüler anschleppen, pah, najaa, ist doch normal...

Und wenn es ihnen nicht passt, steht es doch jedem frei, in eine Partei einzutreten, sich "zu engagieren" (die Ochsentour... der Hinterzimmer...) und Kulturdezernent mit Pensionsberechtigung im Höheren Dienst zu werden.

Manchmal kann man gar nicht so viel essen, wie man k...

Naja. Ein feines Land sind wir geworden. Elbphilharmonie, die dann eine Milliarde gekostet haben wird.

...Stuttgart 21... Der neue Fluchhafen Berlin. Der Hochleistungsservice der Deutschen Bahn AG, insbesondere im Berufsverkehr der Ballungsregion Rhein-Ruhr... , thank you for travelling wiss Toitsche Pann Ahhrg Geh...

Für sowas sind Millionen, Milliarden vorhanden. Wenn sich unser Bundesmuttchen einen neuen Airbus kaufen will, geht das auch. Sie kann ja schlecht als Gouverneurin zu ihrem Chef Barack O schwimmen...

Eines ist klar und wird felsenfest so bleiben: Der Bundestag ist mal voller, mal leerer. Immer aber ist er voller Lehrer.

Zudem ist in dieser Branche nicht nur bei Musiklehrern ein gewaltiges Defizit an Gerechtigkeit: Lehrer ist DER KLASSISCHE Fall mittlerweile, wo für exakt ein und dieselbe Arbeit schwer differenziert wird. Die einen sind Beamte,, die anderen sind Angestellte. Haben 500-600 Euro weniger im Monat. Von der Alterssicherung und deren Unterschieden mal GANZ zu schweigen.

Da wird, bei denen, die sich getroffen fühlen, gern mal schnell die Totschlagvokabel ausgepackt, das sei nun aber eine Neid-Diskussion ... ! ... Um geflissentlich abzulenken davon, dass es ungerecht zugeht.

Die, die fett und feist wo drinsitzen, sorgen dafür, dass ihre Privilegien niemals mehr angetastet werden. Klar muss gespart werden - aber doch nicht bei mir... Dafür ist man der etwas Ältere. Ist verbeamtet. Sitzt in den Gremien. Übt Macht aus.

Wenn die Macht zu einem nutze ist, dann beim Sparen…:

Aber nicht bei mir - bei anderen. Sparen a la hollandaise. Die Einsparungen müssen irgendwie von Westen kommen.

Van Anderen.
</sarkas>
 
hasenbein

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Und wenn es ihnen nicht passt, steht es doch jedem frei, in eine Partei einzutreten, sich "zu engagieren" (die Ochsentour... der Hinterzimmer...)

Genau das ist der Knackpunkt.

Diejenigen, die die Macht, das Geld und die Lobbystärke haben, sagen zu den "Schwächeren" einfach: "Tja, Ihr könnt ja probieren, ob Ihr gegen uns ankommt! Viel Spaß! Harhar!"

Derartige Sprüche wie der oben zitierte sind nicht etwa ein Hinweis auf die Demokratie, sondern zeigen unverhohlen die Fratze der egoistischen Reichen.

Ist ganz ähnlich wie die Behauptungen der FDP, man müsse nur viel leisten und sich anstrengen, dann gehe es einem auch gut in unserer "Leistungsgesellschaft". Alles Lüge.
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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Am besten war ja noch der Hinweis von einem CDU-Politiker - dessen Namen mir leider gerade entfallen ist - bezüglich der Altersarmut: Die Armen sollten doch während ihres Berufslebens genug von ihrem "Vermögen" sparen, damit sie im Alter nicht hungern müssten - schönen Dank auch...

Ganz meine Meinung: Wenn Du arm bist, schlage ich Reichtum vor - das hilft bestimmt...
 
Wiedereinaussteiger

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Man kann mit dreierlei Geld bzw. seinen Lebensunterhalt verdienen:

a. mit Muskeln. Immer schwieriger, man hat heute Maschinen.

b. mit Wissen. Auch immer schwieriger, sie suchen den 23j. promovierten Ingenieur (oder Musikwissenschaftler), möglichst mit noch 10 Jahren Führungserfahrung, und bieten ihm - ein Praktikum. 800 Euro.. In Hamburg oder Berlin... Und wenn der möppert, dass das aber nicht zum Leben reiche, sagen sie: WIESO.. haben Sie keinen Papa, der Sie sponsort !!?!?!

c. mit Geldverleihen. Das ist die Nummer, die laufen solle. Das Kappedahl sei angeblich ja SO ein scheues Reh und laufe, wenn es sich nicht lohne, dann flotti dorthin, wo es mehr lohne...

= = =

Der ur-uralte Traum aller Bankiers seit 3.000 Jahren ist nun anscheinend dauerhafte Wirklichkeit geworden:

sich die Politik mit Haut und Haaren gekauft zu haben.

Es wird nun seit mehr als dreißig Jahren, seit des dicken Kohls "geistig-moralischer Wende", Politik FÜR das Große Geld und GEGEN das arbeitende Volk gemacht.

Und das ist - mit Agenda 2010 - durch die rote Partei... - nun so sehr verfestigt worden, dass unser Muttchen das nur noch sanft, bieder verwalten braucht... Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten.

Nunmehr gibt's gar keine Politik mehr: Was wir sehen, ist lediglich noch deren Abklatsch, deren Simulation und blanke Schaustellerei. Denn Politik nach alter, klassischer Definition war immer der sehr ernsthaft betreibene Versuch, im Widerstreit der Meinungen und Interessen das Beste für alle zu filtrieren.

Somit heißt mir leider der Letzte Politiker Helmut Schmidt.

Aber die Altparteien hier sind sich alle einig: wo wir sind, ist oben, und das soll hübsch so bleiben, und das Volk (das arbeitende) solle das bitte weiter finanzieren.

Abgabenlasten um 47%, irre. Dann noch hohe Preise, und Verarxxxxe bei Lebensmitteln etc.

Wir sollen alle billig arbeiten, teuer konsumieren, und hohe Steuern und Abgaben zahlen..

Für das, was in Berlin und Brüssel "geleistet" wird..?..

Nur die dümmsten Kälber... wählen ihre Metzger nochmal selber.

Die Medien und die die Öffentliche Meinung zu beeinflussen trachtenden Spindoktoren (...vooorsicht, bin dann vielleicht auch einer..) sagen, dass das alles "alternativlos" so richtig sei..

Und nein, ich kann euch leider NICHT sagen, was ihr wählen sollt. Ich weiß es selber nicht. Hatte mal die PiPa im Visier oder die AfD. Gefällt mir alles nicht wirklich.

Die Grünen, die ich nach der SPD dann ca. 15 Jahre lang wählte, sind bei mir seit Bosnien unten durch. Als sie sich vom Prügeljoschka zur Beteiligung an einem Kriegseinsatz korrumpieren ließen. "Nie wieder Krieg!" ist Familienmotto. Still going strong. Kriegsheinis wähle ich nicht. Eine Zeitlang habe ich sie alle gewählt...>>20 Kreuzchen. Hilft aber auch nicht wirklich.

Und "sich engagieren", nicht nur "immer meckern, aber nichts tun..", in eine Partei eintreten? Dann schicken sie dich Plakate kleben. Und die Zampanos haben mehr Zeit, fürs Hinterzimmer. Wo die dicken Deals gefingert werden und die Posten verteilt. Die "Ochsentour".

Um dann auch eines Tages, wenn man "es geschafft hat"., Abgeordneter ist, vor einem Herbert Wehner zu stehen, der einem sagt: "Du kannst das nicht mittragen, mit deinem Gewissen??!?

Weißt du was, dann lass dich bei der nächsten Wahl doch von deinem Gewissen aufstellen..."
 
hasenbein

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Am besten war ja noch der Hinweis von einem CDU-Politiker - dessen Namen mir leider gerade entfallen ist - bezüglich der Altersarmut: Die Armen sollten doch während ihres Berufslebens genug von ihrem "Vermögen" sparen, damit sie im Alter nicht hungern müssten - schönen Dank auch...

Ganz meine Meinung: Wenn Du arm bist, schlage ich Reichtum vor - das hilft bestimmt...

Ja, in irgendeiner Talkshow hörte ich letztens auch Derartiges von einem CDU- oder FDP-Politiker (vielleicht meinen wir sogar den gleichen).

Die Wenigverdiener sollten also einfach mehr von ihrem Geld für die private Vorsorge abzweigen (die sich längst als Riesenbetrug zugunsten der Versicherungskonzerne herausgestellt hat).

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

Warum gibt es anhand solch dummdreister Unverfrorenheit nicht endlich einen Volksaufstand? Warum wählen im Gegenteil alle Merkel? ICH CHECK'S NICHT!!

****** stellte 1945 richtig fest, daß das deutsche Volk es schließlich so gewollt habe. Genauso ist es jetzt offenbar so, daß das Volk es nicht anders will. Es will beschissen und ausgenommen werden. Die Deutschen haben sich in mancherlei Hinsicht also nicht sehr geändert.
 
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Holgus

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Der ur-uralte Traum aller Bankiers seit 3.000 Jahren ist nun anscheinend dauerhafte Wirklichkeit geworden:

sich die Politik mit Haut und Haaren gekauft zu haben.

Dort spielt stark die permanente Geldmengenausweitung mit, die wir nicht erst seit dem Euro haben. Jeder begreift, dass die Inflation dem Schuldner nutzt und dem Geldeigentümer schadet. Schuldner gibt es wenige Grosse, der grösste davon ist der Staat. Geldeigentümer gibt es viele Kleine.

Es gibt aber noch einen ganz anderen Effekt, der das Geld umverteilt, nämlich den sogenannten Cantillon-Effekt (Cantillon-Effekt). Man muss nämlich beachten, dass es in der Inflation Leute gibt, die das neue Geld zuerst bekommen und Leute, die es erst später erreicht. Das Geld entsteht bei der Zentralbank. Von dort wird es an die Banken weiterverliehen. Die haben das Geld also als erstes, wenn es noch frisch ist und die Preise noch nicht inflationiert wurden. Die verleihen es weiter an Grossunternehmen, die bekommen also auch noch relativ wertvolles Geld. Die können damit Vorprodukte einkaufen oder investieren. Damit gelangt das Geld so langsam auch an kleinere Unternehmen. Ganz zum Schluss kommt es erst beim Arbeitnehmer an. Leider erst dann, wenn durch die gestiegene Geldmenge die Preise schon gestiegen sind. Die Lohnerhöhungen der Arbeitnehmer hinken der Teuerung hinterher.

Die Gewerkschaften machen den Radau dann bei den Unternehmen, obwohl die nicht die Schuldigen sind. Die Unternehmen haben die Teuerung nicht verursacht, sondern der Filz aus Politik und Zentralbank.

Unser Geld ist ein Witz, wie alles andere auch, was einem staatlichen Monopol unterliegt. Da alternatives Geld verboten ist, kann sich der Staat erlauben, Geld von Trabbi-Qualität in Umlauf zu bringen. Genauso, wie der Trabbi nicht mit Autos der westlichen Konkurrenz- und Marktwirtschaft konkurrenzieren kann, könnte das Staatsgeld auch nicht mit echten Marktalternativen konkurrieren. Stellt euch vor, Unternehmer dürften eigene Währungen erschaffen. Stellt euch vor, man dürfte Verträge in diesen Währungen abschliessen und Konten in diesen Währungen führen. Würde ein Währungsanbieter sein Geld los, wenn er nur bunte Scheine bedruckt, ohne jede Deckung? Sicher nicht, er müsste das Geld mit Wert unterlegen, zum Beispiel Gold, Immobilien, Unternehmensanteile, eventuell auch vertrauenswürdige Schuldpapiere. Würde er das Geld los, wenn er es nach Lust und Laune vermehrt? Sicher nicht, die Leute möchten das Geld schliesslich als Wertaufbewahrungsmittel nutzen. Wer wollte noch sein Konto in Euro führen, wenn es Alternativen gäbe?

Das faule Geld ist eine Ursache für viele Missstände von heute. Ein guter Autor zu dem Thema ist der vor kurzem verstorbene Roland Baader.
 
Peter

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Bechsteinfan
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Warum wählen im Gegenteil alle Merkel? ICH CHECK'S NICHT!!
Ich auch nicht. Ich begreife es nicht, nicht im Geringsten.
Und welche Wahlempfehlung gibst du ab, hasenbein?
Ich bin zwar nicht gefragt worden, will aber mal gegenfragen:
Willst Du Krieg? Wenn man diese eine einzige Frage mit nein beantwortet, bleibt nur noch eine Partei übrig. Und auch die Antwort auf andere, ähnlich wesentliche Fragen lassen nur einen Schluss zu. Für mich war eine Wahl noch nie so einfach wie dieses Jahr.
 
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justo

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Willst Du Krieg? Wenn man diese eine einzige Frage mit nein beantwortet, bleibt nur noch eine Partei übrig. Und auch die Antwort auf andere, ähnlich wesentliche Fragen lassen nur einen Schluss zu. Für mich war eine Wahl noch nie so einfach wie dieses Jahr.

Na, da wirst du dein blaues Wunder erleben. Wenn das alle so machen, dann haben wir nämlich den Krieg im eigenen Land. ;)
 
Peter

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Bechsteinfan
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Und das ist Grund genug, den Krieg zu exportieren? Gab´s so was nicht schon mal? ;)

Um es mal anders auszudrücken:
Ich war immer Fan der SPD. Aber wer macht denn heute wessen Arbeit?
Die CDU macht die Arbeit der FDP, Die SPD macht die Arbeit der CDU und die Linken machen die Arbeit der SPD. Ich find´s Scheisse, aber so isses.
 
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Rheinkultur

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Warum Politiker sind, was sie sind? Man lese sich einfach mal Lebensläufe beliebiger Parlamentarier aufmerksam durch: Deutscher Bundestag: Kürschners Volkshandbuch - die Partei ist egal.

Das Ergebnis darf ich vorwegnehmen. Bei den regelmäßigen Diskussionen über die "Anpassung" der Abgeordnetenbezüge (sprich: Diätenerhöhungen) kommt ebenso regelmäßig das Motiv zur Sprache, die politischen Rahmenbedingungen sollten nur hochrangig qualifizierte Persönlichkeiten gestalten dürfen, die dafür selbstverständlich angemessen bezahlt werden müssen, da man sonst ja keine Experten für die Mitarbeit im Politikbetrieb gewinnen könnte. Demnach sind also in der Regel namhafte Personen am Werke, die ihre berufliche Karriere außerhalb des Politikapparats geopfert haben, um Parlamentarier auf Zeit werden zu können. Ein solcher Altruismus erzeugt Mißtrauen, das sich prompt bestätigt: Ein Großteil dieser Personen entstammt dem Öffentlichen Dienst mit der Option, jederzeit dort wieder einsteigen zu können, wenn es mit dem Parlamentseinzug über die Landesliste und/oder mit dem Direktmandat nicht klappen sollte. Andere erzielen als Politiker Einkünfte, mit denen sie in einem bürgerlichen Beruf niemals in vergleichbarem Umfang hätten rechnen können - vielfach erfolgte eine solche Berufswahl nur halbherzig als Zwischenstation, bis die Karriere im Parteiapparat sichergestellt war. (Leitende) Angestellte, mittelständische Freiberufler und Gewerbetreibende gehören zu den größten am Arbeitsmarkt existenten Gruppierungen, ohne im Parteienapparat vergleichbar vertreten zu sein - ein Zerrbild der Realität, die die Funktionärskaste längst aus dem Blickfeld verloren hat. Ganz offensichtlich gab es hierzulande auch Zeiten, in denen die Führungsgremien der Parteien bei der Nachwuchsrekrutierung und -förderung nachhaltigere Vorleistungen aus dem außerparlamentarischen Bereich eingefordert haben - da musste man beim Parteieintritt schon etwas sein, um in der Partei etwas zu werden. Aus den Abgeordnetenbiographien lässt sich ein anderer Typus als dominierend herausfiltern: Heute geht man besitzlos in die Partei, um etwas zu werden, intrigiert und taktiert sich nach oben - oder absolviert im 68er-Sinne den Marsch durch die Institutionen des Öffentlichen Dienstes. Dazu benötigt man ein Naturell, das sich von der Persönlichkeitsstruktur vieler hart arbeitender Mitmenschen grundlegend unterscheidet - und die beständig attraktiveren Konditionen für den Politikprofessionalisten zementieren die Diskrepanz zwischen politischer Klasse und Bevölkerung immer stärker.

Und welches Dasein fristen Berufsmusiker? Eine kleine Gruppierung, die wenig Wertschätzung durch große Teile der Bevölkerung erfährt: Haben ihr bestenfalls ein wenig Unterhaltungswert bietendes Hobby zum Beruf gemacht, üben also gar keine mit Achtung und Respekt zu verbindende produktive Tätigkeit aus, die in Zeiten von Wohlstand und Vollbeschäftigung zunächst niemanden stört - in Krisenzeiten aber wird dort zuerst gekürzt. Und wenn man sich den Stellenwert des Schulfachs Musik ansieht, kann man auch daraus eine aussagekräftige Botschaft ableiten. Außer in ein paar Sonntagsreden haben Dienstleistungen professioneller Musiker im politischen Tagesgeschäft höchstens dekorative Funktion - und das gilt für alle Parteien, auch jene, die sich gerne als Interessenvertreter der "kleinen" und "schwachen" Leute ausgeben. Vor diesem Hintergrund erübrigt sich jede Empfehlung, vorzugsweise eine bestimmte Partei zu wählen. Hinzu kommt, dass die Situation von Berufsmusikern noch nie besonders wirtschaftlich komfortabel war und revolutionäres Aufbegehren nicht gerade Naturen im Blut liegt, die das stille Leiden für sich längst als selbstverständlich verinnerlicht haben. Höchstwahrscheinlich ist unsere Berufsgruppe genau jene, die so ziemlich als letzte demonstrierend und randalierend durch die Straßen ziehen würde. Die Vertreter der politischen Klasse sind viel zu sehr mit der Organisation der eigenen Karriere und des persönlichen Fortkommens beschäftigt, um sich für die Sorgen und Nöte freischaffender Künstler zu interessieren - auch das ist aus dem beruflichen Werdegang dieser Funktionäre herauszulesen...!

LG von Rheinkultur
 
R

Rubato

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Ohne die beschriebenen Zustände beschönigen zu wollen:
Parallelwährungen gibts doch längst, in Form von Miles and More, Rabattkarten, etc - ist eher verwirrend. Wie kann man gleichzeitig Rekordsubventionen für Opernkarten kritisieren und trotzdem die armen Berufsmusiker beklagen, spielen in der Oper Amateure ? Können wir wirklich sicherer vor Krieg sein, wenn selbsternannte Möchtegern-Pazifisten ohne jeden bestandenen Realitätstest regieren ? Fragen über Fragen ...

Gruß
Rubato
 
P

PatrickP

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Und das ist Grund genug, den Krieg zu exportieren? Gab´s so was nicht schon mal? ;)

Um es mal anders auszudrücken:
Ich war immer Fan der SPD. Aber wer macht denn heute wessen Arbeit?
Die CDU macht die Arbeit der FDP, Die SPD macht die Arbeit der CDU und die Linken machen die Arbeit der SPD. Ich find´s Scheisse, aber so isses.

Daher gut, dass es dieses Mal ma ne Alternative gibt ;)
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Wie kann man gleichzeitig Rekordsubventionen für Opernkarten kritisieren und trotzdem die armen Berufsmusiker beklagen, spielen in der Oper Amateure ? Können wir wirklich sicherer vor Krieg sein, wenn selbsternannte Möchtegern-Pazifisten ohne jeden bestandenen Realitätstest regieren ? Fragen über Fragen ...
Bei den Berufsmusikern haben wir in der Tat ein Zweiklassensystem: Einerseits Kultureinrichtungen, die trotz ständig gekürzter Zuwendungen aus dem Haushalt von Bund, Ländern und Gemeinden immer noch allenfalls einen kleinen Bruchteil ihres Etats selbst erwirtschaften, andererseits eine immer größer werdende freie Szene, die seit eh und je ohne finanzielle Hilfen über die Runden kommen musste. Dann müsste man schon präziser fragen, was gefördert wird und was nicht. Wenn die Opernhäuser gemeint sind, wäre die Frage legitim, ob ein seit zwei Jahrhunderten auf den Spielplänen etabliertes Repertoirestück wie selbstverständlich subventioniert werden muss, während Investitionen in neue Gegenwartsprojekte wegen der angespannten Haushaltslage angeblich nicht möglich sind. Schließlich sind die vom Steuerzahler aufzubringenden finanziellen Mittel für innovative Projekte besser angelegt als für das Durchfüttern von Traditionsprojekten, deren Verantwortliche sich im gewohnten Dauersubventionismus längst behaglich eingerichtet haben. Nun zeichnet sich ab, dass die im subventionierten Kulturbetrieb (Musiktheater und Ausbildungsstätten für Musikberufe) nicht unterkommenden Nachwuchskräfte immer häufiger automatisch in der wenig bis gar nicht geförderten Selbständigkeit landen, die mitunter eine verdeckte Arbeitslosigkeit darstellt, die eben nur nicht statistisch erfasst ist. Freilich stellt sich bei näherer Betrachtung der im Musikerberuf erzielten Einkünfte heraus, dass der erschreckend geringe Durchschnittsverdienst durch eine Vielzahl von Kolleg(inn)en zu erklären ist, die keineswegs allein von ihrer Berufstätigkeit leben müssen: Gut verdienende Ehepartner, Herkunft aus betuchten Verhältnissen und nebenberufliche Tätigkeitsprofile spielen durchaus eine Rolle, sollen aber nicht von der Tatsache ablenken, dass Berufsmusiker im Regelfall noch härter für ihr Geld arbeiten und noch prekärere Bedingungen hinnehmen müssen als in den meisten vergleichbaren "bürgerlichen" Berufen. Dazu kommen die höheren Aufwendungen für eine vergleichsweise langfristige Ausbildung und ein großer Investitionsbedarf in einen Beruf mit ungünstigen wirtschaftlichen Perspektiven. Deshalb will die Entscheidung für eine Laufbahn als Berufsmusiker sehr sorgsam bedacht und die Ausbildung möglichst breit gefächert angelegt sein - zumal im Falle des Scheiterns der Wechsel in nichtkünstlerische Berufe ebenfalls meist sehr problematisch ist.

LG von Rheinkultur
 
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schmickus

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Nicht zu vergessen, dass heutzutage Hinz und Kunz "was mit Musik machen" will. Wenn ich mir die Heerscharen von schlechten Sängern, schlechten Klavierlehrern, fachlich uninteressierten Musikwissenschaftlern, publikumslosen Neutönern, langweiligen Chordirigentinnen (ja, die überwiegen!) und Diplom-Punkrockern (ich übertreibe) ansehe, wird mir übel. Von denen will ich kein Gejammer hören!
 
Rheinkultur

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Nicht zu vergessen, dass heutzutage Hinz und Kunz "was mit Musik machen" will. Wenn ich mir die Heerscharen von schlechten Sängern, schlechten Klavierlehrern, fachlich uninteressierten Musikwissenschaftlern, publikumslosen Neutönern, langweiligen Chordirigentinnen (ja, die überwiegen!) und Diplom-Punkrockern (ich übertreibe) ansehe, wird mir übel. Von denen will ich kein Gejammer hören!
Einverstanden - wenn ich mir diese unschöne Liste anschaue, ist jede Entscheidung mäßig talentierter Naturen gegen den Traumberuf Musiker nur zu begrüßen. Denn der Traumberuf wird zum Alptraum, wenn der Erfolg ausbleibt und man in außermusikalischen Berufen nur noch den ungelernten Hilfsarbeiter abgeben kann. Aber es gibt ja auch andere, die in den genannten Schubladen keinen Platz finden; angesprochen fühle ich mich persönlich davon nicht und begebe mich in den nächsten Minuten wieder zur Chorprobe, die mit Sicherheit nicht langweilig wird (meine Proben sind nie langweilig...)!

Abschließend mal wieder ein gespielter Witzzzz, viel Vergnügen:
Was sagt ein Musiker ohne Arbeit zu einem Musiker mit Arbeit?
"Einmal Pommes rot-weiß, bitte!"


OK, noch einer:
Was tut ein Musiker, wenn er Feierabend hat?
Er schaltet das Taxischild aus!


Aller guten Dinge sind drei:
Ein Musiker klingelt an der Tür. Was sollte man dann am besten tun?
Die Pizza annehmen und bezahlen!


LG von Rheinkultur
 
 

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