Tonika oder Subdominante?

Danke @Marlene für die Aufklärung.

Wie @hasenbein schon schrieb, kann natürlich auch die Quinte der Dominante in der Melodie stehen (manchmal steht da sogar die Septime).

Man muss um diese Aufgabe zu lösen also nicht nur die Hauptstufen bennenen können, sondern auch wissen, aus welchen Tönen diese bestehen (@Flieger war so nett, das für G-Dur ausenander zu klamüsern).

Das bedeutet, dass man bei jedem Melodieton zunächst überlegen muss, zu welcher oder welchen Hauptstufen das passt.

Einige Töne tauchen dabei in mehreren Hauptstufen auf.
So ist die Quinte der Tonika immer auch der Grundton der Dominante, und der Grundton der Tonika ist die Quinte der Subdominante. Nur bei den jeweiligen Terzen gibt es nur eine Wahl, solange es bei Dreiklängen bleiben soll.

Du hast also:
Bei einem g die Wahl zwischen "T" und "S" (G-Dur oder C-Dur).
Bei einem d könnte das "T" oder "D" sein (G-Dur der D-Dur).
Bei einem c oder e käme aber nur die Subdominante C-Dur in Frage, denn diese Beiden kommen in T und D nicht vor.
Bei fis oder a geht nur die Dominante D-Dur, denn die Beiden sind weder in T noch S enthalten.
Bei einem h widerum passt nur die Tonika, weil der Ton in keiner anderen Hauptstufe vorkommt.

Ich bin dabei Anfangs so vorgegangen, dass ich mir unter jeden Melodieton die Stufen geschrieben haben, zu denen der passen würde.
Wir haben dort auch G-Dur als Tonika, jedenfalls sollte man das bei dem Vorzeichen vermuten. Wieso wird dann unter dem h' das T notiert?
Weil das h die Terz in G-Dur (T) gibt, und in C-Dur (S) oder D-Dur (D) nicht vorkommt.
Ohne Nebenstufen oder Reiztöne (Vierklänge) ist das T hier zwingend.
 
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Puh, es war also doch nur ein Denkfehler, es hat allerdings mächtig geklemmt in den Hirnwindungen.
:dizzy:

Danke, @DerOlf, für Deine Erläuterungen.
:super:
 
Zur Veranschaulichung:

Welche Töne bleiben liegen, wenn du eine Kadenz durchspielst (z.B. G-Dur, C-Dur, (G-Dur), D-Dur. G-Dur)?
Beginne dabei mit G-Dur in Grundstellung (g-h-d).
Vereinfacht: Welche Finger müssen sich dabei wie bewegen?
Nimmst du C-Dur (S) als Quartsexsakkord (g-c-e), dann bleibt das g aus G-Dur liegen (das h geht zum c und das d zum e).
Nimmst du D-Dur (D) als Sextakkord (fis-a-d), dann bleibt das d aus G-Dur liegen (das g geht zum fis und das h zum a).
Nur beim Wechsel von C-Dur (S) nach D-Dur (D) bleibt nichts gleich - daher habe ich der Einfachheit halber noch ein G-Dur (T) eingeschoben.
PS: Eigentlich (!) ist es in den oberen drei Einzelstimmen (Sopran, Alt, Tenor) immer das gleiche (Bass spielt Grundtöne) - auch wenn man mit einer anderen Umkehrung startet.:lol:

ABER (deswegen das Ausrufungszeichen hinter "Eigentlich") die künstlerische Freiheit sorgt dafür, dass einem solche "idealtypischen" Kadenzen im wahren Leben nur relativ selten begegnen (Melodieverlauf, Reiztöne, Nebenstufen etc.).
Aber bei Harmonisierungsaufgaben ist dieses (durchaus nicht nur theoretische) Wissen einfach Gold wert.
 
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Meine Lösung der letzten drei Takte sah übrigens so aus:

1643387240678.png


Kritik daran?
Wenn man eine Melodie harmonisieren möchte, tut man gut daran, bestimmte Aspekte zu betrachten:

1. Am liebsten Harmoniewechsel auf schweren Taktzeiten - natürlich gibt es Gründe es anders zu halten. (z.B. im 1.Takt Deines Beispiels:)
2. Bei der Harmonisierung spielt es weniger eine Rolle, wo die Melodie herkommt, als wo sie hingeht. Harmonien sind grundsätzlich zukunftsorientiert.

Für Dein Beispiel würde demnach gelten:
Bei der 1 des 1.Taktes würde ich die S auch für beide Viertel nutzen und den Ton H als Durchgang zur D sehen.
Auf der 4 des 1. Taktes käme T (damit wir den Schritt DS vermeiden).
Auf der 1 im vorletzten Takt die S (Melodie geht über Schwerpunkt 1 und unbetonter Zeit 2 in der Harmonie C).
Natürlich kann man es auch so machen, wie Du schriebst, aber ich finde es harmonisch überfrachtet und die Melodie schwächend. Es hängt aber auch immer davon ab, ob es ein schnelles oder getragenes Stück ist.
Aber wenn mir etwas während meines Studiumder Harmonielehre immer wieder sehr unangenehm aufgefallen ist, dann, dass Hamonieübungen immer dem Selbstzweck dienten und seltenst berücksichtigt haben, ob es denn auch gut klingt oder einfach nur richtig ist...
 
Aber wenn mir etwas während meines Studiumder Harmonielehre immer wieder sehr unangenehm aufgefallen ist, dann, dass Hamonieübungen immer dem Selbstzweck dienten und seltenst berücksichtigt haben, ob es denn auch gut klingt oder einfach nur richtig ist...
Das habe ich auch so erlebt ... genau die Feinheiten (Durchgänge, Wechsel, Vorhalte, Zukunftsorientiertheit) verwirren anfangs allerdings auch (und gleiches gilt wohl für meinen Ausflug in die Satztechnik).

Mein Lehrer sagte mir oft, dass wir uns zunächst darum kümmern, wie es korrekt ist. Erst wenn das sitzt, sollte man seiner Meinung nach daran gehen, dass es nicht nur korrekt ist, sondern auch noch gut oder interessant klingt.

Du hast aber einfach recht, dass man je nach Duktus eines Stückes nicht jeden einzelnen Melodieton harmonisieren muss ... manchmal sorgt ein akkordfremder Melodieton auch einfach nur für etwas mehr Spannung.

Ich spiele zunächst nur die Melodie alleine und versuche zu ergründen, in welchem Puls eine Begleitung laufen könnte.
Sind das Halbe, dann kommen bei einer Melodie in Vierteln und Achteln eben auch mal Vorhalts-, Durchgangs- oder Wechselnoten vor.
Aber all das wird im Krämer erst später auftauchen ... mMn aus ziemlich gutem Grund.
 
@Tastula: vielen Dank für dein Feedback.

hängt aber auch immer davon ab, ob es ein schnelles oder getragenes Stück ist.
Im Prinzip gebe ich dir vollkommen recht, wenn ich das "frei Schnauze" harmonisieren sollte, würde das eher auch anders aussehen. Im vorliegenden Fall handelt es sich aber um einen Choral, und rein gefühlt (ich bin eher selten in der Kirche und bei Chorälen nicht sonderlich bewandert) sind dabei häufige Harmoniewechsel ein probates Stilmittel. In diesem Sinne habe ich wohl damals (25 Jahre her) auch die Stufen gewählt.

Ich habe mir jetzt mal den Spaß gemacht, diesen Choral auf YT zu suchen (er stammt aus dem 17. Jhdt). Die hier verwendete Harmonisierung entspricht meiner "Lösung" mit dem Unterschied, dass auch Mollparallelen (Em, Am) zum Einsatz kommen (ab 0:30):



Meine damalige Gesamtlösung:

1643542217465.png

Ich denke mal, die Vorgabe, das zwingend nur mit T/S/D zu harmonisieren, führt zwangsläufig zu einer klanglich wenig befriedigenden Lösung. Mit Blick auf die Pädagogik kann man über die Vorgabe sicher trefflich steiten, aber da bin ich außen vor. Schlußendlich führen bei einer Harmonisierung i.d.R. mehrere Wege nach Rom, DIE einzig richtige Lösung gibt es dann nicht. Oder dein letzter Satz abgewandelt:
ob es denn auch gut klingt oder einfach nur richtig ist...
Wenn's gut klingt, ist es richtig...
 
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Bei der 1 des 1.Taktes würde ich die S auch für beide Viertel nutzen und den Ton H als Durchgang zur D sehen.
Nun, das ist eine Frage der Stilistik. Die Melodie stammt von Johann Crüger, einem Komponisten aus der Blütezeit des Kantionalstils. In diesem Kontext wäre ein solcher Durchgang zumindest sehr untypisch, wenn nicht falsch.

Eine 1:1-Harmonisierung überwiegend mit Grundakkorden (allerdings unter Einbeziehung der Nebenstufen) wäre stilistisch angemessen; in Ausnahmefällen darf auch mal ein Sextakkord vorkommen.
 
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Sorry für die Abschweifung, aber bei diesen Worten:

dass es nicht nur korrekt ist, sondern auch noch gut oder interessant klingt.
sorgt ein akkordfremder Melodieton auch einfach nur für etwas mehr Spannung.
muss ich an eine Transkription denken, die ich kürzlich gemacht habe (Vulfpeck: You got to be you). Beim letzten Akkord hier:
1643544141925.png
bekomme ich das Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht :lol:.

PS: super, jetzt wo ich das anschaue, fällt mir erst auf, das Es im Bass, 2. Takt hätte ich besser als Dis notiert... :blöd:.
 
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In meiner 4. Auflage gibt es auch keine Lösung, ich stimme Dir somit zu. Bei mir sieht das so aus:

Den Anhang 41472 betrachten

Ich wollte ja etwas lernen und daher befasse ich mich seit einigen Wochen wieder mit Harmonielehre. Kadenzen klappen ganz gut, ich glaube sie auch voraushören zu können. Und ich glaube die Funktionen zu kennen. Aber ich kapiere nicht, um was es in dieser Aufgabe geht und auch nichts von dem was Ihr hier schreibt.
:cry:

Vermutlich habe ich nur wieder einen Denkfehler, wäre ja nicht das erste Mal. Aber wenn ich hier schon nicht durchblicke werfe ich den Krämer wohl besser in die Papiertonne.
:-(
Es geht einfach darum herauszufinden, welche der Hauptdreiklänge da passen. Bei a gibt es nur den D-Dur-Akkord als Möglichkeit, oder man ist schon in den Nebendreiklängen, was er hier aber nicht will.

Der Punkt ist doch, dass die Melodie gegeben ist, ein bekannter Choral. Die kann man natürlich nicht verändern. Du kannst jeden Ton mit einem Akkord harmonisieren, in dem dieser Ton vorkommt. Und klar, wenn man beim e den C-Dur nach unten ergänzt, sieht das in der rechten Hand wie ein Quartsextakkord aus, aber da kommt ja noch die linke mit einem c hinzu. Es zählt bei der Umkehrung der tiefste Ton.

Hier hab es übrigens mal einen Workshop zu Krämer: https://www.clavio.de/forums/musiktheorie-workshop.28/

Hasenbein hat natürlich Recht: wenn man im vorletzten Takt den Harmoniewechsel auf der 1 haben will, was musikalisch sinnvoll ist, lässt sich das nicht mehr mit Grundstellungen lösen. Man kann das diskutieren, ob es Sinn macht, eine solche Aufgabe zu stellen. Hier soll ja kein Satz geschrieben werden. Es ist halt schwierig, da etwas zu finden, dass nur mit Hauptdreiklängen und Grundstellungen geht.

Man kann ja schauen, was der Crüger selbst macht:
Er kommt an dieser Stelle aus dem Dilemma heraus, indem er Tp nimmt. D Sextakkord und dann T wäre auch machbar.

Jetzt das Volkslied: Da wird man eben etwas großflächiger harmonisieren als im Choral. Wenn man sich die Hauptdreiklänge in G-Dur anschaut, gibt es nur einen, in dem der Ton h vorkommt, nämlich G-Dur=Tonika. Also kann man diesen Ton nur mit T harmonisieren. Alles andere wäre hier auch Kappes. Es geht vermutlich auch darum, zu hören, was die Melodie "will".
 
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