Tipps zur Entspannung

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Hallo,

da das wichtigste beim Klavier spielen ein entspannter Zustand ist, um einen schönen Klang zu erzeugen, wollte ich mal einen Thread aufmachen, der sich mit diesem Thema beschäftigt.

Wie spielt man Klavier, ohne dass ein einziger Muskel verspannt ist?

Zum einen kann man sich am Ende eines Teils oder einer Phrase einen Punkt festsetzen, wo man seine Muskeln komplett entspannt. Ich schreib mir dort immer ein "E" in die Noten.

Arme immer wieder hängen lassen und prüfen, ob man wirklich entspannt ist.

Habt ihr noch andere Tipps?
 
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Möglichst entspannt an die Sache rangehen. Wenn man dauernd darauf achtet, entspannt zu bleiben, wirkt das möglicherweise gegenteilig. Und ganz ohne Anspannung ist man sowieso nur ein bewegungsunfähiger Fleischhaufen mit Knochen und kann nicht einen vernünftigen Ton spielen.

Ich denke, der beste Weg um Verspannungen zu vermeiden, liegt darin, seinen Körper so natürlich wie möglich zu benutzen und bei wirklichen Verspannungen der Ursache auf den Grund zu gehen. Meistens macht man einfach etwas falsch oder man überfordert sich.
 
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Hallo ubik,

es sind verschiedene Faktoren, die zu einer entspannten Haltung führen. Ich glaube, es geht nicht nur über das bewusste Entspannen von Muskeln, sondern auch auf dem Weg über Gefühle und Stimmungen.
Für mich hängt der Klang auch unmittelbar mit einer emotionalen Vorstellung zusammen.

Vllt hast Du im thread "mögt ihr oper?" diesen link gesehen:

http://www.youtube.com/watch?v=nU-GhfeWSP8

Guck dir mal an, wie er sich präpariert, um dieses Stück zu singen! Der Gesichtsausdruck spricht Bände, ich möchte wetten, er hat innerlich ein Bild von einer Situation, die er damit verknüpft hat.:):)
Ich glaube, die Muskeln folgen nicht nur einer willentlichen Anweisung sondern auch den Gefühlen.
Was für Situationen fallen Dir ein, die Du mit Wärme, Weichheit, Freude,... und Liebe verbindest?

Hast Du das mal versucht?

LG
violapiano
 
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Stilblüte

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Wenn du mal die Möglichkeit hast, lass dich ein wenig in die Alexandertechnik oder vergleichbares einweisen.
Wie auch immer man solche "Entspannungskurse" nennen möchte, sie sind eine gute Art der Körperschulung und schulen die Wahrnehmung noch mehr, obwohl ein Musiker ja meistens glaubt, er könnte eh schon super gut "hinspüren". Da geht aber immer noch viel mehr...
Wichtig ist, dass man sich folgendes klar macht:
Es ist nur schwer umsetzbar, beim Klavierspielen völlig entspannt zu sein, wenn man die restlichen geschätzen 18-23 Stunden des Tages nicht entspannt ist. Wie soll das möglich sein? Es ist also förderlich für das Klavierspielen, wenn man die Grundhaltung ändert, also auch im Alltag zum Ziel hat, entspannter zu sein.
 
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möglichst spannungsfrei spielen

Wenn du mal die Möglichkeit hast, lass dich ein wenig in die Alexandertechnik oder vergleichbares einweisen.
Alexandertechnik, Feldenkrais, Jokobsenentspannung - all das ist hilfreich und bedenkenswert.

Darüber hinaus aber gilt es, eines nicht aus den Augen zu lassen:
jeder benötigt für das Klavierspiel eine beständig gehaltene Muskelspannung, und zwar erstens für das aufrechte Sitzen und zweitens um die Unterarme in der Waagerechten zu halten
daraus folgt: total entspannt, wie in einem Kurs auf einer Liegematte, wird man am Klavier nie sein. Entspannung beim Klavierspiel ist ein relativer Begriff, der lediglich manche beteiligten Extremitäten betrifft (vornehmlich Schultern und Hals (ausbalanciert), Handgelenke und Hände - die Beugemuskulatur wird immer ein wenig Spannung haben, um den Arm in der Waagerechten zu halten - - aber man kann im Lauf der Zeit lernen, entspannte Hände/Handgelenke/Schultern als hier nötige Entspannung wahrzunehmen. Um das wahrnehmen zu lernen, sind die genannten "Techniken" oder "Methoden" hilfreich.

Es ist möglich, die vielen "kleinen" Entspannungsmomente (s.o. Handgelenk usw.) quasi kumulativ oder zusammengefasst wahrzunehmen - das ist dann der "Zustand", in welchem man "möglichst immer wieder entspannt" alles mögliche spielen kann - sichtbar ist das bei professionellen Klavierspielern an der Geschmeidigkeit und Lockerheit der Bewegungen. Der Weg dahin ist allerdings recht lang.

Das Gefühl für Spannung/Entspannung ist ja schon im Detail nicht ganz einfach: wer kann wirklich eine Taste mit einem Finger gedrückt halten, aber dabei die anderen Finger völlig schlapp auf die Tasten ablegen? Und die nächste Stufe ist: wer kann das beim spielen einer einfachen Melodie? - - - hier sind einige Übungen von Prof. Peter Feuchtwanger gerade im Detail sehr aufschlußreich und hilfreich. Vor einiger Zeit wurde in diesem Forum einmal die Übung, z.B. in der rechten Hand die Tonfolge c-d-e-f-g mit dem Fingersatz 5-4-3-2-1 zu spielen, ebenso vehement wie kenntnislos bespöttelt. Gerade diese Übung, durch alle Quintlagen hindurch, schult das Empfinden für einen synchron agierenden und stets erneut entspannten Spielapparat.

Wenn von "möglichst entspanntem Klavierspiel" die Rede ist, dann ist mit dieser Formulierung realistisch eher ein möglichst spannungsfreies Klavierspielen gemeint! Da sich im Detail viele kleine (und meist unnötige, will sagen unnütze) Spannungen akkumulieren, ist es nie falsch, gerade im Detail (was passiert in und mit der Hand) aufmerksam zu sein. Vermag man das noch nicht zu erfühlen, so sind die Übungen nach Feldenkrais, Alexander und Jokobsen zum bewußt werden und erspüren in jedem Fall hilfreich.

ein Exempel für eine unnütze "kleine" Minispannung:
was bringt es, wenn ich mit 2 ein d anschlage, dabei aber zwei-drei andere Finger etwas über den Tasten in der Luft halte? wozu diese Mühe (auch wenn man sie direkt kaum merkt)?? und dergleichen sammelt sich...

des weiteren:
man wird beim Klavierspiel immer in Bewegung sein - diese ständige Bewegung mit der Musik, mit den Tönen, kann als natürlich und "spannungsfrei" wahrgenommen werden, total entspannt im Sinne restloser muskulärer Entspannung ist sie nicht.

Alfred Brendel: die nötige Balance zwischen Spannung und Entspannung!

Gruß, Rolf
 
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Also, wenn ich Klavier spiele, dann kann ich nicht an meine Entspannung denken. Da bin ich so auf das Klavier spielen konzentriert, dass ich dabei meine Enspannung nicht auch noch beachten kann. Das kann ich vorm Üben und nach dem Üben immer noch machen. Gut ist es wenn mann eine schöne Enstpannungsübung/Übungen vor dem Üben machen kann. Muß ja nicht lange sein ca. 10 Minuten können da schon helfen. Das es hierfür viele Möglichkeiten gibt zähle ich keine auf, da auch schon einige genannt wurden. Ich brauche schon Entspannungsübungen, da ich immer sehr kalte Füße und auch besonderst sehr kalte Hände habe. (Ich spiele aber nicht mit den Füßen, nur mit den Händen, alles klar?) :D Wenn ich mich dann bewußt entspanne, merke ich wie die Hände dann in Kuzer Zeit sehr warm werden. Das mach ich auch oft in der Firma. Auch das Tippen auf der Tastatur vom Computer geht dann viel besser. :p
LG Jörg
 
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Ich glaube ich hab meine Frage falsch formuliert. Hier die neue Frage:

Wie spielt man, ohne zu Verspannen?

Anspannung und Verspannung sind ja zwei verschiedene Sachen. Anspannung braucht man sowieso, um einen Muskel zu bewegen. Aber Verspannungen sind nur hinderlich beim Klavier spielen.

Vielleicht gilt es, ein Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung zu finden.
 
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Ich meine, wenn man sich beim Spielen verspannt, dann muss man das Tempo runterfahren und darauf achten, locker zu bleiben. Erst, wenns im langsamen Tempo ohne Verspannung geht, dann kann man das Tempo anziehen.
 
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Hi,

ich habe kein Allgemeinrezept zur Entspannung auf Lager, und verspanne selbst viel zu oft. Was mir aber hilft ist

  • Schultern hängen lassen, soweit möglich
  • Ein bisschen Bewegung und Ausdruck beim Spielen, also nicht stocksteif dasitzen um eine vermeintlich entspannte Haltung zu "konservieren".
  • Auf einen ungestörten ruhigen Atemfluss achten (kann man sehr schön durch Yoga lernen)

Gruß,
Pipgen
 
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Im Grunde geht es darum, die Energie (Kraft) so ökomomisch wie möglich einzusetzen. Es gibt auch stellen, bei denen man relativ angespannt ist - aber in den meisten Fällen setzt man viel mehr Kraft ein, als man eigentlich müßte.
Die Frage heißt also: wo kann ich Energie einsparen, und zwar so, daß es dem musikalischen nicht schadet, vuelleicht sogar nutzt?

Spannung/Entspannung sind nicht generell gut oder schlecht - es geht um die Optimierung und die richtige Verteilung. Und das passiert beim Üben im Idealfall automatisch. Das Finden der Balance zwischen Überanstrengung und Nachlässigkeit...
 

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Hallo,
mit der Umformulierung der Frage zu "wie Spiele ich, ohne zu verspannen?"
ändert sich an der Thematik nichts.
Wie Rolf schon deutlich gemacht hat, eine absolute Entspannung am Klavier
gibt es nicht. Es ist eben eine Frage des Maßes, der Bewegungsökonomie.
Dies kann man auch am Klavier lernen. Alexander-Technik und Feldenkrais
sind da den meisten Pianisten und Klavierlehrern leider noch weit voraus.

So wie Du "Spannung und Entspannung" gebrauchst beschreibst Du eine Bewegungswahrnehmung. Du fühlst Dich angespannt oder eben wohl und sagst entspannt. Muskulär ist man aber nicht total entspannt, nur weil man
sich wohlfühlt. Das muss man trennen.
Das sich eine Bewegung oder eine Passage "unbequem, fest, steif oder angespannt" anfühlen kann, dürfte jedem Pianisten vertraut sein. Die Ursachen liegen oft in fehlender oder schlechter Gesamtkoordination oder unökonmischen Spielbewegungen, gepaart mit unklaren musikalischen Vorstellungen.

So allgemein, bleibt es sehr allgemein. Die meisten Schwierigkeiten einer als
"verspannt" empfundenen Stelle lassen sich recht schnell analysieren.
Sie zu lösen, kann schon länger dauern. Wenn "Verspannung" immer die Eigenwahrnehmung ist, wenn man Klavier spielt, besteht grundsätzlich handlungsbedarf.

Beste Grüße
Claudius


Piano.Aktiv
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Mir ist endlich das Wort eingefallen, das ich wesentlich lieber benutze als "entspannt": Frei.

Wenn man verspannt ist, kann man sich nicht mehr frei bewegen, die betreffenden Körperpartien sind behindert und man fühlt sich eingeschränkt. Das wirkt nicht nur körperlich sondern drückt auch auf das Allgemeinbefinden; und neben Geläufigkeit, Treffsicherheit und Konzentration leidet darunter auch der Charakter der Musik.

Es gibt z.B. einige fröhliche und leichte Stücke von Bela Bartok mit viel Stakkato, die man gerne auch mal mit hüpfenden Fingern in das Klavier "tanzen" kann. Es muß natürlich nicht Bela Bartok sein, aber Stakkato hilft umgemein ;)

Wenn man das noch nicht locker schafft, kann man auch mal mit den Zeigefingern "morgen kommt der Weihnachtsmann" oder ein anderes leichtes und lustiges Kinderlied versuchen. Es kommt nicht auf Virtuosität an und es kommt auch nicht auf Perfektion an. Hauptsache, man hat ein Gefühl von tänzerischer Leichtigkeit.
 
K

Klavieroma

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Hallo ubik,

ich kenne den Zustand auch, daß sich die Anspannung beim Üben regelrecht "aufschaukelt". Ich nehme an, es geht Dir darum, gerade das zu vermeiden?
Versuche es doch einmal so: Wenn Du merkst, daß Du verkrampfst, abbrechen, Hände locker ausschütteln, zur Entspannung zwischendurch mal eine leichtere Stelle üben.
Du kannst den schwierigen Abschnitt in kleinere Teile zerlegen, die Du dann einzeln übst. Bei kurzen Abschnitten kann sich nämlich die Verspannung nicht so aufbauen. Außerdem kannst Du dabei mehr Aufmerksamkeit für den Fingersatz verwenden. Falscher, ungeeigneter Fingersatz ist auch eine Quelle für Verspannung. Zum Tempo wurde ja schon etwas geschrieben, also nicht zu schnell angehen.
Du brauchst ein bißchen Geduld, aber wenn Du das Stück dann sicher spielen kannst, sollte das eigentlich auch locker gehen.
Etwas anderes ist es natürlich mit der Körperspannung - nicht zu verwechseln mit verkrampfter Haltung! -ich denke, die braucht man, und das nicht nur beim Fortissimo.

Viele Grüße
Klavieroma
 
 

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