Schmerzen im Daumenendgelenk

Dimo

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Hallo zusammen,

nachdem ich am Wochenende ziemlich viel Klavier geübt habe, schmerzt jetzt mein rechtes Daumenendgelenk.
Mein "beruflicher Instinkt";) sagt mir, dass es nichts Ernstes ist, etwas Schonung sollte ausreichen. Lästig ist es aber auf jeden Fall.

Hat jemand von Euch schon mal etwas Ähnliches erlebt? Ideen, wie man das vermeiden/dem vorbeugen könnte? Ist ja nicht gerade die typische "Pianisten-Verschleiss-Stelle" ...

Viele Grüße,
Dimo
 
Mathiéu Alou

Mathiéu Alou

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Hat jemand von Euch schon mal etwas Ähnliches erlebt? Ideen, wie man das vermeiden/dem vorbeugen könnte? Ist ja nicht gerade die typische "Pianisten-Verschleiss-Stelle" ...
Ja, ich :p ... nach exzessivem Klavierspielen hatte sich bei mir ähnliches eingestellt, hab dann einfach kurz pausiert (in meinem fall 2 Tage) und versucht das Gelenk zu schonen (leichte Bewegungs- und Entspannungsübungen).
Wie man dem vorbeugen könnte? Ich konzentriere mich seit dem noch mehr auf lockeres u. entspanntes Spiel.

Grüße
 
Viola

Viola

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Hatte mal mit 15 Jahren im rechten 5. Finger das Gelenk direkt hinter dem Nagel (keine Ahnung wie das heißt) entzündet, der Finger schwoll auf doppelte Dicke an. Ich übte Allegro Barbaro von Bela Bartok, viele Oktaven. Der linke Klenkes machte das gut mit, warum also der rechte nicht? Der Grund war eine falsche Handhaltung der RH, die ich im übrigen niemals korrigieren konnte, da bei der "richtigen" Handhaltung die Aufschlagfläche des 5. Fingers SOFORT schmerzte, da es das ungünstige Dreieck um Nagel, Nagelbett, Nagelhaut betraf. Die Schonhaltung ermöglichte mir vordergründig schmerzfreies Spiel, allerdings donnerte die Wucht der Kraft (ff) immer ins Gelenk und überdehnte dieses völlig, welches das durchaus eine Weile aushielt, aber eben nur eine Weile. Ich habs dann mit Bandagen wie bei Pferdengelenken probiert, das nützte aber nichts. Nur angemessenes Spiel hilft da, dann musste ich eben mehr im Kopf üben bzw alle Oktaven, die möglich sind, mit dem 4. Finger greifen, wenn ich das bei 50% mache, kann der Kleine den Rest schaffen...

Die LH ist bei mir um Millimeter anders gebaut und kann daher alles spielen.
 
K

koelnklavier

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Meinst Du das Gelenk vor dem Daumennagel? Vielleicht hat die Kapsel zu viele Anschläge und Stöße abbekommen (z.B. bei gestoßenen/gestochenen Oktavpassagen). Achte mal darauf, bei welchen Bewegungen das Gelenk schmerzt und ob Du den Schmerz genauer lokalisieren kannst.

Ich bin in dieser Hinsicht ein gebranntes "Kind" und deswegen sehr zurückhaltend beim Forcieren von großen Griffspannen, harten Akkordattacken und übertriebenen Daumenuntersätzen (bei stillstehendem Handgelenk). Denn es erscheint mir fraglich, daß unsere Gelenke für eine Lebensdauer von 80 Jahren ausgelegt sind. Deswegen behandelt sie pfleglich! ;)
 
Dimo

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Meinst Du das Gelenk vor dem Daumennagel? Vielleicht hat die Kapsel zu viele Anschläge und Stöße abbekommen (z.B. bei gestoßenen/gestochenen Oktavpassagen). Achte mal darauf, bei welchen Bewegungen das Gelenk schmerzt und ob Du den Schmerz genauer lokalisieren kannst.
Ja, das Gelenk vor dem Daumennagel. Der Schmerz sitzt sehr "tief" (weit drinnen, also nicht oberflächlich). Heute ist es allerdings schon etwas besser...
Ich vermute, die Schmerzen sind durch intensives Staccato-Üben entstanden, denn am Freitag habe ich ein neues Stück angefangen, in dem sehr viel Staccato vorkommt. Sonst habe ich eigentlich nichts anderes geübt als das Übliche...
 
Viola

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Schau einfach mal, ob Du mit einer anderen Hand- oder: Armhaltung die Reizung umgehen kannst. Solange die Schmerzen noch da sind, sagen sie Dir meistens, wodurch sie entstanden sind und zeigen Dir, wodurch sie entstanden sind, also nutze sie als Weg. Als nächstes frage Dich, ob es einen Grund gibt, warum Du die schmerzende Haltung einnimmst (siehe meine Beschreibung). Dann kannst Du checken, ob eine andere Haltung überhaupt möglich ist und mit der neuen Haltung weiter machen!

AL

Viola
 
violapiano

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schonen

Hallo Dimo,

vielleicht ist der Finger ja schon wieder besser (?), aus medizinischer Sicht und eigener schmerzhafter Erfahrung würde ich Dir dringend raten, eine kurze Schonfrist einzulegen, damit etwaige Entzündungen oder Überanstrengungsfolgen ausheilen können.
Der beste Fall wäre: es ist eine Prellung vom Staccatospielen. Wie Viola ja schon sehr gut beschrieben hat, lohnt es sich in einem solche Fall, genau zu eruieren, woher die Schmerzen kommen und was sie genau verursacht hat.

Was keinesfalls schaden kann, ist ein schönes Coolpack. Ist der Finger denn erwärmt? Sonst kann man auch mit Wärme versuchen, darauf einzuwirken. Das muss man probieren!

Ich wünsche Dir gute Besserung!
LG
violapiano
 
Dimo

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Danke für Eure Empfehlungen und die guten Wünsche.

Die Schmerzen sind besser, aber noch nicht weg. Ich habe mir jetzt eine totale Schonung der rechten Hand verordnet, nachdem reduziertes Spielen und "Staccato-Abstinenz" offenbar doch nicht ausreichend war.

Erstmal werde ich es jetzt mit links allein spielen probieren, sowie mit mentalem Üben.
 
violapiano

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Schonhaltung

Hallo Dimo, :)

sicher eine gute Entscheidung, wenn man trotzdem weitermacht, kann das Üben zu einer Schonhaltung führen, die andere Gelenke und Sehnen fehlbelastet, die Konsequenz sind Probleme dort.:(
Jeder kennt das, man verstaucht sich den Fuß, und hinterher tut das Knie weh oder die Hüfte.:confused:

Gute Besserung weiterhin, hast du schon mal Phlogenzym oder Wobenzym probiert? Das sind Enzyme, die helfen, die Entzündung, falls eine drin ist, abzubauen. Ich helfe mir, wenns schlimmer ist, gut mit Voltaren resinat, das hat die beste Rezeptur. Bei mir wirkt es am besten.

LG
und hoffentlich bald wieder schmerzfreies Gelenk

violapiano
 
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M

Meilenstein

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Hallo,
ja, das mit dem Daumen kann ein echtes Problem sein.
Beim recherchieren bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen, der genau dieses Thema behandelt:
www.dispokinesis-frankfurt.de/links.html
Vielleicht liegt es ja wirklich an der Technik?
alles Gute
 
Guendola

Guendola

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Du solltest mal auf deine Daumenhaltung beim Anschlag achten und wie es sich dabei anfühlt. Denn, wenn du den Daumen jetzt einfach schonst und danach wieder so weiter machst, wie bisher, wird es vermutlich wieder auftreten. Schmerzen, die durch Klavierspielen auftreten sind immer ein guter Anlaß, sich mal wieder um die Anschlagbewegungen zu kümmern, denn richtiges Klavierspielen tut nicht weh :)
 

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koelnklavier

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Mag sein, daß der Auslöser eine Fehlhaltung oder Überanstrengung beim Klavierspielen ist. Aber die Überlegung ist, ob die Ursache nicht doch woanders liegt. D.h. genau beobachten, was man mit dem Daumen sonst noch so anstellt, und vor allem schauen, wie man es anstellt. Das Klavierspielen beansprucht die Gelenke in den seltensten Fällen dermaßen, daß Schmerzen auftreten. Es kann aber durchaus sein, daß beim Klavierspielen (durch Handhaltung, partielle Ent- bzw. Anspannung der Muskulatur) Symptome sich bemerkbar machen. Ich rate in solchen Fällen immer zu einer speziell auf Hände ausgerichteten Physiotherapie (vulgo: Krankengymnastik). Die Schwierigkeit fängt aber schon damit an, entsprechend spezialisierte Physiotherapeuten zu finden ...
 
Guendola

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Kölnklavier, das sehe ich anders. Man kann einiges falsch machen, vor allem dann, wenn man einen gewissen Ehrgeiz hat. Deswegen halte ich auch nichts davon, jemanden zu beruhigen, wenn nicht eindeutig klar ist, daß er sich unnötig Gedanken macht. Es gibt reichlich Klavierspieler, die schon mal eine Sehnescheidenentzündung hatten und das liegt wohl in fast allen Fällen an einer falschen Technik.
 
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koelnklavier

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Deswegen halte ich auch nichts davon, jemanden zu beruhigen, wenn nicht eindeutig klar ist, daß er sich unnötig Gedanken macht.
Sorry, dann habe ich wohl meine Gedanken falsch formuliert. Ich wollte niemanden beruhigen, in Sicherheit wiegen o.ä. Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, daß man derartigen Schmerzen auf den Grund gehen sollte. Nur bin ich dafür, den Focus nicht ausschließlich auf das Klavierspielen zu beschränken, sondern auch sonstige Bewegungsabläufe und Aktivitäten mit einzubeziehen.

Deswegen halte ich auch wenig davon, "einfach mal kürzer zu treten". Das mag sinnvoll sein, um die akute Verletzung/Entzündung auszukurieren. Aber damit kommt man der Ursache nicht auf den Grund.

Ob der Klavierlehrer der geeignete Ansprechpartner ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Die wenigsten haben fundierte Ahnung von der physiologischen Seite des Klavierspiels (an den Hochschulen wird es ja nicht vermittelt) und sinnvolle Angebote zur Weiterbildung sind rar gesät. Deswegen auch mein Rat, sich dem Problem auch von der Seite der Physiotherapie zu nähern.

Und wenn alles nichts hilft, empfehle ich immer, Kontakt mit der Hochschule für Musik und Theater in Hannover aufzunehmen. Dort gibt es eine eigen Abteilung, die sich mit Musik und Medizin sowie mit berufsbezogenn Krankheitsbildern von Musikern beschäftigt:
 
violapiano

violapiano

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Hallo Dimo,

wie gehts dem Daumen?

LG
violapiano
 
Dimo

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Insgesamt würde ich sagen, etwas besser. Eigentlich kein richtiger Schmerz mehr, eher so ein komisches Gefühl. Letzten Donnerstag habe ich wieder einen Versuch gemacht, mit der rechten Hand zu spielen. Das ging eigentlich ganz gut, dann wurde es aber wieder etwas schlechter und daher habe ich mir jetzt wieder rechtshändige Schonung verordnet.

Weiss auch noch nicht so ganz, was ich davon halten soll...
 
violapiano

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na, dann wünsche ich weiterhin gute Besserung!

Ich denk, wenn Schmerzen, kommt man um Schonung nicht drum herum... alles Andere verzögert nur den Heilungsprozess.
Ärzte verschreiben auch manchmal eine Ultraschallbehandlung. Sehr abraten würde ich von Ruhigstellen und Schiene, weil das dazu führt, dass die Muskulatur zurückgeht, und das ist wirklich eine Katastrophe für den Arm, die Hand.
Meinen Tennisarm habe ich damals mit Cortison spritzen lassen, danach zwei Tage einen Tapeverband, dann kam der wieder runter und ich sollte vorsichtig wieder bewegen, ohne zu belasten. Und ausheilen lassen.
Gute Erfahrungen habe ich auch gemacht mit TENS, das ist eine Behandlung mit Reizstrom.

LG
violapiano
 
M

Meilenstein

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Meine Erfahrung ist folgende:
Selbst Musikerärzte (ich habe vor einigen Jahren den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin wegen Schmerzen in der Schulter konsultiert), stellen zwar ganz gute Diagnosen, aber die Behandlung bleibt konventionell: Ruhigstellen, nicht spielen - in meinem Fall sollten das drei Monate sein- Spritzen, Physiotherapie, Krankengymnastik.
Für meine Spieltechnik, bzw. Haltung, die letztlich Ursache des Dilemmas war, hat sich keiner interessiert.
Schön, wenn eine Überlastung ausheilt oder weggespritzt wird, aber ohne Ursachenklärung und Beseitigung kommt es über kurz oder lang zurück. Während meines Studiums hieß es immer: ojeh, Sehnenscheidenentzündung, damit kannst du aufhören das kommt immer wieder! Klar, wenn man danach genauso weitermacht.
Sowohl aus eigener Erfahrung als auch der von Kollegen ist die allererste Adresse in Deutschland bei Schmerzen etc. von Musikern die von G.O. van de Klashorst in Mülheim an der Ruhr.
Einem Freund von mir wurde von Altenmüller/Hannover die Diagnose Fokale Dystonie gestellt, das Aus für jeden Pianisten.
Herr van de Klashorst stellte fest, dass zwar die Symptome einer Dystonie vorlagen , diese aber noch nicht weit fortgeschritten und noch nicht endgültig ausgebildet war, also noch etwas zu machen ist. Mein Freund kann wieder spielen, allerdings war er zwei Jahre bei van de Klashorst in Behandlung.
Das zum Thema Schulmedizin- ich habe jedenfalls kein sehr großes Vertrauen mehr...
 
violapiano

violapiano

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wie geht's dem Daumen jetzt, ich hoffe, er hat sich gut erholt???

LG
violapiano
 
Haydnspaß

Haydnspaß

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Während meines Studiums hieß es immer: ojeh, Sehnenscheidenentzündung, damit kannst du aufhören das kommt immer wieder! Klar, wenn man danach genauso weitermacht.
Absolut richtig!

Was die Ärzte betrifft - die können eben nur versuchen, die Schäden zu beheben oder zu lindern, die durch eine physiologisch falsche Technik angerichtet werden. Ich denke, die Kritik müßte sich vielmehr an die Ausbildung an der Musikhochschule richten. Dort entschiedet sich, wie die Leute letztendlich üben und spielen, und vor allem, wie die Instrumental-Lehrer unterrichten. Es wird an der Hochschule sehr viel über Lockerheit geredet - allerdings ziemlich diffus und ohne eine konkrete Vorstellung davon, wo die Verkrampfungen eigentlich herkommen.

Ich erinnere mich an ein Interview mit Svj.Richter, wo er von einem Konzert erzählt hat mit einem sehr schwergängigen Flügel. Er habe solche Angst vor diesem Konzert gehabt, weil er nicht wußte, wie er die Tasten runterdrücken soll. Wie gesagt, Svjatoslav Richter!!!

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Und die Ärzte haben immer genug zu tun.
 
 

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