Satzfehler in Bach's Schlüsselchoral?

Dieses Thema im Forum "Theorie, Arrangement & Komposition" wurde erstellt von Mindenblues, 6. Juni 2008.

  1. Hans-Jörg Rechtsteiner
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  2. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Habe mir den Choral "Bin ich gleich von dir gewichen" angeschaut: Tatsächlich findet sich in T. 4 eine Quintparallele zwischen Sopran und Tenor. Mich stört sie allerdings nicht, und ich hätte sie auch nicht bemerkt ohne den ausdrücklichen Hinweis, für den ich mich bedanke. Ich gehe davon aus, daß Bach diese Parallele nicht aus Versehen unterlaufen ist, sondern er sie als unbedenklich angesehen hat. In diesem Fall zB handelt es sich um eine unbetonte Durchgangsnote, die den Regelverstoß verursacht. Ich nehme den Fall als Unterrichtseinheit des Lehreres Bach, für die ich dankbar bin und die meine Hochachtung vor seiner Kompositionskunst steigert.

    Nun gibt es ja sogar aus Bachs Schülerkreis "verbesserte" Varianten von Choralsätzen des Meisters, in denen satztechnische Kühnheiten beseitigt sind mit der Absicht, das Material für den Kompositionsunterricht tauglich zu machen. Bach wäre sicher erzürnt gewesen über diesen Eingriff, denn oft haben satztechnische Kühnheiten in seiner Musik rhetorische Qualität und dienen damit der musikalischen Textauslegung. (Anmerkung: in dem besprochenen Choral sehe ich die Quintparallele nicht als rhetorisch bedingt - das wäre überinterpretiert, und vor Überinterpretation muß man warnen, denn man schüttet das Kind mit dem Bade aus).

    Bach selbst hat ja an seinen Werken immer wieder geändert, und solche Änderungen beleuchten manchmal auch satztechnische Probleme. Aus dem Gedächnis führe ich den Fall der c-moll-Partita BWV 826, Andante der Sinfonia, an, wo Bach im Nachhinein die Dissonanz A-b" auf der Eins von T. 21 durch eine abgemilderte Version "entschärft" hat. Ich bin froh, daß meine Henle-Ausgabe noch den Text ante correcturam bringt, da ich beim Spiel diese betonte Dissonanz stets als besonders schön und ausdrucksvoll empfunden habe. NBA hat die abgemilderte Lesart post correcturam, was philologisch nicht angreifbar ist, musikalisch aber eine Verarmung bedeutet, jedenfalls aus meiner Sicht.
     
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  3. kitium
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    Bezüglich der 2. Partita:
    Die Dissonanz ist, wenn man das Werk Bachs insgesamt betrachtet, nicht regelwidrig genug, um ohne weiteren Grund entschärft zu werden. Ich persönlich halte das B für einen Druckfehler, nicht wegen der Dissonanz, sondern wegen des weiteren Verlaufs der Stimme. Die absteigende Linie C-B-A über 3 Viertel scheint mir logisch und wichtig zu sein; dass so kurz nach der markanten Dissonanz das B wieder in einer anderen Funktion vorkommt, finde ich melodisch unglücklich. Man kann das B durchaus so spielen, dass es zu einem "richtigen" Ton wird. Dennoch ziehe ich die Fassung mit C vor.

    Gibt es eine andere Quelle als die 1. Auflage des Erstdrucks, in der das B vorhanden ist? In der nächsten Druckfassung (1731, wenn ich mich richtig erinnere) ist es schon durch C ersetzt worden.

    --

    Übrigens – ein Beispiel, die ich persönlich zutreffender finde, wäre der Basseinsatz in der 1. Fuge des WTK, dessen Rhythmus geändert wurde (ich kenne die Taktzahl nicht, aber dies müsste eindeutig sein). Da finde ich die ursprüngliche Fassung mit dem echten Rhythmus des Themas besser als die kontrapunktisch geglättete aber rhythmisch "gequetschte" spätere Fassung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Dez. 2017
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  4. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Nochmal zur Partita c-moll:

    Vielen Dank für Deine interessante Stellungnahme, kitium! Wenn ich mich recht erinnere, handelt sich sich bei der von uns betrachteten Korrektur um eine handschriftliche Eintragung in Bachs Handexemplar des Drucks. Ich kann das aber im Moment nicht verifizieren, da ich den krit. Bericht der NBA nicht einsehen kann. Vielleicht gibt es aber auch nur eine Abschrift dieses Handexemplars, was zu prüfen bleibt. Diese wäre dann die Abschrift Penzel, denn sie bringt als einzige der von mir eingesehenen Digitalisate auf "Bach digital" die Lesart c'''. Auf jeden Fall bringt der Originaldruck auch in der Sammelpublikation von 1731 unverändert die alte Lesart b''.

    Nun, diese Befunde lassen m.E. mit großer Wahrscheinlichkeit den Schluß zu, daß b'' kein Druckfehler ist, sondern schlicht die ursprüngliche Lesart, die zwar etwas kühn, aber bei Bach keineswegs singulär ist, wie Du schon zutreffend festgestellt hast.

    Bleibt die Frage: was ist denn nun besser? Ich habe gerade beide Versionen gespielt. Und da gebe ich zu, daß man sich auch mit der späteren Lesart c''' anfreunden kann, denn fraglos hat auch die von Dir angeführte Änderung der melodischen Linie einiges für sich, zumal c''' in diesem Andante der Spitzenton ist, der an dieser exponierten Stelle stehend eine ähnliche Emphase für sich beanspruchen kann wie die Nonendissonanz. Ich gebe andererseits zu bedenken, daß gerade in dem Andante das ostinate Beharren auf denselben Töne bzw. Tonfolgen zu den kompositorischen Charakteristika dieses Satzes gehört, so daß ich die Wiederholung des b'' bereits in der 2. Zählzeit von T. 21 in anderer harmonischer Beleuchtung als ganz natürlich empfinde. Alles in allem sehe ich schon: der Nonendissonanz bin ich hoffnungslos verfallen, vielleicht, weil sie mir einfach schon zu vertraut ist. Zum Glück habe ich nicht vor, diese Partita selbst zu edieren. Ich hätte sonst schlaflose Nächte :)
     
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  5. kitium
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    Die verschiedenen Unterlagen habe ich leider auch momentan nicht bei mir. Ich habe gerade von IMSLP die angebliche Version von 1731 (obwohl mit dem Dateinamen 1732 versehen) heruntergeladen. Da steht C ohne Korrektur. Ich habe allerdings nicht in der Erinnerung, dass das Schriftbild dieser Publikation so uneinheitlich war... ist die IMSLP-Datei vielleicht eine Zusammensetzung mehrerer Auflagen?
     
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  6. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Zur Fuge C-dur Wtk I: Es gibt eine Frühfassung der Fuge, in der die beiden 32tel des Themas noch 16tel sind und das vorangehende Achtel dementsprechend nicht punktiert ist. Es gibt in dieser Fuge eine ganze Reihe von Korrekturen, die teils mit dieser ryhthmischen Änderung, teils mit anderen Gesichtspunkten zusammenhängen. Man müßte das anhand des krit. Berichts der NBA studieren, denn die Lage ist kompliziert. Ich habe allerdings keinen besonders auffälligen Baßeinsatz des Themas gefunden. Das einzige, was mir auffiel, ist die harmlose Verlängerung des 1. Thematons zur Viertelnote in T. 17.

    Bereits die alte BG aus dem 19. Jahrhundert bespricht Lesartenunterschiede, und die sind auf IMSLP einzusehen unter:
    http://hz.imslp.info/files/imglnks/usimg/6/6c/IMSLP02230-BGA14_Anhang,_Book1_Nos1-12.pdf
     
  7. kitium
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    Die Lage ist, wie Du sagst, kompliziert, aber man kann in dieser Hinsicht* immerhin von einer Hauptversion sprechen, wo der Rhythmus des Themas q qq q.dd qq lautet. In der letzten Phase (Henle nennt sie "Phase 4", ich kann mich nicht erinnern wie NBA die Quellenlage schildert) wurde der Rhythmus des Basseinsatzes im Takt 15 in q qq c- sddss geändert.

    * Da wo viele uneindeutige Entscheidungen zu treffen sind ist bei den "Satzfehlern" hinsichtlich der Stimmführung.
     
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  8. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Nochmal zur c-moll-Partita: Der Originaldruck in der Sammelversion ist bei IMSLP unter #281777 verfügbar. Andere Exemplare des Originaldrucks, auch die Einzelversion, habe ich dort nicht gefunden. Und das vorhandene Exemplar hat eindeutig b'' und nicht c'''.

    Übrigens sollte jedes Exemplar des Originaldrucks mit Standort und Bibliothekssignatur eindeutig identifizierbar sein, da ja möglicherweise handschriftliche Änderungen enthalten sind. Ich kenne das Problem vom Originaldruck der Kunst der Fuge, mit deren Quellensituation ich sehr genau vertraut bin. Dort, bei der Kunst der Fuge, gibt es übrigens auch 2 Auflagen des Originaldrucks, die hinsichtlich des Notentextes vollkommen identisch sind. Lesartenunterschiede sind also immer das Ergebnis einer handschriftlichen Korrektur einzelner Druckexemplare. An den Druckplatten selbst wurde der Notentext vor der 2. Auflage jedenfalls nicht mehr geändert. Mehrere Herausgeber haben das nicht bemerkt, weil sie vielleicht nur ein Druckexemplar benutzt hatten. Heute kann man sogar mehrere Druckexemplare digital einsehen, und das ist ein toller Fortschritt!
     
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  9. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Zur C-dur-Fuge: Ich mußte jetzt ins Autograph auf "Bach digital" schauen, wo tatsächlich die von Dir beschriebene Korrektur zu finden ist, die als Glättung der harmonisch angreifbaren älteren Lesart zu deuten ist. In den Ausgaben, die ich zuvor konsultiert hatte, findet sie sich aber nicht, und auch nicht in meiner schon älteren Henle-Ausgabe. Die früheren Herausgeber haben also an der rhythmischen Korrektur mehr Anstoß genommen als an der Harmonik der älteren Fassung. Tatsächlich sehr interessant diese Stelle!
     
  10. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Daß der Notentext der C-dur-Fuge 4 Phasen durchlaufen hat, kommt mir auch bekannt vor. Ich denke, meine Quelle ist das Buch von Alfred Dürr über das Wtk, ein Buch, das Du vielleicht auch kennst und das ich empfehlen kann.
     
  11. kitium
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    #281777, #281778, #73879, #76512, #395118 gibt es auf IMSLP.

    #76512 hat C. (vielleicht andere auch, habe ich nicht geprüft)

    "Dein" Exemplar (Danke, dass Du mich darauf aufmerksam gemacht hast!) hat übrigens ein paar Töne später C anstatt B. Der Fehler (ich nehme an, darauf können wir uns einigen!) ist mir neu.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Dez. 2017
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  12. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Danke für die Info, sehr wichtiger Befund! Ich habe jetzt nur dieses von Dir benannte Exemplar auf IMSLP geprüft, und was sehen wir: das c''' ist durch handschriftliche Ergänzung einer 2. Hilfslinie, die in dem anderen Exemplar nicht vorhanden ist, aus dem b'' entstanden! Daher gibt es in verschiedenen Exemplaren derselben Ausgabe verschiedene Befunde.

    Und ein paar Töne später liest "mein" Exemplar #281777 tatsächlich den 9. Ton c''' anstatt b'', und auch dies ist offensichtlich eine handschriftliche Korrektur, aber an der falschen Stelle. Sehr witzig. Gut, es müssen die anderen Exemplare noch geprüft werden. Wenn sich herausstellt, daß auch sie den 1. Ton als c''' lesen, dann ist daraus auf eine systematische handschriftliche Korrektur der Zweitauflage zu schließen. Und ich werde auch den krit. Bericht konsultieren, sobald sich die Gelegenheit bietet. Dort wird von handschriftlichen Korrekturen der Zweitauflage berichtet werden, denke ich jetzt; ich habe ihn nämlich vor langer Zeit schon mal gelesen, aber die Sache nicht mehr genau in Erinnerung. Ich habe aber damals weitere Korrekturen in ein meigenes Henle-Exemplar der 6 Partiten eingetragen, nur eben das c''' nicht, weil ich mit Bachs Korrektur, deren Echtheit ich ja nicht in Frage stelle, nicht einverstanden war. Gut, und mit seiner Korrektur von T. 15 der C-dur-Fuge sind eben auch viele alles andere als glücklich... Wenn ich den Sachverhalt mit den Partiten im krit. Bericht nachgeschaut habe, werde ich hier berichten.
     
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  13. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Teufel nochmal: mir kam gerade der Gedanke, kitium, Du könntest doch recht haben mit Deiner Ansicht, das b'' sei ein Druckfehler. Das stimmt wahrscheinlich. Das Exemplar #281777 zeigt nämlich, daß der Kopf der 1. Note weit entfernt ist von der 1. Hilfslinie - im Gegensatz zu den "echten" b''-Noten, die immer direkt auf der Hilfslinie sitzen. Das spricht für ein Druckversehen, nämlich daß der Stecher die 2. Hilfslinie einfach vergessen hat, nachdem er die Note schon gestochen hatte. Und noch etwas: ich habe gerade eben fälschlich gesagt, die 9. Note sei im Exemplar #281777 in c''' handschriftlich geändert worden. Das ist falsch! In Wirklichkeit ist c''' für die 9. Note die Druckversion, die in #281777 unkorrigiert geblieben ist, im Exemplar #76512 dagegen handschriftlich in b'' korrigiert ist.

    Das ist wirklich klasse, und ich gratuliere Dir zur richtigen Deutung. Ich werde mich von der None in T. 21 verabschieden müssen, so schwer es mir fällt :) Dies entspricht jedenfalls meinem jetzigen Stand der Erkenntnis.
     
  14. mick
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    Ich finde ich die Stelle auch unschön und sehr störend. Ich denke allerdings, dass die Quinten einfach zu vermeiden gewesen wären - Bach hätte im Diskant einfach zwei Viertel h' statt punktierte h' mit Achtel a' notieren müssen. Hat er aber nicht. Ich habe eine ganz andere Vermutung: Im Barock hat man Punktierungen nicht mathematisch exakt verstanden, sondern eher als eine Art von Verzierung. Noch Quantz hat ja geschrieben, dass man die Zeit der kurzen Note nach dem Punkt nicht exakt bestimmen kann. Deshalb ist für mich die naheliegenste Lösung, die Antizipation (das Achtel a') später zu singen/spielen, so dass es erst unmittelbar vor der folgenden Eins, aber auf jeden Fall nach dem d' im Tenor erklingt. Dann vermeidet man die hässliche Parallele und belebt die Stelle außerdem rhythmisch. In späteren Zeiten hätte man das vielleicht als Doppelpunktierung notiert, aber die kannte Bach noch nicht.

    Mag sein, dass das eine steile These ist, aber ich würde das tatsächlich so spielen lassen. Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass Bach die Parallele auch gestört hätte. Und mir keine Stelle bekannt ist, an der er solche Parallelen ohne Punktierung notiert hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Dez. 2017
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  15. mick
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    mick

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    Wie steht ihr eigentlich zu den satztechnischen Fehlern/Merkwürdigkeiten im Prélude der 3. Englischen Suite (g-Moll)? Die stören mich tatsächlich so sehr, dass ich das Stück nicht spielen mag.
     
  16. Pedall
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    Ich fange halt gleich mit der Allemande an und freue mich auf Takt 10/11...
     
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  17. Hans-Jörg Rechtsteiner
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    Hans-Jörg Rechtsteiner

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    Gut, ich sehe da eine glasklare Oktavparallele! Interessant ist die ganze Stelle ab T. 9, der eine vollständige Kadenz nach d-moll bringt samt herrlichem Subdominant-Quintsextakkord auf dem 6. Taktachtel. Dann schockiert Bach aber den Spieler/Hörer mit dem fis zu Beginn von T. 10, das schon super falsch anmutet, weil f erwartet wird. Bachs schwache Rechtfertigung: aber ich will doch in Dur schließen und nicht in moll! überzeugt ihn selbst auch nicht, also behandelt er die Stelle als Trugschluß und komponiert weiter, aber nicht besser, sondern noch schlimmer: Ein wahrer Höllensturz ereignet sich in T. 10/11 - allerdings unter einer kompositorischen Idee: Baß geht stufenweise abwärts und das mit cis beginnende Motiv der Oberstimme aus der 2. Hälfte von T. 9 wird zunächst als Unterquintsequenz noch 2x wiederholt. Doch anstatt die 3. Wiederholung des Motivs zu Beginn von T. 11 auf e zu starten, startet er auf cis, schließlich will er im nächsten Takt fertig werden! Die dadurch entstehende Oktavparallele nimmt der Bursche tollkühn in Kauf: wird schon keiner merken!
     
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  18. kitium
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    kitium

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    Ich habe jetzt in den anderen Exemplaren nachgeschaut:

    #281778, #395118 - B, C, keine Spur einer Korrektur.
    #73879 - C, B, beides offensichtlich handschriftlich

    Die Fassung B, C müsste die ursprüngliche Druckversion sein.

    Dies scheint also nicht der Fall zu sein.

    Die Frage ist: woher haben #76512 und #73879 ihre Korrekturen? Kann es sein, dass das C nur eine persönliche Vermutung seitens der Besitzer dieser Exemplare gewesen ist (unterstützt durch die etwas zu hohe Position des gestochenen Notenkopfs und auch durch, wie ich meine, musikalische Gründe)?

    Philologisch gesehen hängt jetzt die Echtheit der Korrekturen mit der Geschichte der obengenannten Exemplare zusammen. Leider ist darüber auf IMSLP nichts zu finden. Was sagt die NBA dazu?
     
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  19. kitium
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    kitium

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    Gefühlt Ähnliches gibt es viel in seinen Transkriptionen "nach italienischen Meistern".

    -
    Ein anderer Gedanke: solche Satzfehler sind typisch für improvisierte Continuo-Ausführungen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Dez. 2017
  20. Gaston
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    Gaston

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    zu BWV 808, Allemande:

    Die Ausgabe von Wiener Urtext, herausgegeben von Walter Dehnhard, hat übrigens genau diese Lösung gewählt: Der Tenor in T. 11 ist e-f#-g ...
     
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