Bach Italienisches Konzert 1. Satz

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Beaufort

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Liebe Freunde,
Nach dem Studium von Präludium und Fuge BWV 881 (mäßiger Erfolg) hat mir mein KL vorgeschlagen, mich mit dem Italienischen Konzert zu beschäftigen. Ich habe nach dem Notendownload sofort festgestellt, das dieses Stück eine ganz andere Hausnummer ist. Eigentlich überfordert es meine technischen Möglichkeiten in meinem Alter. Das Wesentliche aber ist daran, dass man mit diesem Stück noch einmal eine ganz andere Herangehensweise an Bach bekommt. Schon in den ersten Takten muss man eine ganz klare Ansage treffen.
Ich habe mir bei YouTube einen zweistündigen Lehrbeitrag über diesen ersten Satz angeschaut und war begeistert. Was ich nicht verstehe, war sein ständiges Wiederholen von 2341 (wohl ein Muster). Meine Frage: Gilt das auch für die linke Hand bei den Takten 2, 3 und 4? Vielleicht könnte mir jemand sagen, wie ich an diese Herausforderung herangehen soll.

Vielen Dank für Eure Mithilfe
 
cwtoons

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Diesen Youtubefilm könntest Du ja 'mal hier verlinken , interessiert mich sehr.

Das Italienische Konzert ist durchaus anspruchsvoll, aber kein technischer Kracher. Einen Fehler darf man nicht machen, nämlich zu früh schnell oder sogar zu schnell zu werden. Der dritte Satz klingt auch perfekt, wenn man nicht versucht, das Gouldsche Tempo anzuschlagen - weil er eine musikalisch perfekte Komposition ist.

Bach war halt ein Genie und dieses Stück ist eines seiner vielen Geniestreiche.

CW
 
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mick

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Das Wesentliche aber ist daran, dass man mit diesem Stück noch einmal eine ganz andere Herangehensweise an Bach bekommt.
Allerdings eine sehr untypische. Diese Vorgehensweise, den Typus eines italienischen Concerto grosso auf das Klavier zu übertragen, ist eine absolute Ausnahme in Bachs Klaviermusik. In Ansätzen gibt es das noch - kurioserweise - im Echo der Französischen Ouvertüre, aber das war es dann auch im Wesentlichen.


Was mit
gemeint ist, erschließt sich mir nicht.

EDIT: Das Video habe ich nach den ersten paar Takten ausgeschaltet. So, wie der spielt, will ich gar nicht wissen, was er erzählt...
 
cwtoons

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Ich stimme Mick zu. Selbst wenn ich dieses pianistische Können hätte, wollte ich das nicht so "aufgesetzt" spielen. Da versucht jemand, Ausdrücke zu erzielen, die ich zumindestens übertrieben finde. Das Italienische Konzert ist kein Showstück. Es sei denn, man heißt LL oder Liberace.

Ich hab' das immer mit dem Fingersatz gespielt, der mir am besten passte. Beim Einüben ist dieses Stück wie jedes andere: ich muss sehen, wie ich es möglichst gut hinkriege.

CW
 
Beaufort

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Hallo zusammen,
vielen Dank. Aus diesem Licht habe ich den YouTube Beitrag noch nicht beleuchtet. Trotz teils übertriebener Spielereien, sehe ich aber einen guten didaktischen Ansatz, um sich mit dem Stück vertraut zu machen. Mick sagt völlig zu Recht, dass dieses Stück einem italienischen Concerto grosso nach empfunden ist, d.h. tutti und Soloeinsätze. Ich stimme im übrigen völlig mit cwtoons überein, daß man sehen muss, wie man es möglichst gut hinbekommt.
 
kitium

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Ich kann empfehlen, sich mit den Konzerten "nach verschiedenen Meistern" (BWV972 et seqq.) vertraut zu machen. Wie schon oben erwähnt, dürfte man das It. Konzert für stilistisch untypisch halten. Anhand dieser Transkriptionen sieht man deutlicher, wie Bach selber den Stil auffasste.
 
M

Monte

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Allerdings eine sehr untypische. Diese Vorgehensweise, den Typus eines italienischen Concerto grosso auf das Klavier zu übertragen, ist eine absolute Ausnahme in Bachs Klaviermusik. In Ansätzen gibt es das noch - kurioserweise - im Echo der Französischen Ouvertüre, aber das war es dann auch im Wesentlichen.
Neben den bereits erwähnten Concerti nach verschiedenen Meistern benutzt Bach diesen Stil durchaus auch in anderen Clavierwerken, z.b. in einigen Préludes der englischen Suiten. Nicht zu vergessen auch die zahlreichen Cembalokonzerte.
 
Beaufort

Beaufort

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Herzlichen Dank für den Tipp. Die Transcriptionen ab BWV 972 sind einfach hinreißend. Dabei habe ich das Adagio BWV 974 (Oboenkonzert von Marcello) wieder entdeckt. Ich hatte es völlig aus den Augen verloren. Trotzdem meine ich, um auf das Thema zurück zu kommen, dass das Italienische Konzert etwas ganz besonderes und eigenständiges ist.
 
L

Liszt&Tücke

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Es gibt auf YouTube eine schreckiche Aufführung von Lang Lang mit diesem Konzert... da kann man sehen, wie man es NICHT spielen sollte.

Ansonsten gilt bei dem Stück: Es imitiert den Sound eines Orchesters, das sollte man beim Spielen schon raushöhren und entsprechend berücksichtigen.
 
Beaufort

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Hallo Liszt & Tücke,
diesem Komentar stimme ich aus vollem Herzen zu. Das merkt man besonders, wenn man selbst mit dem Stück beschäftigt ist. Ich bin noch beim 1. Satz und komme nur sehr mühsam voran. Ich bin mit cwtoons sehr einverstanden, wenn er sagt, man soll es langsam angehen lassen. Ich arbeite übrigens mit der Ausgabe von Mortimer Wilson (The University Society Inc), weil sie nicht nur mit Fingersatz, sondern auch mit ausführlichen Hinweisen zur Dynamik ausgestattet ist. Die Henle Ausgabe habe ich gleich weg gelegt. Noch einmal gesagt: Das Italienische Konzert ist einfach genial!
 

L

Liszt&Tücke

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Woran liegt es, dass du so mühsam vorankommst? Technisch ist das Stück verhältnismäßig einfach, auch mit Polyphonie ist da nicht so krass viel los.

Hier ist eine Interpretation, die mir sehr gut gefällt:
View: https://www.youtube.com/watch?v=Mor973ZDGcU


Der Pianist spielt das Stück mit einer gewissen Ruhe und Eleganz, teilweise sind mir die Interpretationen anderer Pianisten zu hektisch.
 
Beaufort

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Ich habe es mir gerade angehört. Du sprichst mir aus der Seele. Genauso sollte es klingen und ich weiß jetzt auch, dass ich auf dem richtigen Weg bin, zusammen mit meinem KL. Ich bin schließlich 71, da dauert alles länger. Wenn ich nicht 50 Jahre verschwendet hätte (das ist übrigens ungerecht), und nur eine Stunde pro Tag ernsthaft geübt hätte, wäre das Stück kein Problem für mich. Seit 2 Jahren ist das Klavierspiel zu einem großen Inhalt meines verbleibenden Lebens geworden.
 
Beaufort

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Ich nehme an, Du beziehst Dich auf LL. Für mich ist das Imponiergehabe und Teil des heutigen Showbiz, wirklich völlig deplaziert
 
L

Liszt&Tücke

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Man kann sich beim Spielen vorstellen, dass das Stück gerade vom Orchester gespielt wird. Mir hat das immer bei der Artikulation geholfen, mir die Streicher, Holzbläser etc. vorzustellen.
 
mick

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Man kann sich beim Spielen vorstellen, dass das Stück gerade vom Orchester gespielt wird. Mir hat das immer bei der Artikulation geholfen, mir die Streicher, Holzbläser etc. vorzustellen.
Nun ist aber die Instrumentation im Barock zum einen noch keine wesentliche Eigenschaft eines Werkes (viele Werke wurden je nach lokalen Gegebenheiten mit wechselndem Instrumentarium aufgeführt, ohne dass es ihrer Substanz geschadet hätte), zum anderen bezieht sich Bach ja stilistisch auf den italienischen Typus eines Concerto grosso - das heißt, es handelt sich um auf das Cembalo übertragene Violinmusik. Holzbläser (genauer: Oboen) haben da - wenn überhaupt - nur als Verstärkung der Ripieno-Violinen etwas verloren.

Auch viele Präludien aus dem WTK sind voller typischer Violinfiguren, ebenso Sätze aus den Suiten und Partiten. Insofern sehe ich, was die Klanggestaltung angeht, keinen grundsätzlichen Unterschied zu anderen Werken Bachs. Sich bei der Artikulation und der Phrasierung an den üblichen Stricharten der Violine zu orientieren, ist fast nie falsch, wenn man Bach auf dem Klavier spielt.
 
kitium

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Sich bei der Artikulation und der Phrasierung an den üblichen Stricharten der Violine zu orientieren, ist fast nie falsch, wenn man Bach auf dem Klavier spielt.
Besonders typisch bei allen Bach-Werken (nicht nur denen für Streichinstrumente) ist die Artikulation 1 Note mit Punkt + 3 Noten unter einem Bogen. Das, was zB Cellisten bei den Cello-Suiten tun, um damit zurecht zu kommen, kann für uns Klavierspieler ein Beispiel sein.
 
 

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