Reha für Musiker

Stilblüte

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Hallo und frohe Weihnachten!

Ich habe eine eher unfrohe Frage: Ein mir nahestehender Mensch, der ebenfalls Musiker ist, hat gerade eine OP an der Halswirbelsäule hinter sich, da er dort einen sehr starken Bandscheibenvorfall hatte und auch schon beginnende Ausfallerscheinungen in Armen und Beinen (Kribbeln / Schmerzen, Bewegungen funktionieren aber zum Glück alle noch).
Nach der OP steht bald eine Reha an. Meine Frage ist, ob jemand Erfahrungen oder Wissen hat, ob irgendwo in Deutschland eine Reha angeboten wird, in der Musiker besonders gut behandelt werden im doppelten Sinne. Das heißt, dass man sich da evtl. mit der Hypersensibilität und den besonderen motorischen Anforderungen und Belastungen von Musikern auskennt und nicht sagt "ach, der kann noch laufen und schreiben, was will der eigentlich hier?". Eine solche Erfahrung hat die Person nämlich vor der OP gemacht mit dem Effekt, dass die früh wahrgenommenen Ausfallerscheinungen fehldiagnostiziert wurden und damit die OP erst später durchgeführt wurde.

Vielleicht ist eine solche Sammlung hier eh ganz nützlich? Soweit ich gesehen habe, wird im Musikerzentrum Hannover keine Reha angeboten.

beste Grüße, Stilblüte

PS - Ich bin's wirklich nicht selbst, keine Sorge.
 
H

Hoagy

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Frisch HWS-operiert ist innerhalb der ersten 6 Wochen eine stationäre Reha-Massnahme prinzipiell nicht zu empfehlen, egal wo.
Eine ambulante Nachbehandlung, in erster Linie die ausreichend hoch dosierte Schmerzmitteltherapie, kombiniert mit entzündungshemmenden Mitteln, ist unbedingt vorzuziehen.
Die oben genannten Kliniken wie auch andere Musiker-Spezialagebote sind prinzipiell mit grosser Vorsicht zu behandeln. Häufig sind es reine Marketing-Angebote ohne dass vor Ort das angepriesene Programm überhaupt vorgehalten wird. Eine "echte" stationäre Musiker-Reha hat durchaus ihren Wert, aber nicht für frisch wirbelsäulenoperierte Patienten, sondern für diejenigen, die chronische Schmerzprobleme haben, die der Fachmann meistens auf eine physische und psychische Fehlhaltung und bzw. oder Überlastung zurückführen kann. Eine qualifizierte Beratung und Anleitung in diesen Bereichen kann schon einiges bewirken.
 
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thinman

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Klavier spielen, allgemein langes Sitzen nach der OP ist kein guter Weg. Erst mal abwarten und kleine Schritte in die Normalität vorziehen, auch wenns schwer fällt.
 
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Klavier spielen, allgemein langes Sitzen nach der OP ist kein guter Weg. Erst mal abwarten und kleine Schritte in die Normalität vorziehen, auch wenns schwer fällt.
Ja, das leuchtet natürlich ein. Aber man muss ja auch lernen, wie ein gesundes Verhalten, Bewegungen und Haltung aussieht, denn das hat man ja möglicherweise verlernt. Ich habe bereits Feldenkrais empfohlen, aber das allein reicht bestimmt nicht aus.
 
thinman

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Ja, das leuchtet natürlich ein. Aber man muss ja auch lernen, wie ein gesundes Verhalten, Bewegungen und Haltung aussieht, denn das hat man ja möglicherweise verlernt. Ich habe bereits Feldenkrais empfohlen, aber das allein reicht bestimmt nicht aus.
das Erlernen von Haltung und Bewegung kommt noch früh genug. Warum einen möglicherweise bleibenden Schaden provozieren? Was nutzt es Dir, gleich wieder Klavier spielen zu können, aber chronische Kopfschmerzen erdulden zu müssen?!
 
Stilblüte

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Das verstehe ich jetzt nicht. Bitte mal genauer erklären. Wie soll man das lernen, woher soll ein Schaden kommen oder Kopfschmerzen, gar chronische, und warum soll da auch noch eine Reha schuld sein?
 
thinman

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der Mensch besitzt ein Schmerzgedächtnis. Sollte man z.B. durch zu frühe Belastungen einen Schmerzreiz setzen, so kann dies zu einem Dauerschmerz werden.
Gerade im Hals-Nackenbereich verlaufen viele Nerven, die auch mit dem zentralen Nervensystem in Verbindung stehen. Durch die OP können Narbenzüge entstehen oder andere Nervreizungen, die sich über Schmerzen bemerkbar machen. Auch die Hirnhäute (z.B. die dura mater) reagieren oft sehr empfindlich auf Reizungen und antworten u.U. mit einem chronischen Kopfschmerz. Gerade die dura ist sehr schmerzempfindlich. Mancher wird sich jetzt fragen: Aber im Halsbereich gibts doch gar kein Hirn mehr? Völlig richtig, Kein Gehirn, aber die Hirnhäute setzen sich nach unten fort und umgeben den Rückenmarkskanal bis zum Steißbein.
Dass die Hirnhäute weiter laufen zeigt sich z.B. bei einer Meningitis, also bei einer Entzündung der Hirnhäute. Ein Kardinalsymptom dieser oft sehr ernsten Erkrankung ist die Nackensteifigkeit. Dem Patienten ist es nicht bzw. nur unter größten Schmerzen möglich, das Kinn zur Brust abzusenken. Viele Patienten, die diese Erkrankungen durchgemacht haben, klagen ihr Leben lang über Kopfschmerzen. Ursache kann z.B. eine zu frühe Belastung der HWS sein.
 
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Stilblüte

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Danke @thinman ! Was ich aber (noch) nicht verstehe: Wie steht das alles im Zusammenhang mit einer Reha, die man deshalb nicht machen sollte? Die Reha ist auch etwas später angesetzt, so nach zwei, drei Wochen.
Man sollte doch meinen, die Leute dort sind vom Fach und sollten genau wissen, was gut, richtig und wichtig ist und was man unterlassen sollte.

Oder?...:schweigen:
 
H

Hoagy

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Das ist so zu sehen: Nach einer WS-Bandscheiben-OP hat man es quasi mit einer frisch verletzten Wirbelsäule zu tun. Die betr. Bandscheibe hat ein nicht verheiltes Loch. Wenn sofort mit Bewegungs- und Dehnungsübungen begonnen wird, kann möglicherweise nochmals Bandscheibengewebe aus dem Inneren herausquellen, also ein neuer Bandscheibenvorfall entstehen. Die Fachleute in der Klinik behandeln diese Patienten, weil sie zugewiesen werden. Abweisen kann man sie nicht. Das würde die Belegung gefährden. Ausserdem ist das Problem zur Zeit nur älteren Behandlern bekannt, die schon das eine oder andere Rezidiv (= Zweit-Vorfall) beobachtet haben.
 

thinman

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.... Ausserdem ist das Problem zur Zeit nur älteren Behandlern bekannt, die schon das eine oder andere Rezidiv (= Zweit-Vorfall) beobachtet haben.
ähm, entschuldige bitte dass ich hier einhake, aber ein Rezidiv wird bereits im Studium gelernt.
Vielleicht warst Du da grade nicht in der Vorlesung. ;-)

Was immer mehr durchgeführt wird, ist eine eher konservative, nicht operative Herangehensweise. Dies wird in ca. 90% der Fälle praktiziert. Operiert wird im Gegensatz zu früher nur bei bestimmten Indikationen, z.B. fortgeschrittenen Paresen / Paralysen evtl. mit akutem Harnverhalten. (Parese = inkomplette Lähmung, Paralyse = komplette Lähmung).

Inzwischen tritt die schonungsvolle Physiotherapie in Verbindung z.B. mit Wärme (Fango) in den Vordergrund. Begleitet von einer ausreichend hoch dosierten! Schmerzmedikation, damit sich der Schmerz und die Muskelverspannung nicht gegenseitig negativ beeinflussen und es zum chronischen Schmerz kommt. Dabei ist es wichtig, dem Patienten eindrücklich klar zu machen, dass seine Schmerzfreiheit bzw. -armut nicht von einer bereits erfolgreichen Behandlung herrührt, sondern fast ausschließlich von der Schmerzmedikation. Manche Patienten sind nämlich nach erfolgreicher Schmerzausschaltung so happy und euphorisch, weil sie diese oft stärksten Schmerzen nicht mehr haben. Und so kann es kommen, dass sie gleich wieder z.B. arbeiten, Sport treiben oder sonstige dumme Dinge treiben. Dies ist absolut kontraproduktiv und absolut zu vermeiden! Schonung heißt das Zauberwort!

Was ebenfalls ganz wichtig ist: Der Aufbau eines ganzen natürlichen Muskelkorsetts. Das heißt, nicht nur die Rückenmuskulatur, sondern auch die Antagonisten, also die Bauchmuskulatur, muss langsam und gleichmäßig aufgebaut werden. Bei Prolaps im HWS-Bereich entsprechend Nacken- und vordere Halsmuskulatur. Dies wäre z.B. Inhalt einer späteren Reha-Maßnahme. Der Patient erlernt Übungen, die er dann auch zuhause weiterführen kann. Auch gemäßigter und geeigneter Sport wäre eine anzuratende Maßnahme, z.B. Rückenschwimmen nach LWS-Bandscheibenvorfall. Das ist zwar so ziemlich das Langweiligste, was es gibt, aber es hilft.
 
Barratt

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thinman

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Rückenschwimmen langweilig? :lol:Hast Du mal versucht, in einem öffentlichen Schwimmbad rückenschwimmend Deine Bahnen zu ziehen? Da lernt man Leute kennen, Leute, sag ich, und KENNEN lernt man sie!!! :teufel::bomb:

:lol:

Der Fußabtreter des Beckens ist der Rückenschwimmer. :cry2:
tja, die lieben Mitmenschen! ;-)
Nach meinem ersten Vorfall habe ich artig den Rat meines Medizinmannes befolgt und bin jeden Tag bereits so früh ins Hallenbad, dass ich einer der Ersten war, die ihre Bahnen ziehen konnten. Da relativ wenig Betrieb war, konnten wir uns gegenseitig aus dem Weg gehen (schwimmen), Aber nach einer Stunde wurde die Halle dann doch von mehr Schwimmern bevölkert und da kams auch zu gegenseitigem Kennenlernen in der Art, wie Du sie beschrieben hast.

Deshalb habe ich beim zweiten und dritten Vorfall das Schwimmen im Weiher bevorzugt, auch wenns z.T. Mitte Mai noch ziemlich "schattig" im Wasser war. Deshalb nach dem Schwimmen schnell in die Sauna, das tat richtig gut. Wir haben hier ideale Bedingungen: Der Weiher liegt nur eine Minute vom Haus entfernt und ich kann ca. 500m in einer Bahn schwimmen, ohne mich immer umsehen zu müssen, ob nicht ein lieber Mitmensch auf Kollisionskurs schwimmt. Einzig der Waller platscht manchmal hoch, wenn er frische Luft schnappen will.
 
Stilblüte

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Bei uns wurde vor kurzem ein großer Hund in einem (fließenden) Gewässer beinahe von irgendeinem unsichtbaren Viech ertränkt, hätte der Besitzer nicht eingegriffen. Zumindest hat der Hund eine große Bisswunde davongetragen. Pass auf, dass dir nicht solche Kreaturen begegnen. Ich weiß auch nicht, was das gewesen sein könnte - eine große Ratte vielleicht oder ein Wels?
 
thinman

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Bei uns wurde vor kurzem ein großer Hund in einem (fließenden) Gewässer beinahe von irgendeinem unsichtbaren Viech ertränkt, hätte der Besitzer nicht eingegriffen. Zumindest hat der Hund eine große Bisswunde davongetragen. Pass auf, dass dir nicht solche Kreaturen begegnen. Ich weiß auch nicht, was das gewesen sein könnte - eine große Ratte vielleicht oder ein Wels?
leben Waller in fließenden Gewässern? Bin leider gar nicht gut bewandert, was Fische anbelangt. "Unser" Waller hat erst einmal eine Frau leicht verletzt. Anscheinend sind beide voreinander erschrocken. Und falls er mich beißen wollte, dann hab ich ja Glück, dass ich auf dem Rücken schwimme. :-D
 
Henry

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Hast Du mal versucht, in einem öffentlichen Schwimmbad rückenschwimmend Deine Bahnen zu ziehen?
Das sind meist die Momente wo ich die Badeanstalt vorzeitig verlassen darf, weil irgendwelche Leut beim Bademeister behaupten, ich hätt denen im Becken a paar gewatscht.....ja, i seh doch beim Rückenkraulen ned wer hinter mir ist, aber die hätten mich doch kommen sehen können :dizzy:

LG
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i seh doch beim Rückenkraulen ned wer hinter mir ist, aber die hätten mich doch kommen sehen können
Ich sehe, auch Dir ist das Thema bekannt. :lol:

@thinman
An den Uhrzeiten, zu denen ich meistens poste, mag der geneigte Leser ersehen, dass frühe Morgenstunden mich nicht abschrecken. :heilig:
Diese schöne Einrichtung: http://www.rheinwelle.com/start/ ist leider in privater Betreiberhand. Heißt: Im Gegensatz zu den "Öffentlichen" wird wirtschaftlich gearbeitet. Ergo öffnen sie ihre Pforten erst, wenn eine ausreichend große Zahl Eintrittswilliger zustande kommt: Um 10 Uhr. Da ist der Tag zur Hälfte rum, und leider sind auch schon die ersten Schulklassen am Start. :-( Die blockieren bis ca. 16 Uhr ca. die Hälfte des Sportbeckens. Die andere Hälfte ist voll mit paddelnden Rentnerinnen in frisurschonender Überstreckung der HWS und Walen mit bedeutender Wasserverdrängung. Zwischen dem Bereich der Schulklassen und der Paddelnden pflügen einige Boliden durchs Wasser, denen man einen mindestens semiprofessionellen Hintergrund unterstellen darf und mit denen es auch keine Kollisionen gibt, weil ihre Bugwelle potenzielle Hindernisse einfach aus dem Weg walzt.

Der Raum im Souterrain, den in ein Schwimmbecken umzuwandeln ich im Sinn hatte, beherbergt mittlerweile den Großteil meiner Instrumente. :herz: Eine durchaus sinnvolle Alternative. :super:



Sorry fürs OT...
 
 

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