Problem mit Bass-Steg


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burger
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Hallo zusammen,

beim Spielen ist mir heute eine seltsame Veränderung der Basstöne und eine Art "Schnarren" aufgefallen.
Kurzerhand mal der Sache nachgegangen und ich finde folgende Ursache. Ich hoffe ich kann das nachfolgend halbwegs verständlich formulieren, sicherlich helfen auch die Bilder.

Der Bass-Steg liegt normalerweise im blau markierten Feld frei in der Luft ohne Kontakt zum Resonanzboden. Er findet Kontakt zum Resonanzboden über eine Art Kreissegment und einem länglichen Brettchen (rote rechteckige Markierung). Nun hat sich dieses Kreissegment mitsamt dem Steg vermutlich durch den starken Druck der tiefsten Saiten gelöst und ist in Richtung Boden "gekippt". Naja, eigentlich auch eine nicht unbedingt sinnvolle Konstruktion (so als Techniker gesehen). Es ist (war) eine Klebeverbindung, siehe Pfeile, Schrauben habe ich bis jetzt keine gesehen, das gesamte Segment ist aber mit einem sehr dünnen Holzplättchen abgedeckt worunter sich möglicherweise Schrauben abgedeckt befinden (dann wohl ausgerissen). Auf einem weiteren Foto seht Ihr den Steg von unten und einen langen Spalt (Pfeile) der zum Ende hin jetzt immer enger wird (sorry, besser konnte ich es nicht fotografieren), ich denke üblicherweise sollte der Steg parallel zum Boden verlaufen.

Ich habe zwar schon Ideen zur Reparatur dennoch würden mich fachliche Ratschläge sehr interessieren.

Danke und beste Grüße

Heiko
 
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Petz
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Genau deswegen verfluche ich diese versetzten Stegankoppelungen an den Resonanzböden abgesehen davon, daß ich so meine Zweifel habe ob das wirklich so große klangliche Vorteile bringt um die technischen Nachteile aufzuwiegen - bei den alten Klavieren ging´s nämlich auch ohne....
Fürchte für eine lehrbuchgerechte Instandsetzung müßten zumindest die Bassaiten runter und der Steg komplett neu verleimt werden - falls ein vernünftiges Verspannen zum Aufbringen des erforderlichen Klebedruckes nicht erzielbar wäre müßte wahrscheinlich sogar die Gußplatte und der Boden raus.

Ich würde aber auch die Möglichkeit einer rustikaleren Reparaturmethode sehen:

Je nachdem wieweit der Riß in der Klebestelle reingeht so wie auf dem überarbeiteten Bild mit blauen Pfeilen eingezeichnet Schraubenlöcher Dm 5 mm durch die Stegplatte und den Resonanzboden bohren.

Vorher aber prüfen wo die Bodenrippen auf der Rückseite verlaufen denn diese sollten wenn dann nur im nicht angehobelten Bereich und nur in der Rippenmitte durchbohrt werden; außerdem müssen die Bohrungen in den Rippenzwischenräumen auch entsprechenden Abstand zu den Rippen haben um für die unten erwähnten Beilagscheiben ausreichend Platz zu haben. Eventuell auch die Löcher bestehender Holzschrauben nützen mit denen der Steg jetzt noch fixiert ist.

Passende Schrauben (würde aus optischen Gründen rustikalerer aussehende Messingschrauben nehmen) mit möglichst großem Flachkopf und einer Metall - und einer PVC - Beilagscheibe (letztere zum Holz zugewandt von vorne reinstecken. Für die Rückseite PVC - Beilagscheiben, Metallbeilagscheiben, Sprengringe sowie selbstsichernde Muttern vorbereiten und in der angegebenen Reihenfolge auf die Schraubenenden bringen .

Dann in eine medizinische Spritze verdünnten Holzleim füllen, mit dünner Nadel versuchen so gut wie möglich den Leim in den Spalt einzufüllen und danach die Schrauben gleichmäßig und nur so fest anziehen bis der Klebespalt wieder ganz geschlossen wird.
Die PVC - Scheiben verteilen den Druck und verhindern Geräusche, die technisch eigentlich bei selbstsichernden Muttern unnötigen Sprengringe wirken als Federn und verhindern ebenfalls Geräuschbildung wenn sich die Schrauben etwas setzen sollten.
 

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Prima Petz,

genau an diese Art vom Richten dachte ich auch. Danke für die detailierten Tipps. Dass die Basssaiten dazu runter müssen ist klar, aber auch eigentlich kein Problem.

Bei nächster Gelegenheit mache ich mich ans Werk und halte Euch dann auf dem Laufenden.

Noch einen guten Abend und

beste Grüße

Heiko
 
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Hallo "Petz",

welchen klanglichen Vorteil soll eigentlich diese versetzte Stegankoppelung bringen? Mir als Laien ist das nicht ganz klar.

Beste Grüße

Heiko
 
klaviermacher
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Der Grund für ein "Brückerl" ist, dass der Klang zentraler abgegeben wird, wo der Resonanzboden mehr schwingen kann als im Randbereich. Das verändert die Klangeigenschaften und das Ausschwingverhalten.

Die Frage, warum hat sich die Verbindung gelöst steht noch im Raum. Vermutlich stimmt etwas mit der Luftfeuchtigkeit nicht.

Die von Petz vorgeschlagene "rustikale" Reparatur finde ich haltbar und praktikabel, wobei es mir als Ästhet und Restaurator sauer aufstößt, wenn ich Sprengringe und Kunststoffmanschetten in einem vermutlich historisch erhaltenswürdigen Klavier sehe. Früher oder später muss man das alles wieder entfernen.:rolleyes:

LG
Michael
 
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Hallo Michael,

ja, Du hast wohl recht, ich könnte mir auch eine Temperaturänderung vorstellen - es wurde nämlich umgestellt. Aber das es soviel ausmacht hätte ich nicht vermutet.
Was ich nicht verstehe ist dass man von Beginn nur eine Klebeverbindung vorgesehen hat und nicht zusätzlich eine mechanische Verbindung.

Beste Grüße

Heiko
 
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Es wird wohl so sein, dass sich unsere Vorväter nicht vorstellen konnten, dass es einmal eine Generation geben wird, die freiwillig in soetwas wohnen wird, zudem man damals Trockenkammer sagte. Es wird vermutlich noch wesentlich mehr Probleme geben. Wenn sich die Stege lösen und die Bässe zu schnarren beginnen, ist das vermutlich blos die Spitze des Eisbergs, oder sollte ich sagen Trockenbergs.

LG
Klaviermacher
 
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Hallo Michael,

ich weiß was Du meinst. Zwar habe ich hier ein aus Urgroßvaterszeiten großes altes Gründerzeithaus, dennoch hat es im Laufe der Jahre ein Zentralheizung zusätzlich zu den üblichen Holzöfen gegeben. Zum Glück habe ich nicht noch das Problem mit diesen Fussbodenheizungen.
Ich bin am überlegen ob ich das Klavier nicht doch noch einmal umstelle, auch wenn das der eigentlich beabsichtigten Umgestaltung der Räume entgegensteht.
Mal schauen.

Sorry, der vielen Fragen wegen:

wenn dieses abgekippte Segment, wie original, nur mit Leim wieder befestigt wird (gute Pressung vorausgesetzt) wäre das wohl die eleganteste Lösung. Die Frage ist nur ob das dann langfristig wieder hält denn irgendwie ist das aufgrund des hohen Saitendruckes doch eine ziemlich heikle Sache.

Beste Grüße

Heiko
 
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Guten Abend,

an den Hebegliedern ist teilweise etwas Luft. An einigen passt eine Fühlerlehre mit 0,5 mm dazwischen an anderen ist kein Spiel. Wie gleiche ich dies am besten aus?

Danke und beste Grüße

Heiko
 
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An den Tasten (nicht im Bild zu sehen) befindet sich vermutlich die Stellschraube. Sie kann aber auch an der Tangente unten angebracht sein. Wenn Du aber schon fragst, dann glaube ich siehst Du sie nicht. Deshalb muss Sie fast an der Taste unterhalb des gewebten Filzes sein.

LG
Klaviermacher
 
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Die von Petz vorgeschlagene "rustikale" Reparatur finde ich haltbar und praktikabel, wobei es mir als Ästhet und Restaurator sauer aufstößt, wenn ich Sprengringe und Kunststoffmanschetten in einem vermutlich historisch erhaltenswürdigen Klavier sehe.
Die Sprengringe und Muttern befänden sich auf der Klavierückseite und die Kunststoffbeilagscheiben würden von den metallischen verdeckt. Eben aus optischen Gründen hatte ich auch im Vorpost die Verwendung "rustikaler" Messingschrauben vorgeschlagen, da kann ich mich auch an z. B. teilbrünierte Varianten mit Ziergravuren in relativ flachem Kopf erinnern; wenn der Kopf einen größeren Durchmesser hat kann man sich auch die vordere Metallbeilagscheibe sparen und wenn man die Kunststoffscheibe ne Spur kleiner als den Schraubenkopf wählt sieht man die auch nicht mehr.
Ich würde aber die Saiten möglichst montiert lassen denn dann kommt das Stegbrett bei der Neuverleimung vielleicht in eine leicht schrägere Position was den offenbar recht hohen Stegdruck etwas verringerte.
Eine Erstvariante wäre auch, es nur mit z. B. drei Schrauben über den gesamten Bereich verteilt zu versuchen und diese nach vollständiger Leimhärtung mal im Abstand von einigen Tagen langsam wieder zu lockern um zu sehen, ob die Leimung alleine wieder hält. Sollte dies der Fall sein Schrauben entfernen und die Löcher mit farblich passenden Rundholzstückchen verschließen.
 
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Guten Morgen,

das Stegbrett ist an der äußeren Kante etwa 5 mm nach oben gewandert, siehe roter Pfeil. Wäre es dann sinnvoll es genau in dieser Position zu befestigen? Und die Saiten sollen montiert bleiben? Eigentlich wollte ich den Steg im losen Bereich bis zur Reparatur mit entspannten Saiten entlasten.

Man sieht mit dem blau gekennzeichneten Pfeil eine Art dünnes Furnier welches auch lose ist. Wenn man die Schrauben versenkt befestigen könnte kann man sie mit diesem originalen Holz wieder verstecken (zumindest in der Vorderansicht).

Zur Tastatureinstellung: sind auf diesem Bild diese Einstellschrauben vorhanden?

Einen schönen Tag und beste Grüße

Heiko
 
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Hallo Burger,

An der Wippe mit den zwei Schrauben nimmt man die Einstellung für das Mechanikspiel (Totgang) vor.

Zur Stegreparatur. Der Steg ist nicht blos gelöst, sondern durch Spannung versetzt. Die Saiten des Bassstegs aushängen und den Steg an der gleichen Stelle verleimen mit Knochen- oder Fischleim ohne Schrauben. Zulagen an der Hinterseite des Resonanzbodens fixieren und vorne mit Zulagen hinkeilen. Druck aufbauen und gegebenenfalls von aussen unsichtbare kurze Dübel setzen (nicht durchbohren), so dass sich nichts mehr versetzen kann. Das ist dann eine fachmännische Reparatur.

Saiten montieren, Stimmmen, Dampp-Chaser einbauen und vergnügt weiter spielen.

LG
Klaviermacher
 
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Danke Michael,

- gleiche Lage - bedeutet die "jetzige etwas verschobene" oder die "ursprüngliche"? Am besten vielleicht die Lage die sich der Steg beim Lösen der Saiten von selbst sucht?

Das hört sich alles recht gut an und ich denke ich wage mich bei Gelegenheit an die Behebung des Schadens. Ich halte Euch dann auf dem Laufenden.

Nochmals herzlichen Dank für die wertvolle Hilfe.

Beste Grüße

Heiko
 
klaviermacher
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Konstruktionslage oder ursprüngliche Lage meinte ich.
 
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Zur Stegreparatur. Der Steg ist nicht blos gelöst, sondern durch Spannung versetzt.
Sorry, hatte das Detail zuerst nicht beachtet und natürlich hat Klaviermacher recht, daß die Saiten da für die Instandsetzung unbedingt runtermüssen.
Wenn ich mir allein den sehr guten Zustand der, auf den Bildern sichtbaren Mechanikteile ansehe lohnt sich auch eine aufwendigere Reparatur sicher also folge bitte Michael´s Instandsetzungsvorschlag und versuche, den Steg in der exakten Originallage einzuleimen denn wenn die Klebestellenkonturen genau übereinstimmen ist auch die Verleimung wesentlich stabiler weil die "ineinanderpassenden Riefen" zusätzliche mechanische Retention bieten.
 
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Hallo "Petz",

wäre es nicht sinnvoller die alten Kleberreste zu entfernen?
Ich denke Kleber auf Kleber sei nicht ideal?

Beste Grüße

Heiko
 
klaviermacher
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Hallo burger,
Der alte Kleber ist Knochenleim und wasserlöslich. Folglich wird er beim einstreichen mit Fischleim oder Knochenleim angelöst und geht eine Bindung ein, die hält.

Für mich ist kleben übrigens etwas anderes als leimen. Es handelt sich bei der Verbindung um keine Klebestelle, sondern um eine Leimstelle.;)

LG
Klaviermacher
 
 

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