Perzina Klaviere?

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Tastenscherge

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Hat jemand persönliche Erfahrungen mit den Perzina Instrumenten aus China? Auf dieser Website kann man ein Interview mit dem Chef von Perzina lesen (leider nur auf Englisch)

http://www.musicbrokers.nl/neuigkeitenframe.html

Was ich besonders interessant finde:
- floating soundboard: Resonanzboden ist nicht rundum verleimt sondern auf einer Seite nicht befestigt. Wie geht das :confused:

-Resonanzboden kann angeblich nicht mehr reißen dank eines Geheimrezeptes :confused:

Weiß jemand mehr?
 
klaviermacher

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Das hat man früher schon gemacht, dass der Resonanzboden nicht überall eine Auflage hatte. Siehe Wiener Mechanik-Flügel vorne, aber manchmal auch im Bassbereich auf etwa 40cm Länge, besonders bei kurzen Instrumenten.
Das "Geheimrezept" ist m.e. der schichtverleimte Resonanzboden, wie ihn bisher alle chinesischen Klaviererzeuger machen. Übernommen wurde die Technik von Amerika und dann verfeinert (geheim;)).
Die Amerikaner fürchten sich besonders vor Resonanzbodensprüngen und ein Instrument mit Sprung ist unverkäuflich - egal wie gut das Instrument klingt. Auch wird dort sowas nicht repariert mit der Begründung das bringt nichts. :(Das wirft kein besonderes Licht auf die handwerklichen Fähigkeiten amerikanischer Klavierbauer.
Ich mag die schichtverleimten Böden gar nicht, weil der vielleicht anfangs recht ordentliche Ton nach ein paar Jahren gewaltig nachlässt. Es ist Wegwerftechnik in Reinkultur. Der Resonanzboden hat zwar nie Sprünge, aber der Klang ist später einmal wie ein Blumentopf.:D

LG
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Tastenscherge

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Perzina hat übrigens auch noch einen konkaven und nicht konvexen Resonanzboden, was ich auch nicht so ganz verstanden habe:
http://www.perzinapianos.com/Vertical.htm

Zum Thema Sperrholzboden: das habe ich auch schon bei Kawai gesehen. Keine Ahnung, ob das heute auch noch so ist oder nur bei manchen Kawais. Wie ist das denn z.B. bei Yamaha? Ich komm deswegen darauf, weil ich es fast unmöglich finde, Yamahas zu intonieren. Da hilft nur beherztes Stechen in den Scheitel, um überhaupt ein hörbaren Unterschied zu schaffen. Und nicht alle Chinesen haben Sperrholzböden. Z.B. Wendl & Lung: die haben einen massiven Boden, haben aber eine hauchdünne Folie draufgeklebt. So dünn, dass ich es nicht als Sperrfurnier bezeichnen würde. Ob das aus optischen Gründen so ist oder weil es bei der Produktion einfacher oder billiger ist als zu lackieren kann ich nicht sagen. Und ehrlich gesagt leuchtet es mir nicht ein, warum ein Sperrholzboden mit der Zeit schlechter werden sollte als ein massiver Boden. Ich würde es eher umgekehrt vermuten: der massive Boden dürfte über die Jahre doch mehr an Wölbung verlieren als ein gesperrter, oder liege ich da falsch?

Zum Thema handwerkliche Fähigkeiten der Amis: ja, da komme ich auch manchmal ins Zweifeln. Ich bin seit mehreren Jahren aktiver Teilnehmer der Mailing List der Piano Technicians Guild. Dazu braucht man kein Mitglied der PTG sein. Kann ich nur empfehlen um seinen Horizont zu erweitern und vor allem um seine Englischkenntisse mit Fachvokabular zu verbessern. Hier der Link:
http://www.ptg.org/mailman/listinfo/pianotech

Die machen schon komische Sachen, z.B. Sekundenkleber um Wirbel zu festigen, Stege mit Epoxyharz reparieren, taube Basssaiten runterstimmen und so lange fortissimo anschlagen bis sie angeblich wieder klingen usw. etc. pp. Andererseits ist es in den USA auch üblich, Resonanzböden gleich komplett auszuwechseln anstatt zu spänen. Hab ich hier ehrlich gesagt noch nicht gesehen.

Das Ausbildungssystem ist dort ja auch ein ganz anderes: dort zahlt man für eine private Schule und macht dort Kurse, oft nebenberuflich teilzeit, manchmal für 1, machmal für 2 Jahre. Es gibt sogar Fernkurse. Und Stimmen nach Gehör ist dort eher unterrepräsentiert, die meisten dürften ein Stimmgerät benutzen. Um ein "registered piano technician" zu werden, muss man dann Prüfungen ablegen: schriftlich, Stimmprüfung und ein Oktavmodell bauen. Allerdings ohne einen Steg zu machen und mit Besaiten bin ich mir nicht sicher. Alles in allem aus unsere Sicht eher eine Schmalspurausbildung.
 
klaviermacher

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Hallo Tastenscherge,

Das manche Instrumente schlecht zu Intonieren sind, hat mit dem Vorbereiten des Filzes, der Technik der Verarbeitung / Verleimung des Hammerkopfes und allgmein mit zu dichtem Hammerfilz zu tun. Vielleicht sogar mit der Fütterung des Schafes.:D

W&L verwendet wie alle anderen chinesischen Klavierhersteller Schichtböden. Das ist keine Folie, sondern Holz. Die Bezeichnung massiver Boden, Vollholz bzw. Echtholz usw. ist alles zusammen irreführend. Der Boden wird gesperrt, das ist Faktum. Es geht nur darum, dass der Boden während der Garantiezeit selbst bei problematischen Aufstellungsorten keine Sprünge bekommt. Wie sich das alles auf den Klang auswirkt ist nebensächlich. Auf Klangschönheit / Schingungsverhalten nach einigen Jahren gibt es keine Garantie bzw. wer könnte einen Mangel solcher Art nach 5 Jahren rechtlich zu seinem Vorteil durchsetzen? Nach einer Periode, wo Instrumente mit nicht gesperrtem Boden an Klangschönheit gewinnen, kannst Du sicher sein, dass ein gesperrter Boden bereits den Großteil seines ursprünglichen Klanges eingebüßt hat. Das ist der Preis für einen unreissbaren Resonanzboden.

LG
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K

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W&L verwendet wie alle anderen chinesischen Klavierhersteller Schichtböden.
Ich bin kein Freund der China-Klaviere, möchte aber auch mein Wissen zum Besten geben:
Die W&L-Böden der Klaviere sind massive Fichtenböden und lediglich beidseitig mit unterschiedlich starken Furnier abgesperrt. Den Begriff Schichtholz finde ich hier nicht ganz passend. Letzendlich ist das aber eigentlich nur eine Frage der Terminologie, die zwischen Deutschland und Österreich durchaus wieder unterschiedlich sein mag.
Dies ist aber keine China-Erfindung sondern wurde auch schon vor Jahrzenten von einigen deutschen Herstellern angewandt, da es eine weitere Möglichkeit ist, den Boden dauerhaft auf Wolbung zu halten.
Die Böden der W&L-Flügel sind massiv ohne Deckfurnier, also ganz konventionell.

Von den echten, vielschichtigen Sperrholzböden (z.B. manche Rippen-Klaviere oder billigste China-Kisten) halte ich wenig.

Es gab/gibt die verschiedensten Versuche, schichtverleimter oder laminierter Böden, z.B. auch mit einer Einlage aus Aluminium-Folie oder wie aktuell bei Steingraeber furnierte Carbon-Böden, die sogar ohne Berippung auskommen würden.
Sicherlich reizvolle Experimente deren Notwendigkeit dahingestellt sei.
 
Tastenscherge

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Das manche Instrumente schlecht zu Intonieren sind, hat mit dem Vorbereiten des Filzes, der Technik der Verarbeitung / Verleimung des Hammerkopfes und allgmein mit zu dichtem Hammerfilz zu tun. Vielleicht sogar mit der Fütterung des Schafes.:D
Jau, nur Öko bringt´s :D:D

Aber zurück zum Thema: hat jemand schon mal so ein Perzina gestimmt, bearbeitet, gespielt, gesehen oder gestreichelt? :rolleyes:
 
klaviermacher

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Die Böden der W&L-Flügel sind massiv ohne Deckfurnier, also ganz konventionell.
Hallo Klavierbaumeister,
Ich habe bis vor einem Jahr 9 Wendl & Lung Flügel verkauft und kein einziger hatte einen Massivboden ohne Absperrung. (der letzte wurde vor einem Monat zugestellt) Alle Böden der Flügel - es waren 178er und 161er sind genau so aufgebaut wie bei den Pianinos.

Man sieht es bei den Flügel ja wesentlich deutlicher, als bei den Pianinos. Allerdings kann man die Richtung des Holzes an der Stirnseite nicht gut erkennen, doch ich vermute, dass alle drei Schichten in etwa die gleiche Richtung bis etwa 10° Abweichung aufweisen. Das genügt um Rissbildung zu verhindern.

Ich bin ja nicht grundsätzlich experimentellen Versuchen abneigend eingestellt. Doch muss der Konsument solch Versuchskaninchen ohne Langzeitstudien schlucken? Ein traditionelle hergestelltes Produkt, dass seine Dauerhaftigkeit über 100 Jahre und mehr bestanden hat und nun was? Verbessern? wohl kaum! Da gehts um was anderes:cool:

Ich hatte auch etwa 40 W&L Klaviere oder so verkauft. Eines hatte ich, da wurde zwischen den Schichten zu wenig Leim verarbeitet. Das Ergebnis kannst Du Dir vielleicht vorstellen:(

@Tastenscherge - ich kenne nur die deutschen Perzina Klaviere und kann über die chinesischen Erzeugnisse leider nichts sagen.

LG
Klaviermacher
 
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