Pedal bei Brahms

C
Christoph
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Hallo,
da ich mich jetzt schon länger mit Brahms beschäftige, in der Pedalfrage aber noch zu keiner zufriedenstellenden Antwort gekommen, poste ich hier mal einen weiteren Pedalthreat.

Also: Das Pedal explizit, ist bei Brahms ja äußerst selten notiert. Er wird ja der Romantikepoche, bzw. Spätromantikepoche zugeordnet. Heißt das jetzt, es darf auch bei Stücken, wie dem ersten d-moll Capriccio aus Op.116 das ich gard spiele, in denen Staccato notiert ist trotzdem "gesündigt" werden?
Bei diesem wuchtig, gesanglichen Stück passt es ja eigentlich ganz gut, im Gegensatz zum eher zierlichen zweiten Stück aus Op.76(glaube 76 war's), in denen ein Pedal in den Staccatoteilen, das Stück hässlich machen würde.

Also es läuft darauf hinaus, dass ich mich über Pedalvorschläge und Meinungen zum Capriccio Op.116Nr.2 freuen würde.


LG Christoph
 
K
konstantin
Guest
Hallo,

also ich denke, du darfst bei 116,1 selbstverständlich Pedal nutzen. Brahms' staccato-Angaben sind oft als "abgesetzt, aber weich" zu verstehen, nicht selten kombiniert er dazu Staccato mit legato-Bögen, v.a. in seiner Kammermusik. Bei diesem Cappricio dient das Staccato in erster Linie zur deutlichen Abgrenzung der gewünschten Phrasierung, die ist hier nämlich entscheidend, dazu müssen die Staccato-Achtel selbstverständlich abgesetzt sein. Also trenne musikalisch klar zwischen den phrasierten Zweiergruppen und den repetierten Achteln dazwischen, so würde ich hier das Staccato interpretieren. Pedal ist dabei trotzdem erlaubt und erzeugt die typische "Brahms-Fülle" und Klangvolumen.

Grüße
 
Frédéric Chopin
Frédéric Chopin
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Also: Das Pedal explizit, ist bei Brahms ja äußerst selten notiert. Er wird ja der Romantikepoche, bzw. Spätromantikepoche zugeordnet. Heißt das jetzt, es darf auch bei Stücken, wie dem ersten d-moll Capriccio aus Op.116 das ich gard spiele, in denen Staccato notiert ist trotzdem "gesündigt" werden?

Ja!

Ich möchte mich jetzt nicht auf das d-moll Capriccio festlegen, sondern allgemein.

Viele haben nämlich die Meinung, daß wenn Staccato notiert ist, generell kein durchgedrücktes Pedal verwendet werden darf. Das stimmt aber nicht. Bei einigen Stellen (nicht bei allen) von Beethoven oder Mozart würde es natürlich schädlich sein.

In der Romantik aber, wie bei Chopin, Liszt und Ravel zum Beispiel, werden Staccatotöne auch mit Pedal gespielt. Wichtig dabei: Das Staccato in den Fingern bleibt aber!!
Staccato kann nämlich auch noch mit Pedal wahrgenommen werden.

Am Klavier gibt es verschiedene Arten ein Staccato zu interpretieren.

Und in der Romantik kann das Staccato auch anders interpretiert werden, wie es z. B. in der Wiener Klassik interpretiert wird. Bei Beethoven ist es unterschiedlich. Manche Staccatostellen kann man mit Pedal spielen, aber bei vielen anderen Stellen, würde das Pedel den Sinn des Staccatos stören.

Hängt jetzt auch von der musikalischen Interpretation ab und dem Sinn des Staccatos ab, ob Du Pedal nimmst, oder nicht!
Bei Ravel z. B. ist auch viel Staccato mit Pedal notiert um klangliche Unterschiede zu erziehlen.

Aber merke: Ob jetzt mit oder ohne Pedal: In den Fingern mußt Du das Staccato immer machen.


Liebe Grüße, Mario
 
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C
Christoph
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Danke für die Antworten. Norm hätte ich nicht an einen Pedalbrahms gezweifelt, aber Aufnahmen, wie z.B die von Kempff, haben mich wegen ihrer Trockenheit etwas stutzig gemacht.
Aber anscheinend muss man auch immer ein bisschen auf's Instrument achten. Mein Schimmel-Klavier klingt bei 116,1 ohne, oder sehr wenig Pedal einfach zu hart, wohingegen auf dem sehr weichen Blüthner-Flügel meiner Lehrerin, es mir ohne Gas fast besser gefällt.
 
 

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