Musikalische Intelligenz

  • Ersteller Ersteller libertas_17
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  • #21
Man kann alles wissenschaftlich untersuchen, aber was bringt es? Es gibt sie nun einmal - die besonderen Talente und zwar in allen Bereichen. Sei es beim Sport, in der Musik, im Schach, in der Mathematik usw.. Das sind körperliche und geistige Voraussetzungen, die einfach vorhanden sind. Kein Sprinter wird die 100 m unter 10 Sekunden laufen, wenn er nicht die dazu erforderlichen "schnellen" Muskeln hat. Kein Langstreckler kann Rekorde laufen, wenn ihm nicht eine besonders gute Sauerstoffversorgung der Muskeln in die Wiege gelegt wurde. Es gibt ihn ja auch, den "Musikus", der beinahe jedes Instrument spielen und jedes Lied sofort nach Gehör nachspielen kann. Talent alleine reicht aber eben auch nicht. Auch der Begabteste muss hart "Trainieren", um sein Potential auszuschöpfen. Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern.
 
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  • #22
Man kann alles wissenschaftlich untersuchen, aber was bringt es? Es gibt sie nun einmal - die besonderen Talente und zwar in allen Bereichen. Sei es beim Sport, in der Musik, im Schach, in der Mathematik usw.. Das sind körperliche und geistige Voraussetzungen, die einfach vorhanden sind. Kein Sprinter wird die 100 m unter 10 Sekunden laufen, wenn er nicht die dazu erforderlichen "schnellen" Muskeln hat. Kein Langstreckler kann Rekorde laufen, wenn ihm nicht eine besonders gute Sauerstoffversorgung der Muskeln in die Wiege gelegt wurde. Es gibt ihn ja auch, den "Musikus", der beinahe jedes Instrument spielen und jedes Lied sofort nach Gehör nachspielen kann. Talent alleine reicht aber eben auch nicht. Auch der Begabteste muss hart "Trainieren", um sein Potential auszuschöpfen. Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern.
Ich kann in diesem Kontext das Buch "Extrem begabt. Die Persönlichkeitsstruktur von Höchstbegabten und Genies" von Andrea Brackmann empfehlen.
 
  • #26
Kannst du etwas mehr zu dem Buch sagen?
Ja, natürlich. Ich hatte vor einigen Jahren mal einen Text zum Buch verfasst (siehe Anhang). Er ist zwar etwas lang geworden, aber damals habe ich regelrecht für dieses Thema gebrannt.
 

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  • #27
Ja, natürlich. Ich hatte vor einigen Jahren mal einen Text zum Buch verfasst (siehe Anhang). Er ist zwar etwas lang geworden, aber damals habe ich regelrecht für dieses Thema gebrannt.
Vielen Dank, das habe ich gern gelesen. In meinem Umfeld befinden sich einige hochbegabte Menschen, und ein paar davon dürften auch in den Bereich gehören, um den es in diesem Buch geht. Vielleicht sollte ich es mir mal besorgen.
 
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  • #29
Dazu würde ich Dir die Lektüre der Bücher von Eckart Altenmüller empfehlen, z.B. "Vom Neandertal in die Philharmonie". Altenmüller ist Mediziner, hat aber auch Musik studiert (Querflöte) und war lange im Bereich der Musikermedizin tätig.

Nein, natürlich nicht. Nichtsdestotrotz ist es auffällig, dass man gute Amateurmusiker oft bei den Naturwissenschaftlern und Ärzten findet.
Kleine Anekdote am Rande: Das Freiburger Aka (= Akademisches Orchester) wurde vor langen Jahrzehnten nicht von den Musikstudenten gegründet, sondern von den Medizinern und Natwisslern.



Was meinst Du konkret mit "Vernetzungen"?
Synaptische Verbindungen bilden sich immer, egal was man tut. Wie gut/haltbar sie sind, wie sie genutzt werden können, wird sehr unterschiedlich sein.

Du liebes Bisschen, was war denn das für ein Klavierunterricht???

Das ist wirklich eine tolle Buchempfehlung - ich habe mir direkt eine Leseprobe angesehen!!
Vielen Dank dafür!

Was ich mit Vernetzungen meine?
Ich hätte etwas präziser sein sollen. Weitreichende (und feingliedrige) Vernetzungen wäre sinnvoller gewesen. Beim Blattspiel merkt man sowas beispielsweise sehr gut. Bei Anfängern dauert alles noch etwas länger. Erst muss der Notentext erfasst werden, dann muss man sich quasi räumlich auf der Klaviatur orientieren, usw. Bei Profis erfolgt alles ganz, ganz schnell. Daher verwende ich in diesem Kontext gern die Bezeichnung "vernetztes musikalisches Denken".
Nervenverbindungen, die häufiger benötigt werden, verstärken sich und Rraktionsprozesse laufen schneller (scheinbar gleichzeitig) ab.

Was war das für ein Klavierunterricht?
Naja, zufälligerweise kenne ich den Lehrer ziemlich gut - wir sind quasi ein Herz und eine Seele - und weiß deshalb, dass der Schüler bis zum Beginn dieses Schuljahres noch nicht offen für das Notenlesenlernen gewesen ist bzw. es abgelehnt hat.
Wie bereits erwähnt, hat der Junge beeindruckende motorische Fähigkeiten. Soweit ich weiß, kam er nach den ersten 4 Unterrichtswochen stolz zu seinem Lehrer und hat "Für Elise" komplett vorgespielt, zwar an manchen Stellen ein wenig unsauber, aber trotzdem war es wohl erstaunlich. Der Schüler wollte seinen Lehrer überraschen, dass er dieses Stück über ein Tutorial selbstständig gelernt hat bzw. durch das Beobachten der Handpostionen eines Videos.
Rein von der Notenlesekompetenz ergab sich natürlich das Problem, dass dieses Stück den Tonraum, den man normalerweise in den ersten 4 bis 8 Wochen lernt, völlig gesprengt hat.
Der Lehrer hatte sich vorgenommen, sobald der Schüler es zulässt, "zweigleisig" zu fahren. Er war geduldig und hat immer wieder erwähnt, wie wichtig die Notenlesekompetenz ist.
Nun scheint der Zeitpunkt des "zweigleisigen Arbeitens" gekommen zu sein. Einerseits werden anspruchsvollere Stücke gelernt durch Imitation, wobei nun auch Fragen zu den Noten und zur Theorie, zu Formteilen gestellt werden. Andererseits bekommt der Schüler etwas einfachere Stücke, die er anhand des Notentextes lernen soll. Der Lehrer bereitet auch regelmäßig Fragen zu den Stücken bzw. zur Erarbeitung vor. Mitunter arbeitet der Schüler zunächst 10 min selbstständig (Hilfsmittel stehen zur Verfügung) an einer Aufgabenstellung und danach wird erst gemeinsam gearbeitet.
Was der Schüler schon aus dem Jahr 2023 kennt, ist, dass ein Stück in große Abschnitte unterteilt wird und er beim entsprechenden Buchstaben beginnt, zu spielen. Damit war er auch einverstanden und hat die Teile "wiedererkannt".
Durch seinen Schüler hatte sich der Lehrer mit dem Thema "Audiation" (Gordon) beschäftigt.

Ich denke, dass der Lehrer es richtig gemacht hat, den hochbegabten Jungen (mehrere Teilhochbegabungen diagnostiziert worden) in einer Zeit, in der er sich in seiner Schule hinsichtlich seiner Art zu lernen völlig unverstanden gefühlt hat, auf seinem Weg zu unterstützen und sein Lernen einfach nur zu begleiten, ohne ihm zu viele "Vorschriften" zu machen. Nun besucht der Schüler eine Schule, die gezielt auf seine Fähigkeiten eingeht und sie fördert, anstatt sie abzuwerten. Seitdem ist er offener und glücklicher.
Er lernt jetzt kein einzeltöniges Notenlesen, sondern direkt, in Zusammenhängen zu denken und hören, was für Hochbegabte eigentlich sowieso günstiger ist, da diese gern Teilschritte überspringen und non lineares Lernen bevorzugen. Da der Schüler im Unterricht bereits mit Dreiklängen improvisiert hat, fällt es nicht zu schwer, diese im Notentext zu erkennen. Aktuell erfolgt das noch mit Hilfsmitteln. Zukünftig sollen diese weggelassen werden. Beim Improvisieren ist sogar schon ein eigenes Stück entstanden, das in einem Konzert vorgespielt wurde und alle Zuhörer verblüfft hat. Natürlich ist er noch nicht in der Lage, es aufzuschreiben.

Dieser Schüler ist ein perfektes Beispiel dafür, dass viele Wege nach Rom führen und Unterricht eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Wenn man einen Lehrer hat, der offen, experimentierfreudig und bereit ist, um die Ecke zu denken, kann eine sehr spannende und schöne Zusammenarbeit entstehen, bei der beide Seiten zum Nachdenken angeregt werden.
 
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