Klavierstück "im Kopf"

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matw1216

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Hallo,

Ich habe folgendes Problem:
Wenn ich ein Stück übe und es dann schließlich auswendig kann, habe ich das Gefühl, dass meine Finger das Stück irgendwie von selbst spielen. Ich kann zwar noch immer in das Geschehen einschreiten und hier und da etwas Betonen, Dynamik ins Spiel bringen, doch weiß mein Kopf nicht, welche Stelle als nächstes kommt. Das wissen nur die Finger und spielen es von alleine. Natürlich habe ich die Melodie im Kopf, doch nicht die Noten! Wenn mir jemand sagen würde, ich soll das Stück von diesem System und diesem Takt her anfangen, kann ich es nicht, ich weiß nämlich nicht, welche Noten ich spielen soll!
Da habe ich im Forum etwas herumgeforscht, und hab folgendes gefunden:

Frédéric Chopin schrieb in einem anderem Thread, dem über "schnelle Stücke fehlerlos spielen" folgendes:
"Durch das Üben erlangen die Finger bei schnellen Stücken einen motorischen Automatismus. Wenn man schnelle Passagen dann spielen kann, überlegen deshalb viele gar nicht mehr, was sie eigentlich spielen, weil die Finger es automatisch machen. Und genau das ist der Fehler. Und dann bei einem Auftritt oder Vorspiel in einer nervösen Situation beginnt man dann plötzlich zu überlegen. Folge: Man weiß nicht mehr weiter, oder man spielt Fehler."


Genau das passiert mir! Bei jedem Stück, das ich spiele! Ich weiß nicht mehr die Noten, die ich spiele, sondern meine Finger haben das Stück automatisiert und spielen es allein.
Weiß vielleicht jemand wie ich dem entgegensteuern kann?

MfG
Mathias
 
fisherman

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hallo Matthias:

Die Frage ist hier schon öfter gestellt worden (>>>sufu).
In aller Kürze:
1) Stück im Kopf (auf dem Papier) analysieren, bearbeiten, Beziehungen herstellen, etc.pp.
2) Gaaaanz, gaaaanz langsam, in Zeitlupe, spielen. Wenns klappt > Pause (nix anderes) > dann wird das vom motorischen Gedächtnis ins Hirn transportiert. Wenn nötig, das Zeitlupenspiel auch eine ganze Woche durchziehen.
 
Stuemperle

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Hallo Mathias,
Du hast es sehr gut beschrieben! Einschließlich Überraschung und Frust und Hilflosigkeit, wenn die Klavierlehrerin sagt: spiel nochmal ab hier! :confused:

Noch eine Übemethode:
Von hinten anfangen, d.h. zuerst den letzten Takt, dann den vorletzten und den letzten, dann den vorvorletzten und den vorletzten und den letzten, dann... uswusw. KL: "Die motorischen Bewegungsabläufe sind wie Autobahnfahren, sie beginnen an Auffahrten, und die sollten möglichst eng aufeinanderfolgen, um auch beim Verhaspeln wieder einspuren zu können."

Am schwierigsten bei diesen Übungen finde ich, mich dazu zu disziplinieren...:D

Gruß.
Manfred
 
Walter

Walter

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Klavierstück im Kopf

Hallo Mathias,

was Du beschreibst, ist das "Fingergedächtnis".
Das ist ein Teil des Auswendigspiel-Apparates.

Wenn Du ein manuell veranlagter Typ bist, ist das der für Dich wichtigste Teil.

Zur Verknüpfungsarbeit des Gehirns und damit zur Sicherheit des Vortrags gehören noch die Teile auditives und visuelles Gedächtnis.

Ist näher beschrieben in meinem Blog - ich hoffe er ist jetzt allgemein zugänglich!

Viel Erfolg

Walter
 
fisherman

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@ walter

...man sollte halt auch mal in die Blogs schauen :D.
Super! Habe mir das alles rauskopiert und gedruckt & freu mich auf die eingehende Lektüre vom Blatt.

Danke!!!!


p.s. Habe über "Ibächlein" vor einiger Zeit die "Cooke-Empfehlung" bekommen und das tolle Buch gleich für lumpige 9,- im Bestzustand gekauft (mit Notizen und Rezension des Vorbesitzers!). Gibts noch mehr Literatur, die so angenehm zu lesen ist und dabei Wertvolles vermitteln?
 
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matw1216

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Danke für die vielen Antworten,


Fisherman:
Die Frage ist hier schon öfter gestellt worden (>>>sufu).
In aller Kürze:
1) Stück im Kopf (auf dem Papier) analysieren, bearbeiten, Beziehungen herstellen, etc.pp.
2) Gaaaanz, gaaaanz langsam, in Zeitlupe, spielen. Wenns klappt > Pause (nix anderes) > dann wird das vom motorischen Gedächtnis ins Hirn transportiert. Wenn nötig, das Zeitlupenspiel auch eine ganze Woche durchziehen.

Die Suchfunktion habe ich benutzt, auf die schnelle aber nichts spezifisches gefunden...
Wenn ich das Stück im Kopf (auf dem Papier) analysiere, hilft mir das irgendwie nichts mehr. Ich kann das Stück ja auswendig gelernt und da sagen mir die Noten nicht mehr viel.


Stuemperle:
Du hast es sehr gut beschrieben! Einschließlich Überraschung und Frust und Hilflosigkeit, wenn die Klavierlehrerin sagt: spiel nochmal ab hier!

Noch eine Übemethode:
Von hinten anfangen, d.h. zuerst den letzten Takt, dann den vorletzten und den letzten, dann den vorvorletzten und den vorletzten und den letzten, dann... uswusw. KL: "Die motorischen Bewegungsabläufe sind wie Autobahnfahren, sie beginnen an Auffahrten, und die sollten möglichst eng aufeinanderfolgen, um auch beim Verhaspeln wieder einspuren zu können."

Genau das ist das Problem! Danke für den Tipp, diese Methode werde ich einmal ausprobieren. Aber das hilft mir glaube ich auch nicht, die Noten in den Kopf zu kriegen...


Walter:
Zur Verknüpfungsarbeit des Gehirns und damit zur Sicherheit des Vortrags gehören noch die Teile auditives und visuelles Gedächtnis.

Bei mir ist es wohl eher das auditive Gedächtnis. Wenn ich das Klavier nciht höre, könnte ich auf keinen Fall spielen (z.B. bei ausgeschaltetem E-Piano). Nicht einmal die leichtesten Stücke!
Und wie gesagt, habe ich die Noten nicht im Kopf.
Wie sieht es bei euch aus? Habt Ihr die Noten "im Geiste vor dem Auge", wenn Ihr spielt, oder geht es euch wie mir? Wie krige ich das hin, dass ich die Noten in den Kopf kriege? Ich meine jetzt spezifisch jede einzelne Note, also das Notenblatt und nicht z.B. die Melodie, die habe ich schon im Kopf)


MfG
Mathias
 
fisherman

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walter hat doch auf seinen blog verwiesen: Da ist die Analytik von thepianist sehr gut beschrieben. Aber unter uns: Ich hab das gleiche Problem wie Du und fange jetzt erst an, mich mit dem Analysieren zu beschäftigen. Das geht auch mit Stücken, die Du schon auswendig kannst.

Und bitte: Das extreme Langsamspiel hilft wirklich. Zieh das mal drei Wochen durch und dann reden wir nochmal drüber, ok!
 
M

matw1216

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Ich werds mal versuchen.

Aber ehrlich: Ich glaube nicht, dass ich auf farbige Noten stehen werde :rolleyes:
Das werde ich wohl eher lassen...
 
 

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