Klavier stimmbar unstimmbar

A

acoustico

Dabei seit
Sep. 2012
Beiträge
182
Reaktionen
55
Liebe Klaviertechnikbegeisterten,

leider darf ich diesen Beitrag aus 2013 nicht weiter fortführen, aber vielleicht verirrt sich Klavier Volker nochmal hierher und kann was dazu sagen.
https://www.clavio.de/klavierforum/threads/klavierstimmen.16451/#post-286654.

Zunächst wundert sich Volker in diesem Pfaden, wieso sein Flügel so ganz und gar nicht einfach zu stimmen sei, und das Klavier seines Freundes dagegen dem Stimmer eine wahre Freude macht, denn es ist viel einfacher zu stimmen.

Die technische Erklärung läuft im weiteren so, dass es eine Seitenpolarisation gibt, und diese bei manchen Klavieren auftritt bei anderen nicht - und wenn die Saiten von der vertikalen in die horizontale schwingen, einfach Problem mit Phase, etc auftreten. Aber auch andere Effekte, die nicht so ohne weiteres greifbar sind, finden statt. Letztendlich hängt das Phänomen vom Aufbau des Instruments ab.

So drastisch wie Volker die Stimmbarkeit beider Instrumente schildert, wäre ich an einer Beschreibung der beiden Instrumente interessiert, z.B. wie die Saitenaufhängung und Begrenzung ausgeführt ist - aber so langsam beginne ich zu verstehen.

zunächst, wenn der Hammer auf die Saite schlägt gibt es eine Transversalschubwell (eben nicht die Spannungs-Tonhöhenabhängige, welche den guten Ton macht). Diese transportiert den Hammerstoß über die Saite zu den Begrenzungspunkten, hauptsächlich z.b an der Agraffe und dem schrägen Stiften auf dem Steg. Diese wird dann so oft reflektiert und leicht gedämpft, bis die Saite eine merkliche vertikale Auslenkung erfährt.

An den schrägen Stiften sollte die Reflektion jetzt schon zu einer horizontalen Sekundäranregung der Saite führen. Der Steg mit Agraffe sollte diese Umlagerung der Anregung ausschließen.

Jedes mal wenn die Transversalschubwelle durch die Saite pflutscht, wird durch die Auslenkung ein kleiner Winkel induziert, dadurch muss die ganze Saite länger werden und damit Spannung aufbauen, was dann zur Longitunalwelle in der Saite führt. Je stärker die Longitunalwelle ist, desto schärfer wird der Klang. Sie wird weder an der Agraffe, noch an den Stiften sehr behindert und eher an den Befestigungspunkten der Saite reflektiert. Damit sollten Instrumente, welche jede Saite einzeln aufgehängt haben, weniger Anfällig für pfeifende und scharf klingende Saiten haben, da die Dämpfung an der oberen Aufhängung sicherlich um einiges höher ist, als bei Instrumenten, bei denen die Saite nur über einen weiteren Stift am Ende umgelenkt wird.

Ist die Saite erst mal durch diese Wellen ausgelenkt, stellt sich das Gleichgewicht zwischen transversalen Massenkräften und Saitenspannung an und die Saite geht in den harmonisch schwingenden Zustand, mit den Oberwellen die aus dem anfänglichen transienten Vorgang übrigbleiben. Auch da wird es wieder durch schräge Stifte im Steg zu einer vertikal - horizontal Umlagerung führen, die dann eventuell als unsauberer Ton erscheint, denn die horizontale Schwingung wird über den Steg den Resonanzboden anders anregen, als die Vertikalschwingung.

Wäre jetzt daran interessiert, ob sich die Vorstellung mit der Eigenheit und dem Aufbau mancher Instrumente deckt. Klavierstimmer vor. Wer kann aus seiner Erfahrung berichten ?

LG acoustico.
 
 

Top Bottom