Jetzt mal langsam

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Drahtkommode, 17. Dez. 2019.

  1. Demian
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    Organ2/ASLSP von John Cage (natürlich ein Extrembeispiel) zeigt, dass genau dies sehr subjektiv ist und von der individuell unterschiedlichen Fähigkeit (edit: bzw. dem Atem) der Rezipienten abhängt.
     
  2. rolf
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    Unsinn, denn: spielt man das auf einem Klavier???
     
  3. Viva La Vida
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    Das sehe ich nicht so. Spiel mal keinen Ton an dann gibt es auch kein dazwischen, es gibt nur Leere.

    Was geht ist Töne einer Zeiteinheit spielen, warten und dabei sich die nächsten Töne vorstellen, dann spielen, warten und vorstellen, spielen etc.
     
  4. Demian
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    Natürlich nicht, ich schrieb „Extrembeispiel“. Cage wollte aber zeigen, wie subjektiv Zeitwahrnehmung ist, und dass Zeitwahrnehmung sehr dehnbar ist (dehnbarer als viele meinen). Sonst hätte er dieses Zeitkunstwerk nicht konzipiert!
     
  5. Demian
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    Von „keinem Ton“ habe ich nichts geschrieben. Vielleicht muss ich mich noch konkreter ausdrücken: Es geht um das, was zwischen den Einsätzen von Tönen passiert.
    Ja. Allerdings ist nicht nur das Vorstellen des Folgenden wichtig, sondern auch das Nachhorchen und Spüren des gerade Gespielten. Das ist doch eine hochgradig aktive Tätigkeit. "Warten" klingt sehr passiv.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Dez. 2019
  6. rolf
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    sinnigerweise ohne das Klavier dafür zu verwenden, oder?
     
  7. Demian
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    Ja, klar. Das Stück ist doch ein Fingerzeig, um festgefahrene Meinungen zu hinterfragen (wie so manches von Cage) - in diesem Zusammenhang eben über das Tempo. Zeit- und Tempowahrnehmung ist etwas, das sich beeinflussen und verändern lässt. Dies zeigt sich z.B. bei bestimmten Drogen, beim Meditieren oder eben, und darauf will ich hinaus: durch die Entwicklung eines sehr scharfen Bewusstseins.
     
  8. Viva La Vida
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    Wird für mich nicht anders im Argument.
    Hab gerade probiert: es klingen die vorher gespielten Töne/Musik aus und werden leiser, ohne Pedal ist das schnell zu Ende und dann hat man wieder Ruhe - Stille.

    Also ich kann jede Tonsequenz abklingen lassen bis zur Ruhe , auch mit Pedal dauert halt etwas ;-)
     
  9. rolf
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    mit Verlaub, zum Klavier üben taugt das alles gar nichts (wozu also das blabla?)
    @Viva La Vida richtig, Klaviertöne leben nicht gerade lange - aber fürs langsam üben kann als Orientierung die eigene Atmung (siehe Beitrag vor Cage-Bla) nützen.
     
  10. Demian
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    @Viva La Vida
    Wenn nach einem Ton-Anschlag nichts mehr in deinem Inneren passiert (Nachhorchen bzw. Klangvorstellung) hast du wohl zu lange gewartet. Das Herauszufinden, ist doch gerade Teil des bewussten Hörens.
     
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  11. rolf
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    Nicht immer!
    Wenn lange genug gewartet wird (so in Cage-Dimensionen) dann knurrt Hungers wegen hörbar der Magen ;-):-D:-D:-D:-D
     
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  12. Demian
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    @rolf
    Wenn man Cage für Blabla hält, und nichts anderes spricht aus deinen Beiträgen, lässt sich über selbigen natürlich auch nicht angemessen diskutieren. Aber bei Cage gehen ja die Meinungen bekanntlich auseinander. Ist ja nicht schlimm. Dennoch lohnt es sich, über seine Ideen nachzudenken.
     
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  13. rolf
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    rolf

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    was ich nicht tue - aber besagtes Cage-Stück hilft NICHTS bei Überlegungen zum "langsam KLAVIER üben" --- ist das sooo schwer zu begreifen?
     
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  14. Demian
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    @rolf
    Lies einfach noch mal, was genau ich geschrieben habe. Selektives Lesen bringt uns hier nicht weiter. Für mich ist das Thema hier beendet. Es gibt wichtigeres. Die Leser dieses Fadens mögen sich ein eigenes Urteil bilden. Punkt.
     
  15. rolf
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    ...wann erschien der "Zeitroman" namens Zauberberg, der die ungeheuerliche Neuigkeit der differierenden subjektiven Zeitwahrnehmungen usw usf … war das evtl schon 1924? ...hm... egal - Cage auf einer Orgel, Thomas Mann zwischen Buchdeckeln, Adventskränze mit Langzeitkerzen: alles hilft beim klavierüben, ist wortreich und weise...
     
  16. Tastatula
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    ein ganz wichtiger Punkt: Sobald du anfängst, zu warten, hast Du´s vergeigt. Dann ist die Musik tot.
    Dann war Dein Tempo zu langsam und die Adhäsionsfähigkeit der Melodie ist gebrochen.
    Die Vorstellung auf den nächsten Ton gehört mit zu den wichtigsten Momenten im gestalterischen Spiel. Wenn ein Cellist sich den Ton, den er gleich in der 6. Lage spielen soll, nicht vorstellen, also vorhören kann, dann wird er ihn falsch spielen, entweder in der Intonation, oder im Strich oder im Aufsatz des Fingers. Es wird Grütze klingen.
    Wenn eine Sängerin sich ihr hohes c nicht vorstellt, wird schis-moll herauskommen und das Publikum das Weite suchen. Nur beim Klavier denken viel zu viele Menschen: ach, da muß man doch nur draufdrücken.
    Falsch.
    Auch die Choreographie hilft bei der Realisation eben dieser Vorstellung. Die Choreographie läuft immer vor dem Ton, nicht dahinter (doch, auch schon, aber das steht auf einem anderen Blatt).
    Sie führt zu ihm.
    Und warten ist immer bewegungslos...
     
  17. Viva La Vida
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    Gut soweit, wenn es aber schneller wird dann muss man sich ja eine Tonfolge vorstellen. Weil sonst bin ich ja mit meiner einzelnen Tonvorstellung zu langsam. Zumindest beim normal spielen.
    Kann mir nicht einen Ton vorstellen dann den nächsten, das ist dann ja viel zu langsam.

    Eigentlich muss dann ja wohl eine gesamte Bewegungsfolge und somit eine Tonfolge-Vorstellung in ihrer Gesamtheit! bereits vor der Ausführung schon existieren.
     
  18. Demian
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    Demian

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    Das hängt vom Einzelfall ab: Nimmst du eine Kantilene wie z.B. im zweiten Chopin-Nocturne, sollte man sich einzelne Töne vorstellen. Mit zunehmender Erfahrung sind es dann auch Tongruppen, deren Klang man sich als gesamte Gestalt vorstellt, wie du geschrieben hast: z.B. Dreiklangsbrechungen oder Tonleiter-Läufe.
     
  19. Tastatula
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    Tastatula Super-Moderator Mod

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    es ging ja um das Langsamüben.:-)
    Im Übrigen bleiben die Tonvorstellungen dann auch im schnellen Spiel erhalten. man merkt es nur nicht so direkt. Aber der Lauf klingt viel schöner....
     
  20. Viva La Vida
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    Viva La Vida Gesperrt

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    Danke das ist sehr hilfreich und interessant.
    (habe den Beitrag erst jetzt gesehen, wurde irgendwie nicht angezeigt)

    Zum Thema auswendig lernen, habe ich auch gehört dass es sehr gut ist wenn man das Stück dann selber auch aufschreiben und notieren kann.

    VLV