Im Gedenken an klaviermacher

Hallo liebe Stilblüte,

wie wahr Deine Aussage: "Den Hass zum Beispiel"..... das würde wohl die Menschen und damit auch die die Welt verändern... sowie wir sie uns wünsche....


Liebe Grüsse nach New York sendet Dir


wolfgang
 
es ist unfassbar, dass Michael nicht mehr da ist.

Ich denke, dass Du Dich irrst!

Michael ist noch da und er wird es auch bleiben: In jedem von uns, in unseren Herzen, in unseren Instrumenten und in unseren Seelen, die er berührt hat mit seiner liebenswerten Menschlichkeit und Freundschaft.

"Gerne" hätte ich Michael und Euch auf seiner letzten Tour begleitet, aber mir hat dafür die Kraft gefehlt. Es ist tröstlich, dass so viele ihm die Ehre erwiesen haben. Es war nicht die letzte, denn ehren werden wir ihn unser Leben lang - dessen bin ich mir sicher.
 
Ich war auch anwesend. Bin aber gleich nach der Beisetzung nach Hause gefahren, da ich ja ausser Micha, Stephan und noch einer dritten Person, sonst niemand vom Forum kenne.

Ups! Also falls du mich meinst, den du ausser Micha noch kanntest, habe ich dich wirklich wohl übersehen. Ganz ehrlich, ich mag mich an niemand erinnern, den ich kannte und der nicht ans Essen kam. Falls ich dich einfach nicht gesehen habe, tut es mir sehr leid... Schreib mir doch per PN, wer du wirklich bist. Vielleicht kommts mir dann in den Sinn. Ich war ja gestern auch nicht ganz auf der Höhe.

Etliche waren ja schon im Laufe des Freitags angereist, und so gab es eine illustre kleine Gruppe, die sich zum Abendessen gemeinsam noch viele Erinnerungen an Michael erzählten und wir hatten es schön, lustig, nachdenklich, traurig, aber vor allem: Michael war bei uns und es hätte mich an dem Abend nicht gewundert, wenn er plötzlich erschienen wäre, sich mit seinem unverwechselbaren "Halloooo" zu uns gesetzt und einen Kaffee bestellt hätte. Er erschien aber nicht. Er war schon da.

Ich fand die ganze Feier sehr schön, und vor allem fand ich es toll, dass Michaels Mutter auch die zahlreich erschienenen Clavioten bemerkt hat. Einige haben dann am Essen noch mit ihr gesprochen, was sie sehr bewegt hat. Auch seiner Frau Christine tat es - so denke und hoffe ich - gut, die aufrichtige Anteilnahme zu spüren. Ich danke Christine sowie ihrer Schwester, nicht zuletzt aber auch Georg dafür, dass Michaels Freunde aus Clavio sich in einem so schönen Rahmen von ihm verabschieden durften. Ich hoffe, jeder konnte dies einigermassen stimmig auf seine Weise tun.
Ich danke auch allen, die Musik geschickt hatten, die dann während der ganzen Aufbahrungszeit erklang. Und ich danke allen, die in der Zeit seines Abschieds für Michael Klavier gespielt oder seine Musik gehört haben.
 
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...und ich danke @thepianist73 für diesen schönen Beitrag.

Vielleicht darf ich noch anfügen, dass Micha seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. So war es ein gleichermaßen befremdliches wie auch schönes Gefühl, ihn fast physisch bei der Trauergesellschaft zu spüren.

Mich hat große Spuren hinterlassen - nicht nur direkt bei uns. Vielmehr wird seine Art des Arbeitens indirekt durch uns weitergetragen. Jeder, der seine Instrumente von Micha pflegen ließ, wird dessen Arbeitsethos als Maßstab für gleich welchen Nachfolger annehmen. Somit dürften nicht wenige Berufskollegen in D/A/CH nun sanft "gezwungen" werden, Ihrerseits offener und genauer zu arbeiten. Micha ist somit - zumindest in clavio-Kreisen - zum "Goldstandard" für Regulierung, Stimmen & Intonation geworden. So bescheiden Micha war - DAS wird ihn freuen ! ;-.)
 
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Ich habe gestern das Publikum des Konzerts begrüßt und von Michael und seiner Bedeutung für uns erzählt. Was er für uns getan hat, was er vielen großen Pianisten bedeutete. Dass er gestern beigesetzt wurde. Dass seine Werkstatt in der Schubertstrasse steht und wir schicksalshaft viel Schubert im Programm haben. Ich habe Nase schneuzen und schluchzen im Publikum gehört. @sadagio hat mir die Noten umgeblättert und ich habe ihm vor dem ersten Ton gesagt, dass es jetzt gerade verdammt schwer sei zu spielen. Ich habe auch ein wenig gebraucht um rein zu kommen, die ersten 15 Minuten war ich nicht so locker wie sonst. Aber ich denke, Michael hat unser Konzert gefallen!
 
Ich durfte leider nur eine Stimmung von unseren Micha genießen.
Aber die war genial. Er hat meinen neuen hundertjährigen Bechstein wieder zum Klingen gebracht. Eine Saite wurde ersetzt. Diese hat sich natürlich im Gegensatz zu den Anderen ungemein verstimmt. Nun muss ich immer wenn ich das a spiele an unseren Klaviermacher denken.
Es ist einfach nicht zu begreifen

Beflügelt

Seine Kaffemaschine war der Hit
 

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@Destenay; ich sprach bestimmt nicht von den hervorragenden Stimmern & Klavierbauern.
 
das ist nun sicher nicht im Sinn von Michael, es gibt etliche hervorragende anständige Klavierbauer und Stimmer die in aller Stille grossartige Arbeit leisten.

Ich denke nicht, dass @fisherman vielen Kollegen von Michael ihre Fähigkeiten abspricht. Gerade Michael hatte aufgrund seiner Bescheidenheit und in der Gewissheit seines Könnens überhaupt keine Probleme, die Leistungen seiner Kollegen neidlos anzuerkennen, ich habe das selbst erlebt, als er mein Klavier erstmals unter den Fingern hatte. Ich sehe den von Dir zitierten Beitrag, lieber Destenay, als eine nochmalige Würdigung von Michaels Meisterschaft.
 
Danke, @pianochris66
Da möchte ich noch eines hinzufügen: Micha hat, als er erstmalig an mein Instrument (oder auch an das von Bekannten) kam, die suboptimale Behandlung durch seinen Vorgänger stets zu entschuldigen und zu erklären versucht. Gerade hier hat sich seine Größe gezeigt!

Ach, Micha ...
 
Hach, das ist auch so eine liebe Erinnerung... :herz:

"Wer war da dran? Aber nicht derselbe wie beim Blüthner, oder?" - "Nein, ein anderer." - *knurr, grummel* "Der vom Blüthner, der war gut, das hat mir gefallen, aber das hier ... da hab ich Arbeit..."

:cry2:
 
ja, @Barratt, so habe ich das auch von meinem W. Hoffmann in Erinnerung. "Da hab ich Arbeit..." Und dann ging's los. Und als er fertig war: "Das war so ein kleines, trauriges Klavier. Das konnte man doch unmöglich so lassen."

:cry:
 
Erinnert mich daran als Michael mein Seiler angespielt hat. Die Erstimmung des Händlers war gerade 2 Wochen her. Mittellage war ok, aber Bass und Diskant war garnicht im Sinne von Michael. Je weiter Michael den Bass runterging umso mehr sprach seine Mimik Bände. Er hat aber kein Wort verloren über den Kollegen. Dieser Kollege macht auch Konzertservice und vermietet sogar Steinway D Kaliber an bedeutende Konzertplätze hier im Rheinland.
Für mich hat das das Können von Michael bestätigt. Er konnte halt die letzten 10% noch oben drauflegen. Und dies ist definitiv hörbar und erspielbar.
 
Wir haben an Michaels letztem Abend nach getaner Arbeit noch lange auf meinem frisch intonierten Förster gespielt. Ich spielte grad Mozart, als er sagte, "Spiel die Stelle nochmal!", weil er ein kaum merkliches Nebengeräusch gehört hatte. Ich hörte es auch, aber er sass ca. 3 m weiter weg und hörte es noch, und vor allem wusste er sofort, was es war. So holte er seinen Koffer, baute die ganze Mechanik nochmals raus und leimte einen offenbar nicht mehr ganz fest sitzenden Hammerkopf im Diskant neu auf den Stiel. (!)
Danach war das Geräusch weg. Beim Zurückschieben der Mechanik hatte Michael wohl noch einen klitzekleinen Rest Leim am Finger, was dann auf einer Taste einen minimen Fleck ergab.
Wir versuchten, den kaum sichtbaren (nur wenn man sehr genau und schräg im Gegenlicht guckt) und beim Spielen nicht spürbaren Leimrest zu entfernen; bei genaustem Hinsehen sah man sogar Papillaren... :-)
Mit Benzin 80% gings nicht weg (das hätte den Kunststofftasten übrigens nicht geschadet, wir habens an einem Ersatztastenbelag getestet), Nagellackentferner bzw. Lösungsmittel hatte ich nicht da. Dies hätte wohl aber ohnehin auch den Kunststoff beeinträchtigt.
Wegkratzen war ihm zu heikel, denn das sieht und spürt man, wenn man nachher nicht nachpoliert.
So sagte er mir, er nehme auf der nächsten Tour seine Poliermaschine mit und mache den Fleck dann weg.

Nun, was soll ich sagen?
Der Fleck bleibt da wo er ist, solange dieser wunderbare Förster in meinem Besitz ist.
 

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