Ich bin mal neugierig, was verdient ein Pianist?

maxe
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Pianist ( nicht die ganz Große) bei einem Klavierabend bekommt? Wenn ich sehe wie viel man üben muss denke ich an 5- 7000 € .
Soweit ich den Vorgang noch erinnere, hat anläßlich eines Behördenjubiläums ein Konzertpianist für 2 Teilvorträge, je ca. 45min und ein paar kurzen Wunscheinlagen ca. 1000€ plus 200€ Reisespesen bekommen.

Ein Streichertrio hat andererseits zusammen für insgesamt 1h Auftritt bei einer anderen amtlichen Veranstaltung nur 780€ Euro bekommen, wobei die Künstler kein Konzertexamen hatten.
 
Peter
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Bechsteinfan
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Wenn man nicht genug Gage angeboten bekommt, dann gratis spielen? Das haltet Ihr für ein nachahmenswertes Konzept?
Du musst schon richtig lesen wie das gemeint war. Du jammerst doch am meisten darüber, wenn sich Musiker unter Wert verkaufen und der Marktpreis versaut wird.
"Umsonst" greift in den Marktpreis nicht ein, "für zu wenig" aber schon. Das bedeutet natürlich nicht, dass man umsonst spielen soll aber wenn man spielen will und die Gage zu gering ist dann lieber gleich "umsonst" (was es ja eh nie ist), um den eigenen Marktwert zu behalten oder eben gar nicht.
Genau so wie @fisherman handhabe ich das auch. Für 50 € irgend wo auf ein Dach zu steigen kommt nicht in Frage. Dann eben gar nicht oder umsonst. "Umsonst" wird auch in aller Regel sehr gut bezahlt, nur eben später und bei anderer Gelegenheit. "Wenig" wird nie gut bezahlt, auch später nicht.
 
Stilblüte
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Was man grundsätzlich nicht tun sollte, ist draufzahlen. Spesen, Fahrtkosten etc. stehen außerhalb der Gage, egal ob Benefiz, gratis, niedrige Gage oder sonst was.

Das gilt, wenn man für einen Auftritt engagiert wird. Ist man selbst Veranstalter, kann das natürlich passieren; vor allem am Anfang, wenn man noch wenig Erfahrung hat. Dauerhaft wird's allerdings teuer...
 
F
Freilos24
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Ich denke, es hängt von Pianist ab. Es ist unterschiedlich. Einer verdient mehr, anderer weniger. Die Gründe sind, wo der Pianist spielt, mit wem, was er spielt usw. Aber wenn der ein Profi ist, dann muss man gut verdienen!!!
 
Marlene
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Das sehe ich jetzt erst, ich hatte keinen Hinweis bekommen.

Bisher gab es meist das "Gagenglas" und bis auf einen Vorfall, der im Forum für Diskussionen gesorgt hat, war der Inhalt angemessen. Einmal gab es eine Gagenforderung, für das Treffen am 5.10. wurde vor zwei Jahren ebenfalls eine feste Gage vereinbart. Die Höhe werde ich aber nicht verraten.
;-)
 

Tastenscherge
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Wir hatten mit unserer Band jetzt auch eine Anfrage. Getränkehändler macht ein Fest, es spielen 3 Acts (ob Bands oder Kleinkünstler weiß ich nicht). Es sollte der Hut rum gehen und der Inhalt dann durch 3 geteilt werden. Hallo, geht´s noch? Haben wir natürlich abgesagt.

Wir sind zwar Amateure und freuen uns, wenn mir mal live spielen können, aber hier geht es ja um kommerzielle Interessen und nicht um Benefiz oder einen guten Kumpel, der für seinen Geburtstag eine Band braucht. Ende vom Lied: wir bekommen jetzt eine feste Gage. Zwar nicht hoch, aber auch nicht so unverschämt.
 
Marlene
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Bevor ich falsch verstanden werde: Wer aus bestimmten Gründen einen finanziellen Engpass durchlebt, sollte nicht auf Musik und Geselligkeit verzichten müssen. Daher ist es durchaus schon vorgekommen, dass ich die Gage eines so betroffenen Gastes übernommen habe. Es ist aller Ehren wert, wenn jemand das Problem vorzeitig an mich heranträgt, anstellen sich heimlich am Gagenglas vorbeizudrücken.

Allgemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass unbekanntere Künstler (oder Stücke, oder Werke, die nicht gefallen), mit weniger Gage bedacht werden. So macht es – so meine Erfahrung - finanziell einen Unterschied, ob ein Künstler z.B. Skrjabins neunte Sonate spielt oder Chopins op. 23. Leider gibt es Zuhörer, die nicht die Leistung des Pianisten finanziell wertzuschätzen wissen, sondern sich von ihrer Zufriedenheit am Ende des Konzerts leiten lassen.

Erstmals bin ich mit der mangelnden finanziellen Wertschätzung meiner Mitmenschen konfrontiert worden, als Nageeb an mehreren Tagen alle Sonaten von Skrjabin gespielt hat. Es gab mehrere Türen zum Konzertsaal und diese waren alle geöffnet. Die Zuhörer mussten nicht am Gagenkörbchen vorbeigehen und was am Ende darin lag war beschämend. Ich möchte mir die Emotionen des Künstler nicht vorstellen. Ich hatte Nageeb gegenüber damals angeregt, bei seinen weiteren Auftritten nur eine Tür zu öffnen, damit die Zuhörer das Körbchen zwangsläufig passieren müssen. Es handelte sich um die Aula der Uni Köln, also um einen nicht allzu großen Raum.


https://www.clavio.de/threads/26-ma...t-skrjabin-und-rachmaninov.23918/#post-566948

https://www.clavio.de/threads/was-sind-musikalische-erlebnisse-wert.23923/page-4#post-581108


Nein, auffällig wenig. Aber das ist in dieser Weise bei mir nur einmal vorgekommen. Hingegen habe ich schon mehrmals die Verwunderung des Künstlers erleben dürfen, weil er/sie mit weniger gerechnet hat. Daher hatte mich dieser Ausreißer so erstaunt. Aber bei Konzerten außerhalb habe ich die „Geiz ist geil“ Mentalität schon öfter erleben müssen.


Auf diesen Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen, denn ich bin absolut sicher, dass derartiges noch nie passiert ist bei einem meiner Treffen.
 
hasenbein
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Deswegen: NICHT auf Hut oder Eintritt spielen!

Das ist entwürdigend, weil es de facto nah am Straßenmusiker und Bettler ist.

Die richtige Einstellung, ob Profi oder Amateur ist: Ich biete hier eine Leistung an, die kostet was, und wenn Euch das zu viel ist, bad luck für Euch.

Die Zustände bleiben so und verschlimmern sich, nicht weil Veranstalter oder Zuschauer solche geizigen Arschlöcher wären, sondern weil Musiker diese dämliche selbstsabotierende Einstellung haben: "Ja, aber wir wollen doch spielen und auftreten, Gigs zu bekommen ist schwierig, also nehmen wir, was wir kriegen können."

Dass das Schwachsinn ist und man sich dadurch selbst in die machtlose Position manövriert, ist z.B. auch den Teilnehmern an den unsäglichen "Fetes de la musique", bei denen JEDER Kohle macht außer den Musikern (absurd!!) anscheinend nicht zu vermitteln.
 
ahc
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den Teilnehmern an den unsäglichen "Fetes de la musique", bei denen JEDER Kohle macht außer den Musikern

Meinst Du damit das französische Fest, das einmal im Jahr Ende Juni stattfindet? Das findet hier in der Stadt meistens bei öffentlichen Kulturinstitutionen statt - ich hatte gedacht, die öffentliche Hand finanziert das. Ist das nicht so?
 
hasenbein
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Das ist ja das Schlimme und Idiotische an der ganzen Sache: Die öffentliche Hand steckt da in der Tat Geld rein, das AUSSCHLIESSLICH allen anderen - also Bühnenequipment-Firmen, Catering-Firmen, Werbefuzzis etc., die SELBSTVERSTÄNDLICH NIEMALS gratis arbeiten würden - als Honorar zugute kommt, während die Musiker, um die es angeblich geht, NICHTS bekommen.

Wer nicht merkt, wie absurd das ist, und wer als Musiker denkt "warum nicht, man bekommt doch dadurch Sichtbarkeit und hat Spaß" dem ist nicht mehr zu helfen.

Wenn die anderen Beteiligten auch gratis arbeiten würden, würde ich tatsächlich die Sache differenzierter betrachten. So aber NEVER.
 
hasenbein
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Stilblüte, es geht mir nicht um "Fairness".

Ich gehöre NICHT zu diesen Leuten wie "Art but fair", die rumheulen, wie unfair doch alles sei, und meinen, "Mindestgagen" seien der richtige Weg.

Nein, ich sage nur: Man ist als Musiker SELBER SCHULD, wenn man sich auf selbstsabotierende Deals einlässt. Man hat es in der Hand.

Und ja, es kann dann sein, dass man, weil die eigene Musik entweder nicht gut genug oder nicht gut vermarktbar ist, evtl. sehr wenige Gigs hat. Entweder passt man dann das "Produkt" an oder sieht zu, dass man "besser wird", oder man will oder kann das nicht, und dann muss man sich halt was anderes überlegen, um seine Kohle zu verdienen. Sehr klare und einfache Angelegenheit.
 
T
Tastimo
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Ein Problem ist auch, dass Studenten und ...-europäische Musiker (politisch korrekt ausgedrückt) die Preise drücken.

Ich weiß noch, als Student habe ich auch mit der von Hasenbein beschriebenen Einstellung gespielt. Und ich war bei weitem nicht allein damit.

Was ist die Lösung? Ein Kartell? Eine Musiker-Gewerkschaft? Der Tonkünstlerverband Baden-Württemberg hat ja immerhin bereits Empfehlungen herausgegeben.
https://dtkv.net/BW/17-leistungen/259-was-kostet-kunst.html
 
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