Hervorheben von Tönen

D

Doc88

Guest
Guten Morgen allerseits!

Zur Zeit versuche ich mein mehrstimmiges Spiel zu verbessern. Habt Ihr evtl. Tips, wie man in Akkordfolgen eine Melodielinie besser hervorheben kann? Ist ja wohl ein kniffliges Ansteuerungsproblem. Wie habt Ihr das gelernt ?
Lg Doc88
 
dilettant

dilettant

Dabei seit
5. März 2012
Beiträge
8.056
Reaktionen
9.858
Hi Doc,

eine Frage für die Klavierlehrer. Vielleicht kann ich aber auch helfen. Meine Ideen sind:
  • Vernünftige Fingersätze, die Dir erlauben, die Melodielinie legato zu spielen (so das im Kontext angezeigt ist).
  • Die Melodielinie einzeln (isoliert) spielen. Die Hand-/Armbewegungen richten sich nach der Melodie.
  • Dann die anderen Akkordtöne hinzunehmen, drauf achten, dass die Hand-/Armbewegungen dennoch weitgehend die bleiben, die die Melodie erfordert.
Das "Hinzunehmen" der Akkordtöne kann erstmal so aussehen, dass Du jeweils erst den Melodieton spielst ("hervorgehoben", was nicht notwendig als "laut" zu lesen ist) und danach die Akkordtöne (leise) anschlägst. Du lernst so, die Akkorde mit Gewicht auf dem Melodieton zu greifen und anzuschlagen.

Und jetzt schreibe ich mal was, was gleich große Diskussionen hervorrufen wird, bei denen ich mit Sicherheit auch noch was lerne: Meiner Meinung nach spielst Du die "hinzuzunehmenden Akkordtöne" eher aus den Fingern, nicht aus Hand/Arm, weil die sich ja nach der Melodie richten sollen. Liebe Klavierlehrer, was sagt Ihr dazu?

Ciao
- Karsten
 
C

chopin92

Dabei seit
18. Sep. 2012
Beiträge
220
Reaktionen
33
Ich würde als zusätzlichen Tipp noch beim Üben auf die Melodie achten. Also wenn man alles spielt, versucht man auf die Melodie stimme zu hören, wenn man weis wie sie klingen soll und sich auf die konzentriert, ist es bei mir zumindest so, dass sie dann auch auch tatsächlich schon besser hervorkommt.
 
hasenbein

hasenbein

Dabei seit
13. Mai 2010
Beiträge
8.741
Reaktionen
7.711
cwtoons

cwtoons

Dabei seit
28. Apr. 2011
Beiträge
8.800
Reaktionen
6.947
Das Hervorheben einer Melodielinie, die in eine Akkordfolge eigebettet ist, ist solange einfach, wie die Melodie oben und außen liegt. Sie wird dann mit dem kleinen Finger, mit dem Ringfinger und dem Mittelfinger - meistens - gespielt.

Auch noch nicht so schwierig ist es, wenn die Melodie außen am Akkord, aber unten liegt, sie also mit dem Daumen gespielt wird.

Etwas schwieriger sind dann eingebettete Melodien, die ständig zwischen oben am Akkord und unten am Akkord hin und her pendeln. Das dauert dann beim Üben etwas länger, bis sie wie aus einem Guss klingen.

Knifflig wird es, wenn die Melodie durch die Mittelstimmen einer Akkordfolge dargestellt wird. Das geht, wie oben schon gesagt wurde, nur über sehr genaues=differenziertes Anschlagen der Tasten verbunden mit dem richtigen Fingersatz. Und man braucht eine Vorstellung davon, was eigentlich genau die Melodie und was eigentlich Begleitung ist. Das hat man natürlich noch nicht beim ersten Durchfingern des Notentextes.

Ein schönes Stück, um das alles zu üben, ist die Petri-Version für Klavier von Bachs "Schafe können sicher weiden", ist hier schon mehrfach verlinkt und gespielt worden.

CW
 
rolf

rolf

Dabei seit
18. Feb. 2008
Beiträge
28.273
Reaktionen
18.455
Und jetzt schreibe ich mal was, was gleich große Diskussionen hervorrufen wird, bei denen ich mit Sicherheit auch noch was lerne: Meiner Meinung nach spielst Du die "hinzuzunehmenden Akkordtöne" eher aus den Fingern, nicht aus Hand/Arm, weil die sich ja nach der Melodie richten sollen.
ein Polacke namens Czeslaw Marek hatte was anderes empfohlen und in einem fettleibigen Kompendium auch grafisch dargestellt, damit sich´s der Leser vorstellen kann: die Melodietöne kommen unten im Tastenboden an, die Nebenstimmen nicht
...wenn ich mich richtig erinnere, ist dieses "Problem" schon sehr oft im Forum durchgekaut worden...
 
LMG

LMG

Dabei seit
1. Jan. 1970
Beiträge
3.651
Reaktionen
775
Nein.

Außerdem kommt es TOTAL auf die Art und Beschaffenheit der Stelle an - so pauschale Anweisungen machen gar keinen Sinn.

Dann macht allerdings auch Dein "Nein" keinen Sinn, denn auch das ist eine pauschale Anweisung.

Bestmögliche Kontrolle zum Hervorheben besteht in Greifbewegung der Finger, denn sie sind es, die die Tasten betätigen und die feinsten kontrolliertesten Bewegungen ermöglichen. Zum Beispiel: EINZELNE, BELIEBIGE FINGER jeder Hand bei vollgrifffigen Akkorden nur HALB runtergreifen, andere GANZ...Betrachtet man Finger als "unnütze Anhängsel", wird man schnell erkennen, dass allein durch Arm-"Buffbaff" oder "Hand-hochundrunter" keine so exakte Kontrolle möglich ist. Allerdings sollte man Finger natürlich im Gesamt-"Verbund" : Finger-Hand-Arm betrachten. Keines dieser Elemente kann / sollte vernachlässigt werden.

LG, Olli
 
  • Like
Reaktionen: exe
E

exe

Dabei seit
2. Juni 2011
Beiträge
176
Reaktionen
106
"Polacke" ist auch kein eleganter Ausdruck, fürwahr ....
 
Zuletzt bearbeitet:
LMG

LMG

Dabei seit
1. Jan. 1970
Beiträge
3.651
Reaktionen
775
der Polacke Marek vermochte das OHNE Großbuchstabengetue und eleganter zu formulieren ;-):-D

mja, rolf, geb ich zu. Bin ja einfach gestrickt.

Aber auch der Lecture-Mann hat evtl. noch einen kleinen Hinweis parat: Zitat aus Lectures, sinngemäß:

DREI Arten:

a ) Taste halb runtergreifen.
b ) Taste stumm halb runtergreifen und dann bis zum Boden.
c ) "Durchgreifen". Also voll durchziehen.

( Als ganz grundlegende Überlegung ). Kontroll-Aspekte usw. wie gehabt.

LG, Olli
 
Rheinkultur

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.675
Reaktionen
8.880
ein Polacke namens Czeslaw Marek hatte was anderes empfohlen und in einem fettleibigen Kompendium auch grafisch dargestellt, damit sich´s der Leser vorstellen kann: die Melodietöne kommen unten im Tastenboden an, die Nebenstimmen nicht
Quelle?: Lehre des Klavierspiels
Vermutlich würde ich mir bildlich die Töne an einer Schnur aus flexiblem Material aufgehängt vorstellen: Die hervorzuhebenden Töne haben mehr Gewicht und ziehen folgerichtig stärker nach unten. In der Realität ist der Tiefgang ("unten im Tastenboden") räumlich begrenzt, aber das Mehrgewicht kann sich auch auf engstem Raum bereits auswirken.
 
E

exe

Dabei seit
2. Juni 2011
Beiträge
176
Reaktionen
106
...und taucht doch, in dieser Schreibweise, bei Goethe, Heine und Storm auf... oh diese bösen Literaten...

jaja, früher war das Brauch.

Da sagte man auch von einem maximalpigmentierten Menschen, er sei ein Neger. Das lehnt man heute ab. Vielleicht waren die Lateinkenntnisse damals besser, oder man hielt es mit Monteverdis nigra sum sed formosa; wer weiß.

lg
 
LMG

LMG

Dabei seit
1. Jan. 1970
Beiträge
3.651
Reaktionen
775
@Rheinkultur:

Das könnte man nachvollziehen, allerdings meine ich, dass eine kleine Einschränkung nicht unerwähnt bleiben sollte:

Wenn die einzeltöne an einer schnur aus flexiblem Material hängen, sollte man beachten, dass KEIN Ton, den man mehr heruntergreift als einen z.B. danebenliegenden, den danebenliegenden ein wenig MIT herunterzieht... . Beim flexiblen Material könnte das aber, wenn man nicht aufpasst, der Fall sein...

LG, Olli!
 
alibiphysiker

alibiphysiker

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
25. Feb. 2013
Beiträge
1.320
Reaktionen
2.654
Was homöopathisch immer hilft, mir zumindest, ist es zu übertreiben. Was ich damit meine ist, die Melodiestimme viel zu krass hervorheben, den Rest übertrieben leise lassen. Hierbei aber weiter darauf achten, dass eine gewisse Anschlagkultur bewahrt wird, und die Anschläge (zumindest bei humanen Griffweiten und nicht notiertem Arpeggio) gleichzeitig erfolgen.

Außerdem hilft es mir, das Problem zu isolieren. Das muss jetzt nicht so krass erfolgen wie in der Etüde op. 52 no. 2 von Saint Saens, aber es hilft mir einen Großen Akkord mit allen Fingern zu greifen, und dann die Betonung durch die Finger wandern zu lassen. Veranschaulichungen welche vielleicht helfen sind: "Standbein-Spielbein", "verschiedene Fingergeschwindigkeiten".

Eine gute Etüde für diese Problematik ist übrigens wie ich finde die Etude Tableau aus op. 33 in d-moll (Moderato) von Rachmanninov.

Liebe Grüße,

Daniel

P.S. Hier die Saint Saens Etüde:

 
Zuletzt bearbeitet:
D

Doc88

Guest
Danke zwischendurch für Eure Anregungen.
Die Info mit den Standbeinfingern hat mich sehr angeregt.
Auch die CSS - Etüde und Rach op.33-5 werde ich mir mal näher anschauen, ob das im
Rahmen meiner Möglichkeiten liegt.
Vielleicht sollte ich mir auch endlich mal den dicken Polen anschaffen.
Kennt Ihr evtl. auch noch Quellen mit technische Elementarübungen zum genannten Problem ?
LG Doc
 
hasenbein

hasenbein

Dabei seit
13. Mai 2010
Beiträge
8.741
Reaktionen
7.711
Betrachtet man Finger als "unnütze Anhängsel", wird man schnell erkennen, dass allein durch Arm-"Buffbaff" oder "Hand-hochundrunter" keine so exakte Kontrolle möglich ist.

Wer hier betrachtet das denn so??

Allerdings sollte man Finger natürlich im Gesamt-"Verbund" : Finger-Hand-Arm betrachten. Keines dieser Elemente kann / sollte vernachlässigt werden.

Richtig. In diesem Gesamtverbund gibt es allerdings sozusagen "Hunde" und "Schwänze", und Hunde sollen mit Schwänzen wedeln, nicht aber umgekehrt, was unphysiologisch wäre.
 
LMG

LMG

Dabei seit
1. Jan. 1970
Beiträge
3.651
Reaktionen
775

Eigentlich wollte ich darauf nicht antworten, Hasenbein. Aber: Kleiner Tip: Neulich sagtest Du, dass Du es zweckmäßig findest, wenn Finger eine untergeordnete Rolle spielen - das ist nicht haltbar und somit Käse.

Also frag bitte lieber nicht solche Fragen - sie könnten nämlich auch mal beantwortet werden.

LG, Olli
 

Similar threads

 

Top Bottom