Herausforderungen nach knapp einem Jahr als Späteinsteiger


Uwe_Munich
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Hallo Leute,

ich bin Späteinsteiger, der vor ca. 10 Monaten mit 43 Jahren mit dem Klavierspielen angefangen hat. Ich übe so im Schnitt ca. 5 Stunden (+/- 2) pro Woche.
Wenn ich hier so lese bin ich immer wieder platt und beeindrukt was manche Leute hier nach einem Jahr schon spielen können.
Drum dachte ich mir ich zieh das Pferd hier mal von der anderen Seite auf.
Mich würd mal interessieren, was so Eure Herausforderungen nach der ersten Zeit insbesondere als Späteinsteiger sind/waren und ob es ggf. ein paar "Aha" Momente in Eurer "Trainingslaufbahn" gegeben hat, die Euch richtig weiter gebracht haben (evtl. als Quantensprung oder auch langsam).

Ich fange jetzt mal mit mir an, wobei ich mit nem Quantensprung nicht dienen kann den Tipp dafür will ich ja von Euch :D.
Ok.ok. die Antwort darauf kann ich mir schon schon fast denken....

Also: Ich arbeite gerade an der "Etüde C-dur" aus der Russischen Klavierschule. Natürlich Band 1, Nr. 108. Das ist übrigens das erste Stück aus der RK das mir meine KL aufgegeben hat, nicht das Ihr denkt die anderen 107 Stücke kann ich schon...
Dieses Stück hat grad mal 15 Takte, aber ich hab es jetzt nach einer Wochen üben noch nicht geschafft es motorisch korrekt auch nur mit halber oder drittel Geschwindigkeit zu spielen (das zum aktuellen Status)
.
Aber ich wollte ja über die Herausforderungen sprechen:
- Es fällt mir schwer eine gleichmäßige Geschwindigkeit hinzubekommen wenn es etwas schneller wird (viele 8-tel Noten, von 16-tel ganz zu schweigen).
- Ich lerne aktuelle alles erst mal auswendig, und schau dann immer auf die Tasten. Wenn ich beim Spielen dann mal wieder auf den Notentext schaue wirds eng... Far away from "Prima Vista"
- Bei "Sprüngen" also da, wo die Hand mal um eine Quart oder so versetzt werden muss wird es eng und ich hau ständig daneben.
- Noten lesen geht im Violinschlüssel schon ganz gut im Bassschlüssel quäle ich mich ganz schön rum. Oft ist da zählen oder "spicken" angesagt (bei mir liegt hinterm Notenheft immer der Spickzettel :p).

Zum Thema Quantensprung bzw. Verbesserung. Ich werd jetzt mal versuchen mich noch mehr in den Stücken auf die Teile zu konzentrieren, die noch nicht klappen und die immer wieder spielen (ich glaub das könnte ich noch verbessern) wobei 15 Takte ja schnell durch sind.

So jetzt würd mich mal intresesiern womit Ihr so kämpft.

Gruß

Uwe
 
8Finger&2Daumen
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Hallo Uwe,
ich kämpfe mit jedem Stück, das ich lerne. Zum Vom-Blatt-Üben habe ich Emonts "Erstes Klavierspiel", da bin ich nach einem Jahr und 4 Monaten noch nicht mal zur Hälfte mit Band 1 durch, und Bartoks "Mikrokosmos", da bin ich gerade bei dem 14. Stückchen. Diese Stücke muss ich alle spielen und sie werden erst abgehakt, wenn sie melodisch, gleichmäßig und (halbwegs) fehlerfrei gespielt sind. Kann schon mal sein, dass ich an so einem Stück drei bis vier Wochen üben muss. :( Dafür habe ich immer gleichzeitig 4-6 dieser Stücke in der Pipeline.

Dann sind da noch die "anspruchsvollen" ;) Sachen, an denen ich nicht nur Wochen, sondern eher Monate übe. Allerdings habe ich die alle noch nicht so weit, dass ich zufrieden bin. Durch das viele Üben kann ich diese Stücke aber dann aber bald auch ohne Noten spielen. Die Herausforderung ist dann gemeistert, wenn ich z. B. eine Passage, an der ich eine oder zwei Wochen intensiv geübt habe, endlich mit der gewünschten Dynamik hinkriege. Da lernt man Demut: z. B. wenn so ein kleines Schumann-Stückchen wie das Arme Waisenkind nach 2 Monaten immer noch klingt, als wäre es nicht nur ein armes, sondern außerdem ein körperlich und geistig gehandicaptes Waisenkind.:(

Ehrgeiz hin oder her, ich sag mir immer, dass ich doch nicht zu einer bestimmten Zeit irgendwas fertig haben muss, sondern der Weg ist das Ziel! Ich habe sehr viel Spaß am Üben. Selbst wenn ich Sequenzübungen mache, sollen die klingen. Es fällt mir nicht leicht, immer auf alles zu achten. Also Metrum, Dynamik, keine Flatterfinger, das geht zuerst nicht gleichzeitig. Aber irgendwann. Wenn ich überlege, wo ich im September vor einem Jahr stand und wo ich heute bin, sehe ich, dass ich - egal wie schnell - Fortschritte gemacht habe. Und das ist doch das Wichtigste, ich will ja keine Pianistin werden, sonder ich spiele weils mir Spaß macht.

Beste Grüße,
8f&2d
 
Klimperline
Klimperline
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Hallo Uwe,

ich spiele zwar schon etwas länger als Du, hatte aber ausschließlich autodidaktisch gearbeitet und aus Unwissenheit auf 999 der tausend für das Klavierspielen wichtigen Dinge nicht geachtet.

Meine größte Herausforderung sind meine Finger! Seit Dezember habe ich nun Unterricht und muss erstmals nach vorgegebenen Fingersätzen spielen. Selbst einfachste Stücke gehen bei neuen Stücken in den ersten Tagen nur in Zeitlupe, weil ich noch nicht im Gefühl habe, ob ich gerade mit dem dritten oder vierten Finger spiele. Noten lesen wird zur Nebensache, ich lese gezwungenermaßen nur noch Fingersätze.:D Ich hoffe aber, dass dieses Problem bald überwunden sein wird.

Eine weitere große Herausforderung ist die Unabhängigkeit der Hände, wie z.B. verschiedene Stimmen mit unterschiedlicher Lautstärke anschlagen oder Staccato in der einen Hand, während die andere Hand Legato spielen muss.

Mal schauen, was noch so alles kommt!
 
Stuemperle
Stuemperle
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Dieses Stück hat grad mal 15 Takte, aber ich hab es jetzt nach einer Wochen üben noch nicht geschafft es motorisch korrekt auch nur mit halber oder drittel Geschwindigkeit zu spielen (das zum aktuellen Status)
...
So jetzt würd mich mal interessieren womit Ihr so kämpft.
Naja, mit den Noten! :confused:

Ach Uwe, mach' Dir man keine Stress. 15 Takte sind wohl so ziemlich eine Seite und für eine Seite brauche ich einen Monat. Und ich kenne da noch jemanden (jüngeren), dem geht's ähnlich...

Das hat sich bei mir auch kaum gesteigert, vielleicht weil die Stücke ein bisserle schwieriger geworden sind oder meine Ansprüche gewachsen oder ich einen größeren Teil der Übezeit mit "Repertoirepflege" (= Spielen für spontanen Lustgewinn) zubringe.

Notenlesen ist schon eine wichtige Sache und Dein Spickzettel hilft Dir nicht wirklich beim Lernen, eher das Gegenteil. Wenn Du's üben willst: gaaanz einfache Sachen, die weit unter Deinem Niveau liegen, da gibt's was für Klavieranfänger-Kinder, Deine KL hat vielleicht sowas. Bei mir hat das, naja, keinen Quantensprung gebracht, aber diese Fertigkeit spürbar verbessert. Einfach nur hintereinanderweg vom Blatt spielen, nicht wiederholen, nicht auswendiglernen (lohnt meist auch nicht).

Ansonsten geht's/ging's mir wie Dir: ehe ich etwas "kann" hatte ich es so oft gespielt, dass ich es auswendig konnte. Das war auch nötig, weil Noten entziffern viiieeel zu langsam ging (mit Zählen und so). Erst allmählich bemerke ich, dass der Blick auf die Noten während des Spielens hilfreich sein kann. Nicht dass ich jede Note schnell genug entziffern könnte, aber ich beginne, spontan Strukturen (wieder-) zu erkennen, sogar mit einzelnen Noten als Eckpfosten.

Ich bin sehr froh über diese Entwicklung, weil ich Ähnlichkeit mit dem Gedichtvortrag vermute: es gibt so schöne Gedichte, sie vorzutragen könnte wie Musik vorspielen sein (ist aber in unserer Kultur noch exotischer). Selbst wenn wir das Gedicht in allen Nuancen kennen, würden wir es aber dennoch beim Vortrag lieber "ablesen" wollen als vorher erst auswendig lernen. Die Noten müssen uns so vertraut werden wie Buchstaben und wir dann die "Worte" in dem Notenfluß erkennen.

Das ist dann ein Quantensprung. Aber "natura non facit saltus - die Natur macht keine Sprünge" - stimmt nicht für Quanten, aber für uns :D

Liegrü
Hanfred
 
M
Melodicus
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Ich schließe mich allem an! (Klingt doof, ist aber so)
Vor knapp 1 1/2 Jahren Spätanfänger mit 50+, kämpfe mehr oder minder mit genau diesen Problemen, mal mehr, mal weniger.
Vermutlich ist das absolut typisch!
Ich brauche ewig, bis ein Stück klappt. Und dann ist es noch immer nicht "perfekt". Ich versuche eine Gratwanderung: einerseits den Anspruch beibehalten es "richtig" zu spielen, immer besser zu werden, allmählich schwierigere Stücke zu beherrschen, andererseits nicht zuviel Stress machen, die Freude/Begeisterung nicht zu verlieren, Fehler/Mängel nicht zum totalen Frust ausarten zu lassen.
Wenn man diese Balance halten kann, ist das für einen Hobbyspieler der goldene Mittelweg (für mich zumindest).

In ein paar Jahren lächeln wir vermutlich alle miteinander über die Probleme, die wir heute haben.
 
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Hallo,

ich will auch einmal dem Eindruck entgegenwirken, dass hier die älteren (Wieder-)Einsteiger einfach munter drauflosklimpern. Ich habe im September 2008 44-jährig nach 27 Jahren Pause wieder angefangen Klavier zu spielen, und ich merke, dass das Lernen auch von einfachen Stücken nicht mehr so schnell geht wie früher. Als ich mit 17 Jahren mit dem Klavierunterricht aufgehört habe, spielte ich Beethovens Pathétitique, von der ich jetzt W E I T entfernt bin. Ich weiß nicht, ob ich sie jemals wieder schaffe...

Ich glaube, das "Erfolgsrezept" ist einfach, etwas kleinere Brötchen zu backen. Ich versuche mich an einfachen Stücken, die auf eine DIN-A4-Seite passen, Menuette, kleine Präludien, Schumanns "Nordisches Lied", etc., und wage mich jetzt so langsam an eine Clementi-Sonatine als erstes "größeres" Stück. Viele Klavierspieler mögen das lächerlich finden, aber das ist mir egal.

Und Geduld zahlt sich aus! Wenn nach vielen Stunden des Übens und Spielens doch die kleinen Fortschritte kommen, ist das eine wunderbare Sache.

Wenn meine Erwartungen nicht zu hoch sind, macht das Ganze viel Spaß. Und das ist die Hauptsache. Wem müssen wir "Alten" denn etwas beweisen? :cool:

Nur so ein paar Gedanken...

Gruß,
Pigpen
 
8Finger&2Daumen
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Gute Einstellung, Melodicus. Die sollte ich mir auch zueigen machen. :rolleyes:

Grüße von 8f2d
 
Kabolsky
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Servus Uwe,

freut mich, dass wieder einer den Altersdurchschnitt nach oben hebt.
Vorweg, vergiss mal, was da manche nach einem Jahr angeblich spielen können, da gibts sicher ein paar Hochtalentierte, aber der Rest, na ja, ich hab da große Zweifel wie und ob das alles zustande kommt.
Ich hab auch weit jenseits der 40 mit Klavier begonnen, hatte und hab als langjähriger Blasmusiker (sagen wir besser -musikant) und seit frühester Jugend "Violinschlüsselkonditionierter" zum Teil noch immer Problem mit dem Bassschlüssel, ich meine "automatisiert" ist sicher etwas anderes.....
Ansonsten ähnliche Erfahrungen:

- Es fällt mir schwer eine gleichmäßige Geschwindigkeit hinzubekommen wenn es etwas schneller wird (viele 8-tel Noten, von 16-tel ganz zu schweigen).
- Ich lerne aktuelle alles erst mal auswendig, und schau dann immer auf die Tasten. Wenn ich beim Spielen dann mal wieder auf den Notentext schaue wirds eng... Far away from "Prima Vista"
- Bei "Sprüngen" also da, wo die Hand mal um eine Quart oder so versetzt werden muss wird es eng und ich hau ständig daneben.
- Noten lesen geht im Violinschlüssel schon ganz gut im Bassschlüssel quäle ich mich ganz schön rum. Oft ist da zählen oder "spicken" angesagt (bei mir liegt hinterm Notenheft immer der Spickzettel :p).

Zum Thema Quantensprung bzw. Verbesserung. Ich werd jetzt mal versuchen mich noch mehr in den Stücken auf die Teile zu konzentrieren, die noch nicht klappen und die immer wieder spielen (ich glaub das könnte ich noch verbessern) wobei 15 Takte ja schnell durch sind.
Zum Thema Konzentration auf wichtige Teile: Sagt mein KL immer wieder, aber ich muss mich halt schon ein bissl überwinden, viel schöner ist es doch, die Passagen zu spielen, die man schon kann ....
Aber ich mach das alles unheimlich gern, und in unserer Situation kann nur der Weg das Ziel sein und das ist auch gut so!!!

Grüße aus Österreich
Kabolsky
 
Uwe_Munich
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Hallo,

veilen Dank für Eure Beiträge.

Ist doch einfach gut zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist. Und dass ich den Quantensprung in der Form vergessen kann war mir irgendwie schon vorher klar, aber man kann es ja trotzdem mal versuchen ;).
Ja ja, Geduld ist angesagt und das Motto ist: Alles ist gut solange es Spass macht. Und das macht es.

@Stümperle, der Spickzettel ist sofort in den Schredder gewandert :p

Gruß

Uwe
 
B
Bunny
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Hi Uwe,

ich arbeite auch an der Russischen Klavierschule und bin in einem ähnlichen Stadium wie Du (5-6 Monate gespielt, gerade an der Etüde C-Dur Nr 92, also nicht ganz so weit wie Du ;) ).

Ich denke, ich habe einige Tips, die Dir helfen könnten:

Zum Thema Notenlesen: Ich musste mir das auch vor Beginn des Unterrichts selbst beibringen. Ich habe das Notenspiel-Flashgame http://www.musica.at/musiklehre/notenspiel/notenspiel.html dazu verwendet, das geht auch ohne Ton (zB im Office wenn nichts los ist :D). Eine essentielle Stütze für mich ist, mir gewisse Töne richtig gut zu merken (und zwar genau die, die mir im Notenspiel einfach fielen). Das waren anfangs die A's, C's, und D's (jeweils in 3 Oktaven je Schlüssel), und jede 2 Wochen oder so kommen ohne mein Zutun 1-2 dazu, die ich "instinktiv" sofort lesen kann. Einfach mal probieren, und dann andere Noten relativ zu diesen lesen (also à la "ah, das ist eins unter dem 'A'. Die Taste kenne ich, bin aber zu faul zu überlegen, wie die Note jetzt heißt" ist m.E. völlig ok.)

Zum Thema Sprünge: hier hilft es, bewusst die Noten im Gedächtnis zu haben, die Du bisher im Takt gespielt hast, und dann relativ zu diesen zu visualisieren, wo Du denn hinwillst. Klingt kompliziert, heißt aber in der Praxis nur, dass Du oft zum Beispiel mit dem 5. Finger ein Es gespielt hast, und dann eine halbe Sekunde später mit z.B. dem 2. auf das F springen musst. Solange Du ein bisschen bewusst darauf achtest, wie Du Deine Hand seit dem Es bewegt hast, solltest Du das F blind finden können. Für den 2. und ggf. 3. Ton dann zusätzlich noch auf das Gefühl in Deiner Hand bei verschiedenen Dehnungsleveln achten, dann fühlt sich der richtige Griff nach etwas Üben natürlich an, ohne dass Du auf Tasten- oder Augenkontakt angewiesen bist. hat den Vorteil, dass es bei größeren 7-er und Oktavakkorden sogar einfacher ist ;)

Zum Üben empfehle ich also, ein paar Noten vor dem Sprung anzufangen (so nah wie möglich, aber die Hand muss sich dort befinden, wo sie sich auch beim Spielen befindet, wenn der Sprung naht. Also nicht nur eine Note vorher anfangen und alle Finger schon "angriffsbereit" positionieren.) und dann 30-50x bis zum Sprung blind zu spielen. Notfalls in Zeitlupe. Das sollte ein paar Minuten dauern. Beim Vorspielen kannst Du dann auch ruhig mal auf die Tasten schauen, aber beim Üben ist es m.E. ungemein effektiver, stattdessen die Noten genau mitzulesen und blind zu spielen.

Hoffe, das hilft Dir ein bisschen weiter!
 
 

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