Henle-Verlag oder was?

Dieses Thema im Forum "Klaviernoten, -CDs, -Bücher, -Software" wurde erstellt von Anonymous, 14. März 2006.

  1. Anonymous
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    Anonymous

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    Ich streite mich zur Zeit mit einem Kollegen über den besten Verlag für Klaviernoten. Ich bevorzuge Henle, er Schott bzw. Edition Peters. Wie sieht das bei Euch aus. Habt Ihr einen Lieblingsverlag. Warum findet Ihr den einen Verlag besser als den anderen?

    T.
     
  2. Anonymous
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    Muss gestehen, ich habe da meinem Lehrer blind vertraut. Und der schwor auf Henle Urtext, weil der angeblich am "originalsten" ist.
    Aber ich glaube, dass da vieles Auslegungssache ist. Müsste man sich wirklich die Manuskripte ansehen, wobei das dann ja auch wieder Interpretations-Sache ist.
    Habe einen interessanten Ausschnitt aus einem Interview mit Paul Badura-Skoda gefunden:
    "Ich kann mich erinnern, dass ich zwei Ausgaben von der Appassionata besaß, die an zwei Stellen vollkommen verschiedene Noten hatten. Mein Lehrer wusste zwar viel über das Klavierspiel, aber auf diese Frage konnte er mir keine Antwort geben. Und da habe ich angefangen, mich zu fragen, welches nun der richtige Text sei. Was hat der Komponist denn nun wirklich geschrieben? Um diese Frage zu beantworten, habe ich ungezählte Stunden in Bibliotheken verbracht, in denen ich die Autografe der großen Meister studierte. Daraus resultierte zum Beispiel eine höchst umfangreiche Korrespondenz mit dem Henle-Verlag - ich kannte den Herrn Doktor Henle persönlich -, wo immer wieder Noten- und Detailfragen diskutiert wurden. Denn "den" idealen Urtext gibt es nicht. Ein Komponist hat eine Manuskript-Version, die lässt er dann drucken, und dabei ändert er ein paar Sachen. Die schreibt er aber nicht ins Manuskript zurück, sondern in die Probeabzüge, oder in die letzten Korrekturen."
     
  3. Florian
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    Florian

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    Kennt ihr den Könemann Verlag? Das sind gute Noten zu unschlagbaren Preisen. Ich weiß aber nicht, ob's den noch gibt. Ich habe mal gehört, die seien pleite gegangen. Kein Wunder bei den Preisen...

    Flo
     
  4. Anonymous
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    Seht Ihr, der Henle-Verlag kümmert sich um solche Dinge. Ich sag doch, das ist der beste Verlag :wink:
    Naja, wahrscheinlich ist da auch immer viel Ideologie dabei. Ich hab halt als erstes Henle kennengelernt. Trotzdem ist es natürlich sehr interessant zu sehen, wie sich ein Verlag wie Henle mit solchen Fragen des Urtextes auseinandersetzt.
    Dennoch geht es natürlich auch um praktische Fragen wie den Fingersatz. Da sieht man manchmal wirklich abenteurliches. Der Henle-Verlag hat mich diesbezüglich noch am wenigsten verwirrt.
     
  5. Anonymous
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    Hi,

    mir ist einmal aufgefallen, dass der Notentext der Schott/Peters Ausgaben enger ist, also evtl unübersichtlicher. Ich bevorzuge auch Henle, auch viele Konzertpianisten habe ich schon mit Henle gesehen. Auch LangLang, als er von Barenboim "Nachhilfe" in Beethoven Sonaten bekommt hatte die Henle Ausgabe....

    Könemann ist unschlagbar billig (teilweise noch im Ausverkauf), beinhaltet aber keine Fingerstäze und keinen Revisionsbericht und keine Hinweise für die Ausführung von gewissen Trillern etc...
     
  6. David
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    David

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    Ja Henle ist gut, davon habe ich auch Noten. Besser gefäll mir allerdings Edition Peters.
     
  7. Peter
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    Edition Peters, aber nur, weil ich damit aufgewachsen bin.
     
  8. slawa
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    slawa

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    der Thread ist mal wieder etwas älter, aber vielleicht interessiert er ja noch :lol:

    Hallo allesamt!

    Also ich finde ebenfalls, allein was das Druckbild angeht, Henle, und zwar um Längen, besser als Peters.
    Bei Letzterem (Chopin_Walzer; Liszt_Transzendentale Studien oder Schubert_Band II der Sonaten z. B.) wirken einigen Seiten zum Teil wie billige Fotokopien (ist zwar ein vernichtendes Urteil, aber stimmt). Zudem stellenweise viel zu überladen und manchmal werden einige Notenköpfe oben bzw. unten sogar halbiert wenn zu weit auf der Seite oben bzw. eben unten... Hier und da tauchen auch noch typische Farbunregelmäßigkeiten auf (kleine weisse Kreise innerhalb der gefüllten Notenköpfe z.B. oder unsaubere Notenlinien). Verwaschen sind die Noten wenn zu viele in der Harmonie z.B.
    Dies alles ist schon erstaunlich und bedenklich angesichts des über einem Jahrhundert weltweit währenden Ruf dieses Hauses.

    Bei Henle ist das Notenbild auf jeder Seite gestochen scharf, einfach ein herrlicher Anblick :lol: Dann kommt noch der 'kritische Apparat' hinzu, also Einleitungen, Erklärungen, Fussnoten, mit denen bei Peters ebenfalls sehr sparsam umgegangen wird. Preislich sind beide ziemlich gleich.

    Zu Könemann: habe ich ebenfalls ein ganzes Dutzend und finde diese Ausgaben sehr gut gemacht. Das Papier ist manchmal etwas grob (sehr unterschiedlich je nach Ausgabe) aber auch da ist das Notenbild sehr angenehm. Ein abslouter Top ist z. B. die Ausgabe der Schumannschen Kinderszenen und Album für die Jugend in einem Band. Kommentare sind auf Englisch, manchmal mehrsprachige Einführungen.
    Soweit bekannt, gibt es diesen Verlag noch. Allein Zweitausendeins wird immer noch beliefert und die Noten stehen hier regelmäßig im Katalog.

    Grüsse
     
  9. Elio
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    Elio

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    Ich kann Die nur zustimmen und ich muss meien Aussage berichtigen, es gibt Könemann Ausgaben mit Fingersätzen, sind aber eher die Ausnahmen. Man findet die Bände teilweise im Ausverkauf in Bücherläden, jedoch haben die Preise auch ein wenig angezogen, Ende der 90er waren die noch ein wenig billiger ;)
    Elio