Helmut Walcha

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frnci

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Liebe clavio Gemeinde,
Kann mir irgendwer der sich eingelesen, recherchiert, oder sonstige relevante Quellen weiß erklären wie der Organist Helmut Walcha zu arbeiten pflegte, sodass er seine Stücke so brilliant spielen lernte obwohl er blind war???

Bzw. Gibt es generell einen "trend" das blinde Musikschüler sei es für Klavier, Orgel oder sonst ein Instrument besondere Voraussetzungen mit sich bringen, sodass sie sich besonders gut für qualifizierte/n Unterricht/Musik eignen???

Vielen Dank für eure Antworten
frnci
 
Rheinkultur

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Hallo,
allgemeine Informationen über Walcha finden sich unter Helmut Walcha - aus diesem Artikel geht allerdings hervor, dass man sich mit ihm heute natürlich nicht mehr persönlich über seine Arbeitsmethoden unterhalten kann. Wer dies zu Lebzeiten getan hat, meldet sich (allerdings in englischer Sprache) hier zu Wort: Blind organists | Another Year of Insanity

Mit Paumann und Landini gibt es große Namen aus der "Steinzeit" der Orgelmusikgeschichte, die dieses Schicksal zu meistern hatten - J.S. Bach und Händel machten diese Erfahrung erst gegen Ende ihres Lebens. Sicherlich ist der Zeitpunkt mitentscheidend, wann das Augenlicht verloren gegangen ist; Walcha hat das Orgelspiel zunächst noch sehend erlernt. Die Braille-Musiknotation für Blinde existiert immerhin schon seit 1828, zugleich streben bekanntlich auch sehende Musiker die Lösung vom Tastaturbild an, um sich mehr auf das Notenbild, auf Musizierpartner (bei Begleitung und Kammermusik) und auf Dirigenten (bei Solokonzerten mit Orchester) konzentrieren zu können. Auf die Tasten oder die Pedale schauen versierte Organisten am allerwenigsten.

Auf die Frage nach einem "Trend", ob blinde oder sehbehinderte Musiker besondere Voraussetzungen für die professionelle Tätigkeit mitbringen, kann ich selbst aus eigener Lebenserfahrung mit einem klaren Ja antworten: Meine extreme Kurzsichtigkeit (mehr als -16 dpt) kann ich lediglich mit Kontaktlinsen auf etwa 80% des Sehvermögens Normalsichtiger verbessern, das natürliche Sehvermögen ohne Korrektur liegt bei weniger als 5%; schlecht gesehen habe ich, solange ich mich zurück erinnern kann. Gleichzeitig ist das Gehör extrem hoch entwickelt mit ärztlichen Meßwerten weit oberhalb der Norm - sicherlich keine schlechte Voraussetzung für das professionelle Musizieren, wo es auf ein sehr differenziertes und hoch entwickeltes Hörvermögen nun wirklich ankommt. Viele blinde Weltstars sind auch in den Bereichen Jazz und Popularmusik anzutreffen, wo das Hören noch mehr im Vordergrund steht als das Sehen, wo oftmals nur in begrenztem Umfang mit ausnotierten Notentexten gearbeitet wird - die folgende Auflistung zeigt dies nachdrücklich: List of blind people - Wikipedia, the free encyclopedia

Künstlerische Spitzenleistungen haben eine Menge mit Fokussierung und Konzentration auf Wesentliches zu tun - wer dann noch gegen gesundheitliche Beeinträchtigungen ankämpfen und auch sonst schon recht hart im Nehmen sein muss, entdeckt wohl wirklich den Kämpfertyp in sich, wenn es um so existentielle Dinge wie Beruf und Berufung geht, vermutet

mit LG Rheinkultur
 
 

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