Grunge-Rhapsodie: Lithium (Nirvana)

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Tastenjunkie

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So, Freunde der Nacht!

Im Frühjahr ist Chris Cornell (Soundgarden, Audioslave) gestorben, das war für mich als Grunge-geprägtes Kind der 90er-Jahre mal wieder eine einschneidende Nachricht. Songs aus dieser Zeit tauchen immer mal wieder im Repertoire von namhaften Jazzpianisten dieser Generation auf (allen voran bei Brad Mehldau). Das hat mich schon lange fasziniert und motiviert, selbst die Hymnen meiner Jugend kreativ am Klavier zu bearbeiten.

Kurt Cobain von Nirvana ist schon länger tot. Seinen Song "Lithium" spiele ich schon seit 5 Jahren (nicht durchgehend). Vor kurzem ist mir eine Version gelungen mit der ich zufrieden bin und die ich glücklicherweise auch aufgenommen habe. Was Melodie, Harmonien und Form des Stückes angeht bin ich ziemlich nahe am Original, trotzdem erkennt man es erst im Verlauf, denn es sollte ja ein Klavierstück werden. Hier ist die Einspielung:

https://soundcloud.com/tj76/nirvana-lithium-solo-piano


Und hier das Original:

View: https://www.youtube.com/watch?v=Vp6mZW_-eVE



Wer das Stück von 1992 noch kennt, dem wird es vielleicht warm uns Herz dabei, für alle, die es nicht kennen, hoffe ich, dass es ein interessantes Klavierstück ist.

Viel Freude damit!

LG

TJ

Das Stück habe ich schon einmal vor ca. 3 Jahren ins Forum gestellt.
https://soundcloud.com/tj76/nirvana-lithium-jazzy-piano-ballad-version

Die aktuelle Version enthält nicht viel neues, ist aber besser gelungen und auf einem deutlich besseren Instrument eingespielt. Bei 2:55 und 4:21 gibt es einen Tempowechsel, den ich in der alten Version willkürlich aus dem Bauch gespielt habe, das hatte damals @cwtoons zurecht als "nicht nachvollziehbar" kritisiert. In der aktuellen Version mache ich an dieser Stelle eine metrische Modulation (heißt das tatsächlich so?), die 8tel-Triolen von vorher werden die 8tel von nachher, bzw. die 8tel des vorherigen 12/8-Taktes werden die 8tel des folgenden 4/4.

Zur Entstehung der Aufnahme: So drei bis vier mal im Jahr, wenn ich das Gefühl habe, Stücke gut drauf zu haben, mache ich zuhause im Wohnzimmer Aufnahme-Sessions mit meinem kleinen Digitalrekorder. Den Klang der Aufnahmen bearbeite ich dann mit "Audacity" (Kompressor, Equalizer, Hall und Raumklang).

Nur selten gelingt dabei ein Verspieler-freier "Take", mit dem ich so wie er ist zufrieden bin. Oft entstehen zwei oder drei verschiedene Einspielungen ein und des selben Stückes, von denen keine perfekt ist, die aber aber sich ergänzende Stärken haben. Wenn es dann sinnvoll, nahezu unhörbar und unter Erhaltung der Form möglich ist, schneide ich diese Versionen zu einer einzigen zusammen, die dann nur noch minimale Fehler enthält. Im Fall von Lithium war das auch so, das heißt so wie die Aufnahme jetzt klingt, habe ich sie nie am Stück hinbekommen. Das kann man mir jetzt als Schummeln vorhalten, jawohl! Allerdings weiß ich, dass dieses Vorgehen eine sehr verbreitete, gängige Praxis ist, die auch bei Studioaufnahmen auf allerhöchstem Niveau angewendet wird. Das dürfte ja auch einer der Gründe dafür sein, dass man häufig enttäuscht ist, wenn man Stücke, die man von Studioaufnahmen her kennt und liebt, dann vom gleichen Interpreten im Konzert hört. Die Perfektion, die man bei Studioaufnahmen vorgegaukelt bekommt, ist eben in der Konzertsituation nur in ganz seltenen Ausnahmefällen erreichbar.

Und weil das so ist, habe ich keine Skrupel selbst zu "schnibbeln" ! :schweigen:

PS: "Doxy" von letztens ist "ungeschnitten"...

PPS: Mir ist bewusst, dass die Einspielung eine recht klare Song-Struktur hat und somit keine Rhapsodie sein kann. Ich fand einfach den Begriff "Grunge-Rhapsodie" cool :musik:
 
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...unabhängig davon ob meine Einspielung begeistert oder nicht würde mich doch interessieren, was ihr hiervon haltet (insbesondere vom Dickgedruckten:

....Nur selten gelingt dabei ein Verspieler-freier "Take", mit dem ich so wie er ist zufrieden bin. Oft entstehen zwei oder drei verschiedene Einspielungen ein und des selben Stückes, von denen keine perfekt ist, die aber aber sich ergänzende Stärken haben. Wenn es dann sinnvoll, nahezu unhörbar und unter Erhaltung der Form möglich ist, schneide ich diese Versionen zu einer einzigen zusammen, die dann nur noch minimale Fehler enthält. Im Fall von Lithium war das auch so, das heißt so wie die Aufnahme jetzt klingt, habe ich sie nie am Stück hinbekommen. Das kann man mir jetzt als Schummeln vorhalten, jawohl! Allerdings weiß ich, dass dieses Vorgehen eine sehr verbreitete, gängige Praxis ist, die auch bei Studioaufnahmen auf allerhöchstem Niveau angewendet wird. Das dürfte ja auch einer der Gründe dafür sein, dass man häufig enttäuscht ist, wenn man Stücke, die man von Studioaufnahmen her kennt und liebt, dann vom gleichen Interpreten im Konzert hört. Die Perfektion, die man bei Studioaufnahmen vorgegaukelt bekommt, ist eben in der Konzertsituation nur in ganz seltenen Ausnahmefällen erreichbar.

Und weil das so ist, habe ich keine Skrupel selbst zu "schnibbeln" ! :schweigen:
Schätze ich das falsch ein? Ist das ein Tabu-Thema? Hat jemand Erfahrungen damit bei Profi- oder Semi-Profi- Studioeinspielungen? Oder bin ich das einzige Bescheißerchen?
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Ich denke das schätzt Du genau richtig ein. Dafür ist ja letztendlich ein Studio auch da:
Man bastelt sich eine optimale Umgebung (theoretisch geht hier die Schummelei gegenüber einem Liveauftritt ja schon los) und nutzt alle verfügbaren technischen Hilfsmittel, um eine möglichst gute Aufnahme zu machen. Das Schnibbeln gehört selbstverständlich genau so dazu wie das Mixen und Mastern, wobei das Schnibbeln vermutlich nicht alle machen, es für mich aber deswegen nicht weniger legitim ist.
Was Gould darf, darf ein (Hobby)-Jazzer erst recht.
 
 

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