Grundlegende Spieltechniken

Ich sehe da auch ein gewisses Missverständnis, denn FLIP hat ja den 3. Satz der Mondscheinsonate bei einer erfolgreichen Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule gespielt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sein Tempo dabei zu langsam gewesen ist. Ich lese seine Beiträge so, dass die Tempowahl zu diesem Zeitpunkt seine obere Grenze dargestellt hat, die Vorstellung seines Lehrers aber noch ganz woanders ist.
Und FLIP schreibt die Lösung der scheinbar eingeschränkten motorischen Probleme den pragmatischen Übungen zu. Mich würde da ein wenig interessieren, was für Übungen das waren.

Grüße,
Kristian

P.S.: Es gibt ja durchaus Hochschullehrer, die Hanon etc. empfehlen:
http://www.youtube.com/watch?v=jXU0aKDBrRE
 
Hi FLIP,
musstest Du dann im Aufnahmeverfahren eine Probelektion absolvieren mit einer Etüde? Oder wie lief das ab?
Würde mich interessieren.:) Ich halte das auch für sinnvoll, dann kann man sehen, ob ein Kandidat fähig ist, Neues aufzunehmen und umzusetzen. Sicherlich gibt es auch Vorspielasse, die aber nicht flexibel oder schnell im Lernen sind, könnte ich mir vorstellen.

LG
violapiano
 
Lieber Rolf,


leider bist Du es, der hier die Schärfe reinbringt. Du weißt doch genau, dass kein Klavierprof. der Welt seine Schüler ein Jahr lang das gleiche Stück üben lässt. Du verdrehst die Sätze so, dass der andere lächerlich erscheint und dann wunderst Du Dich, warum der dann gereizt reagiert.


Gruß
Flip

lieber Flip,

ich habe keine Sätze verdreht!! Und ich habe auch nichts und niemanden lächerlich gemacht!!! - und was Dich betrifft, weil es Deine Mitteilungen waren, so nimm bitte nach nun der zweiten (!!!) Aufforderung zur Kenntnis, dass ich Dir für das, was Du mitgeteilt hast, ausdrücklich meine Achtung ausgesprochen habe!!! Das ist ja wohl das völlige Gegenteil von Schärfe und lächerlich machen!!!

...herrje... ich werde nun nicht ein zweites mal meine letzten beiden Beiträge hier zitieren - - vielmehr bitte ich darum, zu lesen, was da steht...

diesmal eher grußlos,
Rolf
 
Ich hab dann, wie schon beschrieben, mit einem anspruchsvollen Training der Grundtechniken (siehe Post #1) begonnen und das dann auch sofort in der Literatur an konkreten Beispielen umzusetzen versucht. Vielleicht kam die Nennung dieser Kombination in meinen Beiträgen bisher zu kurz – das ist aber sehr wichtig!


Hallo Flip.

ach so ;) : Ja dann ...:klavier::) .

Viele Grüße

chiarina
 
Hi,

wir sind uns ja alle einig, dass wenn (mehrere) Töne im Spiel sind, es in erster Linie um Musik geht. ;-)

Und man daher die notwendigen Bewegungen (Motorik) nicht vom musikalischen Inhalt oder Qualität trennen sollte.

Aber:
Es gibt so etwas, was ich motorische Basisübungen nennen würde. Bei diesen Übungen geht es darum keinen musikalischen Inhalt zu transportieren sondern nur bestimmte Bewegungspfade (Motorik) zu etablieren und zu verstärken. Wir sind nämlich nicht alle Bewegungsgenies (wie scheinbar rolf ;-) ).
Man kann diese Art von Übungen auch (oder besser) ohne Tastatur ausführen.

Beispiele:

  1. Anschlags-Bewegung eines einzelnen Fingers ohne dass andere Finger sympathisch mitreagieren. Varianten/Schwerpunkte: Möglichst schnell, mit/ohne Druck, mit/ohne Hochziehen, mit flachem/gekrümmten Finger, mit hohem/tiefem Handgelenk, mit gleichzeitiger HG-Senkung/Hebung.
  2. Positionier-Bewegung der Hand in horizontaler Ebene. Varianten/Schwerpunkte: Möglichst schnell, hohe Genauigkeit, hoher/tiefer Bogen, mit/ohne Hinschauen, kleiner/weiter Weg etc.
  3. Verschiedene Bewegungen des HG, z. B. Kippen in horizontaler Ebene, Kippen in vertikaler Ebene, Rotation.

Diese Übungen haben keinen musikalischen Inhalt/Sinn. Sie sind nur dazu da die Motorik, das Bewegungsgefühl und entsprechende Steuerungsprozesse zu beschleunigen, zu verbessern und zu trainieren.

Gruß
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
off-topic - was soll denn das???

Wir sind nämlich nicht alle Bewegungsgenies (wie scheinbar rolf ;-) ).

lieber Bachopin,

was veranlaßt Dich zu solchen Äusserungen?

Soll ich Dir nun antworten, dass Du ein scheinbares Genie im Erfinden nutzloser Hinweise bist??

Ich verstehe dieses Getue nicht!

Herr Flip mißversteht (vermutlich willentlich?), was ich geäußert hatte und schafft es nicht einmal, auf eine Nachfrage zu reagieren - Herr Bachopin schreibt, was ich oben zitiert habe...

Kinders - ich zieh mir jetzt die Götterdämmerung auf 3Sat rein --- das ist angenehmer.

grußlos, Rolf

ja ja, von kmir aus mag es Basistechniken geben, von mir aus mag man diese auch auf vier "Bewegungsmuster" reduzieren - mich stört das nicht. Jeder nach seiner Facon, und Gott mit uns allen. Amen! Und pax vobiscum!
 
Ach lieber rolf,

sei doch nicht so eingeschnappt, war doch nur spassig gemeint.

Super, Götterdämmerung schau ich mir auch an. Ich weiss aber noch nicht, ob ich durchhalte. ;-)

Gruß
PS: Blöde Untertitel, oder kann man die ausschalten?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Lieber Rolf,


leider bist Du es, der hier die Schärfe reinbringt. Du weißt doch genau, dass kein Klavierprof. der Welt seine Schüler ein Jahr lang das gleiche Stück üben lässt. Du verdrehst die Sätze so, dass der andere lächerlich erscheint und dann wunderst Du Dich, warum der dann gereizt reagiert.

Gruß
Flip

gar nichts ist da geschenkt, Flip!

Wenn Du mir in einem eigentlich thematisch interessanten Faden derartige Sachen an den Kopf werfen möchtest, dann kann Dich wohl niemand daran hindern.

Da es aber direkt mich betrifft, frage ich nach - das führt offenbar zu nichts...

Na schön:
so lange Du nicht in der Lage bist, die oben zitierten haltlosen Unterstellungen in diesem Faden hier nachzuweisen, sind sie schlichtweg falsch.

zum Grüßen sehe ich gerade keinen Anlaß, Rolf
 
Ich entschuldige mich (was Du übrigens noch nie getan hast, aber das nur nebenbei)

auch wenn die eingeklammerte kleine Invektive nicht ganz richtig ist: ok.

retour zu den grundlegenden Techniken:

Akkorde
a)
eine Schubbewegung des Arms in die Tasten hinein, abgestützt von gefederten (also elastischen) abstützenden Fingern ist eine der Grundlagen vom Akkorde spielen. Diese Basistechnik, welche alle verkrampfte Mühe aus dem Akkordspiel von vornherein ausschließen kann, halte ich für sehr wesentlich - sie kommt auch in den wildesten Akkordpassgen zum tragen. Allerdings minimiert sich mit steigendem Training bzw. steigendem manuellen Können diese Bewegungsgrundlage zur "Unsichtbarkeit", d.h. die Bewegungsimpulse werden so klein, dass man diese Bewegung gar nicht sehen kann - aber sie ist trotzdem da.

b)
kombiniert werden kann, je nach Kontext, diese eher passive Verwendungsweise der Finger zusätzlich mit dem Bewegungsimpuls eines ganz kurzen und ganz kleinen nach innen Greifens, also einer aktiven Fingerbewegung.

zwei extreme Beispiele für beides:
a) die Akkordketten zu Beginn von Strawinskis "danse russe"
b) die Akkordkette mit Vorschlägen in Mussorgskis "Baba Yaga"

c)
kombiniert aus a) und b) ist das kurze, dem Widerstehen des Tastenabpralls helfende Vorausfixieren von Akkordgriffen (und das mit möglichst lockerem, also freiem Handgelenk). Dieses hilft, rasante "schüttelnde" Akkordpassagen zu spielen, z.B. die Akkordpassagen am Ende des Finales von Tschaikowskis Klavierkonzert b-Moll

die Beispiele zeigen, wohin solche Basistechniken - hier im Fall von Akkorden - führen können.

für den Anfang im Akkorde spielen ist das sich Gewöhnen an die nahezu spannungs- und anstengungslose Variante a) meiner Ansicht nach hilfreich. Natürlich dauert es Jahre, bis sich vom Anfang auf quasi "Stufe 0" diese und andere Bewegungsimpulse nach und nach verautomatisiert haben, will sagen bis man sich und die eigenen arme/Hände/Finger daran gewöhnt hat.

es passiert halt, mit variabler Tendenz, beim Klavierspiel beides: Spannung und Entspannung, aktives und passives "greifen" - aber eines ist immer aktiv bzw. sollte vorab immer aktiv sein: das Begreifen :)

Gruß, Rolf
 

um hier Mißverständnisse zu vermeiden, möchte ich beschreiben, was ich unter dem "Vorausfixieren" verstehe:

durch langes sich Gewöhnen an den gefühlten, berührenden als taktilen Umgang mit Akkordgriffen (was sicher erst auf einem höheren Spielniveau, also nach ein paar Jahren erst, stattfindet!), kann sich gleichsam einprägen, wie sich irgend ein Akkordgriff anfühlt. dann ist quasi "gespeichert", wie das taktile Abbild des Akkords sich anfühlt, und die Finger/Hand "formen" es im Moment das stacc. Anschlagimpulses (stacc., weil man sowas z.B. in rasanten Schüttelpassagen braucht). Man könnte sagen: ohne dass man es noch merkt, weiß die Hand vorab, wie es sich anfühlen wird, und deswegen treffen die Finger und die Akkordtöne kommen tatsächlich gleichzeitig.

das sich Gewöhnen an dieses "automatische vorausgreifen" gelingt meiner Ansicht nach am besten über das Fühlen und Berühren.

in diesem Sinne verstehe ich das "Fixieren" von einem "Griff".

...das alles möglichst detailliert zu beschreiben grenzt an eine Sisiphosarbeit - ich bin sicher, dass meine Beschreibung(en) der Basistechnik "Akkorde" nach wie vor zu unpräzise sind - - ich hoffe, dass ich wenigstens die Tendenz "rüberbringen" konnte.

Gruß, Rolf
 

Hallo miteinander (und besonders Rolf),

ich möchte den Faden noch einmal, unter dem Gesichtspunkt „Wiedereinstieg“, aufgreifen:

Mein Klavierunterrichtszeit liegt schon einige Zeit zurück, 1949 bis 1958. Endstadium damals: Schubert, Sonate B-Dur, Mendessohn, Klavierkonzert d-moll. Danach ging es schnell bergab, Studium, Beruf, Familie, zeitweise kein brauchbares Instrument, aber nie ganz ohne Klavierspiel. Seit zwei oder drei Jahren habe ich wieder mehr spielen können, allerdings ohne systematisch zu üben – nur jeweils „stückweise“. Jetziger Stand: Langsame Stücke aus Brahms, Op. 116 ff, Teile aus Schumanns Papillions (Reste aus dem Klavierunterricht), Chopin, Mazurken u.ä., wobei die technischen Lücken das Einüben konkreter Stücke erheblich erschweren. Der Online Chang war auch keine wirkliche Hilfe – vielleicht auch, weil das ganze Manuskript etwas konfus im Aufbau und voller Wiederholungen ist.

Ich habe mir jetzt das Buch von Kratzert besorgt und denke – nach einmal durchlesen –, daß es sich für einen systematischen Wiedereinstieg lohnen würde, das Buch durchzuarbeiten (soweit es geht), zumal er sich weitgehend an Bartok (Mikrokosmos) und dann an Cortot orientiert. Es geht ja nicht darum, musikalische Fähigkeiten erst zu entwickeln, sondern ausschließlich darum, die manuellen Fähigkeiten (als Mittel zum Zweck) möglichst effektiv wieder herzustellen und wenn möglich zu erweitern. Der Zeitrahmen ist allerdings begrenzt: Vielleicht 8 - 12 Stunden p. Woche.

Hat jemand Erfahrungen mit Kratzerts Handbuch?

Mit bestem Dank für hilfreiche Hinweise

Pennacken
 
Hallo,

was den Kratzert betrifft:
es lohnt sich wirklich, erstens die dort vorgestellten Übungen und Experimente in aller Ruhe zu machen und zu überdenken. Ebenso lohnt es sich, seine Hinweise und Bemerkungen zu leichten und mittelschweren Stücken umzusetzen.

nicht weniger lohnenswert wäre die Anschaffung der "neuen Klavierdidaktik und -methodik" von Peter Paul Werner, obwohl dort - wenn auch mit anderen Formulierungen - nichts wesentlich anderes als im Kratzert steht (das ist nun kein Wunder, denn beide Publikationen sind fachlich sehr gut und obendrein verständlich geschrieben), hier aber sind für einige Stücke sehr konkrete Lern-, Verständnis- und Übungsanweisungen gegeben.
Zitat von pennacken:
Es geht ja nicht darum, musikalische Fähigkeiten erst zu entwickeln, sondern ausschließlich darum, die manuellen Fähigkeiten (als Mittel zum Zweck) möglichst effektiv wieder herzustellen und wenn möglich zu erweitern.
hierzu ist bedenkenswertes im Buch von P.P.Werner zu lesen.

freilich - und das kann man nicht laut genug betonen! - ersetzt kein noch so gutes Buch einen (möglichst guten) Unterricht; aber Bücher wie diese beiden geben richtige Anregungen und sind in jedem Fall eine gute Ergänzung.

Gruß, Rolf
 
Hallo Rolf,

das ging ja schnell! Vielen Dank.

Ich werde mir das Buch von Werner noch besorgen. Unterricht ist momentan leider nicht möglich, ich versuch's zunächst mit Kratzerts und Werners Hilfe.

Liebe Grüße

Pennacken
 
Hallo Rolf,

das ging ja schnell! Vielen Dank.

Ich werde mir das Buch von Werner noch besorgen. Unterricht ist momentan leider nicht möglich, ich versuch's zunächst mit Kratzerts und Werners Hilfe.

Liebe Grüße

Pennacken


Hallo pennacken,

es ist nicht ganz einfach meines Wissens, sich dieses Buch zu besorgen. Mit diesen Informationen klappt es aber:

Werner, Peter Paul:
Neue Methodik und Didaktik am Klavier. Wilhelmshaven (Noetzel) 1993.

Ansonsten viel Erfolg und Spaß bei Kratzert und Co.!

Liebe Güße

chiarina
 
Beim Noetzel-Verlag findet man im Gesamtverzeichnis folgenden Eintrag:

Peter Paul Werner
Neue Methodik und Didaktik am Klavier
1993, 348 Seiten mit mehr als 300 Noten-
beispielen, Format 17 x 24 cm, Ganzleinen
49,— / ISBN 3-7959-0615-6

Vielleicht hilft auch die ISBN-Nummer beim Suchen.

2 Treffer im Internet, allerdings beide mit 14 Tagen Wartezeit:
songbooks24.com, notenbuch.de

Grüße
Thomas
 
Schade, dass...

... in dem thread (wieder) gestritten worden ist... wegen Belanglosigkeiten, meines Ermessens. Rolf ist m.E. echt der letzte, der hier irgendwie provozieren will, mehr noch, er drückt sich sogar bewußt vorsichtig und gewählt aus, wenn er etwas zweischneidiges sagen möchte...
und Flip bekommt es in die falsche Kehle, und schon gehts hin und her... ich muß, wenn ich überhaupt jemandem recht geben sollte, Rolf recht geben... nur nicht alle Menschen sind eben exakt und scharf nachdenkend... es ist so schade um die viele verlorene Zeit und den Ärger und das Adrenalin.
Ich hab von Rolf schon so vieles sehr wertvolles, und ganz offenbar sehr sehr fundiertes gelesen, und ich denke jeder der professionell Klavier spielen möchte, sollte seine Anmerkungen zuallermindestens genauestens lesen und für sich prüfen... wenn wohl eh schon nicht gleich für sich adaptieren oder übernehmen. Da sprechen ganz einfach sehr viel eigene und durch Kontakt mit Studenten gewonnene und erworbene Erfahrung. Danke mal Rolf für Deinen selbstlosen Einsatz hier - möge es viele wie mich geben, die lesen und sich drüber freuen können.
Chiarina bringt hier sehr viel aus der praktischen Seite des Unterrichts auf Schüler-Level mit hinein - man merkt, daß sie sehr fundiert und aufwändig offenbar jedem Schüler eine musikalische Wegbegleitung als Maßanzug schneidert, unter Verwendung enormer Erfahrung, Geschick und Wissen. Stellvertretend ein herzliches zwischendurch-Dankeschön an alle KLs, die ihr wertvolles Wissen und ihre Erfahrungen hier selbslos anderen mitteilen. Habe schon so viel interessantes gelesen, teilweise auch gelernt, und werde das auch weiter tun. Unglaubliches Forum einfach.
So, nun genug erstmal für heute. Morgen spiel *ich* nämlich was vor. (jaja - da schaut ihr, was?? ;)) Aber BLOSS keine falschen Hoffnungen! Es wird hoffentlich (!) nette "Improvisations"-Fahrstuhl-, äh, ich meine, Hintergrundmusik. Kadenzen spiele ich seit ich ein kleiner Pimpf bin - war das erste was mich an Musik interessiert hat - von daher kann eigentlich nichts schiefgehen. Und warum mach ich dieses Klimpern morgen? Die Arbeit (Aufbau etc.) und den Streß...? Einfach. Weil ich auch was (dazu)geben will. Habe ich doch noch einen schönen Bogen gespannt...
... gutes nächtle! Euer Kadenz, äh, Dreiklang ;)
 
Beim Noetzel-Verlag findet man im Gesamtverzeichnis folgenden Eintrag:

Peter Paul Werner
Neue Methodik und Didaktik am Klavier
1993, 348 Seiten mit mehr als 300 Noten-
beispielen, Format 17 x 24 cm, Ganzleinen
49,— / ISBN 3-7959-0615-6

exakt das ist das empfohlene Buch

um noch kurz auf das Thema der grundlegenden Techniken zu kommen:
Tonleitern, Arpeggien, Akkorde usw. sind keine - sie sind nur typische, oft vorkommende musikalische Tonbewegungen.
grundlegende Techniken sind:
a) Tonerzeugung
sämtliche Bewegungen, welche so fein wie möglich Tondauer und Tonstärke differenzieren (also auch das Spiel nahe an der Auslösung und der schwebende Anschlag ohne Tastenboden), also von ppp bis fff und von staccatiss. bis legatiss.
b) Klangqualität
sämtliche Maßnahmen, die in jeder Tonstärke die Differenzierung bei mehreren gleichzeitigen Tönen sicherstellen (d.h. nicht nur z.B. "links leise, rechts laut", sondern auch mehrfache Differenzierung in einer Hand - - z.B. in einer Hand c1-e1-g1-c2: c1 mf, e1 & g1 p, c2 f - dann wird dieser Akkord gut klingen; testen kann man das, indem man mit Pedal nacheinander anschlägt) und die auch die Gleichzeitigkeit des Anschlags sicherstellen
c) Pedal
d) Tonverbindungen
sämtliche Maßnahmen, die klanglich sinnvoll in jeder Tonstärkerelation zwei oder mehr aufeinanderfolgende Töne sinnvoll klingen machen (das setzt schon a), b) und c) voraus) - es setzt aber auch voraus, dass man das alles hören kann. Von hier aus beginnt dann auch das melodische Spielen (cantabile)
e) vorbereitet sein
ist eine Angelegenheit des Verstehens und des Willens: um sich von Ton zu Ton bewegen zu können, muss man die Zeit zwischen den Tönen (exakter: zwischen den Anschlägen) nutzen und - je nach Erfordernis - nach Ton 1 schon in dieser Zeit Ton 2 anfassen oder zumindest sehen. Das gilt vom Anfängermenuet bis zur virtuosen Opernparaphrase!

erst darauf aufbauend ist es sinnvoll, sich über Daumenunter- und Fingerübersatz, weitflächiges Arpeggieren, Albertibässe, Tremoli, Triller, Doppelgriffskalen etc. Gedanken zu machen - allerdings sind das nur Bewegungsabläufe, die ohne die aufgezählten technischen Grundlagen keinen zufriedenstellenden Klang bewirken (ohne Anschlagsdifferenzierung, ohne crescendo oder diminuendo ist auch die einfachste Tonleiter nur Murks)

Man wird in der erwähnten Literatur ähnliches finden :) sehr schön beschreibt Kratzert bzgl. des melodischen Legato die Analogie zur natürlichen Gehbewegung.

In vorweihnachtlicher Gebelaune füge ich noch was an:
Niemand von uns macht sich Gedanken über die Grundlagen, ja Techniken der sprachlichen Artikulation: man kann völlig automatisch allerlei Wörter aussprechen, sowohl beim freien reden als auch beim vorlesen. Das heißt: man macht sich bei einem kurzen Wörtchen wie "Depp" keinerlei Gedanken darüber, dass man trainieren oder kontrollieren solle, wo und wie die Laute d, e, p gebildet werden. - - Am Klavier wird ebenso deklamiert, allerdings vermittels der Tasten. Was die Finger tun, das entspricht dem automatischen sprachlichen Laute bilden - man muss nicht darüber nachdenken, sobald die Finger ihre Laute artikulieren (stacc-leg usw.) können. - - Niemand presst beim Artikulieren eines "b" die Lippen so fest aufeinander, dass es weh tut, niemand beisst sich beim Artikulieren eines "th" die Zungenspitze ab - aber beim Artikulieren mit den Fingern wird allerlei ungesunder Kraft- und Spannungsaufwand betrieben, und das sehr wahrscheinlich deshalb, weil man mehr überwachen als hören will. Weder das Sprechen erlernende Kleinkinder, noch Frenmdsprachen lernende Schulkinder haben Muskelkater, Sehnenscheidenentzündungen oder verkrampfte Verspannungen in den Muskeln, welche die sprachliche Artikulation möglich machen - warum sollte man das Klavierspielen partout anders betreiben???
damit wäre als weitere Grundlagetechnik erkennbar
f) Gelöstheit, Lockersein - und das in Fingern, Hand und Handgelenk, Ellbogen und Schultern (und Kopf - - sehr richtig, was Kratzert zum Ausbalancieren erklärt!!!) und das bedeutet, das jedem aktiven Anschlag sofort und automatisch die Aufhebung der dafür bewegten Muskelspannung folgen muss
g) Gewichtstransport - das betrifft Hauptstimmen und ist ganz analog zum Gehen, wo ebenfalls Gewicht transprotiert wird
h) Integration automatischer, d.h. schon vorhandener Reflexe (Stützreflex, Greifreflex) was nur funktioniert, wenn man das Bewegungsdetail nicht bewusst zu kontrollieren versucht: der sehr böse, oft gelöschte und vehement verschriene pppetc hat mal sehr treffend und richtig erklärt, wie viel vom vordersten Fingerglied (jaja, da sitzen die taktilen Rezeptoren, da fühlt man mehr als auf dem Handrücken) abhängt - - das ist tatsächlich so, denn dort ist der Kontakt zu den Tasten. Und siehe da: Liszt, der kein Esel in Sachen Klavierspiel war, erklärte, dass man Akkorde berühten und beim Anschlag die Finger einwärts bewegen soll. Das ist nichts anderes als der Impuls zu einer Greifbewegung, gesteuert/ausgelöst von den Fingerkuppen. Erstaunlich: indem die Impulse so initiiert werden, bewegen sich alle Fingergelenke, auch das vorderste, und es knickt nicht ein.
(es gibt noch ein paar Grundlagen, aber ich fürchte, dass schon hier spätestens Geschrei entsteht - - vielleicht ein andermal)

Hat man spannungsfrei (!!!) solche Grundlagen, dann übt es sich weitaus sinnvoller, anstrengungsloser und freier. Wer keine zwei Töne sinnvoll nacheinender spielen und die dafür relevanten Bewegungen frei ausführen kann, der wird auch keine Tonleiter und keine schwierige Passage frei und ungezwungen ausführen können.

Um nicht mißverstanden zu werden: zu den erwähnten Grundlagen zählt, z.B. einen vierstimmigen Satz differenziert artikulieren zu können (siehe Klangqualität).

...bei genauer Betrachtung ist das eine ganze Menge... ... ... na ja, niemand sagt, dass Klavierspielen so einfach erlernbar wie Fahradfahren oder Schwimmen ist.

Gruß, Rolf
 
@Rolf
Deine Ausführungen sind sehr interessant.
Teilweise deckt sich das mit meinen eigenen Überlegungen. Ich werde mir deine Texte eventuell ausdrucken und morgen zum Üben mitnehmen.
Für mich ist Natürlichkeit in der Hand- bzw. Fingerhaltung sowie der Bewegungsabläufe oberstes Gebot.
Alles muss sich locker anfühlen - so funktioneren dann auch technisch schwere Stellen viel leichter. Im Idealfall, den man eigentlich immer anstreben sollte, gar mühelos.
Aber ich bin ganz ehrlich: manchmal siegt bei mir doch die Disziplin- bzw. Gedankenlosigkeit. :rolleyes:
Liebe Grüße,
NaMu
 
Hallo,

besten Dank für die Hinweise, ich hatte den Werner inzwischen auch gefunden, ist ja sogar eine Leinen-Ausgabe!
Leider habe ich in den einschlägigen Antiquariat-Plattformern (booklooker, zvab) nichts gefunden, auch den Kratzert gibt es z.Zt. nur neu - spricht sicher auch für die Qualität.

Ich sehe gerade Rolfs letzten Beitrag - dafür ein extra Dankeschön! Es gibt ja (bei mir und sicher noch bei anderen Wiedereinsteigern) noch ein anderes Problem: Mit dem Alter werden auch die Gelenke etwas "schwergängiger". Umso mehr Grund, sich im Zusammenhang mit technisch weniger anspruchsvollen Stücken (etwa Chopin, Mazurken; Debussy, Suite Bergamasque) auf die von Rolf in diesem Beitrag angesprochenen Probleme zu konzentrieren. Kurz gesagt: Wenn's nicht mehr so schnell geht, solls aber wirklich richtig schön sein!

LG

Pennacken
 

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