Fingerfertigkeit/Technik/Geläufigkeit verbessern autodidaktisch


Sven
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In meiner instruktiven Ausgabe von Wiener Urtext steht, daß die originalen Tempoangaben etwas hochgegriffen sind und es sind vom Herausgeber eigene Tempoempfehlungen ergänzt.

Außerdem wird dort erwähnt, daß das allgmein bekannte Problem der zu hochgegriffenen frühen Tempoangaben (gibt es auch bei anderen Komponisten) bisher von der Musikwissenschaft nicht abschließend geklärt ist.
 
B
BWV999
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Bei den Burgmüller-Etüden kann man die Tempoangaben guten Gewissens ignorieren - die Stücke klingen auch etwas gemächlicher immer noch gut genug, und das Tempo lässt sich dann später noch steigern.
 
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Außerdem wird dort erwähnt, daß das allgmein bekannte Problem der zu hochgegriffenen frühen Tempoangaben (gibt es auch bei anderen Komponisten) bisher von der Musikwissenschaft nicht abschließend geklärt ist.
Es gab ja mal das Gerücht, daß Robert Schumanns Metronom kaputt war. ;-)

die Stücke klingen auch etwas gemächlicher immer noch gut genug
Unsere heutigen Klaviere klingen auch voller und viel länger nach, gleichzeitig benötigt man mehr Kraft zum Spielen. Wird man auf einem historisch korrekten Instrument vielleicht automatisch schneller?
 
Wil
Wil
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Das wär' was, dazu noch die Info, dass es Silentsysteme für historisch korrekte Instrumente gibt, und Menschenmassen gerieten in Bewegung... und alle übten den Hummelflug... das große Brummen (folgte dann bei der Ernüchterung)... eine nette Alternative wäre auch, historisch korrekte kaputte Schumannmetronome zu verticken...:coolguy:;-)

@Sven und BWV999: Na das ging ja runter wie Öl! - Dass über diese Tempoangaben sogar wissenschaftlich diskutiert wird, wusste ich nicht. Wobei ich es sonst eh nicht so genau nehme mit den Tempoangaben. Nur bei Etüden traue ich mich nicht so einfach, Abstriche zu machen, aus Bedenken, sonst das Übeziel zu verfehlen. Da schaue ich dann halt, was machbar ist.

LG Wil
 
Wil
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Gestern hatte ich ein für mich ganz seltsames Problem bei der "Unruhe":
(Super, jetzt hab ich extra ein Bildchen gemacht, und das Format passt nicht...)
Beim Tempo Steigern tauchten in der rechten Hand Unsauberkeiten bei weiten Griffen auf (zu langes Liegenlassen von 4 oder 5), und irgendwann wollte ich unter dem Motto "Konzentration auf rechts!" ausprobieren, die Begleitakkorde aufzunehmen und dann nur die rechte allein zur Aufnahme dazu zu spielen. - Ich wählte ein angenehm flottes Tempo, in dem ich beidhändig noch schön sauber spielen kann und versuchte das. Überraschenderweise klappte es aber überhaupt nicht (also das dazu Spielen, das Aufnehmen schon). Ohne den körperlich mitgemachten Schlagimpuls der linken Hand verrutschte mir der Rhythmus rechts völlig. Also wirklich völlig, da stimmte nichts mehr. (Fand ich richtig faszinierend.) Wenn ich mit der linken Hand zusätzlich zur Aufnahme das Metrum auf dem Schenkel mitklopfte, ging es problemlos, der Versuch, stattdessen nur angedacht leicht mir dem Kopf mitzunicken, artete dann wiederum in ein Ruckeln aus, das jeder auf eine Brotkrume zusteuernden Taube Konkurrenz gemacht hätte, das unterbrach ich nach ein paar Takten wieder.

Ein gutes Stück langsamer verschwindet dieses Problem, da kann ich die rechte Hand allein spielen und mir dazu den Schlagimpuls vorstellen oder auch zum Metronom dazu spielen, aber warum ist der Unterschied zwischen beidhändig und einhändig in dem höheren aber an sich noch angenehmen Spieltempo so groß? Inwiefern stimmt da mein Empfinden nicht? Wo genau ist da das Problem? Und wie schaffe ich das aus dem Weg? (Meine Idee ist langsam einhändig üben, und dann einhändig das Tempo zu steigern. - Was ich irgendwie etwas schräg finde, weil es beidhändig ja rund läuft.)

Tja, so kann man von einem Problem in ein ganz anderes rutschen...

Hat da jemand eine Erklärung dafür?
 
E
elli
Guest
Nö, nur die, bei rhythmischen Sachen, wo rechts und links sich ergänzen, oder schmissig unterstützen, übt man eben so schnell wie möglich beidhändig. Ich seh da kein Problem. Wenn ich gehe,rege ich mich ja auch nicht auf, dass ich mit beiden Beinen schön gleichmäßig gehen kann, aber einbeinig das gleiche nicht funktioniert.....:-D
 
Wil
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Na das ist vielleicht ein netter Vergleich, danke!
Schön, dann erspar ich mir diese Einhandaktion. :puh:

LG Wil
 
Wil
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So, das wars! :-)

In der letzten Etappe habe ich mich wegen meiner "Gegen-Ende-Ungeduld" an einem von @hasenbein im Metronomthread aufgeschnappten Tipp versucht, das Metronom weggelassen und stattdessen den Fuß Taktgeber sein lassen. - Hat besser funktioniert als gewollt und mich mittelfristig richtig ausgebremst. Die Vorteile lagen darin, dass ich einerseits durch die "natürliche Bremse" wieder zur ursprünglichen Konzentration beim Erlernen der Stücke zurückgefunden habe und andererseits so nicht mehr auf ein bestimmtes Endtempo hingearbeitet habe, sondern einfach nach Gefühl entschieden habe, wann ein Stück für mich das richtige Tempo hat. - Bzw. ging es mir auch ohne Metronom letztendlich meist so, dass ich gerne etwas flotter gespielt hätte, das aber einfach nicht konnte. ;-)

Meine 5 Lieblingsstücke aus Opus 100:
"Ritterlich", "Der klare Bach", "Steirisch", "Tarantelle", "Sanfte Klage"
Aufnahme "Sanfte Klage": http://picosong.com/AyH5

Am schwersten getan hab ich mir mit:
"Ballade", "Der klare Bach", "Kleine Gesellschaft", "Die Schwalbe", "Die Unruhe"
Aufnahme "Die Unruhe": http://picosong.com/AyHH

Den progressiven Aufbau des Hefts habe ich beim Durchspielen nicht so empfunden, es gab Stücke im vorderen Bereich, die mir sehr schwer gefallen sind (z.B. "Kleine Gesellschaft"), sowie Stücke im hinteren, die mir ziemlich leicht gefallen sind (z.B. "Rückkehr").
@elli und @FünfTon: Vielen Dank noch einmal für euren Burgmüller-Tipp, ich fand ihn sehr gelungen! :-)

Die Herangehensweise, das ganze Heft durchzuspielen, war insofern eine etwas doofe Idee, als ich mehrere Monate ausschließlich, nur und einzig und allein ganz einseitig Burgmüller geübt habe, wodurch auf das Ende hin ein Gefühl der Monotonie bzw. Übersättigung aufgekommen ist, obwohl die Stücke wirklich sehr nett klingen. - Würde ich so nicht empfehlen, einem reinen Anfänger schon gar nicht.

Andererseits hat dieses Vorgehen für meinen individuellen Fall schon gut gepasst, denn:
  • Dafür, dass ich auf Suche nach ganz reduzierten Technikgeschichten bei Clavio gelandet bin, war ich mit Burgmüller noch sehr abwechslungsreich bedient.
  • Mit meiner überaus großen Begeisterungsfähigkeit bin ich ja deutlich stärker im Anfangen als im Abschließen, und durch die volle Konzentration auf Burgmüller gab es keine Gassen für Hans Dampf.
  • Die Stücke gingen sehr schnell in die Finger. So stand (im Rahmen meiner Möglichkeiten) wirklich das Achten auf Kleinigkeiten bei technischen Problemen und das mich selber Kontrollieren im Vordergrund. Und das war es, was ich wollte, mich selber möglichst genau unter die Lupe nehmen, mich auf mein Klavier einstimmen. Viel Raum zum mir Zuhören haben. Und geläufiger werden. Und Musik von Herrn Burgmüller kennenlernen. Das scheint alles geglückt zu sein. - Momentan finde ich mich also einfach nur super! - Wobei mir schon klar ist, dass mich mein Gefühl trügt, denn reaktivieren ist schon was anderes ist als ganz neu dazulernen, da kann man leicht von sich begeistert sein.
Inzwischen muss ich auch etwas über meine allzu sportliche Herangehensweise schmunzeln und habe gemerkt, wie viel in dem Ratschlag "Vergiss bitte nicht auf die Musikalität!" von @Ludwig gesteckt ist und wie unglaublich eng Technik und Ausdrucksfähigkeit miteinander verknüpft sind. (Wäre mir das von vornherein etwas klarer gewesen, hätte ich vielleicht eine andere Form des Wiedereinstiegs gewählt.)

Die größte Lehre, die ich aus den letzten Monaten aber gezogen habe, ist die: Die aktive Teilnahme in einem Forum wie diesem eröffnet einem sehr viele Möglichkeiten, um noch mehr Freude an seiner Beschäftigung mit dem Klavier zu gewinnen. - Mir hat eure Anteilnahme einen Extraschub gegeben, und dass sich hier praktisch jederzeit ein hilfsbereiter Klavierliebhaber findet, der bei Fingersatz- oder sonstigen Problemen einen guten Tipp auf Lager hat, weiß ich sehr zu schätzen und sehe das nicht als selbstverständlich an.

Dafür ein herzliches Dankeschön an alle, insbesondere auch an Schuberto, dessen Mitmachen (nicht nur) beim Etüdenprojekt (nicht nur) dieses sehr bereichert hat.


LG Wil


P.S.: Noch was: Als ich voller Tatendrang diesen Thread eröffnete, hatte ich vom sporadischen Mitlesen vorab im Hinterkopf: "Wenn man hier eine Frage stellt, dann bekommt man meist einen guten Tipp, und dann folgt ein ausgiebiges und höchst eloquentes Verfehlen des Themas, ab da kannst du den Thread knicken." Vor diesem Hintergrund ist es mir passiert, dass mir nach der "Burgmüllerentscheidung" ein paar sehr schöne Beiträge durch die Lappen gegangen sind, die ich leider erst viel zu spät entdeckt habe. - Ich hoffe darauf, dass Betroffene wie @Ralf mir das nachsehen.
 
 

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