Erreichbares Level für Hobbymusiker

  • Ersteller des Themas Wespennest 100
  • Erstellungsdatum

Wer hat es geschafft, hobbymäßig die Chopin-Balladen oder vergleichbares zu spielen?

  • Ja

    Stimmen: 8 57,1%
  • Nein

    Stimmen: 6 42,9%

  • Umfrageteilnehmer
    14
W

Wespennest 100

Guest
Ich hab da mal eine Frage an alle Nicht-Profis unter uns:

Sicherlich jeder von uns stellt sich die Frage, ob er dieses oder jenes Stück einmal spielen können wird oder nicht. Welches Niveau ist erreichbar, wenn man nicht professionell sondern nur hobbymäßig,- mit allen Einschränkungen, die Familie, Beruf usw. mit sich bringen, klavierspielt.

Einer von diesen Meilensteinen, die ich mir träumte erreichen zu können, wären zum Beispiel die Chopin-Balladen. (Für mich speziell Ballade Nr. 1 oder auch die Fantasie f-moll, die Rebecca vor wenigen Tagen eingestellt hat.)

Deshalb an alle Hobbyspieler die Frage: Wer hat es bis auf dieses Level (in akzeptabler Qualität, so dass es vorspielbar ist innerhalb der Familie, natürlich nicht auf Konzertniveau!) geschafft?

Angekreuzt werden soll nur "ja" oder "nein". Wichtig ist das Mengenverhältnis der beiden Antworten zueinander. Also bitte alle die den Faden lesen: Macht bitte ein Kreuz.
Und bei denen, die "ja" sagen können, wäre es schön, wenn ihr vielleicht noch was dazu schreiben könnt. Zum Bsp. wie groß der Aufand war, der sich dahinter verbirgt. Wie lange habt ihr an dem Stück gearbeitet. Seit wann spielt ihr?

Mit der Hoffnung auf rege Teilnahme:

Gruß Ute
 
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DonBos

DonBos

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Hmm, ich sehe da so ein kleines Problem mit der Umfrage. Das Verhältnis Ja/Nein wird nämlich vermutlich nicht wirklich aussagekräftig werden.

Wenn ich z.B. selber teilnehmen würde, müsste ich "Nein" ankreuzen. Allerdings kann sich das in wenigen Jahren bei mir geändert haben. Ich habe mich vor etwa 2 Jahren an der Chopin-Fantasie versucht und bin "gescheitert". Wobei die Anführungszeichen bei "gescheitert" sehr bewusst gesetzt sind, denn ich habe die Fantasie zwar nicht vorspielreif hinbekommen, aber ich habe auch gemerkt, dass sie prinzipiell wohl in wenigen Jahren im Bereich des Möglichen liegen wird - jedenfalls glaube ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit der Fantasie daran, dass es möglich ist. Und das alles als Hobbyspieler...
 
W

Wespennest 100

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ok, Ich formuliere mal die Frage um: "Ja" heißt: "Ich kann es oder traue mir in absehbarer Zeit zu."
Ich kann das jetzt aber wohl nicht mehr in der Abfrage selbst ändern.

Gruß Ute
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Welches Niveau ist erreichbar, wenn man nicht professionell sondern nur hobbymäßig,- mit allen Einschränkungen, die Familie, Beruf usw. mit sich bringen, klavierspielt.

Einer von diesen Meilensteinen, die ich mir träumte erreichen zu können, wären zum Beispiel die Chopin-Balladen. (Für mich speziell Ballade Nr. 1 oder auch die Fantasie f-moll, die Rebecca vor wenigen Tagen eingestellt hat.)

Deshalb an alle Hobbyspieler die Frage: Wer hat es bis auf dieses Level (in akzeptabler Qualität, so dass es vorspielbar ist innerhalb der Familie, natürlich nicht auf Konzertniveau!) geschafft?
Hallo,
als Berufsmusiker schreibe ich natürlich nur außer Konkurrenz mit, sage ich vorab. Trotzdem ist die Fragestellung von vornherein so allgemein gehalten, dass Du den angestrebten gemeinsamen Nenner aus den zu erwartenden Antworten kaum ableiten können wirst - auch wenn Du nicht mehr nach der absoluten Wahrheit suchst...;);););). Vermutlich bist Du hinterher genau so schlau wie vorher, wenn Du den angesprochenen Personenkreis nicht näher differenzierst:
  • "Hobbyspieler" können Spätanfänger sein, die sich erst im Rentenalter zum ersten Mal ans Instrument setzen oder aber z.B. ambitionierter Nachwuchs, der vor dem Hintergrund der unsicheren Berufsperspektiven trotz bestandener Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule dann doch lieber Arzt, Ingenieur oder Rechtsanwalt geworden ist - unter denen kann so mancher mit Berufsmusikern durchaus mithalten.
  • Der Zeit- und Arbeitsaufwand im musikalischen und außermusikalischen Bereich hängt maßgeblich mit der Fähigkeit zur Selbst- und Fremdorganisation zusammen: Der eine hat mehrere Stunden Tagesfreizeit, die andere muss sich jede Minute Übezeit vom Munde absparen...
  • Musikalische Vorbildung, Hörfähigkeit, feinmotorische Geschicklichkeit, Gedächtnisleistung, analytisches Denkvermögen, Ausdauer, Belastbarkeit u.s.w. sind individuell äußerst unterschiedlich ausgeprägt.
  • Wer beurteilt die Vorspieltauglichkeit der pianistischen Resultate? Man selbst? Bekannte mit professioneller Erfahrung? Leute, die sonst mit Musik nichts am Hut haben?
  • Selbst unter Amateurbedingungen reichen die Qualitätsunterschiede vom oberflächlichen Runterspielen mit wenig Gestaltung und vielen falschen Tönen bis hin zu respektablen Ergebnissen, die auch fremde Zuhörer mit künstlerischer Vorbildung überzeugen...!
  • Auch Amateure haben von Omas nie gewartetem Uraltklavier bis zum fabrikneuen Flügel je nach Geldbeutel ein ganz unterschiedliches Arbeitsinstrument zur Verfügung, das den Lernprozeß natürlich mitbeeinflußt.
  • Wie steht die eigene Familie dem Hobby gegenüber? Positiv mit Bereitschaft zur Förderung und Unterstützung? Gibt es mit Hausnachbarn Unstimmigkeiten wegen der Übetätigkeit - nicht jeder logiert schließlich im Eigenheim mit Möglichkeit zum unbegrenzten Üben zu jeder Zeit...

Diese Ausführungen könnte man immer weiter fortsetzen. Ich kenne aus dem eigenen Bekanntenkreis Ärzte und Rechtsanwälte, die sich gegen eine Tätigkeit als Berufsmusiker entschieden haben, aber in der Lage sind, z.B. mindestens eine der vier Chopin-Balladen bei einem Kammermusikabend ihrer lokalen Kirchengemeinde in unter diesen Umständen podiumsreifer Qualität vortragen zu können. Andere wissen genau, dass sie sich mehr mit Töne zusammen suchen als mit ernsthaftem künstlerischen Gestalten beschäftigen müssen - auch wenn es sich dabei um eine einfache Sonatine von Clementi oder Kuhlau handelt. Trotzdem pflegen diese unter den bescheidenen Rahmenbedingungen gerne ihr Hobby.

LG von Rheinkultur
 
Rheinkultur

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ok, Ich formuliere mal die Frage um: "Ja" heißt: "Ich kann es oder traue mir in absehbarer Zeit zu."
Ich kann das jetzt aber wohl nicht mehr in der Abfrage selbst ändern.

Gruß Ute
Im Zweifelsfall gilt zur Neuformulierung für Fragen Murphy's Gesetz: Du hast niemals genug Zeit, es richtig zu machen - aber Du hast beliebig viel Zeit, es nochmals zu machen...:D:D:D:D
 
kreisleriana

kreisleriana

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in akzeptabler Qualität, so dass es vorspielbar ist innerhalb der Familie, natürlich nicht auf Konzertniveau!

genau das ist aber der knifflige Punkt!

spielen können ist eins,perfekt spielen können heißt aber konzertreif ,wenn die Ansprüche an sich selbst hoch genug sind,auch wenn nur die Tante und der Onkel zuhört . Die Balladen runternudeln kann bald ein fleißiger Hobby Spieler,wenn's Tante nicht stört,die eh nur Schlager hört,könnte damit das Ziel des Hobby Klimperers schon erreicht sein... ob's schön ist ist ne andere Frage.

ich kenn jemanden,der spielt von Schumanns Carneval angefangen so ziemlich alles verdammt gut (die Balladen natürlich auch alle vier ),damit meine ich absolut konzertreif(hat auch als Kammermusiker einiges an Konzerten gegeben) und der ist von Beruf Herbergs-Leiter. (oK hat einige Semester Klaviern Konzertfach studiert,dann krankheitsbedingt aufgehört,aber trotzdem,ist er nicht Berufsmusiker im eigentlichen Sinn).

Oder andersrum,wenn du Ziel-Werk XY der Tante Anni vorspielen kannst,ohne allzu schlimme Patzer,Schlampereien,Hänger etc.,dann BEGINNT die musikalische Arbeit erst!das ist dann aber eine sehr schöne Arbeit:wenn alles technisch einigermaßen gut klappt,kannst du beginnen,alles technisch "im Schlaf" zu können und dann an der Interpretation zu arbeiten und an jeder Phrase herumzufeilen(guter KL hülfe da gewaltig),das sind dann die berühmten 90% Arbeit an den letzten 10%,genau da hören die meistern Hobbymusiker aber längst auf und kommen daher nie auf ein akzeptables Niveau!


Weiter gehts dann natürlich auch:wenn die Balladen dein Ziel sind,kommt ,nachdem sie eventuell irgendwann bewältigt sind, garantiert was anderes,das halt noch ein bisserl schwerer erreichbar ist, man kann die Latte immer noch ein wenig höher legen,was letzlich erreichbar ist,hängt ab vom Ausbildungsstand,vom Talent schon auch und von der investierbaren Zeit (mit 1 Stunde üben pro Tag wird die Liszt Sonate nicht machbar sein,egal für wie talentiert man sich hält).Irgendwo hat dann aber jeder seine Grenzen,auch Berufsmusiker:beigott nicht jeder studierte Pianist kann Gaspard oder Transzendentaletuden im Konzert spielen,auch über die gesamten op 10 oder 25 im Konzert traut sich ganz und gar nicht ein jeder studierte Pianist so einfach drüber...

Du siehst,wirklich beantworten kann man die Frage einfach nicht.
 
W

Wespennest 100

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Lieber Kreisleriana,

Ich weiß dass die Antworten auf diese Frage nicht einfach zu geben sind, dass ist aber kein Grund, diese Frage nicht zu stellen. Ganz sicher wird es so sein, dass die Qualität des Könnens sehr unterschiedlich ist. Aber ich finde es schon beachtlich, als Laie so ein Werk überhaupt anzugehen. Allein technisch gesehen hängt die Hürde schon sehr hoch. Und das die eigentliche Arbeit erst danach beginnt wissen wir auch. Und natürlich gibt es unter den Laien einige verkappte Profis,- die bewußt einen anderen Weg als den des Pianisten gewählt haben. Die schreiben das dann aber bitte dazu!

Ich kann mich an ein paar wunderschöne Einspielungen von Dir erinnern. Ich bin sicher Du kannst es. Aber bist Du Profi? (Ich glaube - nein.)

Gruß Ute
 
Sesam

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Hallo Ute,

damit sich ein halbwegs aussagekräftiger Mittelwert ergibt, müssten bei deiner Umfrage wieviele Menschen abstimmen?

Letztlich geht es dir wahrscheinlich darum, ein bißchen Hoffnung und Zuversicht zu "produzieren", im Hinblick auf deine eigenen Ambitionen. Aber das kannst du doch viel einfacher haben. Frage deinen Lehrer, der kennt dich und kann dir sagen, wie deine Aussichten sind und was zu tun wäre.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass der Wunsch bestimmte Stücke spielen zu können bei mir gänzlich verschwunden ist. Damit meine ich: der Weg ist das Ziel. Und natürlich werden die Chopin Balladen diesen Weg kreuzen, soooo rasend schwer sind die jetzt auch wieder nicht, als dass man sie als Amateur nicht spielen könnte. Aber bestimmt nicht im nächsten Jahr. Bis dahin widme ich mich meiner profunden und soliden Ausbildung anhand einfacherer Literatur.

Eine erhellende Frage könnte auch sein, was man selbst denn wirklich konzertreif vortragen kann (zu einem Zeitpunkt, wenn man an die Balladen denkt). Also nicht fragen, ob man dies oder jenes könnte, sondern gucken, was man kann. Das dürfte einigen Aufschluss geben.

Trotzdem weiter viel Spaß mit deiner Umfrage!

LG, Sesam
 
kreisleriana

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bist Du Profi? (Ich glaube - nein.)

Gruß Ute

da hätt ich ja nicht antworten dürfen :-)

Was die Balladen anlangt,so hab ich nur 1-3 mit meinem KL durchgearbeitet,weil die mir damals (ich war glaub ich 15 oder 16) am meisten gefielen,die 4. ist leider eine Bildungslücke geblieben,die ich wohl mal nachholen muss.ich hab sie damals auch in der Schule vorgespielt.War für mich schon viel Arbeit und hab gehörig geschwitzt dabei und war sehr nervös beim Vorspielen(Ergebnis hat mir deshalb nicht gefallen)

Sie waren auch insofern prägend,als ich fand,so wie Horowitz(g moll in den 40er Jahren) werd ich das nie hinkriegen,ich hab damals immer wieder (naiverweise)versucht, so eine Spannung aufzubauen wie er,und schmiss dann irgendwann frustriert alles hin und begrub vernünftigerweise einschlägige Berufsambitionen ...(nicht ohne vorher eine gehörige Teenager-Depression deswegen hinzulegen)
 
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Wespennest 100

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Hallo Ute,

damit sich ein halbwegs aussagekräftiger Mittelwert ergibt, müssten bei deiner Umfrage wieviele Menschen abstimmen?

Ich habe das Datum offengelassen.....

Letztlich geht es dir wahrscheinlich darum, ein bißchen Hoffnung und Zuversicht zu "produzieren", im Hinblick auf deine eigenen Ambitionen. Aber das kannst du doch viel einfacher haben. Frage deinen Lehrer, der kennt dich und kann dir sagen, wie deine Aussichten sind und was zu tun wäre.

;) Ertappt (Sie hat mir durchaus Hoffnung gelassen.), aber nicht nur. Es interressiert mich auch unabhängig davon.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass der Wunsch bestimmte Stücke spielen zu können bei mir gänzlich verschwunden ist.

Wirklich? Die Wünsche entstehen doch so schnell! Einmal im youtube gewesen und in ein neues Stück verliebt - Das läßt sich gar nicht verhindern.



Eine erhellende Frage könnte auch sein, was man selbst denn wirklich konzertreif vortragen kann (zu einem Zeitpunkt, wenn man an die Balladen denkt). Also nicht fragen, ob man dies oder jenes könnte, sondern gucken, was man kann. Das dürfte einigen Aufschluss geben.

hmmmm, um ehrlich zu sein,- es geht immer weiter und weiter und weiter, was ich in der Gegenwart kann erscheint mir leicht,- irgendein Ziel braucht man schon ..... :?

Gruß Ute

P:S: Hast Du Dein Häkchen gemacht? ;)
 
Rheinkultur

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Lieber Rheinkultur,

das ist mir ja alles klar. :rolleyes:
Die Frage bleibt: Wieviel % können es? Und damit man etwas dahinter schauen kann, war meine Bitte, etwas dazu zu schreiben. ;)

Gruß Ute
Ich wage nach den zwischenzeitlich erfolgten Präzisierungen folgende Prognose:
  • Wer mal angehender professioneller Pianist war und z.B. die Aufnahmeprüfung für das Hauptfach Klavier erfolgreich absolviert hat und sich aus karrierespezifischen Erwägungen neu orientiert hat, dürfte bei kontinuierlichem Weiterüben im reduzierten Umfang dazu in der Lage sein.
  • Wer die nötige Begabung und die erforderlichen Kenntnisse für die Studienzulassung gehabt hätte, aber von vornherein einen anderen Berufsweg gewählt hat, dürfte ebenfalls mit ja abstimmen können.
  • Voraussetzung ist erfahrungsgemäß, dass die pianistische Praxis zwischenzeitlich nicht ganz oder weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Andernfalls wäre das mit dem recht schnell verschlechterten Trainingszustand eines aktiven Sportlers vergleichbar, der plötzlich die Sportart komplett aufgegeben hat.
  • Späteinsteiger im Erwachsenenalter haben es mit zunehmendem Lebensalter mit Sicherheit nicht einfacher, vergleichsweise komplexe Bewegungsmuster und feinmotorisch differenzierte Abläufe zu erlernen und zu automatisieren. Störende Angewohnheiten, Fehlspannungen im Spielapparat, geringere Geschmeidigkeit bislang untrainierter Muskelgruppen machen es dem erwachsenen Seiteneinsteiger nicht eben leichter; dennoch sind Fortschritte am Instrument und in der musikalischen Auffassungsgabe in jedem Lebensalter möglich. Ob der tatsächlich erzielbare Fortschritt eigenen Ansprüchen genügt, ist eine ganz andere Frage.

Wenn man alles, was nicht dem Profilager zuzurechnen wäre, was nicht ganz oder überwiegend vom Musizieren seinen Lebensunterhalt bestreitet, pauschal zusammenrechnet, dürften hinlänglich begabte Amateure mit derartigen Fertigkeiten am Instrument einen vielleicht einstelligen Prozentsatz abdecken.

Auch wenn es banal klingt: Mäßige, aber regelmäßige Praxis am Instrument dürfte zu besseren pianistischen Resultaten führen als eine einst hochambitionierte und dann langjährig unterbrochene Laufbahn. Ich kann mich an einen amtierenden Generalmusikdirektor eines deutschen Opernhauses erinnern, der bei einer gemeinsamen Veranstaltung einige Gesangssolisten zu begleiten hatte. Während junger Kapellmeisternachwuchs in der Regel als Korrepetitor ohne Dirigierverpflichtung beginnt und absolut fit am Instrument zu sein hat, donnerte der Herr GMD lieblos, überlaut und mit Unmengen falscher Töne seinen Klavierauszug herunter, als ob er demonstrieren wollte, dass er, unter dessen Leitung sich viele Jahre lang andere die Finger wund spielen sollten, dieses Bemühen um pianistische Qualität längst nicht mehr nötig hat. Der Profi-Status ist ganz offensichtlich nicht gleichbedeutend mit höchster Qualität - und "Dilettant" war in früheren Jahrhunderten keinesfalls ein so abschätzig geäußerter Begriff wie heute üblich. Immerhin geht diese Bezeichnung auf das lateinische "delectare" ("sich erfreuen") zurück, was ja mit Nichtskönnen, Versagen und Stümperei wirklich nichts zu tun hat.

"Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich den Unterschied. Wenn ich zwei Tage nicht übe, merken es meine Freunde. Wenn ich drei Tage nicht übe, spricht das Publikum darüber." (Yehudi Menuhin)

LG von Rheinkultur
 
pianochris66

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Hallo Ute,

die g-moll Ballade von Chopin gehört auch zu meinen Lieblingsstücken Chopins und ich "spiele" sie regelmäßig seit ca. 20 Jahren. Auch nach dieser langen Zeit der Beschäftigung musste ich Deine Umfrage mit nein beantworten. Dies hat sicherlich mit mangelndem Ehrgeiz und fehlender Geduld meinerseits zu tun, die technisch sehr anspruchsvollen Passagen im richtigen Tempo zu bewältigen gelingt mir leider immer noch nicht. Gleiches gilt z.B. auch für die wunderbare Barcarole. Eine von mir gewonnene Erkenntnis für mich aus diesem Forum ist, dass ich beschlossen habe, nochmal im reifen Alter von 46 Jahren einen guten Klavierlehrer zu suchen um meine Technik zu verbessern damit ich solche Aufgaben noch gelöst bekomme bevor es in die Kiste geht. Bis dahin werden für mich "einfachere" Stücke Chopins, die mich ebenfalls seit Jahren begleiten (Nocturnes, Walzer, Mazurkas, Préludes, Berceuse sowie einige der Polonaisen), über diese Niederlage am Klavier hinwegtrösten.

Gruß
Christian
 
Aleko

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Damit meine ich: der Weg ist das Ziel. Und natürlich werden die Chopin Balladen diesen Weg kreuzen, soooo rasend schwer sind die jetzt auch wieder nicht, als dass man sie als Amateur nicht spielen könnte.

Du meinst aber schon die Balladen von Chopin oder? :D Also ich weiß ja nicht, was man unter schwer versteht aber Zimerman plays Chopin Ballade No. 1 - YouTube ist mehr als schwer, wie ich finde. Es kommt natürich auf das Tempo an.
Wenn ein Späteinsteiger, der sagen wir mal mit 30 angefangen hat, irgendwann die Ballade in dem gedachten Tempo spielen kann und dabei ein neutraler Zuhörer nicht wegrennt, dann verneige ich mich in Ehrfurcht vor dieser Leistung.

P.S. Ich wollte keinen demotivieren, die Ballade würde ich selbst sehr gerne spielen (können) ;)
 
.marcus.

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Ich habe im Laufe von Monaten und Jahren für mich entdeckt, dass es mir nicht gut tut mich auf bestimmte Zielstücke zu fixieren. Ich möchte Spaß haben an dem, was ich jetzt gerade erarbeite. Der Blick auf das ferne Ziel verstellt mir die Sicht auf meine aktuellen Aufgaben. Dabei gerät mir das Stück, was ich gerade lerne, zur lästigen Pflichtübung...

Jetzt gehe ich entspannter mit meinen Lernerfolgen um. Ich habe akzeptiert, dass manches eben Zeit braucht und vor allem dass mein Anspruch in einem schlechten Verhältnis zur Zeit stand, die ich ins Üben investiert habe. Jetzt erwarte ich nicht mehr so viel von mir und habe gleichzeitig mehr Freude am Üben.

just my 5 cents

lg marcus
 
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Wespennest 100

Guest
Ich habe im Laufe von Monaten und Jahren für mich entdeckt, dass es mir nicht gut tut mich auf bestimmte Zielstücke zu fixieren. Ich möchte Spaß haben an dem, was ich jetzt gerade erarbeite. Der Blick auf das ferne Ziel verstellt mir die Sicht auf meine aktuellen Aufgaben. Dabei gerät mir das Stück, was ich gerade lerne, zur lästigen Pflichtübung...

Jetzt gehe ich entspannter mit meinen Lernerfolgen um. Ich habe akzeptiert, dass manches eben Zeit braucht und vor allem dass mein Anspruch in einem schlechten Verhältnis zur Zeit stand, die ich ins Üben investiert habe. Jetzt erwarte ich nicht mehr so viel von mir und habe gleichzeitig mehr Freude am Üben.

just my 5 cents

lg marcus

Hallo Marcus,

mir geht es so, dass ich durchaus Wünsche habe, bestimmte Stücke einmal zu spielen. Aber es versperrt mir nicht die Freude an dem, was ich zur Zeit spiele. Es gibt auf jedem Level wunderschöne Stücke.
Es mag allerdings am Alter liegen- ich hab jetzt mit 45 herausgefunden, dass man noch ganz viel schaffen kann. Ich hab noch so viel Kraft,- und Zeit ist auch genug da. Scherzhafter Weise hab ich meiner KL klargemacht, dass ich Zeit habe, bis ich 85 bin,- das sind noch 40 Jahre!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (In 10 Jahren sind die Kinder aus dem Haus und in 15 Jahren gehe ich in Rente,- da ist noch soooo viel Zeit zum üben. :D:D:D)

Warum soll ich also nicht auch über die Balladen nachdenken........

;) Gruß Ute
 
pianochris66

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Bin geschockt und frustriert über das bisherige Abstimmungsergebnis von 6 X ja und 4 X nein. Von allen Ja-Abstimmern erwarte ich hier fehlerfreie Aufnahmen im richtigen Tempo der g-moll Ballade:-):-)!
 
rolf

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Bis dahin werden für mich "einfachere" Stücke Chopins, die mich ebenfalls seit Jahren begleiten (Nocturnes, Walzer, Mazurkas, Préludes, Berceuse sowie einige der Polonaisen), über diese Niederlage am Klavier hinwegtrösten.
angenommen, es gelänge dir, solche Sachen wie Chopins Preludes in Des- und As-Dur, die beliebten Schubertschen Impromptus in Es- und As-Dur, die Mozartsche Sonate A-Dur KV 331, Beethovens Sonate op.28 und manuell vergleichbare Stücke so zu spielen, dass es Deinen Zuhörern Gänsehaut macht, dass sie gespannt zuhören, dass sie diese Stücke neu hören -- könnte man dann noch von Niederlage sprechen?
...und sowas ist möglich, vielleicht eher selten als häufig, aber es ist möglich - und wenn es gelingt, ist es große Klasse!!
 
DonBos

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Bin geschockt und frustriert über das bisherige Abstimmungsergebnis von 6 X ja und 4 X nein. Von allen Ja-Abstimmern erwarte ich hier fehlerfreie Aufnahmen im richtigen Tempo der g-moll Ballade:-):-)!

Ich habe zwar weder mit "Ja" oder mit "Nein" gestimmt (sondern mich enthalten), noch habe ich die g-moll-Ballade bisher jemals angerührt. Aber ich habe zu Beginn des Threads angemerkt, dass ich an der f-moll-Fantasie "gescheitert" bin, sie aber in ein paar Jahren für mich selbst für spielbar halte - unter der Voraussetzung, dass wir hier von Oma-Tante-Familienvorspielniveau ausgehen und nicht von Konzertsaalniveau.

Nun, wie kompliziert dieses Thema sein kann, will ich nun versuchen zu verdeutlichen, indem ich einfach einen kurzen Ausschnitt von vor zwei Jahren von mir hier einstelle (das Video ist nicht öffentlich auf youtube, sondern nur über den Link in diesem Thread hier erreichbar). Damals habe ich an der Fantasie geübt. Das Video zeigt einen Teil einer etwa zweistündigen Übesession an der Fantasie, während der ich einfach nebenbei die Kamera habe laufen lassen. Und zwar zeigt das Video genau den Teil der Übesession, an dem ich versucht habe, die Fantasie "im Tempo" so gut wie zu diesem Zeitpunkt möglich zu spielen, um herauszufinden, wo noch die stärksten Unsicherheiten liegen (geübt habe ich noch in einem deutlich langsameren Tempo). Nun, wie ihr hören werdet, bin ich schon relativ früh dann komplett rausgeflogen, was ja auch zu erwarten war (an dieser Stelle endet das Video, denn danach habe ich wieder mit langsamem Üben von Einzelstellen weitergemacht, anstatt die Fantasie weiter im Tempo sinnlos durchzuquälen). Und auch schon vor dem Rausfliegen sind wahnsinnig viele falsche Töne und rhythmische Unsauberheiten zu hören. Von noch ziemlich mangelhaftem musikalischem Inhalt meiner "Interpretation" ganz zu schweigen.

Hier nun mal der Link zu diesem Video:
Chopin Fantasie op 49 nur Anfang Übesession - YouTube

So weit so gut.
Worauf ich damit aber eigentlich raus will ist Folgendes: Die Aufnahme ist für jeden, der von Musik etwas versteht offensichtlich als nicht aufführungsreif zu erkennen, ganz unabhängig davon, dass sie mitten im Stück abbricht - da liegt noch viel zu viel im Argen, und da das auch zwei Monate später nicht extrem viel besser gelang, habe ich die Fantasie dann auch bald als "vorerst gescheitert" für eine Weile auf Eis gelegt. Da liegt sie auch noch immer.
ABER: Es gab auch Leute in meinem Umfeld, die diesen nicht aufführungsreifen Zwischenstand gehört haben und für sehr gut befunden haben. Ich wage zu behaupten, die Durchschnittstante oder -oma, die zuhause ein kleines Vorspiel hören will, ist mit diesem Niveau, das ihr mit meinem Spiel geboten würde gar nicht unzufrieden.

Wo also liegt die Grenze zwischen "aufführbar für die Verwandtschaft" und "konzertreif"? Dass meine Aufnahme zweiteres überhaupt nicht ist, ist klar. Aber ersteres? Ich würde das so auf diesem Niveau auch einer Tante nicht gerne aufführen wollen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass das wohl einige Leute anders sehen würden.

Dieses Thema hier ist also wohl gar nicht so leicht. Und die Umfrage bleibt für mich nach wie vor unbeantwortbar - nach meinem aktuellen hobbypianistischen Vermögen würde ich aber eher zu "Nein" tendieren. Auch wenn sich das wie gesagt irgendwann ändern kann, denn wirklich hundertprozentig gescheitert bin ich an der Fantasie eben doch nicht.

Viele Grüße
DonBos
 
 

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