Erfahrungsaustausch Spätberufene

Ich würde es vermeiden zu sagen "Ich kann Klavier spielen". :denken: Besser: "Ich spiele Klavier". :super:
Das wollte ich auch sagen. XD

Ich glaube bei solchen Sachen ist es schwierig zu sagen wann man es kann. Schliesslich bräuchte es dafür ne objektive Beurteilung die entsprechend fehlt.

Entsprechend bleibt einem nur das eigene Selbstbewusstsein und die Meinungen von anderen. Die aber auch nicht immer was taugen.
 
@Tanzpause
Alles andere als dämlich, diese Frage.
Mit zunehmendem Alter weiß man, daß „man nichts weiß“. Kinder sollten ein gesundes Selbstvertrauen haben und ruhig sagen dürfen „ich kann..“
Ungesundes pushen der Eltern im Hintergrund mal ausgenommen.
Der Rest ist wohl ein Zusammenspiel aus Lebenserfahrung und Genen. Der eine bringt es auf mehr Selbstvertrauen als der andere.
Ich persönlich werde wohl nie behaupten, daß ich Klavierspielen kann.
Es geht doch immer besser, schöner..
LG Barbara
 
Ab wann man von "können" sprechen kann, ist mMn der Definition des eigenen Anspruch geschuldet.

Fürs Klavier :
Das kann ich definitiv noch nicht spielen:coolguy:
Einfach weil ich mit einer hohen Erwartungen an mich selbst und klar definierten Zielen vor kurzer Zeit eingestiegen bin.
Noch ist kein Ziel erreicht auch wenn die Fortschritte rückblickend echt nicht klein sind.
Kann ich Klavier spielen? Ich würde ganz entspannt "Nein!" sagen.

Der Punkt, an dem ich mit "ja" antworten könnte, ist für mich erst dann erreicht wenn die ersten Ziele umgesetzt sind und ich ein vertrautes Gefühl am Klavier entwickelt habe.

Anders Beispiel wäre hier :

An der Gitarre :

Unterschiede ich hier zwischen Western und Konzert, würde ich sagen das ich die Western Gitarre "kann".
Ich kann einen Sänger begleiten, weiß wie ich Anschlage und kenne die Tricks um mich zumindest durch zu mogeln. Dazu kann ich mir Pop Nummern als "coole" Fingerstyle Versionen erarbeiten.
Mehr wollte ich da nie:super:

An der Konzert und somit wieder in der Welt der klassischen Musik, an der ich definitiv mehr Zeit verbracht habe als an der anderen Gitarre, sehe ich mich zurück blickend als größerer Amateur als ich es eigentlich war.
Ich hab nie das von mir angestrebte Niveau erreicht und konnte nicht so spielen, wie ich es erreichen wollte.
Da war die eigene Messlatte viel zu hoch als das ich mir selbst ein "spielen können" bescheinigen könnte.
Dabei spielte ich am Ende recht gut und schon beeindruckende Stücke.

Daher glaube ich, dass "können" individuell betrachtet werden muss, mit einem objektiven und selbstkritischen Blick.
Wie sonst will man das auch feststellen?
Ich mein, kann ein Jazz Pianist von können reden, wenn er nicht ein Stück von Bach gespielt hat? Sollte ein versierter klassischer Pianist nicht mindestens 5 Jazz Standards können, um wirklich "spielen zu können"? :denken:
 
Genau wie @méchant village schon geschrieben hat, sagen Kinder selbstsicher "Ich kann" und sollen das auch so sagen dürfen. Wir Erwachsene haben da oft zu große Hemmungen, wenn mich einer fragt sage ich auch ich spiele Klavier, aber auf die Idee zu sagen ich kann Klavier spielen käme ich nicht im Traum.
 
"Ich kann dieses und jenes" ist glaub ich genauso eine Floskel wie "Mir gehts gut" .
 
Für mich geht es darum einfach zu üben und zu spielen. Ich habe etwas was ich lernen möchte und dann übe ich es halt, bis ich es kann. Wenn ich mich dabei mal überfordere, dann muss ich mir das eingestehen und was anderes nehmen. Es gibt fürs Klavier ja quasi unendlich viel Literatur...

Der Weg ist das Ziel. Es soll einfach Freude machen sich mit der Musik und dem Instrument zu beschäftigen.
 
Man lernt stetig dazu und auch Konzertpianisten üben noch. Eine stetige Steigung, was das Können angeht, ohne dass es da eine feste Grenze gäbe. Wozu also die Frage "ab wann"?

Wenn ich meine, ich kann, sobald ich mal Chopin fehlerfrei vortragen kann, ist die Meinung meiner Tochter genau so gerechtfertigt, die meint, sie kann, weil sie alle meine Entchen fehlerfrei spielt.
 
Immer wieder wird vor zu schweren Stücken gewarnt, aber ich mache seit einigen Wochen die Erfahrung, dass solche Stücke mich beflügeln. Das Adagio des vierten Satzes von Szymanowskis 1. Sonate hat positive Auswirkungen auf die Sprünge in seinem 1. Präludium. Und beim neunten Präludium habe ich mich heute früh - nach drei Wochen Pause mit diesem Stück – auch über eine Verbesserung gefreut. Der vor drei Wochen unangenehme Fingersatz der linken Hand lief auf einmal sicherer und "handlicher".
:-)
 
Mir fällt noch etwas zum genannten Adagio ein. Es beginnt pp wie ein Schreiten unter dunkelgrauen Regenwolken und das Crescendo gipfelt plötzlich in - die düstere Stimmung durchbrechenden - Des-Dur. Dieses Des-Dur hat mich völlig überrascht, weil ich das ff gestern ohne darüber nachzudenken und ohne irgendwelche Anstrengung spielen konnte. Dieses Crescendo hat anscheinend eine solche (positive) Anspannung in mir ausgelöst, dass die pure Begeisterung über mich gekommen und es ist einfach passiert ist. Meine Hände haben es erstaunlich gut ausgehalten (auch das weitere Üben an dieser Stelle).
:-)
 
Huhu allerseits!

Ich melde mich mal wieder aus der Versenkung.

Ich bin so ein bisschen an die Grenzen des Machbaren hier gestoßen. Seit Mai habe ich ne doppelte Haushaltsführung, was mit Kindern echt nicht ohne ist. Den Klavierunterricht habe ich ausgesetzt, da nicht vor Ort, aber immerhin hab ich mein epiano am Arbeitsort, sodass ich nicht völlig klavierlos bin. Aber ohne Unterricht fehlt mir echt der rote Faden. Ich dümpel mehr vor mich hin, als dass ich vorwärts komme. Ihr anderen ohne Unterricht seid offensichtlich einfach viel disziplinierter als ich. *seufz*

Beruflich läuft’s aber richtig gut, sodass jetzt schweren Herzens die Entscheidung fest steht, dass wir alle umziehen. Jetzt werde ich vor Ort nach nem KL schauen!

Aber ich merke tatsächlich, dass es als spätberufene Anfängerin ne echte Herausforderung alles unter einen Hut zu bekommen...

Ganz liebe Grüße in die Runde!


Liebe Grüße vom
Sonnendeck
 

. Aber ohne Unterricht fehlt mir echt der rote Faden. Ich dümpel mehr vor mich hin, als dass ich vorwärts komme. Ihr anderen ohne Unterricht seid offensichtlich einfach viel disziplinierter als ich. *seufz*
(...)
Aber ich merke tatsächlich, dass es als spätberufene Anfängerin ne echte Herausforderung alles unter einen Hut zu bekommen...

Ich bin ja in einer durchaus vergleichbaren Situation, als Anfänger über 50 mit recht jungem Kind noch unter 10 kenne ich die Herausforderung, alles unter einen Hut zu bekommen. Zwar arbeite ich vor Ort, jedoch recht viel, aber das teilen alle, die nicht mehr Schüler oder Studenten sind.

Das mit dem roten Faden durch fehlenden KL ist für mich nicht so einfach:
Ohne Klavierlehrer habe ich ein paar Jahre mit jeweils langen Pausen herumgespielt, bis ich immer jeweils keine Lust mehr hatte. Viel rausgekommen ist dabei naturgemäß nicht. Kontinuierlich spiele ich jetzt sein letztem Sommer, wo ich quasi wieder bei Null anfangen musste. Seit Januar nun mit Klassik- Lehrer, wobei ich einerseits führbar lerne, womit ich andererseits aber auch hadere. Einerseits hat der Lehrer erfreulich klare Vorstellungen von einer guten Spieltechnik, weichem Anschlag mit entspannten Fingern, Handgelenken usw. (hat u.a. direkt bei Feuchtwanger gelernt), leider bin ich derzeit mit dem rein klassischen Ansatz nicht wirklich glücklich. Ich habe da einige klare Vorlieben, v.a. Bach, neuerdings habe ich auch Bartoks Mikrokosmos entdeckt, jedoch mit der vom KL empfohlenen Russischen Klavierschule hadere ich stark. Diese Art von kleinen Salon- Stückchen und Etüden widerstrebt mir relativ stark. Einfach nicht mein Ding, finde ich - wie vieles andere links und rechts von meinen Klassik- Vorlieben - ziemlich langweilig.

Überhaupt, und das bereitet mir Sorgen, kommt man in der Klassik rasch in so ein Fahrwasser, wo man sich nur noch an den vorgegebenen Stücken orientiert und in gewisser Weise tendenziell unkreativ wird. Der Horizont verengt sich darauf, ein bestimmtes Stück spielen zu lernen.Das ist zwar zweifellos ein roter Faden und man hat auf viele Jahre hinaus definitiv seine Ziele, mir persönlich geht dabei leider tendenziell die experimentierende Einstellung und das Gefühl für freies Spielen verloren.
Insbesondere, da mir in der klassichen Welt das "So spielt man das nicht!" des KL oder ein schlichtes "falsch" stets nur einen Anschlag entfernt ist. Der KL, den ich zuvor probiert habe, war an Jazz und auch Pop orientiert, selbst ein recht guter Spieler, leider konnte er mir zu Spieltechnik und Tonformung nur wenig sagen. Weshalb ich auch einen neuen gesucht habe...

Einerseits brauche ich ja die formale Ausbildung, um überhaupt die technischen Fertigkeiten fürs eigene Spielen zu erarbeiten und so etwas wie einen schönen Ton/ Anschlag zu erwerben. Das scheint in Ansätzen auch zu beginnen, mein letztliches Ziel ist aber eher nicht, Kompositionen als Hunderttausendster möglichst richtig und schön nachzuspielen, um mich ein paar Zentimeter weiter an die bekannten Pianisten anzunähern, die schon alles Bekannte besser eingespielt haben, als ich es je können werde und mit denen jedes neue Spielen sofort verglichen wird...
 
Aber ohne Unterricht fehlt mir echt der rote Faden. Ich dümpel mehr vor mich hin, als dass ich vorwärts komme. Ihr anderen ohne Unterricht seid offensichtlich einfach viel disziplinierter als ich. *seufz*
Von wegen diszipliniert. Ich habe seit Jahren ein englisches Klavierspielmagazin abonniert und bekomme so alle zwei Monate neues gedrucktes Noten-Material aus allen Schwierigkeitsgraden aufs Klavier, wo von Ausgewähltes dann natürlich auch eingeübt wird. Der Erscheinungszyklus gibt gleichzeitig eine soft Deadline vor, man ist also nicht geneigt, die Sachen ewig herumdümpeln zu lassen.
 
Ich würde es vermeiden zu sagen "Ich kann Klavier spielen". :denken: Besser: "Ich spiele Klavier". :super:
Ich umschiffe das "Können" ähnlich, indem ich sage, ich nehme seit 3 Jahren Klavierunterricht.
Finden einige Erwachsene auch schon erstaunlich, dass man als Erwachsener konsequenten Instrumentalunterricht nimmt ;-)
Mit Beruf und Familie ist es für mich derzeit auch recht schwierig, allerdings sehe ich es auch viel lockerer, wenn ich mal keine Zeit zum Üben habe, und zwinge mich z.B nicht mehr, abends total übermüdet meine Hausaufgaben zu machen. Da bringt mir ein gesunder Schlaf unterm Strich mehr.
Es kommen auch wieder andere Zeiten, und ich werde froh sein, selbst solche bescheidenen Fortschritte gemacht zu haben:super:
 
ich kann, sobald ich mal Chopin fehlerfrei vortragen kann

Höhö, "Chopin" ist ein weites Feld. ;-)

Aber ohne Unterricht fehlt mir echt der rote Faden.

Schön, dass Du Dich mal wieder meldest!

Der Horizont verengt sich darauf, ein bestimmtes Stück spielen zu lernen.Das ist zwar zweifellos ein roter Faden und man hat auf viele Jahre hinaus definitiv seine Ziele, mir persönlich geht dabei leider tendenziell die experimentierende Einstellung und das Gefühl für freies Spielen verloren.

Da hast Du natürlich nicht unrecht, in dieses Fahrwasser gerät man durchaus leicht. :idee:

Setz Dir doch vielleicht ein konkretes Ziel. "Seit Januar" ist ja noch nicht allzu lang. Du könntest Dir vornehmen, ein Jahr lang konsequent das umzusetzen und zu üben, was Deine offenbar gute Lehrkraft von Dir will. Und dann schaust Du mal, wo Du stehst... ob Deine kreativen Möglichkeiten nicht womöglich um Klassen besser geworden sind... ;-)
 
Setz Dir doch vielleicht ein konkretes Ziel. "Seit Januar" ist ja noch nicht allzu lang. Du könntest Dir vornehmen, ein Jahr lang konsequent das umzusetzen und zu üben, was Deine offenbar gute Lehrkraft von Dir will. Und dann schaust Du mal, wo Du stehst... ob Deine kreativen Möglichkeiten nicht womöglich um Klassen besser geworden sind... ;-)

Ja, ich hatte mir vorgenommen, zumindest in halben Jahren zu denken und dann weiter zu sehen. Ich werde jedenfalls bald in harte Verhandlungen mit dem KL eintreten und versuchen, das Ganze mehr auf Bach umzulenken. Da werde ich deutlich weniger Widerstände haben als bei den Sachen, mit denen er mich derzeit quält. Die 2-stimmigen Inventionen sind derzeit noch zu schwer für mich, aber es gibt ja noch was leichteres von ihm...
 
@alba63: Meine KL hat immer Rücksicht drauf genommen wozu ich gerade Bock habe. So ganz aufgedrückt ist halt auch schwierig mit der Motivation... würde das direkt ansprechen, da kommt ihr sicherlich zusammen.


Liebe Grüße vom
Sonnendeck
 
Hilfe,
ich habe aus der Russischen Klavierschule z. Zt. ein Stück(chen) in Übung, da wird abwechselnd mit der linken Hand der 3. und mit der rechten Hand der 4. Finger gleichzeitig gespielt und umgekehrt.
Ich hoffe diese dilettantische Erklärung ist verständlich.
Mein Gehirn bekommt einfach nicht zur richtigen Zeit die richtigen Finger angesteuert. Es ist zum verrückt werden. Immer wieder verwechsele ich die Hände oder die Finger. Gefühlt habe ich diese Takte schon tausendmal gespielt.

Hat noch jemand einen Tip?
 
@espresso
um welches Stück handelt es sich und wie lange spielst Du schon?
 

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