Erfahrungsaustausch Kawai ATX-2 System

arno1207

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Hallo liebe Foristen,

ich habe vor wenigen Wochen einen neuen GL30-ATX Flügel bekommen.
Auch wenn ich insgesamt damit sehr glücklich bin, bin ich mit der Soundqualität des Concert Grand Sounds im ATX System nicht wirklich zufrieden und bekomme einfach keine vernünftige Einstellung hin.
Im Bereich E3-F4, ist der Klang auf Grund einer hohen Resonanz doch extrem künstlich, insbesondere, wenn dazu noch Begleitung gespielt wird. Ich habe inzwischen mehrere Kopfhörer ausprobiert und möchte Euch auch dazu meine Eindrücke wiedergeben, siehe unten... jetzt aber zuerst zum Thema Audioqualität des ATX-2 Systems:

Ich habe den Klang am Line-Out mit einem Steinberg UR44 mitgeschnitten und dabei einen Spektrum Analyzer "mithören" lassen. Tatsächlich sind bei mittlerem Anschlag in E4 eindeutig 4 hohe Ausschläge oberhalb der 2kHz zu sehen, was wohl der Simulation einer entsprechenden Resonanz im realen Flügel entsprechen soll.
Bei den anderen Tönen fallen die Ausschläge (natürlich im passenden Frequenzbereich) etwas niedriger aus, je tiefer und höher, desto schwächer. Es scheint quasi so, also würde die Simulation also im Bereich um E4 einfach überreagieren. Ein Herabsetzen der Lautstärke einzelner Töne im Virtual Designer hat leider nicht geholfen, weil ja die Lautstärke insgesamt dabei verändert wird und nicht nur die Resonanz.
Bei meinem Stage-Piano (einem Roland-RD800) gibt es im Piano Designer eine Möglichkeit, die Resonanz gezielt für einzelne Töne herabzusetzen. Eine derartige Funktion gibt es leider im ATX System nicht.
Leider empfinde ich das Verhalten beim üben komplexer Passagen ziemlich unangenehm und zwar soweit, dass ich manchmal ziemlich aus dem Konzept komme. Insbesondere scheint sich der Eindruck nach einer gewissen Spieldauer 30-45 Minuten zu verstärken. Vielleicht habt Ihr noch einen Tipp für mich, wie ich das sonst angehen könnte (außer natürlich einfach akustisch zu üben
rolleyes.gif
).

Außerhalb des angegebenen Bereichs E3-F4 klingt der Sound sehr natürlich und kann sogar im direkten Vergleich mit dem akustischen Pendant ganz passabel mithalten, also habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es sich auch für die angegebene None irgendwie regeln lässt. Vielleicht muss ich aber auch zum "Ohr-Tuner" :musik:

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Hier noch meine Erfahrungen mit den getesteten Kopfhörern:
  • Beim Fostex T50rp weist der Klang durch die halboffenen Bauweise einen gewissen Abstand zum Kopf, gleichwohl schirmt er aber gut nach außen ab. Insgesamt ist er aber viel zu leise und ein wenig zu basslastig für den Einsatzzweck.
  • Der Beyerdynamic Custom Studio verstärkt den künstlichen Sound m.E., was schade ist, weil er einen ansonsten ausgewogenen und unverfälschten Sound wiedergibt. Die mechanische Basseinstellung des Custom Studio ist für das Klavierspiel in eine der beiden unteren Rasten am natürlichsten. Ist aber auch ein wenig Geschmacksache. Trotz der geschlossenen Bauweise, sitzt der Klang nicht im Gehörgang, was relativ ermüdungsfreies Spielen für längere Zeit ermöglicht. An meinem Roland RD-800 war er mein Lieblingskopfhörer.
  • Der Audio Technica ATH-M50x (ausgestattet mit geekria Ohrpolster) weicht die Resonanzen im oben angegebenen Bereich etwas auf Leider sitzt der Flügel damit aber direkt im Gehörgang, was auf Dauer ermüdend ist. Nach einer Weile verschlechtert sich der subjektive Eindruck sogar noch zusätzlich, weil dann auch die Resonanzen im angegebenen Bereich unangenehm werden.
  • Die offene Bauart des Beyerdynamic DT 990 PRO lässt mehr Geräusche von außen eindringen, versetzt den Flügel aber gleichzeitig gefühlt etwa einen halben Meter vom Kopf weg. Das ist wesentlich angenehmer bei den geschlossenen Kopfhörern. Der Flügelklang kommt astrein rüber und weist im Direktvergleich (gleichzeitiges digitales und akustisches Spielen) kaum noch Unterschiede im Klang auf, außer natürlich dem Unterschied der digitalen und der akustischen Klangerzeugung selbst. Interessanterweise, wirken sich mit diesem Kopfhörer die Einstellungsmöglichkeiten des Anytime Systems wesentlich stärker auf den Klang aus. D.h. durch herabsetzen der Saitenresonanz auf Stufe 3, konnte ich die unangenehme Akustik ein ganzes Stück weit in den Griff bekommen. Nach einer Weile, beim Spielen mit "reicher" Begleitung, stellt sich aber wieder dieser künstliche Klangeindruck im Bereich E3-F4 ein.
  • Zwei weitere Kopfhörer (Beats und Sony WH-1000XM3), die ich ausprobiert habe, sind für den Einsatz vollkommen ungeeignet. Der Sound ist damit ziemlich matschig, offensichtlich harmoniert diese Art Kopfhörer nicht mit Instrumenten (im Übrigen auch nicht dem Roland RD-800 Stage Piano).

Mein klarer Favorit bisher ist der Beyerdynamic DT 990 PRO. Von außen ist er zwar leicht hörbar, aber unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bei normalen Umgebungsgeräuschen. Das Eindringen von Außengeräuschen empfinde ich persönlich sogar als angenehm, schließlich spiele ich akustisch ja auch nicht mit Ohrstöpseln
wink.gif


Ich würde mich freuen, von Euren Erfahrungen mit dem ATX-2 System zu hören, vielleicht habt Ihr ja noch ein paar interessante Tipps...

Einen schönen Gruß aus dem Frankenland
Arno
 
Gelöschte Mitglieder 10077

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Das AnyTime X2-System entspricht dem Stand der Technik von 2014. Das war damals eben so.

Besorg dir ein MIDI-Kabel, verbinde das Silent-Modul mit deinem RD-800 und nutze halt dessen Klangerzeugung.
 
arno1207

arno1207

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Hallo FünfTon,

nee... erstens steht der RD-800 im Musikraum im Keller, der Flügel im Wohnzimmer, zweitens ist die Klangerzeugung des RD-800 ja auch nicht mehr die neueste. So schlecht ist das ATX-2 System ja auch wieder nicht.
Tatsächlich könnte man aber über ein externes Pianomodul nachdenken.

Gruß
Arno
 
Barratt

Barratt

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Tatsächlich könnte man aber über ein externes Pianomodul nachdenken.

Hm, das kann´s doch aber eigentlich nicht sein. Der Flügel hat sein Geld gekostet und müsste zufriedenstellend funktionieren, ohne noch was Externes anstöpseln zu müssen.

Der von Dir beschriebene Mangel liegt entweder an allen Instrumenten dieses Modells vor (das müsste im Internet via Rezensionen rauszufinden sein) oder es ist ein Fehler an genau Deinem Instrument (dann müsste derjenige nachbessern, der es Dir verkauft hat).
 
 

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