Denkwürdige Sprüche Eurer KL

Nach einer kurzen aber unqualifizierten Internetrecherche ahne ich, worauf Du hinaus willst. Überzeugt bin ich allerdings noch nicht, dass es sich beim Wort "Oberarzt" tatsächlich um eine Tautologie handelt.
Bei dem Wort „Oberarzt“ handelt es sich keineswegs um eine Tautologie:

„Arzt, der an einem Krankenhaus den Chefarzt vertritt oder eine spezielle Abteilung leitet“

Quelle: https://languages.oup.com/google-dictionary-de/

Zudem gibt es eine klare Unterscheidung zu den Bezeichnungen „Chefarzt“‘und „Assistenzarzt“.
 
Du sagst es! Selbst umgangssprachliche Wörter wie "lohnenswert" oder Floskeln wie "sich entschuldigen" (beides Synonyme) sind selbst für bildungsferne Schichten unmissverständlich, so dass es keinerlei Korrektur bedarf.
Mag ja sein, aber ein bißchen mehr sprachliche Sorgfalt wäre trotzdem nicht schlecht. Das ist wie Pfusch am Bau: Halten tut‘s irgendwie, aber saubere Arbeit geht anders. (Solltest Du als Handwerker doch nachvollziehen können.)

Und daß die Menschen es nicht mehr nötig haben, um Entschuldigung zu bitten, sondern sich „mal eben so“ selbst entschuldigen, wird mir immer ein Greuel sein.

Aber von mir aus brauchen wir das Thema nicht weiter zu vertiefen ...
meint cb
 

iatros = Arzt
archiatros = Obearzt
Aus archiatros wurde unser Arzt.
Zumindest habe ich das so mal vor 40 Jahren in der Schule gelernt.
Zwei Griechen haben das unabhängig von einander betätigt.

Das "eigentlich" bezieht sich darauf, dass der ursprüngliche Wortsinn bei unserer Verwendung des Wortes "Arzt" komplett überdeckt wurde. So ist Sprache halt. :-)

Grüße
Häretiker

PS:
Und bei "falsche Illusionen", "persönliche Meinung", "Eigneinititative" und "künstliche Bewässerung" zucken auch nur eher wenige Leute.
 
iatros = Arzt
archiatros = Obearzt
Aus archiatros wurde unser Arzt

Sicher, dass "Arzt" nicht einfach nur aus "iatros" entstanden ist und das "archi-" den "Ober-" hinzufügt?

Das "archi-" ist ja z.B. im Englischen als "arch" nahezu 1:1 erhalten geblieben und bedeutet da eine besondere, hochrangige Kategorie, die im Deutschen zumindest gelegentlich mit "Erz-" wiedergegeben wird.

Bekanntestes Beispiel: arch enemy - Erzfeind (gibts mit dem englischen Namen auch als großartige Death-Metal-Band, für deren Düsseldorfer Konzert Ende Oktober 2021 ich mir kürzlich eine Karte gekauft habe :005: \m/).

Aber auch in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen wird der arch chancellor der Unseen University erwähnt - in der deutschen Übersetzung wird das als Erzkanzler wiedergegeben.
 
Nach einer kurzen aber unqualifizierten Internetrecherche ahne ich, worauf Du hinaus willst. Überzeugt bin ich allerdings noch nicht, dass es sich beim Wort "Oberarzt" tatsächlich um eine Tautologie handelt. Was meint wohl @Ambros_Langleb dazu?

Der hat dazu keine eigene Meinung, kann aber wenigstens sagen, (1) dass die Basis für dt. "Arzt" nicht das griechische archí-iatros selbst ist, wie in einem Beitrag oben, naiverweise unter Berufung auf Sprecher des Neugriechischen, gemutmaßt wird, sondern das lateinische Lehnwort arc(h)iater; (2) dass sich aus dem Lemma arc(h)iater im "amtlichen" lat. Großwörterbuch, dem Thesaurus Linguae Latinae, folgendes Bild ergibt:

Das griechische Wort archi-iatros (etwa "Chef-Arzt", vgl. dt. Erz-, wie in Erzbischof) wird ins Lat. zunächst als Amtsbezeichnung für einen am Kaiserhof tätigen, in das collegium medicorum berufenen, "Amtsarzt" übernommen: archi-iatros ist lat. medicus imperatoris; erste Belege Ende des 4. Jh., z.B. bei Symmachus, dem Führer der heidnischen Senatsopposition (rel. 27,3). Das archi- in diesem Wort zeigt also nicht eine Position innerhalb einer Ärztehierarchie an, sondern die Zugehörigkeit zu einer kaiserlichen "Behörde" (deren Oberboss selber kein Arzt war, sondern ein Angehöriger des administrativen Adels, letztlich der magister officiorum).
Das ist die materielle Basis dafür, dass archiatros (spätlat. arciater) ganz schnell zu einem Synonym für den einfachen Arzt, lat. medicus wird; erster Beleg bei Ambrosius (Epist. 5,8), dem Mailänder Bischof und politischen Gegenspieler des o.g. Symmachus. Die linguistische Basis ist, das die Griechischkenntnisse Ende des 4. Jh. im lateinischen Westen schon weitestgehend verschwunden waren und die etymologische Bedeutung (archi-) damit ohnehin nicht mehr verstanden wurde; andererseits war Griechisch immer noch Prestigesprache, was für die Verbreitung des Wortes sorgte.
Kurz gesagt: der archiiatros verhält sich zum medicus wie die Facility Managerin zur Putzfrau, die Dame zur Frau und die Frau zum Weib.
 
Zuletzt bearbeitet:

Mag ja sein, aber ein bißchen mehr sprachliche Sorgfalt wäre trotzdem nicht schlecht. Das ist wie Pfusch am Bau
Nun ist es aber so, dass beide oben genannten Synonyme als rhetorisch sauber und kritikfrei gelten. Es geht also nicht um sprachliche Sorgfalt (die ist vorhanden) sondern um Deine Weigerung, bestimmte sprachliche Wendungen zu akzeptieren.
Aber von mir aus brauchen wir das Thema nicht weiter zu vertiefen ...
Ich finde das recht spannend, auch wenn es nicht zum Thema passt.
 
Wenn etwas das Hören lohnt, ist es hörenswert.
Wenn sich etwas zu lohnen lohnt, ist es lohnenswert????

Das ist ein "staunenswertes" Beispiel von Regel-Orthodoxie. Sprache ist allerdings nur im Kern regelhaft. Ihre Entwicklung wird darüber hinaus auch von der (regelwidrigen) Analogie und einem ganzen Bündel pragmatischer Motivationen wie Expressivität (daher z.B. frz. oreille < auricula wtl. "Öhrchen"), Sprachspiel und Sprachplanung (daher die bizarren Auftritte von Sterndlfräuleins auf diesem Forum) beeinflusst.

Darf ich dir das frühste mir bekannte Beispiel für Analogie auftischen? Komödie. Wurde von seinen Bildnern im 5. Jh. v. Chr. offenbar verstanden als "singender Komos" (~Faschingszug), und analog gebildet nach dem vermeintlichen Muster "Tragödie". "Tragödie" ist aber nicht a. "singender Bock" oder b. "Bocksgesang" (tragos "Bock" + odé "Gesang"), sondern c. "Gesang im Hinblick auf den Bock" (der als Preis für den Wettbewerb der Autoren ausgesetzt war). Die Fehlinterpretationen a. und / oder b. ermöglichten das Wort "Komödie", das also zwar regelwidrig gebildet ist, an dem aber seit genau 2687 Jahren kein (nicht mutwilliger) Mensch Anstoß nimmt.

Also, wenn wir eine Basis haben wie etwa "hörenswert" (< des Hörens wert), dann ist es unausweichlich, dass produktive Sprecher, die ja deplorablerweise nur in der Minderzahl Linguisten sind, analog das Muster "lohnenswert" bilden. Wir können natürlich herzzereißend darüber klagen, aber eine mindestens 2687 Jahre alte Erfahrung zeigt: das kümmert diese Sprachpantscher einfach nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mein Duden von 1996 kennt übrigens sowohl "lohnenswert" als auch "staunenswert". Da hätte die Dudenredaktion wohl etwas weniger Pfusch am Buch betreiben sollen.
 
Aufgrund der Wendung der Diskussion erlaube ich mir, folgendes Video einzustellen:



Der geniale Malmsheimer :-)
 
Mein Duden von 1996 kennt übrigens sowohl "lohnenswert" als auch "staunenswert". Da hätte die Dudenredaktion wohl etwas weniger Pfusch am Buch betreiben sollen.
Komisch, im neuen Duden steht das falsche Wort auch. Man sollte sich lieber bei RTL und Co. orientieren, was den eigenen Wortschatz angeht.
Bevor man jemanden als bekloppt abstempelt, wäre ein Quellenstudium nützlich.
 

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