Chopin Etude op. 25 no. 8 - Wie viel Legato?

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dominik91e

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Hallo zusammen,

ich übe momentan an der Etude op. 25 no. 8, die mit den vielen Sexten. Wenn ich die rechte Hand seeehr langsam spiele, ist es fast überall möglich, Legato zu spielen, allerdings muss man dafür an manchen Stellen die Hand sehr verkrampfen, es ist teilweise deutlich lockerer, nicht immer alle Stimmen zu binden. In hohem Tempo schaff ich das bisher sowieso meist nicht. Daher die Frage:
Wie viel Wert würdet ihr bei dieser Etude auf Legato legen? Stets versuchen alle Töne zu binden, oder lieber öfter absetzen und dafür die Hand lockerer lassen?

Gruß
Dominik
 
Romantikfreak98

Romantikfreak98

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Hallo Dominik91,
da Dir offensichtlich noch keiner auf Deinen Beitrag geantwortet hat, teile ich Dir mal meine (unprofessionelle) Meinung mit: Dass es ausreichend ist, dass Du vor allem die oberen Töne der Sexten bindest, weißt Du ja bestimmt. Wenn ich mir Aufnahmen von dieser Etude in Erinnerung rufe, so denke ich, dass man die Sexten in Melodiegrüppchen zusammenfassen und dazwischen durchaus auch mal absetzen kann. Dann fällt auch das Zuhören leichter, als wenn alles „aneinanderklebt“. Eventuell kannst Du ja an schwierigen Stellen dem Legato mit dem Pedal etwas nachhelfen, aber Puristen spielen ja die Chopin-Etüden grundsätzlich ohne Pedal. Ich als Amateurpianist sehe das nicht so eng und verwende durchaus behutsam das Pedal bei den wenigen Etuden, die ich bisher überhaupt hingekriegt habe.
Gruß Romantikfreak
 
D

dominik91e

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Vielen Dank für die Antwort.
Chopin Etuden ohne Pedal? Das erscheint mir aber auch sehr seltsam...
Inzwischen hat sich das erledigt, ich hab es ca. so gemacht wie du gesagt hast, habe aber an manchen Stellen durchaus so geübt, dass ich zumindest in langsamerem Tempo gut binden kann.
Gruß
 
Rheinkultur

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Wie viel Wert würdet ihr bei dieser Etude auf Legato legen? Stets versuchen alle Töne zu binden, oder lieber öfter absetzen und dafür die Hand lockerer lassen?
Das Binden aller gespielten Töne bei schnellen Doppelgriff-Folgen macht keinen Sinn, wenn das Durchhalten des lebhaften Grundtempos dadurch unmöglich wird. Die ständige Legato-Empfindung wird sich auch dann einstellen, wenn die exponierte Oberstimme bestmöglich gehalten wird. Im Satzgefüge sind nun mal Außenstimmen präsenter als Innen- oder Mittelstimmen. Das Pedal an vielen Stellen durchgängig halbtaktig einzusetzen (Notentext) erscheint mir klanglich unbefriedigend; eher nahe am Druckpunkt pedalisieren, damit das Klangbild transparent bleibt, erscheint mir plausibler.

LG von Rheinkultur
 
rolf

rolf

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Wenn ich die rechte Hand seeehr langsam spiele, ist es fast überall möglich, Legato zu spielen, allerdings muss man dafür an manchen Stellen die Hand sehr verkrampfen,
...das grenzt ja an Selbstverstümmelung... dergleichen sollte man weder tun noch denken ;-)

üb die Sexten non legato, mit deutlicher Oberstimme - das soll mal sehr schnell werden (!) also müssen die Finger die Tasten entsprechend schnell freigeben, obendrein ist diese Etüde nicht pedallos

es gibt übrigens noch einen Fallstrick in diesem Stück: viele spielen ohne es zu bemerken die Sexten in Zweiergruppen statt in Dreiergruppen - am besten von anfang an auf die Dreiergruppen achten.
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Hallo Rheinkultur, kannst du, abgesehen vom Chopin Beispiel, nochmal genauer beschreiben wie man nahe am Druckpunkt pedalisiert?
Es gibt nicht nur das Gegensatzpaar: Entweder das rechte Pedal ganz durchtreten oder es gar nicht benutzen. Vielmehr kann das Schwingen der Saiten auch nur partiell gedämpft werden, da sich die Dämpfer bei der Betätigung des Pedals nicht sofort komplett von den Saiten abheben. Diesen "Druckpunkt" gilt es zu finden und zur Nuancierung des Nachklingens der in Schwingung versetzten Saiten zu nutzen. "Genaues Beschreiben" hilft leider nur bedingt weiter, sinnvoller ist die Anwendung am Instrument: Eine bestimmte Passage ganz bewusst mehrfach mit unterschiedlicher Pedalisierung spielen und sorgfältig hinhören. Es gilt den schmalen Grat zwischen staubtrockenem und nebulösem Klang auf Abruf zu treffen. Patentrezepte für das richtige Maß gibt es leider nicht, vielmehr sollte klar sein, in welchem harmonischem Kontext die zu verschmelzenden Sonoritäten zueinander stehen: Inwieweit entstehen Reibungen oder Irritationen, die die Transparenz der musikalischen Abläufe beeinträchtigen? Weit verbreitet ist die Gepflogenheit, impressionistische Literatur mehr zu "vernebeln", als es ihr gut tut. Dabei bestechen die besten Interpretationen gerade durch ihre überaus sorgfältige Pedalisierung - mal bewusst genau darauf hören, es lohnt sich.

LG von Rheinkultur
 
 

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