Appassionata

A
Anonymous
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Was haltet ihr von Beethovens Klaviersonate 23 "Appassionata"? Ist sie nicht das Beeindruckendste, was es an Klaviermusik gibt? :) Ich persönlich finde, dass man Nicht-Klavierspieler damit am Besten beeindrucken kann.
Ich mag nur den ersten und dritten Satz, also die beiden aufwühlenden, "dämonischen" Sätze. Der Mittelteil passt irgendwie nicht so ganz hinein, auch wenn Beethoven damit eine Ruhepause einbauen wollte. Ich persönlich finde den ersten Satz, also das Allegro Assai am Besten, weil er den Zuhörer von Beginn an fesselt und nicht mehr loslässt. Dafür ist der dritte Satz wegen der sich wiederholenden Sechzehntelbewegung energiegeladener. :twisted: :)
Welche Interpretationen davon gefallen euch am Besten? Mir gefällt die von Christina Obregon am Besten, man kann sich die Interpretation aller drei Sätze auf http://www.littlemozartsconservatory.com/ricordings.htm kostenlos anhören und runterladen. Es sind zwar ein paar technische Mängel enthalten, aber vom Interpretatorischen her finde ich es ausgezeichnet. Da die Appassionata von Beethoven mit viel Emotion komponiert wurde, sollte man sie auch mit viel Emotion wiedergeben.
Jedenfalls ist die Appassionata eines meiner Lieblingsstücke und ich höre sie immer wieder gerne. Kennt ihr zufällig Stücke, die der Appassionata in ihrer Wildheit und Feurigkeit ähneln?

Mit freundlichem Gruß, Klaus
 
David
David
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Ja natürlich st es ein beiindruckendes Werk. Ich habe sie von Friedrich Gulda auf CD. (technisch perfekt). Am besten finde ich immer noch den 1. Satz der Pathetique
 
F
Flying Fortress
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Ich habe unter deinem Link mir die Interpretation angehört.Vielen Dank für den Link!Ich fand es eher störend dass im Hintergrund diverse geräusche waren.Aber trotzdem sehr gewaltig.Echt klasse Stück!
 
slawa
slawa
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Überhaupt eine m.E. der beeindruckendsten Einspielungen Glenn Goulds ist gerade diese Beethoven-Sonate. Sie gehört, neben einigen seiner Mozart-Sonaten, wohl immer noch zu den umstrittensten Studio-Einspielungen von Klaviermusik insgesamt... Die ersten beiden Sätze werden von den Tempi her völlig auseinander genommen (Timing: 15'01 bzw. 11'08, was beide Male so ziemlich das Doppelte der schnellsten Einspielungen ausmacht!; Satz III ist wie sonst üblich ebenfalls presto gehalten).

Ich kenne (und schätze) bis dato so an die 10 verschiedenen Aufnahmen. Sehr souverän, u. a.: Serkin, Brendel, oder auch Ashkenazy, Richter; Guldas erster Satz dauert z. B. exakt die Hälfte von Goulds Version. Ich mag diese Sonate auch bei "herkömmlicher" Herangehensweise, aber Goulds Nummer jagt mir immer wieder einen Schauer nach dem anderen ein. Jede einzelne Note, Phrasierung lässt sich hier sozusagen auf der Zunge zerlegen. Nichts geht unter, jedes Arpeggio perlt vor sich hin. Sehr gewöhnungsbedürftig bei diesem Klassiker der Klavierliteratur, aber wenn dieser Sog einmal zupackt...

Und: der 2. Satz gehört für mich (bei Gould und überhaupt) zu den schönsten Andante, die Beethoven geschrieben hat. Dagegen ist mir der 3. Satz wiederum zu eintönig bzw. vorhersehbar (jaja, so scheiden sich die Gemüter und Geschmacke).

Wild und feurig? Allein bei Liszt fallen mir da spontan 'Totentanz' (Solofassung), die ominöse Dante-Sonate (7. Stück der 2. 'Années de pèlerinage'), einige Etüden oder Opernfantasien ein (z. B. die 'Réminiscences de Norma', oder 'de Don Juan' ein).
Aber auch in einigen anderen Sonatensätzen von LvB kommt dieses 'feurige' auf.

Grüsse
 
K
konstantin
Guest
vlt. noch ein paar musiktheoretische anmerkungen, nebenbei: beethoven bezeichnete seine große sonate als die "bestgelungene" der sonaten.
also der theorie zu schaffen machen schon die ersten acht takte, denn bis dato ungehört: die sekundverschiebung des motivs, funktional nicht erklärbar, hier zeichnet sich wie so oft die schwäche einer pragmatischen verwendung eines einzelnen modells ab.
wer sie spielen mag: ein renommierter prof riet mir vor jahren mal, die achtelrepetitionen tatsächlich allesamt mit dem daumen zu spielen, also keine fingerwechsel, denn "jeder finger klinge anders." in der tat ein beachtenswerter ansatz.
interessant: eine art "drittes seitenthema" (T.51ff) in der vermollten tonart des haupt- seitenthemas).
wir erinnern uns kurz: sonatenhauptsatz, klassisch:
1.thema -tonika, hier in moll, also
seitentheme in dur-parallele, hier As-dur, soweit in ordnung.
doch hier: drittes thema: as-moll! eine harmonische katastrophe, unerwartet. un wer ist schuld daran? es ist erneut die sekundverschiebung, T.41, 42 und dann die rückkehr auf den grundton, aber als moll-dreiklang harmonisiert (T.43, As-moll).
wir halten fest: diese sekundverschiebung ist was ganz besonderes an dem stück. noch ein kurzer blick auf die reprise: hier finden wir erstaunlicherweise das seitenthema in F-Dur (!) und das dritte thema dann erst in der erwarteten tonika (wieder sonatenhauptsatz) - beethoven, das genie.die größte stelle der sonate, wie ich finde, kommt ab T.218 - dort bekomme ich gänzehaut und das ist in der tat die höchstform der "leidenschaft". es folgt eine grandiose coda und ein unerwarteter schluss. man bemerke: dieser großartige und auch lange kopfsatz endet in bescheidenem ppp - wenn das nichts ist.
soweit erst mal... vielleicht interessierts den einen oder anderen ja. viel mir nur spontan zur appassionata ein.
 
W
Windir
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ein absolutes meisterwerk und wohl meine lieblings beethovensonate, mehr gibs von meiner seite dazu nicht zu sagen
 
David
David
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Zitat von konstantin:
vlt. noch ein paar musiktheoretische anmerkungen, nebenbei: beethoven bezeichnete seine große sonate als die "bestgelungene" der sonaten.
also der theorie zu schaffen machen schon die ersten acht takte, denn bis dato ungehört: die sekundverschiebung des motivs, funktional nicht erklärbar, hier zeichnet sich wie so oft die schwäche einer pragmatischen verwendung eines einzelnen modells ab.
wer sie spielen mag: ein renommierter prof riet mir vor jahren mal, die achtelrepetitionen tatsächlich allesamt mit dem daumen zu spielen, also keine fingerwechsel, denn "jeder finger klinge anders." in der tat ein beachtenswerter ansatz.
interessant: eine art "drittes seitenthema" (T.51ff) in der vermollten tonart des haupt- seitenthemas).
wir erinnern uns kurz: sonatenhauptsatz, klassisch:
1.thema -tonika, hier in moll, also
seitentheme in dur-parallele, hier As-dur, soweit in ordnung.
doch hier: drittes thema: as-moll! eine harmonische katastrophe, unerwartet. un wer ist schuld daran? es ist erneut die sekundverschiebung, T.41, 42 und dann die rückkehr auf den grundton, aber als moll-dreiklang harmonisiert (T.43, As-moll).
wir halten fest: diese sekundverschiebung ist was ganz besonderes an dem stück. noch ein kurzer blick auf die reprise: hier finden wir erstaunlicherweise das seitenthema in F-Dur (!) und das dritte thema dann erst in der erwarteten tonika (wieder sonatenhauptsatz) - beethoven, das genie.die größte stelle der sonate, wie ich finde, kommt ab T.218 - dort bekomme ich gänzehaut und das ist in der tat die höchstform der "leidenschaft". es folgt eine grandiose coda und ein unerwarteter schluss. man bemerke: dieser großartige und auch lange kopfsatz endet in bescheidenem ppp - wenn das nichts ist.
soweit erst mal... vielleicht interessierts den einen oder anderen ja. viel mir nur spontan zur appassionata ein.

Lieber Konstantin,

ich habe mir den Beitrag durchgelesen und begreife nicht ganz, wie du das das mit der Sekundenverschiebung meinst.


MfG D. F.
 
K
konstantin
Guest
ganz wörtlich. nimm z.b. gleich das erste thema, also die ersten 8 takte eröffnung.
ersten vier takte sind im wesentlichen ein f-moll dreiklang der auf der dominante landet (c-Dur, 4.takt). takt 5-8 ist praktisch genau das gleiche, nur um eine (kleine) sekunde nach oben verschoben. wir starten hier mir des und ein ges-dur-dreiklang entwickelt sich, auch der endet auf seiner dominante (des-dur). ok, die terz ist diesmal groß, konsequenterweise hätte hier ein fis-moll-dreiklang gebaut werden müssen, aber das ist hierfür unwesentlich. interessant ist also diese halbtonverschiebung: f-ges, denn der bezug zwischen beiden ist funktional nicht logisch (in welchem verhältnis steht ges-dur zu f-moll? nun es wäre die durparallele der doppelsubdominante, das ist aber schon ziemlich entfremdet und macht funktional keinen sinn, zumal es danach wieder den halbton runter geht).
halbwegs verständlich, was ich meine?
 
Hartwig
Hartwig
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Für mich ist die Appassionata die "Größte" von Beethoven. Ich habe alle schon gehört und viele probiert.
Als Interpret ist Svatoslav Richter für mich mit seinem Mokauer Konzert 1958 der Appassionata der Beste. Insbesondere der Schlußteil im 3. Satz wird so von anderen Pianisten nicht erreicht.

Gruß Hartwig
 
 

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