A Refugee's Piano Story

Dieses Thema im Forum "Sonstiges" wurde erstellt von Stilblüte, 7. Juni 2016.

  1. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Liebe Clavios,

    Seit einiger Zeit unterrichte ich einen afghanischen Flüchtling in Klavier. Er ist in New York gelandet und kann nicht mehr in seine Heimat zurück, weil er dort verfolgt wird und auch keine Musik ausüben kann. Eine Dozentin hat mich gefragt, ob ich ihn auf eine Aufnahmeprüfung vorbereiten könnte, und das versuche ich nun nach Kräften. Er ist sehr ehrgeizig und versteht schnell, aber es fehlen noch viele Grundlagen. Bewerbungsschluss (inklusive Bewerbungsvideos) ist am 1. Dezember 2016, Aufnahmeprüfung im März 2017. Ich hoffe, er schafft es.
    Eigentlich wollte ich nicht so ausführlich hier davon berichten, aber eben sendete er mir eine so besondere E-Mail, dass ich sofort gefragt habe, ob ich sie hier veröffentlichen darf - er ist einverstanden. Dazu kann ich noch sagen: Heute ist sein 22. Geburtstag. Ich habe seinen Namen abgekürzt (M.) und die Personen unkenntlich gemacht zu ihrem Schutz.
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    In 2012 after lots of research finally I have informed that there is a Piano in one of the yards 20 miles away from where we have lived, the piano was completely out of tune and dusty, it was one of the very few pianos that had survived after civil war cause the musicians at that time have been burring it under ground somewhere, I bought it 200 dollars, it was a dream come true for me, everyone told me that I can not fix that piano cause it was almost dead but I was very hopeful.

    My cousins and friends helped me bring it to the third floor, the piano was made in Russia which was extremely heavy, finally we could put it in our hall, after lots if searching finally I found someone named (BABA SHARIF) who mostly tunes harmonium told me nothing is impossible I will fix it for you and he did it. I was extremely happy, he fixed my broken piano and tuned it many times cause it was very old, the date under piano was from 1952, after that I was practicing for hours every single day and after 2 years finally a piano technician came from Australia to ANIM, for 2 weeks he was one of the great piano technician in Australia which was piano technician in the most famous movie (SHINE), during these 2 weeks I have learnt most of the technics and tuning is spite of teaching my classes, he told me he was very surprised with my work after I tuned some pianos at ANIM, he told me that he will invite me to Australia to attend his courses for few months cause he told me I learnt almost 1 year work in 2 weeks and the day after he came to my house and checked my piano as a gift to me, I was very happy and I have been fixing and tuning my piano every month after that, few days later I have informed that Dr. Sarmast talked to him about me and he does not want me to go anywhere and he canceled the plan for Australia, I was upset about that but I could not do anything about it, finally he lift ANIM.

    We did not have a TV in our hall for 1 year and my mom was upset about that sometimes, specially while the guests were coming to our house my mom seemed more sad than usual cause sometimes they were asking about TV, one day I told my mom that I want to sell my piano cause I want to buy the new one, she said: (Why do you want to sell your piano? you love your piano more than anything and specially you love old and antique things!) I said: I just want to buy the new one cause it is old enough now, my mom did not know that there is no new piano in the entire country, I sold it finally for few hundred dollars and it was the worst day of my year cause my piano was part of me, it was my soul, as if I sold my soul, few days later I surprised her, I took the money of my piano and brought her a LED 3D TV with 3D glasses, the first 3D movie we ever watched together was (Journey 2, The mysterious Island), I noticed a lasting smile in my mother's face after long time specially after loosing my dad, it was the first smile, which made me spiritually happy, I told to my self that night (Great job Milad! you did it!), but my mother never realized the secret after I sold my piano (My Soul), which was my father's memory, how much I cried after that, every night I was watching my pianos place it was empty, there was no piano anymore, I was crying under the blanket on my bed every night for months and months but my mother never knew what I have been through after I sold my piano, I am happy now cause I sacrificed for my mother as she sacrifices her self for us all the time. I just wanted to let you know about my piano story, so that some of your students might feel lucky to have their instruments at home.
    old-piano.jpg DSC01021 - Kopie.JPG DSC01025 - Copy - Kopie.JPG IMG_2089 (2).JPG IMG_2210 - Kopie.JPG IMG_2330 (2).JPG
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    Ich dachte bei dieser Geschichte sofort an @GSTLP aber auch an alle anderen Klavierbauer und sonstige Leser des Forums. Eben hatten wir noch eine kurze Konversation per SMS, in der er schreibt, dass er immer noch sehr traurig über den Verlust ist, dass er seine Familie vermisst und sich manchmal egoistisch vorkommt, weil er sie zurückgelassen hat, obwohl ihm alle sagten, er solle gehen.

    Das macht mich alles sehr nachdenklich, traurig und dankbar gleichzeitig, und euch ja vielleicht auch.

    Eure Stilblüte
     
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  2. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Nachtrag: Ich vermute, dass der eine oder andere dem jungen Mann gerne helfen möchte. Ich habe eben einen (sehr kleinen) Fundraiser eingerichtet, das Ziel sind 117 Dollar. Soviel kostet eine Metrokarte für einen Monat. Im Moment fährt er nämlich immer mit dem Fahrrad zwei Stunden zum Klavierunterricht und zwei wieder zurück, weil er alles Geld, was er irgendwo auftreiben kann, nach Hause zu seiner Familie schickt. Er sagt, von dem Geld, das die Metrokarte kostet, könnte man eine afghanische Familie einen Monat lang ernähren.
     
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  3. Stilblüte
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    Sind alle zu scheu, hier etwas zu schreiben? :bye: Ich danke euch im Namen von M., wenn ihr es gelesen habt und besonders allen, die ihn finanziell unterstützt haben. Er weiß gar nicht, wie ihm geschieht...

    Ich denke manchmal in solchen Fällen über die Verhältnismäßigkeit nach - warum sollte ich eigentlich einem einzigen unter Millionen Flüchtlingen so helfen, wäre es nicht besser, meine Zeit, Energie und Geld gerecht auf alle zu Verteilen? Meine eigene Antwort lautet in diesem Fall - nein. Denn ich bin nur ein einziger Mensch und habe nur begrenzte Möglichkeiten. Nach diesen Möglichkeiten kann ich einer konkreten, realen Person helfen, und das möchte ich tun. Wenn alle Menschen den realen Personen um sie herum helfen (was ja schon vielfach geschieht), dann kann man beispielhaft wirken und die Welt ein bisschen schöner machen.

    M. hat zugestimmt, auch seine Lebensgeschichte öffentlich zu machen - ich habe sie schon gelesen und sie ist wirklich unglaublich. Bisher ist sie allerdings noch zu lang und ich habe ihn gebeten, das fürs Forum etwas zu kürzen. Demnächst also mehr.
     
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  4. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Meine Scheu gilt dem englischen Text. :-D Ich werde ihn noch lesen, aber da brauche ich Motivation und Zeit, da mich das sehr anstrengen wird. ;-)
    Die Bilder fand ich schon mal sehr beeindruckend.
     
  5. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ah, verstehe. Wenn das ein größeres Problem ist, kann ich ihn auch übersetzen. Sein schriftliches Englisch ist übrigens noch nicht so gut, also nicht auf die eigene Mütze nehmen, wenn man manche Satzkonstruktionen nicht so ganz nachvollziehen kann...:blöd:
     
  6. pianochris66
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    pianochris66

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    Was soll man da groß schreiben? Traurig, bewegend aber auch Hoffnung spendend wenn man sieht, dass schon 2 Tickets bzw. deren Wert zusammengekommen sind und wie M. seinen Weg trotz aller widrigen Umstände geht. Und schön, dass Du ihn dabei unterstützt:super:.
     
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  7. gubu
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    gubu Guest

    Schöner ja, besser wohl nicht.
     
  8. fisherman
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    Umgedreht, @gubu
    Besser ja, schöner nicht ;-)
     
  9. gubu
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    gubu Guest

    Kommt auf die Definition an.
     
  10. Steinbock44
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    Steinbock44

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    Nein, habe ich nicht .... aber mit solchen Geschichten habe ich einfach meine Mühe.
    3D LED TV dazu noch mit 3D Filmen ..... wo werden bei der Familie bzw. bei dem Bub die Prioritäten gesetzt? Sorry, wenn ich sowas lese, dann mache ich mir meine Gedanken.
     
  11. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Steht doch dort: Beim Lächeln der Mutter (wenn ich das mit meinem Englisch richtig interpretiere). Und dafür scheisst er halt sogar auf sein geliebtes Klavier.
     
  12. fisherman
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    fisherman

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    Taj, das sind halt kulturelle Unterschiede. Mütter zu ehren und zu lieben ist ja nix Schlimmes, solange diese das nicht ausnutzen. Aber was soll hier die analytische Ratio? Man folge seinem Gefühl, esse: halt ne Pizza weniger und mache dem einsamen (!) jungen Mann in der Fremde eine Freude. Gutes kommt immer zu einem zurück.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Juni 2016
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  13. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Zu scheu sicherlich nicht. Sinnvoller als das Schreiben ist das Handeln - es gibt nichts Gutes, außer man tut es, formulierte schon Erich Kästner. Denn mit den unsäglichen Auswüchsen in einem gewissen Flüchtlingsfaden haben wir hier vor wenigen Monaten ein Musterbeispiel dafür gehabt, wie es zu einer unschönen Konstellation kommen kann, die vielen wehtut und keinem wirklich nützt. Im Rahmen Deiner Möglichkeiten hast Du zum Wohle eines Menschen gehandelt - und es spricht nichts dagegen, dieses Handeln schriftlich zu dokumentieren. Das ist dann mal ein wichtiger Denkanstoß, über den man keine Witze reißt, sondern der als Antwort auf die Frage taugt, wie man in einer problematischen Situation im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sinnvoll und zielgerichtet helfen kann.

    Diesem Faden wünsche ich auf jeden Fall einen konstruktiveren Verlauf mit durchdachten Beiträgen, die dann geschrieben werden, wenn sie auch am Platze sind. Übrigens basieren viele künstlerische Laufbahnen auf Vertrauen in das Potenzial begabter junger Menschen, denen die Förderung nicht wie selbstverständlich zufällt - gerade dann, wenn die außermusikalischen Rahmenbedingungen alles andere als günstig sind. Es ist gut, wenn zum Handeln befähigte Menschen dies auch tun. Weiter so und alles Gute!

    LG von Rheinkultur
     
  14. fisherman
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    fisherman

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    Holla, da ist ja schon das dritte Ticket "in Arbeit". Tolles Forum! :kuscheln::drink::blume::cake::pokal:
     
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  15. Chopinne
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    Chopinne Guest

    Willst Du damit polemisieren und ihn in die "RTL-Ecke" schieben? So à la: "Kein Geld, aber einen Flatscreen und Kippen, schon klar...und dafür zahlen wir Steuern!!" - der empörte Ausruf des "Bürgertums", wenn mal wieder am Stammtisch beim Bier Parolen über Hartz IV geschwungen werden?!
    Sorry, aber ich glaube, ein Urteil steht Dir hier nicht zu. Der junge Mann hat sein Klavier nicht verkauft, um sich den neuesten TV leisten zu können, sondern um seiner Mutter eine Freude zu machen.
    Meiner Meinung nach zählt nicht lediglich "die Folge" einer Handlung, sondern die Motivation ist ebenso wichtig und für mich fast ausschlaggebender bei der Beurteilung.

    Schauen wir uns doch mal an, was er darüber sonst noch schreibt:
    "the first 3D movie we ever watched together was ´Journey 2, The mysterious Island´" - Sie haben zusammen also einen Film über eine Insel angesehen, möglichst realitätsgetreu durch die 3D-Simulation. Die Mutter hat vor Glück geweint; wahrscheinlich wird sie nie im Leben irgendeine Insel bereisen, schon gar nicht als "Urlaub". Vielleicht hat also das Eintauchen oder gar Flüchten in eine andere Welt via TV eine ganz andere Funktion für sie als für den deutschen Normalo, der sich eher berieseln lässt, weil er denkfaul ist oder weil er sich dank diverser Soaps und Co. mal für ein paar Stündchen besser als seine Mitmenschen fühlen darf (dieses Bedürfnis wird ja ausreichend bedient).
    Weiterhin denke ich - oder hoffe es zumindest -, dass die Mutter ihrem Sohn niemals erlaubt hätte, das Klavier zu verkaufen, hätte sie gewusst, dass er so darunter leidet.


    Ich habe mich eifrig darum bemüht, der Menschen Tun weder zu belachen noch zu beweinen noch zu verabscheuen, sondern es zu begreifen.
    (Baruch de Spinoza)
     
  16. Steinbock44
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    Steinbock44

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    Liebe Chopine,

    a.) Ich bin Schweizer und mit irgendwelcher Harz IV Verteilung habe ich nichts zu tun
    b.) Von Multikulti habe ich u.U. mehr Ahnung als du, da ich selbst hier in Zürich als nicht Germane wohnhaft bin.
    c.) Ich selbst unterstütze nicht mit geraden kleinen Beträgen (x Tausende Franken) eine Schule/Kinderheim in Uganda (bin auch sehr oft vor Ort).

    Ja das Geld wird dort für Kleider, Schulmaterial, Nahrungsmittel und z.T. für kleine Spielsachen verwenden. Die Schulleiterin (übrigens eine Deutsche) schickt mir jeweils Quittungen was sie alles für das Geld für die Kinder eingekauft hat. Die Kleider werden auf dem Secondhand-Markt eingekauft, die von HEKS und UNICES Organisationen geliefert wurden. Leider verkaufen korrupte Händler die Ware weiter und machen damit Geld …. da wünsche ich mir mehr Kontrolle. Ja nu, besser als gar keine Hilfe.

    Liebe Chopine, da ich recht prominent bin, bekomme ich viele solche rührende Geschichten aufgetischt. Ich möchte Niemand was Unterstellen oder jemanden in die RTL Ecke stellen ..... wenn der Bub der Mutter die Freunde gemacht hat …. von mir aus. Trotzdem stehe ich dazu, die Prioritäten sind da nicht richtig gesetzt … was ist daran so schlimm. Wir im Westen sind oft der Meinung mit Luxusartikel bereitet man die grösste Freude .... und 3D TV ist ein Luxusartikel, das kannst wenden und drehen wie du willst. Diese Mentalität exportieren wir in diese Länder …. Coca Cola, Handy, TV, Auto und und und…. was für uns das Wichtigste ist, soll für sie auch gut sein. Schlussendlich wollen wir unsere Produkte in diesen Länder exportieren.

    Ich äussere mich zu diesem Thema nicht mehr, Deiner Meinung nach bin ich da nicht zuständig .... da hast du Recht ... in diesem Fall sicher nicht!

    P.S. ich hoffe, du kannst mein schlechtes Deutsch entziffern.

    LG Antoine
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2016
  17. Chopinne
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    Chopinne Guest

    Lieber Antoine,

    viele "rührende Geschichten" bekomme ich auch aufgetischt, ohne dafür "prominent" sein zu müssen. Ich bin auch niemand, der sofort darauf anspringt, sondern ich lasse mir die Dinge erstmal durch den Kopf gehen und überprüfe die Hintergründe (wenn möglich). Aber gerade dieses Nachdenken, sich in andere hineinversetzen usw. hat mir in Deinem Beitrag ein wenig gefehlt. Du schreibst:
    "Wir im Westen sind oft der Meinung mit Luxusartikel bereitet man die grösste Freude." - Nein, in diesem Fall war hier kein Europäer der Meinung, der Frau mit Luxusgütern eine Freude bereiten zu müssen.
    Sie selbst hat sich über den TV gefreut, weil er wahrscheinlich eine gewisse Funktion für sie erfüllt (s. oben) und weil er von Herzen kam - und nicht, weil er "teuer" und damit "Luxus" ist!

    Summa summarum: Man sollte unterscheiden, ob sich die Frau gefreut hat, weil
    a) der TV so teuer war und sie darüber beigeistert ist, nun etwas so Wertvolles, Modernes zu besitzen, genau wie sie sich über Markenklamotten und Co freuen würde; oder
    b) der TV hier für andere Wünsche stellvertretend sein kann (sich damit in andere Welten hineinversetzen, virtuell Reisen, den tristen Alltag etwas schöner gestalten usw.) und sie nun ein adäquates Gerät dafür besitzt, was der eigene Sohn ihr aus Liebe/Dankbarkeit ermöglicht hat.

    Wenn wirklich, wie die Schilderungen suggerieren, b) der Fall war, so sollte man sich hier nicht über Prioritäten und Luxusgüter auslassen. Beispiel teurer Flügel: Viele hier haben ein sehr wertvolles Instrument zuhause stehen. Aber nicht, weil sie materiellen Reichtum zur Schau stellen/anhäufen wollen, sondern weil es das Medium ist, das ihnen eine adäquate Umsetzung ihrer musikalischen Vorstellungen/Wünsche ermöglicht und ihren Alltag jeden Tag bereichert.

    Dein Deutsch ist okay, keine Sorge! :) Und nichts für ungut; mir selbst steht ein Urteil ja ebenso wenig zu wie Dir - und das war alles, was ich aussagen wollte!

    LG
     
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  18. pianochris66
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    pianochris66

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    Hallo Antoine,

    Dein Engagement finde ich ganz großartig.

    Ich könnte Deine Bedenken auch nachvollziehen, wenn dieser Spendenaufruf in Form der typischen Bittsteller-Mails von Unbekannten gekommen wäre, die man ja oft erhält. In diesem Fall ist jedoch der persönliche Kontakt und die persönliche Unterstützung durch Stilblüte gegeben.

    Viele Grüße
    Christian
     
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  19. Steinbock44
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    Steinbock44

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    Ja sicher, .... nur woher kommt die Suggestion? Das und das ist gut, das und das ist Cool usw. kaum von Afghanistan selbst.

    Sowie unserer Schweizer Vorzeigekonzern Nestle in Drittweltländer grosse Reklame für künstliches Nestle Babymilk macht. So nach dem Motto; da strahlen die Baby- und Mutteraugen ….das Mutterglück ist so gut wie sicher etc. obwohl die Mütter selbst stillen können. Wenn ich sowas sehe, lese, dann ist mir Kotz übel.

    Aber egal .... wie Hasi sagt .... peng und aus
     
  20. walsroderpianist
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    walsroderpianist

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    Es geht überhaupt nicht darum, ob dieses superbe TV- Gerät eine in unseren westlichen, ach so rational sehenden Augen eine sinnvolle Investition ist, die den Verkauf eines Instruments rechtfertigt. Für den jungen Afghanen ist es "vernünftig", weil eben für ihn der Familienzusammenhalt und die Solidarität in der Familie und zu seiner Mutter oberste Priorität hat, die bis zur Selbstverleugnung gehen kann. " Man selbst" hat hinter der Familie zurückzustehen. Das Ausleben eigener, noch so hehrer "Kunst"- Ansprüche scheint in diesem Zusammenhang nicht so wichtig.
    Es ist bei uns nicht viel anders: die Rolle des Sozialprestiges ( das soziale Kapital, wie Bourdieu es nennt) ist kaum zu überschätzen. Das TV- Gerät ist ein importierter Fetisch, der diesem Prestige aufhilft.
     
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