Wiedereinsteiger - wie ist das???

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Hallo miteinander,

bin zwar kein Wiedereinsteiger sondern ein Spätanfänger am Klavier, aber dennoch würde ich gerne zu diesem neuen Thema posten.

Die Idee kam mir bei folgender Gelegenheit:
Gestern traf ich beim Einkaufen zufällig eine Bekannte, die ich aus früheren Zeiten aus der damaligen Tennis-Damenmannschaft kannte. Während ich vor ca. neun Jahren aufgrund familärer und simultan beruflicher Anforderungen (vier kleine Kinder plus Studium plus Beruf plus Ehemann) den Ball vorübergehend dauerhaft ins Aus geschossen hatte, war meine indische Freundin standhaft am Ball geblieben. Nun unterhielten wir uns über unsere früheren Tennisaktivitäten und ich sagte spontan zu, am kommenden Sonntag (also heute) auf dem court zu einer Art Freizeit-Wettbewerb zu erscheinen.

Ich suchte mir dann auch das Equipment zusammen, Schuhe hatte ich nicht mehr, musste ich von zweitältester Tochter ausleihen (2 Nummern zu groß), Schläger gab es auch nicht mehr (nahm ich vom Sohn, 2 Griffstärken zu groß), mein altes Tennisdress ließ sich allerdings noch auf dem Dachboden finden und passte auch noch!

Aber jetzt genug geschwafelt!
wir spielten zunächst (zu zweit, meine Bekannte und ich) zunächst kurze und dann lange Übungsbälle. Danach kam ein Doppel mit Damen der aktuellen Damenmannschaft, danach noch einmal zwei Einzel, eins mit einer Mannschaftsdame, eins gegen einen Mannschaftsherrn.

Was mir diese Episode für das Klavierspielen (als Spätanfänger) gezeigt hat ist folgendes:

Dinge, die einmal erlernt wurden, sind in der Tat überhaupt nicht verschwunden! Zwar neigt man dazu anzuzweifeln, ob irgendetwas überhaupt noch hängengeblieben ist (aliquid semper iacet???), aber wenn man sich der Herausforderung dennoch stellt, macht man dennoch eine tolle Erfahrung:

Meine Erfahrung (beim Tennis) war folgende:
Ich war zunächst äußerst unsicher, wie was zu beginnen sei (auch beim Tennis gibt es parallel zum Fingergedächtnis eine Art manuelles Gedächtnis, das den Spieler leitet, ohne dass er genau darüber nachdenkt, was er in diesem oder jenem Moment tut) - Darüber will ich aber jetzt nicht weiter philosophieren!

Jedenfalls ließ sich das Spielen nach anfänglicher Unsicherheit super gut und schnell an! Damit will ich aber nicht angeben, oder beweisen, wie gut ich neun Jahre zuvor war.

Das, was mich wirklich beeindruckt hat, ist folgendes:
Wenn ich beim Spiel einen Fehler machte (und am Anfang waren es natürlich zahlreiche), dann fiel mir spontan und sofort ein, welche Art von Fehler das war und was mein damaliger Tennislehrer dazu gesagt hatte, um diesen Fehler auszumerzen.

Diese Erkenntnis hatte ich während des Tennisnachmittags unzählige Male und ich habe jedesmal die memorierte Stimme des Lehrers gehört und den Ratschlag beim nächsten Schlag umgesetzt. Das hat mir unendlich viel geholfen und den zweiten Satz im Einzel habe ich dann sogar gewonnen!

Ich will mich hier nicht selbst beloben, sondern möglichst meine damaligen Lehrer! Es ist doch großartig, wenn ein Lehrer seine Ratschläge und Hinweise so einbringt, dass sie nach jahrelanger Pause, nachdem der Schüler schon auf ganz anderen Lebenswegen ausgiebig unterwegs war, diese hilfreiche Stimme nach Jahren und in einer ganz anderen Situation immer noch hört!:rolleyes::rolleyes:

Also liebe Wiedereinsteiger,

irgendwie müsst ihr mit dem Klavier doch auch mal ähnliche Erfahrungen gemacht haben???

Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntagabend

Debbie digitalis

(die nunmehr hadert, ob sie öfter zum Tennisschläger oder auf die Klaviertasten greifen soll)
 
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Hallo,

interessanter Bericht, das Ganze. Was das Tennisspielen betrifft, habe ich es nur einmal im Leben versucht und mich dabei gefragt, wie es möglich ist, den Ball weder ins Netz noch in die umliegende Botanik zu hauen. Ich habe entnervt gleich wieder aufgegeben. :)

Ich habe vor knapp einem Jahr nach 27 Jahren Pause wieder mit dem Klavierspielen angefangen, nachem ich als 17-jähriger nach ca. 9 Jahren Unterricht aufgehört hatte (Freundin wichtiger und so). Meine Erfahrung nach dem Wiedereinstieg war diese:

1. Phase (ca. 1 Monat): Begeisterung! Vieles geht ja noch, Noten lesen ist kein Problem, und viele Stücke haben sich unauslöschlich in meine grauen Zellen eingeprägt. OK, das Ganze ist sehr holperig, aber mit ein bisschen Übung wird's bald schon wieder gehen. Hurra, bald wird die Pathétique wieder gespielt!

2. Phase (ca. 6 Monate): Das Ganze ist wirklich sehr holperig. Ich habe zwar komplette Stücke in der Erinnerung, aber muss feststellen, dass ich sie deswegen längst nicht wieder spielen kann. Die Noten weiß ich noch, aber die Umsetzung klappt schlecht. Viele Sachen von damals sind viel zu schwer. Ergebnis: Frust, Unzufriedenheit. Ich übe viele einfache Stücke, und arbeite verbissen daran, Fortschritte zu machen.

3. Phase (seit ca. 4 Monaten): Ich habe gelernt, dass ich viel anspruchsloser mit mir selbst umgehen muss. Die Hauptsache ist nicht, etwas zu leisten, sondern Freude an der Musik zu haben. Ich muss niemanden etwas beweisen. Fortschritte mache ich nicht durch "Anstrengung" sondern durch lockeres und geduldiges Üben und Spielen ohne Zielvorgabe. Ich habe akzeptiert, dass die Pathétique in weiter Ferne ist, und die Clementi-Sonatinen machen mir sehr viel Spaß. :)

Mal sehen, wie es weitergeht. Vielleicht mündet die 36. Phase im Alter von 90 Jahren in meinen ersten Auftritt.

Was die Technik betrifft, erinnere ich mich ab und zu an Tipps meines damaligen Klavierlehrers, doch ich versuche hauptsächlich, mich selbst beim Spielen zu beobachten, und zu sehen, wie es besser geht. Meinen damaligen Klavierlehrer fand ich ziemlich gut, weil wir irgendwie die gleiche Wellenlänge hatten, aber er hat mich nicht sehr systematisch auf der technischen Ebene gecoacht; darum gibt's da nicht viel zu erinnern. Vielleicht wären heute Klavierstunden ganz gut, aber ich scheue den Aufwand. ;) Ich versuche mich dadurch technisch zu verbessern, dass ich darauf achte, wie ich beim Spielen am besten locker bleiben kann.

Zum Thema Digitalpiano: Vielleicht hatten wir in meiner Jugend ein schlechtes Klavier (einfaches Bentley aus den 60er Jahren, Marke gibt's nicht mehr), aber ich finde, dass ich mit meinem Digi (Kawai CA71) im Vergleich dazu ziemlich gut zurechtkomme.

Gruß,
Pigpen
 
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Hallo Debbie; ich denke, das ist nicht ganz zu vergleichen. Beim Sport ist das "Muskelgedächtnis" viel stärker eingebunden als beim Klavierspiel.

Ich habe nach über 20 Jahren Pause das Skifahren wiederentdeckt und fuhr nach 2, 3 Stunden (aufgrund der neuen Technik) besser als jemals zuvor. Auch beim Tennis habe ich - wenngleich auf wesentlich niedrigerem Level - nach 3, 4 Matches den alten Stand von anno '88 wieder erreicht.

Ich glaube aber, dass es mit dem Klavier doch etwas komplexer ist - zumindest wird man das nach so langen Pausen nicht in so kurzer Zeit zurückgewinnen können.

Fazit: Sport ist für Doofen - Klavierspielen braucht Hirn (und das wird zunehmend träger...) :D
 
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Hallo Debbie,

einen Satz meines Lehrers muss ich mir immer wieder in's Gedächtnis rufen, obwohl er für mich die Lösung von Schwierigkeiten ist: "Immer eine Note im Voraus denken". Dass ich also, wenn ich eine Note gerade angeschlagen habe, mir die nächste Bewegung schon vorstelle.

Ein zweiter Hinweis ist: "Schwierige Stellen in Zeitlupe spielen."

Mit diesen beiden Korrekturen werde ich wohl mein Leben lang arbeiten, es sind aber tatsächlich Dinge, die mir immer wieder helfen und mich an meine Grundprobleme erinnern. Und so etwas ist es, was Unterricht bei einem guten Lehrer aus macht.

Rainer
 
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Hallo Debbie; ich denke, das ist nicht ganz zu vergleichen. Beim Sport ist das "Muskelgedächtnis" viel stärker eingebunden als beim Klavierspiel.

Ich habe nach über 20 Jahren Pause das Skifahren wiederentdeckt und fuhr nach 2, 3 Stunden (aufgrund der neuen Technik) besser als jemals zuvor.
Zitat von paderblues:
einen Satz meines Lehrers muss ich mir immer wieder in's Gedächtnis rufen:... Immer eine Note im Voraus denken". Dass ich also, wenn ich eine Note gerade angeschlagen habe, mir die nächste Bewegung schon vorstelle.

Ein zweiter Hinweis ist: "Schwierige Stellen in Zeitlupe spielen."

Mit diesen beiden Korrekturen werde ich wohl mein Leben lang arbeiten, es sind aber tatsächlich Dinge, die mir immer wieder helfen und mich an meine Grundprobleme erinnern. Und so etwas ist es, was Unterricht bei einem guten Lehrer aus macht.
Hallo fisherman und paderblues,

wie fisherman sagt, ist die Erinnerung bei sportlichen Fertigkeiten offenbar leicht und schnell wieder abrufbar. Andererseits bestätigt paderblues ja auch, dass es beim Klavierspielen recall-effekte gibt, die sich quasi automatisch einstellen, wenn man sich an Neues heranwagt (ich habe das zumindest so verstanden!)

Sehr aufschlussreich finde ich schließlich die Erfahrung von Pipgen, der seine Klavierkenntisse ja wirklich aus Kenntnissen aus grauer (aber jugendlicher!) Vorzeit wieder aufgebaut hat. Er sagt uns:

Zitat von pipgen 108342:
2. Phase (ca. 6 Monate): Das Ganze ist wirklich sehr holperig. Ich habe zwar komplette Stücke in der Erinnerung, aber muss feststellen, dass ich sie deswegen längst nicht wieder spielen kann. Die Noten weiß ich noch, aber die Umsetzung klappt schlecht. Viele Sachen von damals sind viel zu schwer. Ergebnis: Frust, Unzufriedenheit. Ich übe viele einfache Stücke, und arbeite verbissen daran, Fortschritte zu machen.

3. Phase (seit ca. 4 Monaten): Ich habe gelernt, dass ich viel anspruchsloser mit mir selbst umgehen muss. Die Hauptsache ist nicht, etwas zu leisten, sondern Freude an der Musik zu haben. Ich muss niemanden etwas beweisen. Fortschritte mache ich nicht durch "Anstrengung" sondern durch lockeres und geduldiges Üben und Spielen ohne Zielvorgabe. Ich habe akzeptiert, dass die Pathétique in weiter Ferne ist, und die Clementi-Sonatinen machen mir sehr viel Spaß. Mal sehen, wie es weitergeht. Vielleicht mündet die 36. Phase im Alter von 90 Jahren in meinen ersten Auftritt.
Wer hat ähnliche Erfahrungen?

Liebe Grüße

Debbie digitalis
 
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Ich habe im Mai wieder angefangen Klavier zu spielen nach 8jähriger Pause. Bin also jetzt seit knappen 2 Monaten wieder ernsthaft dabei.

Über Phase 1) bin ich denke ich mittlerweile hinaus. Die anfänglich enorme Begeisterung ist wieder auf "normal" Niveau zurück. Für mich heißt das vor allem, dass ich jetzt eine für mich einigermaßen akzeptable Zeiteinteilung gefunden habe, die mir erlaubt auch meinen anderen Hobbies nachzugehen. In der Begeisterungsphase habe ich den Rest ziemlich zurückgeschraubt und mich sehr aufs Klavier konzentriert.

Dass meine Technik wesentlich schlechter als früher ist, ist mir klar und wird mir auch immer wieder schmerzlich bewusst. Ich bin allerdings auch musikalisch reifer geworden und habe höhere Ansprüche an mich. Vieles geht noch, ich kann noch relativ gut vom Blatt spielen und mit üben merkt man schon, dass es wieder voran geht. Durch die Oboe bin ich aber auch einiges an Frustration vom Instrument her gewohnt und spiele trotzdem noch.

Als Wiedereinsteiger hat man das Problem, dass der musikalische Anspruch den man eventuell hat nicht mit der mangelnden Technik umgesetzt werden kann. Damit zurechtzukommen ist denke ich die Hauptschwierigkeit. Je länger die "Pause" desto schwieriger wird der Wiedereinstieg.
 
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Ich habe vor zwei Jahren nach über 40-jähriger Pause wieder angefangen Klavier zu spielen. Die Stücke von damals (Sonatinen von Clementi und Kuhlau etc) gingen mir notenmäßig relativ leicht wieder von der Hand. Woran es mir bei diesen Stücken mangelt, ist, den musikalischen Ausdruck so rüber zu bringen, wie ich möchte. Diesbezüglich steckt mir der damalige Unterricht (nur keine Fehler zu machen) in den Knochen. Dass ich mich heute unbewusst immer noch mehr auf das richtige Notenspielen als auf den musikalischen Ausdruck konzentriere, ist schwer abzustellen, aber es gelingt mir von mal zu mal besser, hier mehr Lässigkeit hinein zu bringen und mich einfach an der Musik zu erfreuen.

Positiv ist, dass ich das Notenlesen von damals derartig verinnerlicht habe, dass ich hier wenigstens kein Problem habe.

All das, was man als Kind gelernt hat, bleibt erhalten, auch wenn es Sachen sind, die einem später im Wege stehen :D
 
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Hallo Wiedereinsteigerin,

Das hier gefällt mir ausgesprochen gut:

Dass ich mich heute unbewusst immer noch mehr auf das richtige Notenspielen als auf den musikalischen Ausdruck konzentriere, ist schwer abzustellen, aber es gelingt mir von mal zu mal besser, hier mehr Lässigkeit hinein zu bringen und mich einfach an der Musik zu erfreuen.
Irgendwie meine ich selbst immer wieder unbewusst, ich dürfe erst dann ausdrucksvoll spielen, wenn ich ein Stück technisch fehlerfrei beherrsche. "Erst die Pflicht, dann die Kür" sozusagen. Das ist natürlich Quatsch, denn so spielt man mit angezogener Handbremse, und mit Spaßbremse dazu.

Viele Grüße,
Pigpen
 
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Irgendwie meine ich selbst immer wieder unbewusst, ich dürfe erst dann ausdrucksvoll spielen, wenn ich ein Stück technisch fehlerfrei beherrsche.
Wie bin ich froh, erleichtert und gelassen, daß solche Gedanken mehr und mehr in die Versenkung verschwinden.

Pipgen, spiel, wie es Dir gefällt und laß Dich vom Kl nur ein bißchen korrigieren. Dein Weg ist Deine Musik.
 
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Dieser Thread hat zwar auch schon einen Bart, aber ich hole ihn noch mal hervor, weil ich beim Lesen eine unglaubliche Erleichterung verspürte! :-P

Hier gibt es ja sehr viele Wiedereinsteiger, mich selbst eingeschlossen, und vielleicht findet sich ja der eine oder andere hier wieder...

Pigpen hat mir hier in diesem Thread dermaßen aus der Seele gesprochen!!!

Vor über 20 Jahren habe ich mit dem Klavierspielen angefangen und zwei, oder drei Jahre später aus privaten Gründen wieder aufgehört. Zu der Zeit hatte ich mir ein ganz ordentliches Repertoire erarbeitet.
Vor etwas mehr als einem Jahr fing ich dann voller Elan wieder an und war sehr optimistisch, daß ich all die Stücke, die ich mal spielen konnte, in nullkommanichts wieder in den Fingern haben würde - aber Pustekuchen! Bis auf die Invention No. 1 sind alle anderen Stücke sehr erfolgreich damit, sich weiter zu verweigern.

Ich bin richtig erleichtert, daß ich damit nicht allein stehe!

Allerdings muß ich dazu auch sagen, daß ich heute eine völlig andere Vorgehensweise habe. Früher übte ich nie Technik, ich sagte mir, daß ich die erforderliche Technik am Stück direkt lernen würde. Heute dagegen gehört Technik zu meinem täglichen (naja, jedenfalls fast) Übungsprogramm.

Außerdem haben sich meine Ziele etwas verschoben. Früher wollte ich die gerade populären oder eben bekannten Stücke spielen können, z.B. Für Elise, Pour Adelaine, The Entertainer etc..

Heute weiß ich, daß es für mich nicht noch einmal ein Wiedereinsteigen geben wird (man sieht sein Alter irgendwann dann doch realistisch...) und darum denke ich jetzt wirklich darüber nach, welche Stücke ich mir als nächstes vornehme, welche Stücke mich weiterbringen.

Dieses Forum ist auf jeden Fall dabei auch sehr hilfreich, das gab es früher nicht, da war ich eher auf mich selbst gestellt.

Im Moment übe ich neben meiner Klavierschule, einigen Etüden, Fingerübungen und angemessenen anderen Stücken, auf Anregung eines Forumsmitglieds die Fantasie D-Moll von Mozart.

Mich würde jetzt mal interessieren, welche Erfahrungen andere Wiedereinsteiger gemacht haben, ob sich die Übungsmethoden geändert haben und wie zufrieden und glücklich ihr mit eurem Wiedereinstieg seid...
 
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Fingerübungen und Tonleitern sind heutzutage anscheinend verpönt, dafür gibt es um so mehr "Lite-Literatur", also vereinfachte Stücke, damit auch klein Erna schon Mondschein spielen kann. Aber eigentlich war das vor 35 Jahren auch nicht viel anders. Was sich vermutlich am meisten geändert hat, sind die zeitgenössischen Stücke, die Anfänger heute spielen, aber das ist ja kein Wunder es gibt ja heute andere zeitgenössische Stücke als früher. Die Evergreens wie Elise, Mondscheinsonate, von Fremden Ländern und Menschen, diverse Stücke von Chopin etc. gibt es nach wie vor.

Was sich bei mir drastisch geändert hatte, war der Schwerpunkt auf musikalisches Spielen. Das lag aber vor allem am neuen Lehrer und meine damalige Lehrerin hatte gerade angefangen, darauf mehr Wert zu legen, als ich aufgehörte.

Ich glaube, die wirklich dramatischen Änderungen liegen einfach Alter. Der musikalische Geist ist gereift, man hat höhere Erwartungen, weniger Geduld und Zeit und läßt sich nicht mehr so einfach alles vorschreiben. Stattdessen wird sogar im Internet hinterfragt, ob der Lehrer überhaupt recht hat. Ich glaube, daß vor allem der gewachsene Anspruch an sich selbst und das Gefühl, weniger Zeit zu haben, einem Wiedereinsteiger am meisten zu schaffen macht. Dazu kommen noch die Zweifel, ob man nicht schon zu alt ist - habe ich jedenfalls oft gelesen.
 

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Mich würde jetzt mal interessieren, welche Erfahrungen andere Wiedereinsteiger gemacht haben, ob sich die Übungsmethoden geändert haben und wie zufrieden und glücklich ihr mit eurem Wiedereinstieg seid...
.... heute weiß ich, dass ich nicht mehr aufhören werde.....
dass wäre meie "wichtigste" Erfahrung des Wiedereinstiegs - früher hab ich wohl zu 80 bis 90 Prozent "als Pflichterfüllung" geübt und gelernt - hat dazugehört, teilweise auch Spass gemacht - war oft auch ein wenig lästig - und man war sowieso in der großen Lernphase des Lebens mit Schule und so.

Heute spiel ich zu mindestens 80 bis 90 Prozent nur zum Spaß und Hobby. Das Spielen, die Musik und die "Erholung am Klavier" stehen viel mehr im Vordergrund.
Ich bin damit sehr glücklich über meinen Wiedereinstieg vor knapp 2 Jahren.

Aufgrund der über 35 Jahren Pause kann ich nicht sagen, ob sich meine Übemethoden geändert haben - ich weiß "die Alten" schlichtweg nicht mehr. Die Erinnerung an das "wie" ist sehr verblasst. Ich hab mir Neue erarbeitet und erarbeite sie mir noch.

Natürlich würd ich gern "viel besser" spielen - natürlich könnte man frustriert sein über "die Jungen", die nach zwei Jahren doppelt so schwere Sachen spielen wie ich nach 5 Jahren Untericht früher und 2 Jahren Wiedereinstieg - aber solche Frustanfälle kann ich inzwischen gelassen ausklingen lassen, setz mich ans Klavier, spiel zwei, drei Stücke, die ich "neu" kann und denk mir -"so schlecht spielst Du auch wieder nicht" - und schon ist die Freude wieder da.
 
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Fingerübungen und Tonleitern sind heutzutage anscheinend verpönt
So sehe ich das auch. Früher habe ich prinzipiell keine Übungen und Tonleitern gespielt, weil ich mir sagte, daß ich die Technik auch direkt am Stück üben könnte.
Vielleicht lag ich damit zu der Zeit richtig. Wie gesagt, es ist 20 Jahre her und wenn ich in dem Tempo weiter gemacht hätte, wäre ich heute mit Sicherheit auch schon weiter.
Heute übe ich jedoch brav meine Fingerübungen und Tonleitern und anderes, weil ich mir sage, daß ich damit vielleicht auf einige Stücke besser vorbereitet bin.

Und wie Hebi19 weiß auch ich heute, daß ich nicht nochmal aufhören werde. :p
Und wie er bin ich auch nicht frustriert darüber, wenn andere, die nicht mal halb so alt sind wie ich, wesentlich besser spielen als ich, sondern freue mich an meinen Fortschritten - und bin positiv beeindruckt davon, wieviele junge Leute mit einer solchen Begeisterung Klavier spielen oder es lernen!

Zweifel daran, daß ich vielleicht schon zu alt sein könnte, habe ich hingegen nicht.
Mir ist klar, daß ich keine Pianistinnen-Karriere mehr machen werde, aber ich habe großen Spaß am Klavier und das ist mir das wichtigste.
 
 

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