Wie Gehörbildung angehen

C

Chanti

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Hallo😊
Ich möchte mein Gehört bilden, ich weiß aber nicht wie, und freu mich ĂŒber Hilfe. Hier ein paar Details:
Ich kann absolut nicht Blattspielen, und dann bin ich hier auf einen Beitrag dazu gestoßen in dem gesagt wurde, um wirklich Prima Vista spielen zu können sollte man Klangvorstellung haben, also dass man halt Noten sieht und sich dann vorstellen kann wie die Akkorde klingen.
Ich kann das nicht aber wĂŒrde es gerne (nicht nur wegen Blattspiel).
Elementare Harmonielehre beherrsche ich einigermaßen, arbeite daran da etwas flĂŒssiger zu werden.
Bis jetzt in Richtung Gehörbildung mach ich halt so ĂŒben Intervalle zu bestimmen (dass geht so einigermaßen (hab die App Perfect Ear), Trefferquote könnte aber besser sein, ansonsten sollte ich auch nochmal ĂŒben Intervalle zu singen...😅). In der App gibt es auch noch die Möglichkeit ĂŒben Akkorde zu bestimmen (Also dass ein Akkord vorgespielt wird uns man auswĂ€hlt was fĂŒr einer es ist), ich hab das jetzt zwar noch nicht so ausfĂŒhrlich gemacht aber zB bei der 1. Übung da (verminderte/ĂŒbermĂ€ĂŸige DreiklĂ€nge) kann ich zwar wenn ich es höre sagen was es ist aber hab ohne das hören keine Vorstellung davon)
Lange Rede kurzer Sinn, gibt es einen systematischen Weg wie ich eine Klangvorstellung entwickeln kann?

Vielen Dank fĂŒrs Lesen!â˜ș

(Achso, und, das ist jetzt vielleicht sehr naiv aber wenn einigermaßen (ich möchte auch nicht meine ganze Zeit die ich zum Klavier ĂŒben habe darauf verwende), wĂ€re es möglich sowas rudimentĂ€r in 2,5 Jahren zu erreichen? da ich gern Musik auf LA studieren wĂŒrde)
 
Demian

Demian

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Hallo @Chanti,
ich habe auch Musik LA studiert.
Mein Gehörbildungsprofessor sagte mehrmals, Gehörbildung sei zu 80% Wissen. D.h. Theorie, also Satzlehre, und Gehörbildung, gehen einher. Verstehen lĂ€uft u.a. ĂŒber Hören, und Hören lĂ€uft grĂ¶ĂŸtenteils ĂŒber das Erkennen von Verstandenem.

Ich empfehle folgendes: Schaffe dir die Theorie drauf und spiele alles, was du theoretisch lernst, am Instrument. Höre dir dabei genau zu, prĂ€ge dir den Klang ein, egal ob z.B. große Terz oder Dominantseptakkord.

Außerdem: Höre Musik sehr bewusst, versuche, Strukturen und Muster, die dir bekannt erscheinen, (wieder-)zuerkennen.

Sehr hilfreich ist ĂŒbrigens das Mitsingen!

Und natĂŒrlich gibt es auch noch Apps und Programme, davon benutzt du ja bereits etwas.

Melde dich gerne, falls du noch Fragen hast!
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Ich kann absolut nicht Blattspielen, und dann bin ich hier auf einen Beitrag dazu gestoßen in dem gesagt wurde, um wirklich Prima Vista spielen zu können sollte man Klangvorstellung haben, also dass man halt Noten sieht und sich dann vorstellen kann wie die Akkorde klingen.
Es gibt Berufsbilder, bei denen Blattspiel permanent gefragt ist: Ein Korrepetitor am Opernhaus hat tĂ€glich schwierige KlavierauszĂŒge auf dem Notenpult liegen, die er sicher und ohne lange und gezielte Vorbereitung auf dem FlĂŒgel oder Klavier wiedergeben kann. Das Einstudieren und trainierende Üben wie bei originaler Solisten-Literatur ist unmöglich, in der Berufspraxis ist dafĂŒr gar keine Zeit vorhanden. Aber er kann es einfach und liefert Solisten, Ensembles und Chören ein solides Fundament, das im Ernstfall ein mehr oder minder großes Orchester spielt. Dabei agiert er prĂ€zise nach Schlag und Zeichengebung eines Dirigenten, der bereits bei den Proben den musizierenden Apparat zusammenhalten muss. Und dann sind die Noten lediglich eine Reduktion eines großen Orchestersatzes und so gar nicht original fĂŒr zwei HĂ€nde mit insgesamt zehn Fingern konzipiert. Der pianistische Schwierigkeitsgrad liegt stĂ€ndig zwischen schwer und absolut unspielbar. Der perfekte Albtraum? Eine unmenschliche Horrorvision? Könnte man meinen.

Aber wie viele OpernhĂ€user und Freie Musiktheatervereinigungen gibt es allein in Deutschland? Und wie viele Korrepetitoren und Kapellmeister sind dort in Aktion, die dieser Aufgabe gewachsen sein mĂŒssen und es tatsĂ€chlich mehr oder weniger souverĂ€n können? Es dĂŒrften einige tausend Menschen sein - und das beweist, dass man das lernen kann.

Und wie? Wenn diese Kolleg(inn)en Noten vor sich haben, buchstabieren sie nicht wie ein Vorschulkind mĂŒhsam die Laute, sondern erkennen ZusammenhĂ€nge, indem sie Strukturen erkennen, die als Muster aus der bereits erworbenen Musizierpraxis gespeichert sind und können diese auf Abruf reproduzieren. Damit entsteht Freiraum zur Erlangung und Umsetzung der nĂ€chsten Informationen - und besonders wichtig: HauptsĂ€chliches wird von NebensĂ€chlichem unterschieden und nicht automatisch alles eins zu eins gespielt, was auf dem Blatt steht.

Wie erschließen sich einem solche Fertigkeiten? Zum einen so, wie @Demian es beschrieben hat: BeschĂ€ftigung mit Harmonielehre, Kontrapunkt, Formenlehre und Stilistik unterschiedlicher musikalischer Epochen mit umfassender Schulung des analytischen Denkens und Wissens. Wer viel weiß und versteht, erkennt musikalische Muster und ihre VerknĂŒpfung und ihre Variationsmöglichkeiten wieder, sobald er bislang noch unbekannte Notentexte vorgelegt bekommt. Zum anderen haben die musizierenden Profis einfach auch Unmengen von Literatur verschlungen, kennengelernt und verstanden: FĂŒr den Korrepetitor und Kapellmeister heißt das, sich mit KlavierauszĂŒgen von Barockoper bis Musiktheater der Gegenwart beschĂ€ftigt zu haben, von Monteverdi bis Rihm in breitgefĂ€cherter Auswahl. Darin enthalten ist zumindest eine reprĂ€sentative Auswahl aus Opern von Mozart, Beethoven, Weber, Wagner, Strauss, Berg plus Spieloper (Nicolai, Lortzing) plus Operette (Strauß, Millöcker, LehĂĄr, KĂĄlmĂĄn, Lincke, KĂŒnneke), sinngemĂ€ĂŸ dasselbe im italienischen Fach (Donizetti, Bellini, Verdi, Puccini, Leoncavallo) und im französischen Spannungsfeld zwischen Grand OpĂ©ra und OpĂ©ra Comique (Adam, Meyerbeer, Offenbach, Bizet, Saint-SaĂ«ns, Debussy) sowie im slawischen Bereich... - bevor Du jetzt einen Riesenschreck bekommst, wie man diese gigantische FĂŒlle an Material meistern und sich draufschaffen soll, in der AufnahmeprĂŒfung muss man natĂŒrlich keine fĂŒnfzig Jahre Berufserfahrung vorweisen können. Soll aber heißen: jede Art von Literatur (Solorepertoire, Kunstlied, Oratorium und Kammermusik) eignet sich zum Kennenlernen von guter und qualitativ hochwertiger Musik.

Also her mit Noten und ab ans Instrument zum Analysieren und Spielen. Frohes Schaffen!

LG von Rheinkultur
 
Robinson

Robinson

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Bei YouTube gibt's ganz viele BeitrĂ€ge fĂŒr Gehörbildung sehr gut erklĂ€rt.
FĂŒr den allerersten Anfang reicht es mir.
Habe gestern viel ĂŒber Sekunde,Terzen, Quart usw. sowie ĂŒber die goldenen Sequenz gelernt.
Ist hoch spannend und wirklich sehr interessant nachdem ich jetzt 50 Jahre ohne jede Kenntnis darĂŒber musiziere.
 
Robinson

Robinson

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Das sind die Tasten c und g zusammen gedrĂŒckt ergibt eine Quinte.
 
virtualcai

virtualcai

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Eine Sequenz ist etwas anderes (mehr) als ein Intervall.
Der Terminus "goldene Sequenz" scheint aus dem Russischen ĂŒbersetzt zu sein?
 
Demian

Demian

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So, wie ich @Musikanna verstanden habe, ist die Quintfallsequenz gemeint, die ja auch noch andere Bezeichnungen hat, z.B. „Vollkadenz“, weil sie in der tonalen Form (nicht in der realen) alle diatonischen Harmonien enthĂ€lt.
 
virtualcai

virtualcai

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Ja, das verstehe ich, aber ich frage mich, wo der Terminus herkommt.
 
Tastatula

Tastatula

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Eine schöne Übung, um die Vorstellungskraft zu fördern:
Du spielst einen Ton auf dem Klavier. Dann singst Du einen Durdreiklang darĂŒber. Anschliessend kontrollierst Du Dein Ergebnis, indem Du den Durdreiklang spielst (die Töne hintereinander, wie Du sie gesungen hast).
Dann nimmst Du wieder Deinen Grundton und singst einen Molldreiklang. Wieder kontrolliert Dein Klavier, ob das richtig war. Das Gleiche lĂ€sst sich mit Umkehrungen, Verminderten, ÜbermĂ€ĂŸigen erweitern.
So kann man wunderbar erfahren, wie sich Intervalle anfĂŒhlen. Und Dein Lehrer, das Klavier, ist immer dabei.
Das ist eine schöne Verquickung aus Wissen und FĂŒhlen.
Viel Erfolg!
 
Demian

Demian

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Und das Gleiche kann man zusĂ€tzlich auch mit VierklĂ€ngen und FĂŒnfklĂ€ngen (wenn es mit DreiklĂ€ngen sicher lĂ€uft) und auch mit Skalen und Skalenausschnitten machen.
 
S

Stefan379

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Der hat es drauf:


 
Tastatula

Tastatula

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Die Schimpansennummer ist sehr spannend! Wenn man von der Annahme ausgeht - und das tue ich - , Musik sei die Sprache der Seele, die aber von der Muttersprache beeinflusst wird, dann ist natĂŒrlich jede Musik unterschiedlich, je nachdem, in welcher Sprache man aufgewachsen ist. Der italienische Sound ist anders als der russische oder deutsche. Diese Affennummer erinnert mich extrem an die Sprache der Affen.
Sehr beeindruckend!
 
thomasz

thomasz

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Noch ein Tipp zur Gehörbildung:

Schalte irgendeinen Radiosender mit Pop-Musik ein und versuche, aus dem Stand die Melodielinien (also den Gesangspart) der Songs auf dem Klavier nachzuspielen bzw. mitzuspielen. Das habe ich selbst eine Zeitlang mit Gewinn gemacht.

Man sollte dabei keine Angst vor falschen Tönen haben. Am Anfang mag es etwas frustrierend sein, aber das legt sich bald, und man merkt, dass man bei der zweiten oder dritten Strophe immer besser trifft. Das schult das Gehör fĂŒr Intervalle und bringt auch was fĂŒrs klassische Klavierspiel, denn die Melodik und Harmonik der Pop-Musik ist letztlich eine (meist) stark vereinfachte Version der Klassik.

Das Gleiche kann man, statt mit der Melodik, auch mit der Harmonik der Songs machen, also: Versuche, die Akkorde (fast immer einfache DreiklÀnge) und Akkordfolgen nachzuspielen.
 
C

Chanti

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Vielen vielen Dank fĂŒr die tollen Tipps!🙂 Werde das dann Mal alles machen und sicher Spaß damit haben!
 
Marlene

Marlene

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