Wie bekommt man einen Gitarristen dazu, leiser zu spielen?
Man legt ihm ein Notenblatt vor.
Und wie bekommt man einen Gitarristen dazu, gar nicht zu spielen?
Man schreibt Noten darauf.
Bei den meisten Pianisten geht das noch einfacher ... denen muss man nur sagen "impro! jetzt!".
Die Notendebatte ist leidig ... und es hat einen Grund, dass viele Gitarristen das nicht gut können ... Tab ist einfach praktischer für Gitarre.
Ich spiele jetzt seit fast 40 Jahren Gitarre, aber Gitarrennoten empfinde ich noch immer als relativ chaotisch mit ihrer LItanei an Zahlen und Buchstaben im Notentext (p, i, m, a für die Zupfhand, 1,2,3,4, für die Finger der Greifhand und dann noch 2., 5. 7. usw. als Lagenbezeichnung).
Dagegen sind Klaviernoten trotz der zwei Systeme richtig übersichtlich.
@Sinisterium9591
Notenlesen ist gerade beim Klavier eine sehr wichtige und vor allem sehr nützliche Fähigkeit. Eigentlich kann man die Musik nämlich direkt aus den Noten auf die Klaviatur übertragen. Anders als bei der Gitarre gibts da nämlich jeden Ton nur ein mal ... diesen unglaublichen Luxus bietet die Gitarre nicht, denn da hat man mindestens 2 Quellen für den selben Ton (eigentlich 3, aber 12. Lage aufwärts zählt eigentlich nur bei cutaway Modellen).
Die Anforderung, "alle meine Entchen" prima Vista zu spielen, beginnt am Klavier mit dem c. Bei der Gitarre mit der Frage "ja welches c nehme ich denn jetzt?").
Noten sind für Klavier eineindeutig (zumindest im Bezug auf die Tonhöhe).
Tipp zum Üben der Notenschrift.
Um den Quintenzirkel lesen (im Uhrzeigersinn ... und dagegen). Damit auch was akustisches dabei ist, kannst du die Töne auch vorlesen.
Danach dann schriftlich ... und wenn einem das zu blöde wird, hat man das System wahrscheinlich gefressen ... das ging zumindest mir so.
Die Notenschrift ist kein Monster, aber wenn man in ein Stück in Des-Dur hineinschaut, welches wohlmöglich schon auf der ersten Seite moduliert, dann kann man sich als nicht so sattelfester Notenleser schon mal erschlagen fühlen.
Daher der Tipp mit dem Quintenzirkel. Man beginnt mit Stücken im C-Dur Kosmos, dann pflegt man das erste Vorzeichen ein ... dann das zweite ... und irgendwann merkt man, dass sich neben den Vorzeichen nur die Lage der Noten ändert, die man liest oder schreibt ... freundlicherweise ändern sich Vorzeichen und die Lage einere Tonleiter im Notenbild nach einem simplen Prinzip ... immer Quinten auf- oder abwärts.
"Vorzeichen" (#,
b) findest du am Zeilenanfang (zwischen Notenschlüssel und Taktangabe). Im Notentext nennt man das "Versetzungszeichen" (und da kommt dann noch der Auflöser zu # und
b).
Mir hat auch unglaublich geholfen, mir "Ankernoten" zu merken.
aktuell orientiere ich mich im Violinschlüssel am e auf der untersten Linie, dem h auf der Mittellinie und dem f auf der obersten Linie. Wenn da eine Note steht, erkenne ich sie "präkognitiv" als e, h oder f .. von da an wird tatsächlich "gezählt" ... naja ... bei Mengen <3 ist der Begriff Zählen eigentlich unpassend, denn das muss man nicht zählen sondern erkennt es einfach.
Im Bassschlüssel sind meine Ankernoten dann entsprechend das a auf der obersten Linie, das D in der Mitte und das G auf der untersten Linie.
Ansonsten liegen die Noten entweder auf, oder zwischen den Linien.
Das ist eigentlich nicht soo schwer (einige Wunderkinder können das schon vor dem Kindergarten), aber es braucht natürlich Übung und auch ein wenig Zeit. Wers nicht versucht (zum Beispiel weil "ich kann das doch eh nicht"), der KANN es garnicht lernen.
Du hast wie du schreibst ja Gitarre gespielt.
Ist dir da nie aufgefallen, welch mächtiges Instrument das Verschieben ist?
Das geht auf der Klaviatur ebenfalls, ist eber ein bisschen komplexer umzusetzen, als auf der Gitarre.
Beispiel "schwarze-Tasten-Impro".
Die Tonleiter, die du da benutzt, nennt sich Pentatonik (penta = griechisch für 5).
Das ist nichts anderes, als eine Dur-Tonleiter, der jemand die halbtonschritte geklaut hat.
Zum Erfahren: Lege deine Fünf Finger der rechten Hand auf die Fünf schwarzen Tasten (cis, dis, fis, gis und ais). Dann verschiebst du jeden Finger auf die benachbarte weiße Taste, und bekommst wieder eine Pentatonik ... diesmal mit den Tönen c, d, f, g und a bzw. d, e g, a und h.
Das geht mit jeder anderen Tonleiter auch. Aber man muss aufpassen, immer (jeden Finger) um den gleichen Betrag zu verschieden (ist ja an der Gitarre nicht anders ... da verändert sich durchs Verschieben nur das Griffbild nicht ... am Klavier passiert das).
Fürs rumspielen am Instrument (bitte erforsche das Instrument selbstständig ... und in deinem ganz eigenen Tempo):
Schwarze Tasten hast du ja schon als "bekannten Trick" erwähnt.
Vielleicht suchst du als nächstes Töne im Bassbereich, mit denen du deine rechte Hand begleiten kannst.
Als Tipp ... bei schwarze-Tasten impro funktionieren Cis und Fis im Bass sehr gut ... probiere doch einfach mal aus, was bei anderen schwarzen Tasten im Bass passiert (bleiben ja jetzt nur noch drei übrig).
Und nicht wundern, wenn das alles "irgendwie chinesisch" klingt. Das hat damit zu tun, dass Pentatonik im asiatischen Raum viel genutzt wurde und zu deren Musiktradition einfach dazugehört.
Das wichtigste: Einfach machen.
Wenns scheiße klingt, dann machst du das gleiche halt nicht nochmal ... oder suchst nach dem Ton, der deinen Höreindruck stört und fragst dich, warum der nicht gut klingt. Keine Sorge, direkt daneben (halbton, Ganzton) gibts meist einen, der besser passt.