Werbemusik-Komponist

Simser

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Hallo. Hoff ich bin hier im richtigen Forum gelandet, wenn nicht , tut mir leid.

Ich interessiere mich sehr für das Thema Werbemusik/Audio-Design und hab (eigentlich nur aus Spaß und zum Vergnügen meiner Mitschüler und Freunde) Werbejingles zu fiktiven Firmen und Produkten komponiert. Mein Musiklehrer (der selber lange für den WDR und weitere *Dritte Programme* komponiert hat) meint, ich mache das ganz schön gut.

Meine Frage ist, wie denn ein Werbekomponist arbeitet/Arbeit bekommt:

Brauch der eine Agentur, an der er angestellt ist und bei Bedarf beschäftig wird. Gibt es eine Art Börse, an der eine Firma sagen kann *Hallo, wir brauchen eine Werbemusik für das und das, meldet euch!!!! * . Brauch man eine spezielle Ausbildung (wie Grafik-,Tondesigner etc.) oder kann man das auch so nebenberuflich machen?

Ich frag meinen Lehrer auch noch, der muss es ja wissen. Ich selbst bin 15 und irgendwie liegen mir so kurze jingles und melodien viel mehr als *lange Songs* mit Intro, Bridge und was weiß ich.

Danke schonmal für eure Antworten
 
J

just listen!

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Hallo Simser,
dieses ist eigentlich nicht das richtige Forum, aber da ich zufälligerweise aus der Branche bin, kann ich dir ein paar Antworten geben:
Die meisten Werbekomponisten erhalten ihre Aufträge direkt von den Werbeagenturen bzw. Produktionsstudios. Es ist auch nicht leicht in dieses Netzwerk zu kommen. Nicht zufällig findet man die meisten Werbekomponisten auch in den entsprechenden Werbehochburgen (Köln/Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München).
Mir ist keine Ausbildungsmöglichkeit zum Werbekomponisten bekannt - alle, die ich kenne (mich eingeschlossen) sind Autodidakten.
Voraussetzungen für diese Arbeit sind Kenntnisse unterschiedlichster musikalischer Genres, Umgang mit Produktionstechnik (Synthesizer, Sampler, Sequencer, Tontechnik, Peripherie). Die Praxis hat gezeigt, dass aus Zeit- und Budgetgründen, sowie Gründen der Flexibilität der Besitz eines Studios oder zumindest die enge Zusammenarbeit mit einem solchen entscheidend für einen Auftrag sein kann. Außerdem sollte man auch immer gute Solisten an der Hand haben. Natürlich bedeutet das auch, dass man im Studio z.B. einem Saxophonisten oder einer Sängerin entsprechende Regieanweisungen geben sollte. Idealerweise sollte man auch selbst ein Instrument spielen können, vor allem aber auch Kenntnisse über andere Instrumente besitzen. Das erleichtert es einem z.B. ein authentisches Streicherarrangement zu erstellen.
Das Komponieren eines Jingles ist oft nur ein kleiner Teil eines Auftrages. Häufig werden auch unterschiedlichste Versionen gebraucht vom musikalischen Logo bis zur Warteschleifenmusik, vom 20 Sekunden - TV Spot bis zum Imagesong - alles basierend auf dem gleichen Thema.
Ein wichtiger Teil der Arbeit ist auch die Beratung des Kunden. Diese Briefinggespräche sind oft die Basis für eine musikalische Strategie, die zum Produkt passt und: dem Kunden gefällt - das kann auch ein Widerspruch sein.
Es gibt auch noch eine ganz andere Möglichkeit: Das sind die Musikarchive. Diese Verlage vermarkten Musik aller Genres für unterschiedliche Zwecke, wie Fernsehdokus, Werbung, Hörspiele usw.. Der Kunde nimmt sich die bereits fertige Musik aus dem Archiv und setzt sie für seine Zwecke ein. So kauft er nicht "die Katze im Sack" und der Komponist bekommt die entsprechenden Tantiemen der Gema bzw. Lizenzen. Diese Verlage erwarten allerdings eine fertig und perfekt ausproduzierte Musik bestenfalls zum Selbstkostenpreis. Auch hier ist eigene Technik sehr vorteilhaft.
Also: Es ist eine sehr umfangreiche und oft sehr unterschätzte Arbeit. Aber ein genialer Beruf.
 
Simser

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Danke für die ausführlich Antwort.

angenommen, ich hätte alle diese Vorraussetzungen (was ich natürlich nicht hab :) ) und möchte das jetzt machen. Wie macht man sich da bemerkbar in der Branche. Am besten zu nächsten Werbeagentur gehen und fragen? Kannst du mir mal eine Adresse (internet) von so einem Musikarchiv/Verlag geben? Wo/wie arbeitest du oder was hast du gemacht, was ich/wir vielleicht kennen könnte/n ?

Möcht mich einfach nur informieren weil mich das wie gesagt interessiert einen Beruf in der Musik(-komposition) machen, am besten wie schon gesagt eher in Richtung Medien.

Hoffe ich komm dir nicht wie so ein kleiner Möchtegern Mozart vor, der seine Kompositionen schon in seinem Träumen im Fernsehen sieht, aber möcht mich einfach informieren und hab in dir ja einen Fachmann gefunden.
 
J

just listen!

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Die beiden bekanntesten Musikarchive sind Sonoton und Universal (ubm). Universal hat gerade das Archiv von BMG übernommen. In diesem größten Musikarchiv sind auch Verlage wie Koka Media, Kosinuns Lions etc. aufgegangen. Sonoton ist das größte Archiv in Privatbesitz. Es umfasst weit über 50.000 Titel.
Was die Berufslaufbahn betrifft, sind die meisten Werbekomponisten Quereinsteiger, die über Studioarbeit in der Popmusikbranche in die Werbung gekommen sind. Manche kommen auch von der Tontechnik. Einige wenige haben Komposition bzw. Musik studiert und sich dann an die Studios bzw. Agenturen gewandt. In den 70ern war dieser Weg noch verbreiteter. Es ist sehr schwer in die Branche zu kommen, weil dort eine ziemliche Vetternwirtschaft herrscht. Agenturen greifen gerne auf bewährte Komponisten zu um beim Kunden möglichst sicher zu gehen. Man muss sagen, verständlicherweise, weil es leider auch sehr viele Stümper in der Branche gibt. Es ist immer gut sich bei Agenturen und Studios mit beeindruckenden Demos vorzustellen, aber oft bekommt man erst eine Chance, wenn ganz schnell mal was gebraucht wird und gerade kein Komponist/Produzent verfügbar ist. Man sollte also immer wieder auf sich aufmerksam machen und ruhig auch mal nerven.
 
Simser

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danke für die vielen Informationen. Das schau ich mir alles mal in Ruhe an :D
 
 

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