"Unspielbares" bei Chopin/Schumann

  • Ersteller des Themas kreisleriana
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EIn der Mathematik beispielsweise gibt es für komplizierte Probleme Lösungsmethoden, die man anwendet, und die dann immer zum Ziel, zu der Lösung, oder einer Lösung, führen.

Ich glaube, die Mathematik beim Klavierspiel erschöpft sich im Auszählen der Notenwerte pro Takt.

Ich glaube, Du sitzt hier einem weitverbreiteten Irrtum auf, indem Du "Mathematik" und "Rechnen" verwechselst.

Aber wer Mathematik auch über das übliche Maß hinaus betreibt, der weiß (leider) auch, dass es eben nicht grundsätzlich patentierte Lösungsmethoden gibt, die immer zum Ziel führen.
Wieso leider? Macht nicht gerade das auch einen Teil ihrer Faszination aus, daß man auf der Basis überschaubarer Annahmen komplexe Strukturen ersinnen kann, die man analysieren, manchmal auf reale Phänomene anwenden und weiterspinnen kann?
Das macht die Mathematik fast wieder "menschlich", sie ist eben kein starres, logisches, vollständiges Gebilde.
Logisch schon, aber eben nicht starr oder vollständig. Und wieso sollte sie auch nicht menschlich sein, wurde doch alles, mathematische, was wir so kennen vermutlich von Menschen erdacht.
 
Dieser Satz hat Jahrhunderte lang viele Mathematiker zur Verzweiflung gebracht, bis endlich Andrew Wiles vor einigen Jahren wirklich einen Beweis schaffte (der wahrscheinlich von keinem zweiten Menschen in der Welt wirklich verstanden wird, das ist ein riesenhaft komplexes Gebilde, wofür er jede Menge bis dato unbewiesener Hilfssätze auch noch vorher beweisen musste).
Der Fairneß halber sollte man aber dazu sagen, daß Die von Wiles bewiesenen Aussagen um einiges allgemeiner sind und den Fermatschen Satz als einen Spezialfall enthalten – wenn auch sicherlich als den bekanntesten. (Im Gegensatz dazu verrennen sich immer wieder – vorwiegend jüngere – Mathematiker mit "Beweisen" ähnlicher "Prestigeprobleme". Mich beschleicht da regelmäßig der Verdacht, daß durch die schon erwähnte Liste der "Millenium-probleme" und deren exorbitanten Preisgeldern schlicht falsche Anreize für junge Forscher gesetzt werden.)

Und das tückischste daran ist: man kann es nicht entscheiden, ob das vorgelegte Problem zu den beweisbaren oder unbeweisbaren gehört.
Noch tückischer: Es gibt aus den letzten Jahrzehnten eine ganze Reihe von Resultaten, die genau solche Aussagen machen. Entscheidbarkeit ist aber immer auch abhängig vom verwendeten Axiomensystem. Die entsprechenden Beweise sind aber auch keine leichte Kost und sehr oft tatsächlich nicht möglich (da schlägt dann wieder Gödel zu....).
 
Also, ich dachte ja nicht, daß ich mit einer relativ harmlosen Aussage über mathematische Lösungsmethoden eine solche Lawine lostrete ;) Um vielleicht etwas zu beruhigen: natürlich weiß ich auch, daß es längst nicht für alle theoretisch-mathematischen Probleme zielführende Lösungsmethoden gibt.

Vielleicht kennt der eine oder andere diese kleine Anekdote über Computerbeweise in der Mathematik noch nicht:

"Ein guter Beweis liest sich wie ein Gedicht, dieser sieht aus wie ein Telefonbuch!" ;)

Irgendwie sind wir ja doch nicht so weit vom Thema weg: unlösbare mathematische Probleme vs. unlösbare klavierspielerisch-technische Probleme ;) Vielleicht könnte man anfügen, daß sich die beim Klavierspiel letzten Endes unlösbaren Probleme für jeden wohl subjektiv anders darstellen, je nachdem, woran man letztlich scheitert.

Zu erwähnen wäre vielleicht noch, daß es "Maschinenkompositionen" gibt, die zwar noch vertraut losgehen, aber dann, wenn ein Pianist mehrere Arme oder Finger mit Lichtgeschwindigkeit brauchen würde, doch anfangen, etwas befremdlich zu klingen.

Was ich auch nicht dachte: daß ein harmloser Einzeiler über einen Pianisten ebenfalls so einen Rattenschwanz nach sich ziehen würde (mein Post #88 ). Nun, wenn ein Faden irgendwann in eine Verkaufsveranstaltung für einen einzelnen Pianisten umschlägt, sehe ich mich genötigt, einzugreifen, und zumindest ein anderer Pianistenname (Horo) muß unbedingt fallen. Dieser Verpflichtung bin ich dann ja letztlich auch nachgekommen.

Ach, halt, eines noch: die vier Grundrechenarten (verwendet für's Takte auszählen) sind Teil der Mathematik - ob das nun jemand schmeckt oder nicht :p

Und noch ein Filmzitat: "Auf der Welt gibt es vielleicht vier Personen, die den Unterschied zwischen Dir und mir erkennen können. Ich bin einer davon" - wird einem Mathematik-Professor, Fields-Preis-Träger, in den Mund gelegt, der auf einen hochbegabten jungen Mathematik-Autodidakten trifft, in dem Streifen "Good Will Hunting".

Viele Grüße
Dreiklang
 

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