Systematische Klaviermethodik

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In einem Fortbildungskalender bin ich auf eine Veranstaltung zur „Systematischen Klaviermethodik“ gestoßen. Diese wird im beschreibenden Text als relativ neu und sehr erfolgversprechend angepriesen. Der Dozent ist Christian A. Pohl.

Kennt jemand vielleicht diese Methodik und weiß, was sich konkret dahinter verbirgt,
z.B. @chiarina @Stilblüte @hasenbein @rolf?
 

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Ich kenne weder Methode noch Person, aber hier ist ein Blick ins Inhaltsverzeichnis des gleichnamigen bei Schott erschienenen Werks:
 
Danke, das ist ja schonmal ein ganz guter Einblick. Was mich interessiert, ist, ob es sich wirklich um eine neue Vermittlungsmethode handelt, oder ob z.B. so etwas wie „Progressive Klangbilder“ nur alter Wein in neuen Schläuchen ist.
 
so formuliert, kommt mir dein Verdacht sehr polemisch vor.

Der Verfasser ist kein Hobbyspieler ;-) und die Vorschau mit Inhaltsangabe und kleinen Textauszügen weist sehr vernünftiges auf: schau dir dort "A. das Fundament" an (und stell dir die Frage, ob z.B. du selber schon über das komplette Fundament (Grundlagen) verfügst)
Neuigkeiten im Detail (sowas wie "wie übt man diese Passage in der spanischen Rhapsodie?") oder gar vollmundiger Schwachsinn (sowas wie "neue Methode: virtuos in sieben Tutorials den kompletten Ravel können") sind offensichtlich nicht Ziel oder Anspruch des Buchs, sondern eine Übersicht und konzentrierende Anordnung der bewährten Übungsweisen (darunter ist mancher "alter Wein", aus dem schlichten Grund, dass er gut ist und sich bewährt hat)

Andere Publikationen wie z.B. Kratzert, Betz oder Werner befassen sich mehr mit exemplarischen Details, hier soll es grundsätzlich um verständiges spielen/üben gehen. Auch das Metronom soll nicht zu kurz kommen laut Inhaltsverzeichnis.
 
@rolf Polemik war überhaupt nicht meine Absicht, sondern kritisches Hinterfragen einer interessant klingenden Methodik, die offenbar ja nach deiner Eischätzung bei deiner Expertise, die ich sehr schätze, „Hand und Fuß“ hat. Danke! Ich wunderte mich nur darüber, dass im Begleittext zur Fortbildung diese Methodik als neuartig und erst in den letzten 20 Jahren entstanden dargestellt wurde, jedoch hier im Forum darüber noch gar nicht diskutiert wurde. Inzwischen ist mir klargeworden, dass der Autor sein eigenes Lehrwerk meint und nicht eine generell neu entstandene Vermittlungsmethode.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Demian ich kenne das Buch nicht, werde es auch nicht anschaffen (wenn es mir in der Biblio übern Weg läuft, werde ich reinschauen) - was dort (in der Vorschau) kurz zusammengefasst als Fundament (also Grundlage, von der aus erst sinnvolles Üben ansetzt!) bezeichnet wird, ist völlig richtig*)

______
*) ob in dem Buch auch was dazu kommt, wie man dieses Fundament erwirbt, weiß ich nicht
 
Meine KL hatte mir im Herbst das Buch über ein Wochenende ausgeliehen; Ich hatte den Eindruck, dass es wirklich sehr umfassend ist und dass man eine Menge daraus mitnehmen kann.
Der Preis ist nicht gerade niedrig (90 Euro), aber ich würde auf jeden Fall schauen, ob es in einer guten Fach-/Hochschulbibliothek auszuleihen ist.
 
Ich habe sein Buch (noch) nicht gelesen, aber hatte die Möglichkeit, bei einem seiner Meisterkurse zuzuhören. Nach meiner Einschätzung ist er ein hervorragender Didaktiker, der es versteht, ein pianistisches Problem auf dessen Kern zu reduzieren.
Zum Buch selber dürfte @chiarina mehr sagen können, sie hatte sich bei Marlenes Treffen positiv über das Buch geäußert.
 
Ich kenne das Buch (noch) nicht, weiß aber, dass es existiert :002:
 

In einem Fortbildungskalender bin ich auf eine Veranstaltung zur „Systematischen Klaviermethodik“ gestoßen. Diese wird im beschreibenden Text als relativ neu und sehr erfolgversprechend angepriesen. Der Dozent ist Christian A. Pohl.

Kennt jemand vielleicht diese Methodik und weiß, was sich konkret dahinter verbirgt,
z.B. @chiarina @Stilblüte @hasenbein @rolf?
Lieber Demian,

ich bin schon seit langem ein großer Fan von Prof. Pohl und kann ihn als Methodiker und Musiker wärmstens empfehlen! Deswegen bin ich auch so glücklich, dass er bei unserem Klavierwettbewerb in der Jury sitzt!

Er hatte vor 10 Jahren schon eine ganz tolle Website, auf der viele Tipps und Herangehensweisen gelistet waren, die mir sehr gefallen haben. Das Buch habe ich seit Oktober, habe aber nur den Anfang gelesen, weil ich sehr viel zu tun habe. Er hat eine sehr klare Sprache und bringt die Dinge auf den Punkt. Hier noch mal eine interessante Seite dazu: https://www.edition-peters.de/pohl, außerdem gibt es in der Pianonews (Nr. 5 2022?) einen Artikel samt Interview dazu.

Kollegen schwärmen von dem Buch und seinen sehr praxisorientierten Kursen. Ich werde das Buch auf jeden Fall zu Ende lesen und kann es dir auch jetzt schon ans Herz legen!

Liebe Grüße

chiarina
 
@chiarina: Laut "Klappentext" richtet sich das Buch sowohl an Lehrende als auch an Lernende. Mich als Lernenden würde interessieren, ob Du diese Einschätzung teilst.
 
@chiarina: Laut "Klappentext" richtet sich das Buch sowohl an Lehrende als auch an Lernende. Mich als Lernenden würde interessieren, ob Du diese Einschätzung teilst.
Ja, allerdings setzt es Reflexion und Lesefähigkeit voraus. Für totale Anfänger ist es nichts. Toll wäre, wenn man die Dinge begleitend im Klavierunterricht durchnimmt und probiert!

Liebe Grüße

chiarina
 
@chiarina Wie würdest Du "totaler Anfänger" definieren? Bin ich nach 1,5 Jahren noch totaler Anfänger in Hinsicht auf dieses Buch oder könnte ich mit dem Buch auch schon etwas anfangen, um eine bessere Methodik in mein Üben zu bringen? Wie man richtig übt, habe ich nämlich immer noch nicht herausgefunden. Trotz vieler Hinweise setze ich mich meistens einfach hin und fange entweder mit dem Stück an, das ich gerade für die nächste Klavierstunde übe, oder ich spiele auch mal ausnahmsweise eine Tonleiter oder eine Kadenz. Meistens das, was wir gerade in der letzten Klavierstunde gemacht haben. Darüber hinaus habe ich keinen richtigen Plan. Und ich bin überzeugt, man könnte es besser machen. :-)
 
Ich habe mal in das Buch hineingeschaut.

1) Entgegen dem, was der Titel suggeriert, ist es keine umfassende Darstellung der Klaviermethodik, sondern es beschäftigt sich ausschließlich mit Übestrategien.

2) Es sind diverse hilfreiche Tipps darin zu finden - diese eignen sich jedoch nur für sowieso schon sehr engagierte, mitdenkende, sorgfältige Übende. Also für 95% der Klavierspieler eher nicht - für die ist das alles viel zu systematisch und genau, das ziehen die höchstens 3 Tage durch, bzw. sie missverstehen ohnehin vieles.

3) In technischer Hinsicht gibt es an seinem Konzept so einiges zu kritisieren, u.a. dass er zu sehr einem "Einzelton-Denken" verhaftet ist. Auf geradezu absurd musik- und praxisferne Weise wird beispielsweise die Anfangsphrase einer Mozartsonate durchseziert und jeder Einzelton mit einer detaillierten Artikulation versehen.

Ein Buch mit begrenztem Wert und so manchen Caveats. Allenfalls für Fachleute, die Dinge einordnen können, mal eine ganz interessante Lektüre, alle anderen können sich den nicht niedrigen Preis getrost sparen.
 
... wird beispielsweise die Anfangsphrase einer Mozartsonate durchseziert und jeder Einzelton mit einer detaillierten Artikulation versehen.

Ein Buch mit begrenztem Wert und so manchen Caveats. Allenfalls für Fachleute, die Dinge einordnen können, mal eine ganz interessante Lektüre, alle anderen können sich den nicht niedrigen Preis getrost sparen.
Danke für die hilfreiche Antwort! :001: Es ist so schwer, so etwas als Anfänger zu beurteilen. Ich bin sehr für Systematik, aber ich habe zu dem Thema noch nichts gefunden, was mir wirklich weiterhilft. Am hilfreichsten sind da tatsächlich einige Hinweise hier aus dem Forum. Wahrscheinlich ist es einfach das Beste, gar nicht weiterzusuchen.
 
Wahrscheinlich ist es einfach das Beste, gar nicht weiterzusuchen.
Du könntest Dir mal von Gerhard Mantel "Einfach üben" anschauen (vielleicht erst in einer Bibliothek, falls Du dann doch nichts damit anfangen kannst).
Auch wenn Mantel Cellist und kein Pianist ist, so finde ich doch, dass viele seiner Tipps nützlich sind.

Das Buch von Pohl würde ich Dir jetzt im Moment, mit 1,5 Jahren Unterricht, tatsächlich nicht empfehlen.

(Ich gebe zu, dass ich es bisher lediglich an einem Wochenende durchgeblättert habe, ich bin mir aber sicher, dass ich es mir von meiner KL wieder leihen werde. Da scheint mir einiges Interessante drin zu sein.)
 
Auf jeden Fall ist das Buch von Pohl sicherlich interessant für Profis oder Semiprofis. Für die ist es wohl auch eigentlich gedacht. Leute, die schon sehr gut spielen können und sich verbessern wollen. Oder für Klavierlehrer, die ihre Schüler gezielt unterstützen wollen mit speziellen Methoden. Als Anfänger macht man sich normalerweise ja keine so großen Gedanken darüber. Man spielt einfach die Sachen durch, die man von seinem Klavierlehrer aufbekommt oder macht die Übungen, die er/sie einem gezeigt hat. Das reicht wahrscheinlich völlig.

Nur hört man dann immer wieder, dass man sich durch gezieltes, effizientes Üben sehr viel schneller oder auch sinnvoller verbessern kann, dass man sogar falsch üben und sich dadurch schaden kann oder einfach nicht weiterkommt, und dann fängt man an zu überlegen: Was ist die perfekte Methode? Was vermutlich gar nicht nötig ist, solange man keine speziellen Probleme hat.
 
@chiarina Wie würdest Du "totaler Anfänger" definieren? Bin ich nach 1,5 Jahren noch totaler Anfänger in Hinsicht auf dieses Buch oder könnte ich mit dem Buch auch schon etwas anfangen, um eine bessere Methodik in mein Üben zu bringen? Wie man richtig übt, habe ich nämlich immer noch nicht herausgefunden. Trotz vieler Hinweise setze ich mich meistens einfach hin und fange entweder mit dem Stück an, das ich gerade für die nächste Klavierstunde übe, oder ich spiele auch mal ausnahmsweise eine Tonleiter oder eine Kadenz. Meistens das, was wir gerade in der letzten Klavierstunde gemacht haben. Darüber hinaus habe ich keinen richtigen Plan. Und ich bin überzeugt, man könnte es besser machen. :-)
Liebe/r Piano2278,

im Anfängerstadium kann kein Buch einen guten Klavierunterricht ersetzen. Besprich dieses Thema mit deiner/m KlavierlehrerIn, denn deine Fragestellung ist sehr gut und sinnvoll! Texte können missverstanden werden, es gibt kein Feedback, so dass das Lehren und Lernen des Übens im Unterricht, die Herangehensweise an ein neues Stück, die Verbindung zwischen Sehen, innerlich Hören, Spielen, Hören und Verbessern eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Wenn du möchtest, kannst du mal auf meiner Website stöbern unter Klavier üben - Tipps u.a..

Die Klaviermethodik würde dich im Moment vermutlich eher erschlagen, aber wenn du erstmal nur das Vorwort liest .... . :D Ich habe allerdings immer noch nur den Anfang des Buches gelesen, weil ich tatsächlich in diesem Jahr sehr wenig Zeit gehabt habe generell. Ich bin dabei, dies nachzuholen und werde schreiben, wenn ich es ganz gelesen habe.

In dem Zusammenhang gibt es von Prof. Pohl nun auch seine "Digitale Klaviermethodik", die ich ganz toll finde. Die Videos erklären in sehr anschaulicher Weise das, was im Buch steht. Sie sind gerade auch für KlavierlehrerInnen sehr geeignet, die einzelne Videos teilen können mit ihren Schülern, die wiederum die im Unterricht behandelten Übemethoden zu Hause anwenden können. Der Zugang kostet natürlich etwas.

Lieber @hasenbein, du schreibst, du hast in das Buch mal "hineingeschaut". Das heißt, du hast dir Einzeltöne und Einzelereignisse herausgegriffen, anhand derer du das Gesamtereignis beurteilst ........ .

Kritik und Feedback sind grundsätzlich förderlich! Aber bitte auf einer Grundlage, die sich Grundlage nennen darf.

Was jeder sich aus meiner Sicht übers Klavier hängen sollte, ist schon einmal das Vorwort, in der Anlage beigefügt! Da sind so viele wichtige und grundsätzliche Dinge genannt und das in einer Sprachkunst, die Prof. Pohl selbst und sein Buch auszeichnet. Er bringt die Dinge auf den Punkt in einer sehr klaren und anschaulichen Sprache.

Liebe Grüße

chiarina
 

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