Sollte man beim Spielen immer zählen?

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Normalerweise würde ich zählenderweise so vorgehen:
1-2-e-und-e/

:dizzy::konfus::denken:

Ach herrje, das kapiere ich nicht. Vielleicht deshalb, weil ich nie zählen gelernt habe. Ich nenne die Methode, die mir vermittelt wurde „pulsen“, denn es waren Silben, die mir den Puls vorgegeben haben. Und so lächerlich mir das anfangs erschien – ich mache es noch immer, allerdings stumm mit Lippenbewegung. Das stumme Sprechen/“Pulsen“ war ein Zugeständnis meines ehemaligen Klavierlehrers weil ich gesagt habe, dass ich nicht die ganze Zeit quatschen will während ich spiele. Ihm war es wichtig, dass die Lippen sich bewegt haben, weil "nur im Kopf" nicht sicher genug sei (und so nehme ich es auch war). Ich „pulse“ also noch immer stumm während ich spiele, weil es Stabilität ins Stück bringt (z.B. bei 3 gegen 2). Aber ich stelle mir den Puls auch durch imaginäre Metronomschläge vor.

Ich habe vorgestern versucht den Milhaud zu spielen ohne zu "pulsen". Anfangs schien das tatsächlich zu klappen aber auf einmal war mein innerer gedachter Puls in Silben wieder da. Es hilft mir an Stellen wie diesen (Skrjabin 16/4):

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Welch ein Glück!

"Zählen" in Bedeutung 1 ist, wie ich oben bereits erläutert habe, außer in Ausnahmefällen abzulehnen.

Sagt der eine kompetente Klavierlehrer. Der andere kompetente unterrichtet das „pulsen“. Wer hat denn nun Recht, frage ich mich. Und welches sind die Ausnahmefälle?

"Zählen" in der 2. Bedeutung hingegen ist unabdingbar!

Welches ist die 2. Bedeutung? Ich habe nochmal nachgelesen und finde die Erklärung nicht. Ich werde doch wohl hoffentlich nicht schon wieder meinen Optiker aufsuchen müssen.

Dazu ist es de facto erforderlich, mit Klatschen, Fußklopfen und ähnlichen Dingen zu arbeiten, um im Schüler diesen Puls zu etablieren und ihn lernen zu lassen, dass dieser Puls gewissermaßen als eine weitere "Stimme", die man wahrnehmen muss, die ganze Zeit durchlaufen muss.

Mir wurde im Unterricht nie durch Klatschen, Fußklopfen, Herumgehen etc. der Puls vermittelt. Und darüber bin ich sehr glücklich. Denn ich habe - an anderer Stelle - die anderen Methoden erlebt: Klatschen (furchtbar für meine Ohren), Bleistift auf Flügel tippen (grausig), Hand auf Flügel schlagen (auf den Bereich neben dem Notenpult; nervig), Fußstampfen. Dadurch habe ich keinen Puls gefühlt, sondern ich war abgelenkt, weil ich mich getrieben gefühlt habe. Diese Methode erschien mir wie pianistische „Navy Seal-Ausbildung“. Tak, tak, tak...., nu mach schon! Allenfalls das dezente Schlagen mit der flachen Hand auf den Oberschenkel fand ich nicht schlimm. Alle anderen Geräusche haben dazu geführt, dass ich bei diesen Klavierlehrern (falls ich es wollte) keinen Unterricht nehmen würde, weil ich diese Geräusche nicht ertrage.

Das hat wahrscheinlich etwas mit meinem Tinnitus und der Hyperakusis zu tun. OT: Als ich mehrere Grundstücke besichtigt habe konnte ich die etwa einen halben Kilometer entfernte Autobahn durch ungünstige Winde gut hören. Bei einem Maklergespräch und bei der Besichtigung der Fertighauswelt habe ich keine 100 m von der Autobahn entfernt gestanden. Ich bin zwar extrem geräuschempfindlich, aber die Autobahn war – so erstaunlich ich es finde – angenehm, denn sie hat meinen Tinnitus besänftigt (obwohl dieser deutlich lauter ist als eine Autobahn in der Nähe). Aber dieses Tak-Tak des Pulses (klatschen, klopfen, Bleistiftippen) finde ich extrem nervig was übrigens auch für das Ticken von Uhren gilt. Das gilt besonders fürs Metronom und ich bin froh, dass es nie Bestandteil des Unterrichts war.

Dass einem jemand auf die Schulter tippt zum Beispiel.

Das würde ich mir sofort verbitten.

Grundsätzlich klären ob das OK ist und jedes Mal vorher fragen, damit der Schüler vorbereitet ist.

Mit Verlaub, das ist Quark! „Frau Schmitz, darf ich Sie jetzt an der Hand berühren, um Ihre suboptimale Handhaltung zu korrigieren?“. Ne, also bitte..., damit wird wertvolle Zeit vertrödelt.
:dizzy:

Mein ehemaliger Klavierlehrer hat mich des Öfteren berührt, meist an den Händen, seltener an den Schultern, und es hat mich nie gestört. Im Gegenteil - ich fand seine Berührungen beruhigend. Er hat nie ein Wort darüber verloren, dass er mich anfassen will, um mir etwas zu verdeutlichen - er hat es einfach gemacht. Und für mich sind solche Berührungen ein selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts. Ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht, dass ich während des Unterrichts völlig alleine mit ihm war, denn ich habe mich bei ihm absolut sicher gefühlt. Man weiß doch, mit wem man es zu tun hat.

Was ist, wenn eine Schülerin das doch problematisch findet?

Dann sollte sie überlegen und nachforschen, warum diese Nähe für sie ein Problem ist.


Warum wird es dann von kompetenten Klavierlehrern vermittelt?
 
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Es führen sprichwörtlich viele Wege nach Rom, die einen sind schön direkt und gerade, so ne Via Aurelia gewissermaßen ;-), andere sind umständlicher, und auf manchen verirrt man sich leicht.


Wichtig ist, dass man nicht die Wege mit dem Ziel verwechselt. Die Wege sind, laut oder stumm zu zählen, zu stampfen/nicken/schnalzen/syllabieren oder gar das Metronom mitlaufen zu lassen.
Das Ziel ist, den Puls des Stücks in sich drin zu haben. :-)



P.S. Ich könnte mich kaputtlachen bei der Vorstellung, was wohl ein Außenstehender denkt, wenn er ne nicht mehr ganz frische Rentnerin dabei beobachtet, wie sie beim Klavierspiel hingebungsvoll ihr Großmütterchen um himmliche Unterstützung anruft. :lol::lol::lol: Aber ich sags ganz ehrlich, an solchen Stellen muss ich immer noch anfangs das Großmütterchen bemühen. Bin mal gespannt, wann ich es völlig ohne großmütterliche Hilfe hinbekomme. :heilig:
 
Mein ehemaliger Klavierlehrer hat mir nicht auf die Schulter getippt - daher haben mich seine Berührungen nicht gestört.
 
Nimm ihn als triolischen 2/4-Takt. Also 1 - 2 fertig.
Folgende Übung habe ich mir selbst gebastelt, damit ich im 6/8 Takt die Triole auf 1 und 2 "höre und fühle", ohne sie zählen/schlagen/klopfen zu müssen:

Noten(pdf)

Ich spiele sie einfach (1-2-3-1-2-3) zwei Mal und lasse sie dann zwei Mal weg (1-...-...-2-...-...).
Vielleicht hilft das auch anderen, die den triolischen Puls auf 1 und 2 nicht schon mit der Muttermilch mitbekommen haben.



Metronome, Klatschen, Klopfen auf Klavier/Flügel kann ich einfach nicht ab.
Zählen von 1 bis 6 macht - zumindest bei mir - auch keinen Sinn.
Irritiert mich mehr, als es nutzt.

Die obige "Klavierübung" hat mir wirklich geholfen. Man kann das konkrete Beispiel zur Abwechslung auch wie folgt im Bass unterlegen:
1-2-3-1-2-3-
1-2-3-1-2-...-
1-2-3-1-2-3-
1-2-3-1-2-3
(Das Achtel im Violinschlüssel also jeweils alleine spielen)

Was mir auch hilft: Wiener Walzer (1-2-3 1-2-3 ...) im Geiste mit Körper und Füßen mittanzen.

Vielleicht gibt es hier noch bessere praktische Tricks.

Wer es klassisch braucht/mag: Czerny op 821 nr. 4
 
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Ich habe bisher immer nach dem inneren Puls gespielt. :musik:
Manchmal ist es aber schon recht hilfreich zu zählen.

z.B. hier

Bei Takt 5 kann man so prima das b mit lks halten und den Einsatz für e d rechts auf 7 & 8 finden.:super:
Aber wie mache ich das z.B. bei Takt 9. Um g f richtig zu takten müsste ich ja 16tel zählen?! :denken:
 
Ganz ehrlich:

Ich habe mich bestimmt 2 Jahre lang an Triolen (La Mer - Easy Piano) versucht und es nie richtig hinbekommen.
Mein KL hat mir dann immer 1+2+3+4+ usw. mit Bleistift in die Noten gekritzelt und für mich mitgezählt.
Annehmen wollte ich das nie und habe mir immer meinen eigenen Puls eingeredet. Metronom am Clavinova empfand ich immer als störend und wenn ich versucht habe, mit dem linken Fuß im Takt zu wippen, fehlte mir das Gefühl fürs Pedal im rechten Fuß - kurzum: Ich war einfach noch nicht so weit und war aber der Meinung, ich würde es trotzdem hinbekommen.

Irgendwann habe ich mir dann dieses wunderschöne Stück in einer etwas schwereren Version (Hage Piano Piano mittelschwer) vorgenommen und fing dann von ganz alleine an, mir die Zahlen hinein zu schreiben und halblaut mit zu zählen.
Und - oh Wunder über Wunder - so habe ich dann innerhalb einer Woche ganz für mich alleine gelernt, Triolen zu spielen.
Als mein KL zum nächsten Unterricht kam, habe ich es einfach gespielt - obwohl ich eigentlich etwas anderes in der Woche machen sollte - und er war hellauf begeistert und voll des Lobes.

Zählen kann schon hilfreich sein, wenn man es richtig macht und sich nicht selbst unter Druck setzt. Angefangen habe ich mit ca. 40 bpm, mittlerweile spiele ich es auswendig mit 100. Es braucht halt alles seine Zeit und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
 
Mir hat beim 6/8 die Methode oben geholfen. Bei schnellen Passagen muss das einfach nach Gefühl "pulsen". Ganz anders ist es bei langsamen Stücken, da muss man schon innerlich ruhig "einschwingen" und dann weiter pulsen/zählen, wie auch immer man das macht. So eine Art innerer Gesang. Das lernt man wohl am einfachsten schon als Kind.
 
Da ja gehen oft als Idee genommen wird um puls zu üben bzw. Ein Gefühl dafür zu bekommen würde mich interessieren ob z.b. Schuhe die ein lauteres gehgeräush verursachen wie z.b. stöckelschuhe die ja ein regelmäßigesrelativ lautes klack klack erzeugen beim gehen, einen Einfluss auf das Rhythmusgefühl bzw. Den inneren puls haben können.

Oder hat es eher damit zu tun das man es sich wirklich bewusst macht?
 
In den letzten Tagen haben mehrere Clavionisten sich dieses Thema angeschaut und ich habe öfter nachgesehen, ob es einen neuen Beitrag gibt. Erstaunlicherweise wurde seit fast zwei Jahren nichts mehr geschrieben. Da hat wohl der eine Clavionist den nächsten zum Lesen in diesem Thema motiviert.

Mir wurde im Unterricht nie durch Klatschen, Fußklopfen, Herumgehen etc. der Puls vermittelt. Und darüber bin ich sehr glücklich.

Das habe ich vor fast zwei Jahren geschrieben und so denke ich inzwischen nicht mehr. Denn ich habe nach wie vor ein Problem mit dem richtigen Puls. Schlimmer geworden ist es, weil ich in den letzten mehr als zwei Jahren selten gespielt habe und sich infolge des fehlenden Blicks in die Noten immer mehr Fehler eingeschlichen haben. Weil mir das bewusst geworden ist nehme ich wieder Unterricht.

Mein neuer KL rät mir das Metronom laufen zu lassen und verschiedenes zu Klatschen: Achtel, Triolen, Quartolen etc. oder die Triole.

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Diese Triole gehört zu meinen Problemfällen: Das Ces halte ich nicht lange genug aus und das Sechzehntel kommt zu früh. Schon mein 2. KL hat mich mit "Sie kommen zu früh" darauf hingewiesen.

Grundsätzlich verstehe ich diese Triole nicht, denn sie hat doch zwei Sechzehntel zu viel. Ohne Punktierung wäre doch beim Ces Schluss dem dritten Viertel.

Mein Rhythmusgefühl scheint aber nicht schlecht zu sein, denn ich hatte vor einigen Jahrzehnten einige spanische Freunde, diese haben viel Flamenco gespielt. Das Klatschen beim Flamenco ist nicht einfach, aber ich konnte es und zwar mit allen "Zwischentönen". Ich habe auch keine Probleme, beim Musikhören (z.B. Pop, Latin) mit beiden Händen zwischen den Zählzeiten auf die Oberschenkel zu klopfen, jede Hand etwas anderes. Wo ist also das Problem?, frage ich mich.

Zu guter Letzt noch diese Frage: wie kriegt man denn das vermaledeite im Kopf mitlaufende antrainierte Metronom stummgeschaltet, damit man nicht doch immer wieder unwillkürlich ins Zählen kommt?

Das wüsste ich auch gerne. Man hat Klatschen oder Fußklopfen nicht gelernt und das Metronom nicht kennengelernt. Anstelle dessen wurde das „Zählen“ (mit Silben) vermittelt und das sollte immer durchlaufen. Dieses „Zählen“ hat sich so sehr eingebrannt, dass ich es nicht loswerde. Aber ich mache trotzdem Fehler.

Wie bekomme ich dieses zwanghaft Silben Pulsen aus dem Kopf heraus?
 

In den letzten Tagen haben mehrere Clavionisten sich dieses Thema angeschaut und ich habe öfter nachgesehen, ob es einen neuen Beitrag gibt. Erstaunlicherweise wurde seit fast zwei Jahren nichts mehr geschrieben. Da hat wohl der eine Clavionist den nächsten zum Lesen in diesem Thema motiviert.



Das habe ich vor fast zwei Jahren geschrieben und so denke ich inzwischen nicht mehr. Denn ich habe nach wie vor ein Problem mit dem richtigen Puls. Schlimmer geworden ist es, weil ich in den letzten mehr als zwei Jahren selten gespielt habe und sich infolge des fehlenden Blicks in die Noten immer mehr Fehler eingeschlichen haben. Weil mir das bewusst geworden ist nehme ich wieder Unterricht.

Mein neuer KL rät mir das Metronom laufen zu lassen und verschiedenes zu Klatschen: Achtel, Triolen, Quartolen etc. oder die Triole.

Den Anhang 27783 betrachten

Diese Triole gehört zu meinen Problemfällen: Das Ces halte ich nicht lange genug aus und das Sechzehntel kommt zu früh. Schon mein 2. KL hat mich mit "Sie kommen zu früh" darauf hingewiesen.

Grundsätzlich verstehe ich diese Triole nicht, denn sie hat doch zwei Sechzehntel zu viel. Ohne Punktierung wäre doch beim Ces Schluss dem dritten Viertel.

Mein Rhythmusgefühl scheint aber nicht schlecht zu sein, denn ich hatte vor einigen Jahrzehnten einige spanische Freunde, diese haben viel Flamenco gespielt. Das Klatschen beim Flamenco ist nicht einfach, aber ich konnte es und zwar mit allen "Zwischentönen". Ich habe auch keine Probleme, beim Musikhören (z.B. Pop, Latin) mit beiden Händen zwischen den Zählzeiten auf die Oberschenkel zu klopfen. Wo ist also das Problem?, frage ich mich.



Das wüsste ich auch gerne. Man hat Klatschen oder Fußklopfen nicht gelernt und das Metronom nicht kennengelernt. Anstelle dessen wurde das „Zählen“ (mit Silben) vermittelt und das sollte immer durchlaufen. Dieses „Zählen“ hat sich so sehr eingebrannt, dass ich es nicht loswerde. Aber ich mache trotzdem Fehler.

Wie bekomme ich dieses zwanghaft Silben Pulsen aus dem Kopf heraus?

Mit Metronom, klopfen & klatschen komme ich auch nicht so recht klar.
Ich versuche möglichst immer das "Hören". Entweder meine KL spielt es ein paar mal vor oder mein Digi muss das per Midi vordudeln. Und das mache ich dann vor jedem Üben --> erst mal zuhören und dann spielen.
 
@Marlene
Triolen zähle ich, wenn es sein muss, mit takite.
Geht bei mir flüssiger über die Lippen und auch vom Denken her, als z.B. einerlei, zweierlei,....
k.A. ob es Konokol-Schulbuchmäßig ist, aber wie wäre es, wenn Du die Triole beim Zählen in sechstel unterteilen würdest?
Also jeder "Triolensilbe" noch ein "di" dranhängen: tadi kidi tedi.
In dem Beispiel würde man also tadi - kidite - di zählen.
tadi für das Des, Kiditi wäre das Ces und di zählt das Ges.
Somit bekommst Du ein Gefühl für das Verhältnis zwischen unterschiedlich langen Tönen.
 
Zuletzt bearbeitet:
[...]

Grundsätzlich verstehe ich diese Triole nicht, denn sie hat doch zwei Sechzehntel zu viel. Ohne Punktierung wäre doch beim Ces Schluss dem dritten Viertel.
[...]

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Hi Marlene, das gesamte Konstrukt soll genau so lang wie 1/4 sein, es ist diejenige Wertigkeit, die den Takt komplettiert. Außerdem: Das "des" ist ja keine normale "Achtel", und das punktierte "ces" keine normale "punktierte Achtel", sondern wir müssen hier im Verhältnis zum REST des Taktes genau so (zügig) agieren, dass das Konstrukt nicht über 1/4 Länge hinausgeht.

Ausführlicher in einem ähnlich gelagerten Fall wurden solche DInge schonmal erörtert in einem anderen Thread, ich meine, es war dieser..., wo zusätzlich Epochen-beeinflusste und gefühls-Dinge in Notationen mit hineinspielten.

https://www.clavio.de/threads/falscher-notensatz-oder-wie-soll-man-das-spielen.19110/#post-360740

LG, Olli
 
Ist doch verwirrend zwei Achtel zu notieren wenn diese nicht zwei Achtel lang sind.
:dizzy:;-)

Triolen zähle ich, wenn es sein muss, mit takite.

Dann könnte ich auch mit meinem pa-da-dam weitermachen.

Also jeder "Triolensilbe" noch ein "di" dranhängen: tadi kidi tedi.
In dem Beispiel würde man also tadi - kiditi - di zählen.
tadi für das Des, Kiditi wäre das Ces und di zählt das Ges.
Somit bekommst Du ein Gefühl für das Verhältnis zwischen unterschiedlich langen Tönen.

Du meine Güte, ich will doch ohne diese Krücken auskommen.
:cry:

Diese Triolenkonstruktion hat mich ins Schwitzen gebracht. Damals hatte ich das Stück ohne KL eingeübt und mir diesen Takt auf Rechenkästchen aufgezeichnet um mein „Pulsen“ richtig einzubauen.
:dizzy: :-D


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Mit Metronom, klopfen & klatschen komme ich auch nicht so recht klar.

Metronom grundsätzlich nur zum Überprüfen wenn es eigentlich schon empfunden und fertig ist.
Aber selbst deutlich und artikuliert zählen ist (wo immer möglich in kleinen und kleinsten Notenwerten!) ausgesprochen nützlich.
Dies sogar im relativ fortgeschrittenen Stadien der pianistischen Entwicklung.
Ich übe aktuell für das Beethoven Jahr 2020 op. 111 und habe für die unangenehmen Dreierunterteilungen in der zweiten und dritten Variation des zweiten Satzes noch nichts besseres gefunden als eben schnell für jede Viertongruppe auf 6 zu zählen.
 
Ist doch verwirrend zwei Achtel zu notieren wenn diese nicht zwei Achtel lang sind.

Liebe Marlene,

Achtel ist hier nicht gleich Achtel. :003: Eine Triolenachtel ist kürzer als eine Duolenachtel, denn bei einer Triole entsprechen drei Achtel einer Viertel (also eine Achtel dem Drittel einer Viertelnote) und bei einer Duole zwei Achtel einer Viertel (also eine Achtel der Hälfte einer Viertelnote).

Ist dir klar, wo die Taktschwerpunkte in diesem Takt sind, also die 1, die 2. die 3? Wenn nicht, evtl drunterschreiben - die Notenwerte sind sogar schon entsprechend angeordnet mit den Balken etc.

Ich möchte dir gern zwei Möglichkeiten zeigen, um das Problem zu lösen:

1. vom Kleinen zum Großen

Ich meine, dass du dir erst einmal eine stabile rhythmische Basis aufbauen solltest, um dich erst dann mit komplexeren und schwierigeren Rhythmen zu beschäftigen.

Du bist ja schon dabei, wie du schreibst! :011:Ich persönlich finde es allerdings viel besser, den Puls zu spüren, indem man ihn SELBST ERZEUGT, anstatt ihn von außen per Metronom vorgeben zu lassen! Nicht nur rational, sondern fühlen, spüren, bewegen - die Sinne einsetzen! :002:

Um den Puls deutlich zu spüren, ist es besser, zunächst große Bewegungen zur Pulserzeugung auszuführen (z.B. Gehen...), die bei zunehmender Sicherheit immer kleiner werden können (z.B. mit einer Hand im Sitzen auf den Oberschenkel klopfen ...).

Du könntest also locker in Vierteln (Viertelpuls) im Kreis gehen und dazu nur einen Rhythmus wiederholend ein paar Takte lang klatschen. Um den Puls deutlich zu spüren, ist es sehr wichtig, mindestens einen Takt "vorzugehen", bis dann mit den Händen Ganze, Halbe, Viertel, Achtel, Triolen, Sechzehntel, punktierte Rhythmen, Mischungen von Achtel und Sechzehnteln geklatscht werden. Hier wesentliche Unterteilungen einer Viertel:

Rhythmen.PNG

Wenn du das kannst, könntest du zwei Takte Duolen, zwei Takte Triolen abwechselnd klatschen, während du Viertel gehst. Dann nur einen Takt, dann halbe Takte... . Also reduzieren und Rhythmen kombinieren.

Dann könntest du diesen triolischen Rhythmus in immerwährender Wiederholung zum gegangenen Viertelpuls klatschen:

triolischer Rhythmus, punktiert.PNG
Du könntest das evtl. auch schon jetzt probieren. Dabei immer die Sechzehntel zur nächsten Achtel denken - die beiden Noten bilden eine Einheit.

Dann reduzieren bzw. wie oben erwähnt mit anderen Rhythmen (Duolen, Triolen, Viertel) kombinieren.

2. direkt am Stück

Du kannst auch probieren, direkt am Stück zu arbeiten und parallel Punkt 1) zu erarbeiten. Wir gehen das Problem also nun von einer anderen Seite an.

Du kannst dabei den besagten Rhythmus, in dem Takt, der dir schwer fällt, vereinfachen.

Das bedeutet, dass du zunächst diesen vereinfachten Rhythmus ohne punktierte Noten klatscht und den Viertelpuls dabei gehst. Immer einen Takt vorgehen, damit du ein Gefühl für den Viertelpuls entwickelst (übrigens kann man dabei auch zählen - 1 - 2 - 3 -......, so dass sich das Pulsgefühl mit dem Zählen verknüpft und später nur noch gezählt werden kann/muss - soweit zum Fadentitel :003:).

Duolen-Triolen.PNG

Wenn du das kannst, ist die Punktierung gar nicht mehr schwer. Dein Lehrer wird es dir zeigen! Die letzte Sechzehntel muss man nur als kurzer Auftakt zur nächsten 1 verstehen (Einheit, s.o.) und nicht als etwas, was zu dem Takt gehört, in dem es steht! Ich habe früher auch erst lernen müssen, dass ein Takt nicht ein festzementiertes Etwas ist, sondern dass man manchmal über Taktstriche hinweg denken muss. :004:

Manchmal kann es auch hilfreich sein, die Sprache hinzuzunehmen. Den obigen Rhythmus könnte man z.B. unterlegen mit "Ich lie-be Fich-ten-ley....." (sorry! :004:). Fich-ten-ley ist die Triole. Wenn du dann die Punktierung hinzunimmst, nimmst du das "ley" kurzerhand vor "Ich". :)

Liebe Grüße und viel Freude und Erfolg!

chiarina
 
Übrigens gibts auch im Skriabin-Prelude e-Moll, op 11,4 war es glaub ich, eine ähnliche Figur,

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Überhaupt scheinen solche bei Skriabin nicht selten zu sein, ist aber nur ein subj. Eindruck, kenne nicht so viel von ihm.

LG, Olli
 

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