Schlechte Schüler: woran liegt das eigentlich genau?

Das ist kein Gebrüll, sondern sind klare Ansagen.

Kleiner Tip zur Medienkompetenz: Exra große Schrift, Fettdruck oder gar nur Großbuchstaben gelten in diesem Neuland hier als Schreien bzw. Gebrüll.
Aber wir haben ja auch erst das dritte Jahrtausend, da muss man sowas als eingebildeter Homo Sapiens, der glaubt schon alles zu wissen, nicht auch noch wissen.

DU SOLLTEST ECHT MAL AUF DEM BODEN DER TATSACHEN ANKOMMEN!!!!!!EINSELF
 
In meiner Themenerstellung ging es vor allem darum, was Klavierlehrer mit recht vielen guten Schülern tun, damit sie gute Schüler haben! Hierzu interessieren mich Antworten!

Die Antwort ist übersichtlich: Sie sind gute Klavierlehrer. :super:

Du hast eingangs Deine Klientel beschrieben (bildungsferne Herkunftsfamilie). Gerade solche Kinder brauchen besonders gute Lehrer (nicht nur am Klavier, sondern in jeglicher Hinsicht). Gerade wenn im Elternhaus nicht viel an Vorbildpotenzial geboten ist, sind gute und begeisternde Lehrerpersönlichkeiten oft die einzige Chance für die Kinder, sich ihrem (ansonsten) vorgezeichneten Lebensweg entraffen zu können.

Ich habe den Eindruck, dass Du so eine Art "netten 08/15-Unterricht" abspulst. Was erwartest Du von den Kindern? Dass sie von selbst mehr wollen, obwohl sie gar nicht wissen, dass es auch andere Arten des Unterrichts gibt, die wirklich inspirierend und motivierend sind?

Du wirst Dich selbst weiterbilden/weiterentwickeln müssen, wenn Du willst, dass Deine Erfolge als Lehrer zufriedenstellender werden. Die Schülerchen sind zunächst mal nicht in der Bringschuld, sondern Du.

Welchen Ausbildungsweg hast Du beschritten?
 
Als einstiger eher mäßiger Schüler eines als eher mäßig bekannten KL muss ich dir doch mal eine Lanze für Piano brechen.

Da ist zunächst die Frage, welchen Anspruch der KL an seinen eigenen Unterricht stellt. Sieht er sich als Dienstleister? Als Musikpädagoge? Als Begabtenförderer?
Wenn du der Typ bist, dessen Schüler bei Jugend Musiziert ganz vorne mitspielen, dann schicken die die Muttis ihre mehr oder weniger hochbegabten Kinder zu dir und klemmen sich dahinter, dass geübt wird.
Bei einem solchen Publikum kann der KL streng auftreten, hohe Maßstäbe anlegen und Motivation voraussetzen.

Mit "es liegt an deinem Unterricht" macht man es ich m.E. zu einfach. Ein fachlich qualifizierter Unterricht ist schon viel verlangt, da setze ich nicht auch noch überragende pädagogische Fähigkeiten voraus. Und der KL kann sich auch nicht mal eben neu erfinden. Der russische Pauk-KL, der Konzerpianisten bäckt, ist nicht plötzlich der super Typ im sozialen Brennpunkt. Das funktioniert so nicht.

Dein Problem ist aus meiner Sicht, deine Schüler zu motivieren. Vielleicht gehst du an die Lektionen zu schulmäßig heran. Welche Kids stehen heute auf den Sound von Chopin oder Czerny? Und wenn sie das nicht tun, warum sollen sie dann dafür oder damit üben?
 
Ein fachlich qualifizierter Unterricht ist schon viel verlangt, da setze ich nicht auch noch überragende pädagogische Fähigkeiten voraus.
Aber genau das ist doch die Verantwortung eines guten Klavierlehrers, überhaupt aller Lehrer. Außer man macht das Unterrichten nur als Notlösung. Dann sind die Chancen allerdings gering, ein guter Lehrer zu werden, geschweige denn sein Geld wert zu sein.
 
Der russische Pauk-KL, der Konzerpianisten bäckt, ist nicht plötzlich der super Typ im sozialen Brennpunkt. Das funktioniert so nicht.

Z.B. der berühmteste russische Konzertpianisten-Bäcker :super: Genrich Gustavowitsch Neigaus:-D(u.a. Swjatoslaw Richter, Emil Gilels, Radu Lupu, Igor Schukow, Wladimir Krainew) war ganz bestimmt kein Pauk-KL. Ich würde sogar behaupten, daß kein einziger Pauk-KL einen Konzertpianisten hervorbringen wird.

Welche Kids stehen heute auf den Sound von Chopin oder Czerny? Und wenn sie das nicht tun, warum sollen sie dann dafür oder damit üben?

Welche Kids standen vor 50 oder 60 Jahren auf den Sound von Chopin oder Czerny (oder Bach, Beethoven, Bartok usw.)?
Angesagt waren damals Heintje, Freddy Quinn, Roy Black, Frank Sinatra, Simon & Garfunkel usw., aber natürlich auch Beatles, Rolling Stones, Led Zeppelin, The Who, Pink Floyd usw.!
Ein guter KL sollte schon in der Lage sein, seinen Schülern Musik jenseits von Charts oder TEY nahe zu bringen, denn auch hier gilt: Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich.
 
Ich weiß nicht, ob sich ein Czerny oder Hanon je die Frage stellen musste, wie er einen Schüler zum Üben bringt. Und wenn diese Frage nicht auftauchte, welche Rolle spielte sie dann in der Klavierpädagogik? Faule Schüler wird es schon immer gegeben haben, aber früher hat man die ertragen, weil man für den Unterricht bezahlt wurde, oder eben aussortiert.

Von einem KL zu erwarten, dass er Leute, die keinen Bock haben, für Musik begeistert, scheint mir ewas hoch gegriffen.

Ein guter KL sollte schon in der Lage sein, seinen Schülern Musik jenseits von Charts oder TEY nahe zu bringen, denn auch hier gilt: Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich.

Aber muss der ganze Unterricht darauf aufbauen?
Auf die Frage "Was spielst du denn so?" habe ich in meiner ganzen Klavierunterrichtszeit NIE eine relevante Antwort geben können.
 

Aber muss der ganze Unterricht darauf aufbauen?

Eindeutig ja!

Auf die Frage "Was spielst du denn so?" habe ich in meiner ganzen Klavierunterrichtszeit NIE eine relevante Antwort geben können.

Hat dir dein KL nie verraten, was du gerade gespielt hast?:schweigen:
Ich habe keinen meiner damaligen Mitschüler erlebt, dem Schubert D 899 3/4, D 935 2,
Mozart KV 331, 1.! Satz oder Beethoven Op. 26 nicht gefallen hätte.
Mit einer Mitschülerin haben wir in der ganz normalen Musikunterrichtsstunde Schubert (Lindenbaum, Heidenröslein, Forelle, Tod und das Mädchen, An die Musik, Gretchen am Spinnrad, König in Thule, Wandrers Nachtlied) oder Schumann (Die beiden Grenadiere) zum besten gegeben - niemand ist schreiend davongelaufen oder hat mit faulen Eiern geworfen.
1985 habe ich eine Gruppe von 15 Straßenbahnfahrern zum Orgelkonzert ins Leipziger Gewandhaus geschleppt. Danach wären die meisten am liebsten dort über Nacht geblieben!
 
Mit einer Mitschülerin haben wir in der ganz normalen Musikunterrichtsstunde Schubert (Lindenbaum, Heidenröslein, Forelle, Tod und das Mädchen, An die Musik, Gretchen am Spinnrad, König in Thule, Wandrers Nachtlied) oder Schumann (Die beiden Grenadiere) zum besten gegeben - niemand ist schreiend davongelaufen oder hat mit faulen Eiern geworfen.

Klingt wie eine Geschichte aus dem letzten Jahrtausend!

Nach meinem Abitur gab's nur noch ein Jahr lang ein Orchester an unserer Schule. Der Jahrgang unter meinem war der letzte, der noch Musiker gestellt hat. Ab dann gab's nur noch Millenials und Bohnenstroh.
 
Dieser Faden bietet hohen Unterhaltungswert und bestätigt einmal mehr, wie sehr die Klavierdidaktik in den Seilen hängt.

Auf der einen Seite haben sich hier einige bemüht Hilfestellungen zu geben*, welche aber vom erfolglosen KL un-dankend abgelehnt wurden.

Auf der anderen Seite kommt mir sein Bericht wie ein typischer Blick ins Unterrichtszimmer vor. Da muss ich schon ehrlich sein.

* ich erkenne das hier im Forum einige Lehrer sind die sich verbesseren und dazu lernen wollen, das ist sehr positiv
 
Klingt wie eine Geschichte aus dem letzten Jahrtausend!

Das ist eine Geschichte aus dem letzten Jahrtausend!:-D
Sogar eine Geschichte aus einer ganz schlimmen verflossenen Diktatur.:angst:
Im Deutsch- und Kunst-Unterricht haben wir Expressionismus und Dadaismus behandelt und Dürrenmatts "Prozeß um des Esels Schatten" szenisch aufgeführt.
1969 beim traditionellen Weihnachts-"Appell", bei dem jeder Pauker mit einigen satirischen Versen bedacht wurde, haben wir dem 150%igen Staatsbürgerkunde-Lehrer Handfeger und Kehrschaufel "zur Beseitigung der letzten kapitalistischen Überreste in seinem Haus" geschenkt. So rot anlaufend habe ich nie einen Lehrer gesehen!
 
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... finde ich gut!

* ich erkenne das hier im Forum einige Lehrer sind die sich verbesseren und dazu lernen wollen
Ich erkenne, [Komma!] dass [Konjunktion, kein Relativpronomen, kein Artikel!] hier im Forum einige Lehrer sind, [Komma!] die sich verbessern [nicht "verbesseren"] und dazulernen [ein Wort!] wollen.
 
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