rhythmus?

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hallo zusammen,

sagt mal, konnte ihr alle von anfang an rhythmus? irgendwie ist das das, was mir beim klavierspielen am schwersten fällt :(. meine gestrige klavierstunde war ausschliesslich rhythmus-unterricht, und ich kam mir vor wie ein kleinkind, das essen lernt :?. null koordination von augen, notenwerte sehen hinein in hände, und noch schlimmer, in die füße. wie habt ihr das gelernt, oder konntet ihr das alle schon?

hab mir letzte woche ein ganz spannendes buch gekauft "der einarmige pianist" von oliver sacks, ein amerikanischer neurologe. da gehts um musik und gehirn, und der schreibt, dass rhythmus fast allen menschen angeboren sei... irgendwie fehlt mir dieses gen, glaube ich :(.

hab jetzt von meinem lehrer ein französisches rhythmus-lernbuch von yvon le prev: "rhythmique". kennt das wer, bzw. gibt’s ein deutsches äquivalent?

danke und gruß

lavendel
 
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Ich kann da nur mitfühlen. Ich habe auch nach über 20 Jahren Klavierspiel immer noch Schwierigkeiten mit dem Rhythmus. Wenn ich mich nicht sehr darauf konzentriere, schleichen sich schnell Unregelmäßigkeiten ein. Oft werde ich einfach im Laufe eines Stückes schneller.

Die Grundlagen des Rhythmus lernt man eigentlich recht schnell (auch 3-gegen-4 Rhythmen z.B.), aber an den Feinheiten muss man (ich) sehr lange feilen. Die Methode, die bei mir am besten funktioniert ist "aufnehmen und anhören". Denn wenn man hört, was man gespielt hat, bemerkt man auch sehr schnell rhythmische Fehler - bei Spielen seltsamerweise nicht. Das Rhythmusempfinden muss also vorhanden sein (angeboren, wie der Neurologe sagt), wenn man sich auf andere Dinge konzentrieren muss (Noten lesen, Töne treffen ...), scheint es aber schnell zweitrangig zu werden ...

Also mein Tipp: Aufnehmen und anhören. Danach kann man ganz gezielt daran arbeiten.

Gruß,
Sulan
 
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Das Problem habe ich grundsätzlich auch! Das geht sicher noch vielen so oder ähnlich.
Für mich war es am Anfang MEGA-Stress, wenn ich mich auf den Rythmus konzentrieren sollte, und ich kam mir genauso blöd vor wie du, weil es nicht klappte.
Das Dumme ist: wenn man sich Stress macht damit (oder vom KL gemacht kriegt), wird es schlimmer statt besser.
Inzwischen mache ich mir selbst nicht mehr so viel Stress damit! Dh. nicht, daß es mir egal wäre! Ich sehe das als langfristige Aufgabe, da besser zu werden. Wird schon werden. Und wenn es dauert, dann dauert es eben. Mit dieser Einstellung komme ich persönlich ganz gut klar.
Melodicus
 
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Ist doch klar, dass niemand als Rhytmus persönlich auf die Welt kommt.
Dass das Rhytmus-Gefühl angeboren ist,stimmt, das sieht man ja schon bei Babys, die mit der Rassel " Musik" machen.
Der Grund, warum die Meisten von uns den Rhytmus scheinbar komplett neu erlernen müssen, liegt daran, dass wir unser Rhytmusgefühl vieeeeel zu wenig nutzen, es wird nicht gebraucht und verkümmert langsam.

In Afrika z.B. wird schon seid Jahrhunderten Musik praktiziert, die sehr rhytmus-orientiert ist, daher kriegen die ohne Probleme komplizierte Rhytmen hin, weil eben schon die Kinder dort damit aufwachsen.

Was aber soll bitte so schlimm daran sein, dass wir den Rhytmus eben erst erlernen müssen?
Ok, man sollte da anfangs schon explizit drauf achten, aber wenn man schon weiter fortgeschritten ist, dann eignet man sich den Rhytmus am Anfang des Erarbeiten eines Stücks halt z.B. mit Metronom an, und dann kann man ihn.

Der Großteil der Stücke besteht nicht aus so sehr komplizierten Rhytmen, vieles eignet man sich in den ersten paar Jahren an, und, meine Güte, wenn man dann halt mal den ersten Satz von Op.111 spielt ( wird hier eh keiner auf die Idee kommen), dann erarbeitet man sich den Rhytmus halt.
 
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Weise Worte von Roßenspieß und weise (sowie etwas zynische) Worte von Hacon.

@Hacon: ich hoffe du bist mir nicht böse wegen des Islamey-Scherzes;)
 
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hallo,

danke für eure antworten - da bin ich ja froh. irgendwie hab ich fast gedacht, man hätte es oder eben nicht. dann übe ich mal fleissig :D.

womit ich sonst geschummelt hab: hab mein übungsstück bei itunes gesucht, gekauft und solange gehört, bis ich es intus hatte. dann ging das nachspielen im richtigen rhythmus irgendwann von selbst :rolleyes:. dafür hab ich allerdings schelte von meinem lehrer bekommen, dass ich dann ja nur kopieren würde, und außerden find ich da nicht alle stücke. siehe mein händel-sonatine, die es scheinbar garnicht gibt :cool:.

wünsche euch einen schönen abend.

lavendel
 
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und noch eine erheiternde Übung

... und lasse meine Schüler zur Musik dirigieren (wenn sie sich dann trauen, gibt das zuweilen sehr erheiternde Darbietungen).
Da fällt mir Doof ein. Der Apfel fällt ja nicht weit von Rosenspieß.

Wie wärs mit Kniechen, Näschen, Öhrchen .. :) :D , dazu die vielen Hände, die mir meistens durcheinander kommen. Am Ende atet die Übung in ein Finale furioso aus.

Trotzdem, wenn mir die Übung in den Sinn kommt, habe ich immer meine Freude daran und ab und zu klappt das sogar.

(Im Moment fällt mir der Film-Name nicht ein. Hat hier jemand sogar einen Link zur Filmszene parat?
 
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Ich hatte ganz am Anfang auch Schwierigkeiten. Ich hab in der Grundschule mit Keyboard angefangen und musste dabei ja zu diesen grauenvollen, voreingestellen Rhythmen spielen. Das konnte ich gar nicht. Irgendwann, nach ein paar Wochen, hat mich das total angekotzt, weil ich ohne diesen blöden Rhythmus eigentlich "gut" spielen konnte, also recht schnell gelernt hab, die Finger zu koordinieren, Notenlesen konnte ich schon längst, hatte ein Händchen für Melodien etc. Nur der konstante Rhythmus hat mich irritiert. Ich hab mich dann einfach mal hingesetzt und versucht, ganz genau zuzuhören. Dann hat's geschnackelt ;) Da hab ich dann endlich mal das Prinzip von Takt und Schlag und allem Möglichen kapiert. Weiß nicht, warum.

Ich denke, dass man einen gewissen Rhythmus wohl "im Blut" hat, ich denke aber auch, dass viele Sachen, die in der Rhythmik komplexer Musik verlangt werden, völlig kontraintuitiv sind. Das muss man lernen und per Vernunft verstehen und anwenden. Ich halte es z. B. für völlig natürlich, dass man innerhalb eines längeren Stücks, wenn der Charakter der Musik wechselt und sich die dominierenden Notenwerte ändern, automatisch und intuitiv das Tempo wechselt. Dass man Sechzehntelläufe in einem anderen Tempo als Teile, die von Vierteln dominiert werden, passiert mir zumindest völlig unbewusst. Will man das Tempo halten, muss man da mit vollem Bewusstsein dran arbeiten. Ganz zu schweigen von Konstrukten wie Septolen etc. Ich denke, dass solche schwierigen Rhythmen oft auch ganz bewusst mir unserer rhythmischen Intuition spielen, indem sie die gefühlten Schemen zerbrechen, ebenso wie Dissonanzen unsere Aufmerksamkeit erregen, weil sie der Erwartung nach Harmonie entgegenlaufen.

Ich denke, man muss da ein Mittelding finden aus der natürlichen Intuition und vernunftgesteuertem Handeln. Aber je mehr man bewusst übt, umso verlässlicher funktioniert die Intuition.
 
 

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