Rettet Seiler!

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K

Klavierbaumeister

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Rettet Seiler!

Wie zwischenzeitlich bekannt, hat Seiler vor zwei Tagen Insolvenz angemeldet. Verantwortlich gemacht wurde laut Zeitungsartikel hauptsächlich ein gravierender Auftragsrückgang gegenüber den Vorjahren.
Es darf spekuliert werden, ob die billigen asiatischen Klaviere mitverantwortlich dafür sind.

Andere nachvollziehbare Gründe für die Absatzflaute sehe ich nicht, denn gerade die Seiler-Klaviere der letzten Jahre waren klanglich wie technisch in diesem Preissegment hervorragend und die Produktpalette umfasst derzeit auch optisch sehr attraktive moderne Modelle, was z.B. bei der Firma Ibach, die Ende letzten Jahres die Produktion einstellte ein Knackpunkt war.

Momentan läuft die Produktion bei Seiler weiter und es wird ein Investor gesucht.
Es wäre sehr schade, wenn die Produktion in Deutschland stillgelegt werden würde und der Markenname Seiler künftig auf asiatischen Instrumenten stehen würde.

Bösendorfer wurde an Yamaha verkauft, Sauter war schneller als Seiler und gehört schon länger einem Finanzinvestor, Schimmel steht schon lange unter asiatischer Beteiligung und Ibach hat die Produktion eingestellt. Auch Steinway wurde schon mehrfach hin und her verkauft.
Wie wird das weiter gehen?
Stirbt die Klavierproduktion in Deutschland komplett aus?

Wenn wir derzeit etwas für Seiler tun können wäre das, neue Seiler-Klaviere zu kaufen um so einen potentiellen Investor zu zeigen, dass die Marke Potential und Absatzmarkt hat.
Wer derzeit vor dem Kauf eines Asien-Klaviers steht, möge vielleicht nochmals darüber nachdenken, ob es nicht auch ein neues in Deutschland gebautes Instrument sein könnte.
Bitte auch daran denken, dass nur der Kauf von NEUEN deutschen Instrumenten die Arbeitsplätze der Hersteller in Deutschland sichert.
Jetzt sind die Kunden mit entsprechenden finanziellen Hintergrund und Qualitätsbewusstsein gefragt.

Wenn wie nach Verkündung des endgültigem Produktionsendes von Ibach diejenigen am lautesten schreiben, dass man solch eine Traditionsmarke doch nicht sterben lassen darf, die kein Ibach sondern ein Asien-Klavier gekauft haben, hilft das keinem weiter.

Auch die Nicht-Seiler-Fans mögen bedenken, dass Mitbewerber das Qualitätsniveau hoch halten.
Wenn in nicht allzu ferner Zukunft der Deutsche Klaviermarkt nur noch von wenigen asiatischen Großkonzernen beherrscht wird, müssen wir unsere Anforderungen wohl etwas zurückschrauben.

Ich will natürlich nicht alleine die ausländische Konkurrenz für die Probleme bei Seiler verantwortlich machen, möchte an dieser Stelle aber einfach mal wieder dazu auffordern, doch über den Kauf neuer Deutscher Instrument nachzudenken.
 
Mathiéu Alou

Mathiéu Alou

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Was kostet denn ein neues Seiler, ca 125 cm hoch?
 
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Axels

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Coole Aktion und Idee von Dir. Es tut schon weh, wenn man sieht das die einst berühmten Marken nach und nach aufgekauft werden oder gar ganz vom Markt verschwinden. All die Patente und Ideen deutscher Klaviergeschichte verschwinden oder gehen in die Hände von Investoren über.
Kann man Seiler denn jetzt noch helfen wenn man die Seiler Klaviere aus den Läden der Einzelhändlern kauft??? Die Händler selber werden doch jetzt auf Schnäppchen aus der Insolvenzmasse warten. Und wenn ich jetzt ein Klavier kaufe und Seiler macht dicht, was ist dann mit der Garantie?

Gruß
 
klaviermacher

klaviermacher

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Rettet Seiler!

Wie zwischenzeitlich bekannt, hat Seiler vor zwei Tagen Insolvenz angemeldet. Verantwortlich gemacht wurde laut Zeitungsartikel hauptsächlich ein gravierender Auftragsrückgang gegenüber den Vorjahren.
Es darf spekuliert werden, ob die billigen asiatischen Klaviere mitverantwortlich dafür sind.

Andere nachvollziehbare Gründe für die Absatzflaute sehe ich nicht, denn gerade die Seiler-Klaviere der letzten Jahre waren klanglich wie technisch in diesem Preissegment hervorragend und die Produktpalette umfasst derzeit auch optisch sehr attraktive moderne Modelle, was z.B. bei der Firma Ibach, die Ende letzten Jahres die Produktion einstellte ein Knackpunkt war.

Momentan läuft die Produktion bei Seiler weiter und es wird ein Investor gesucht.
Es wäre sehr schade, wenn die Produktion in Deutschland stillgelegt werden würde und der Markenname Seiler künftig auf asiatischen Instrumenten stehen würde.

Bösendorfer wurde an Yamaha verkauft, Sauter war schneller als Seiler und gehört schon länger einem Finanzinvestor, Schimmel steht schon lange unter asiatischer Beteiligung und Ibach hat die Produktion eingestellt. Auch Steinway wurde schon mehrfach hin und her verkauft.
Wie wird das weiter gehen?
Stirbt die Klavierproduktion in Deutschland komplett aus?

Wenn wir derzeit etwas für Seiler tun können wäre das, neue Seiler-Klaviere zu kaufen um so einen potentiellen Investor zu zeigen, dass die Marke Potential und Absatzmarkt hat.
Wer derzeit vor dem Kauf eines Asien-Klaviers steht, möge vielleicht nochmals darüber nachdenken, ob es nicht auch ein neues in Deutschland gebautes Instrument sein könnte.
Bitte auch daran denken, dass nur der Kauf von NEUEN deutschen Instrumenten die Arbeitsplätze der Hersteller in Deutschland sichert.
Jetzt sind die Kunden mit entsprechenden finanziellen Hintergrund und Qualitätsbewusstsein gefragt.

Wenn wie nach Verkündung des endgültigem Produktionsendes von Ibach diejenigen am lautesten schreiben, dass man solch eine Traditionsmarke doch nicht sterben lassen darf, die kein Ibach sondern ein Asien-Klavier gekauft haben, hilft das keinem weiter.

Auch die Nicht-Seiler-Fans mögen bedenken, dass Mitbewerber das Qualitätsniveau hoch halten.
Wenn in nicht allzu ferner Zukunft der Deutsche Klaviermarkt nur noch von wenigen asiatischen Großkonzernen beherrscht wird, müssen wir unsere Anforderungen wohl etwas zurückschrauben.

Ich will natürlich nicht alleine die ausländische Konkurrenz für die Probleme bei Seiler verantwortlich machen, möchte an dieser Stelle aber einfach mal wieder dazu auffordern, doch über den Kauf neuer Deutscher Instrument nachzudenken.

Ich stimme voll zu!
LG
Klaviermacher
 
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Klavierbaumeister

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Kann man Seiler denn jetzt noch helfen wenn man die Seiler Klaviere aus den Läden der Einzelhändlern kauft??? Die Händler selber werden doch jetzt auf Schnäppchen aus der Insolvenzmasse warten. Und wenn ich jetzt ein Klavier kaufe und Seiler macht dicht, was ist dann mit der Garantie?

Gruß

Wenn die Einzelhändler jetzt merken, dass sich Seiler-Klaviere gut verkaufen lassen, werden sie sicherlich welche nachbestellen. Noch läuft die Produktion.

Auf die Insolvenzmasse warten die Endverbraucher, nicht die Händler.

Die gesetzliche Gewährleistung von 24 Monaten haben die Kunden auf jeden Fall durch den verkaufenden Händler, egal wie es weiter geht.

Abgesehen davon gehe ich davon aus, dass es die Firma Seiler weiter geben wird - Die Frage ist nur ob mit oder ohne deutscher Produktion.
Was Seiler für Investoren interessant mahct ist neben dem sehr guten Markenname einige Patente.
So z.B. auf das Silent-Piano, das Seiler (und nicht Yamaha) erfunden hat.
 
fisherman

fisherman

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Liebe Freunde des deutschen Klaviers;

der Rettungsaufruf mag gut gemeint sein - er wird wenig ausrichten. Wir erleben heute in allen Bereichen - und nicht nur im Pianobau - eine Entwicklung, die längst vorhersehbar war. Bereits vor rund 20 Jahren hätte ein Blick in die USA genügt, um zu erkennen, was uns allen blüht: Der Verlust der Mitte.

Nicht nur, das die Bezieher mittlerer Einkommen weniger werden, auch bei den Produkten und Dienstleitungen wird kräftig ausgedünnt. Wo sind die mittelpreisigen, qualitativ befriedigenden Produkte, wo z.B. die früher allgegenwärtigen Mittelklassehotels, wo die guten, mittleren Möbelhersteller? Wieso geht es den Herstellern ausgesprochener Mittelpreis-Autos im Verhältnis am schlechtesten?

Die Masse ist in den Keller gerutscht, einige wenige haben den Aufstieg in die Oberliga geschafft. Mit mittlerer Qualität/mittlerem Preis kann heute kein (deutsches) Unternehmen dauerhaft überleben. Entweder man "geht nach unten", was aber meist Zulieferung oder gar Produktionsverlagerung ins Ausland verlangt (oder, weit seltener: Innovation in allen Bereichen) - oder man strengt sich in Punkto Qualität / Kundenservice und erst recht beim Marketing richtig an und steigt in die nach wie vor hochprofitable Luxusklasse auf.

Beide Wege verlangen Mut, Entscheidungsfreude und langfristiges Durchaltevermögen sowie den Glauben an die Richtigkeit getroffener Entscheidungen - alles Tugenden, die man in heutigen Unternehmen nach dem Aussterben der "Macher-Generation" mit der Lupe suchen muss. Als Berater erlebe ich das tagtäglich: Mit Firlefanzregularien, Pipi-Einsparungen und zunehmender Bürokratisierung wird sukzessive die Qualität nach unten verlagert, Mitarbeiter aufs schlimmste demotiviert und Kunden wie auch Lieferanten langfristig verprellt, während schwanzgesteuerte Großmannssucht mit Sandkastenspielen Millionen versenkt.

All dies geschieht im krampfhaften Bemühen, irgendwie alles so halbwegs richtig zu machen - ohne große Veränderungen und vor allem ohne klare, durchgehaltene Entscheidungen. Alle wollen sie die "Eierlegende Wollmilchsau"...

The trend is your friend - dagegen glaubt die Masse der Unternehmen ankämpfen zu können. No way! Dieses Verhalten ist das sichere Todesurteil - zumal sich ja nun mit einigen Jahren Verzögerung die Sünden der Vergangenheit bemerkbar machen. Und da hat Seiler m.W. auch so einiges angehäuft. Ich weiß, dass ich jetzt gleich Prügel beziehe, aber die absolut schlechtesten Klaviere, die ich je angespielt habe, trugen leider den Namen des Herstellers aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Zufall? Ich glaube da nicht so recht dran.

Dafür glaube ich an Unternehmen, die eine 100%-ige (nicht 99 oder 98%!!!) Kundenorientierung aufweisen und sich diese richtig fett bezahlen lassen. Und an Unternehmen, die mit Köpfchen brauchbare Qualität zu günstigen (nicht allerbilligsten) Preisen herstellen.
Seht Ihr Seiler in einer dieser beiden Beschreibungen? Ich nicht. Schade...

...um die Arbeitsplätze, um die Hoffnung und Liebe, die gewiss viele in Kitzingen in ihr Produkt gesteckt haben. Schade um die, die vergebens gegen falsche Entscheidungen angekämpft hatten. Aber wenn eine Firma einfach marode ist, dann rettet Ihr, liebe Klavierkäufer und -enthusiasten, sie auch nicht mehr.
 
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Pflaume

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Schade das heute erst Donnerstag ist, sonst hätte ich gesagt, das wäre das Wort zum Sonntag gewesen :D.

Der größte Fehler jeder Traditionsfirma ist der, den Betrieb aus Familienhand zu geben, denn die Leute die danach kommen interessieren nur Zahlen, nicht Ehre oder Bewusstsein dem Gründer gegenüber.

Der beste Job denn man heutzutage haben kann, ist der eines Managers:
Man kommt in eine Firma, wirtschaftet diese runter bis zur Insolvenz, tritt dann völlig betrübt zurück und geniesst die arbeitsfreie Zeit mit der fetten Abfindung und dem Gewinn den man durch den Verkauf der eigenen Aktien vorm Supergau erwirtschaftet hat.

Das Leben könnte ja so einfach sein ... :D
 
fisherman

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Sorry Pflaume, prinzipiell gebe ich Dir recht, aber im Falle Seiler hat m.W. die Familie auch ihr Scherflein beigetragen...
 
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Melodicus

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fisherman, ich gebe dir absolut Recht!!!
Nur: warum ist es denn so gekommen? Schuld daran ist m.E. das jahrzehntelange Versagen der Politiker!
Deutsche Produkte sind zu teuer, weil die Lohnkosten zu hoch sind (heißt es ja auch oft). Warum? Weil die Abgaben zu hoch sind! Jahrzehntelang gab es nur ein ständiges Auf mit den Steuern, den Abgaben für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Und einen Haufen Vorschriften und Vorgaben, die teilweise nur gut gemeint, und teils wirklich wichtig sind, aber hohe Kosten nach sich ziehen. Wer hat immer wieder diese Erhöhungen beschlossen? Eben! Und was machen die mit dem ganzen Geld? Investieren sie in die Zukunft des Landes? In Bildung? In Infrastruktur? In Förderung von Zukunfts-Technolgien? Nö, sie bauen sich lieber eine neue Hauptstadt, spielen in der Weltpolitik mit, erhöhen ihre Diäten, und unendlich vieles sinnloses Zeug mehr. Sie haben quasi alles falsch gemcht, was man falsch machen kann. Wäre das Land ein Unternehmen, es wäre längst bankrott. Aber es hat ja auch die unfähigsten Mitarbeiter in die Geschäftsführung gesetzt.
Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.

Was den Klavierbau angeht: Mein Klavierhändler/-bauer hat mir neulich gesagt, die "Großen" wie z.B. Yamaha bauen die Instrumente dem Klang nach für den Weltmarkt, dh. für den Geschmack des Weltmarktes. Der liegt - von der Größe her - nun mal in USA und teils in Asien. Was dort gefällt, wird gebaut, weil es sich sonst nicht genug verkauft. Langfristig werden wir uns daran gewöhnen müssen, wenn das so weitergeht. Irgendwann ist alles eine Soße. Auch eine Form der "McDonaldisierung" der Welt. Sehr schade!
Ich fürchte, in etwa 100 Jahren wird ganz ganz vieles von dem, was wir hier schätzen verloren gegangen sein.
Betrübte Grüße
Melodicus

PS: damit will ich keine politische Diskussion lostreten. Sorry falls das Richtugn off-topic ging.
 
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robimarco

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Klavierbaumeister, Fisherman, Melodicus,
Ich gebe euch auch absolut recht ,

Leider ist in der heutigen Zeit alles, oder sehr vieles in der Wirtschaft nur auf Profit ausgelegt – mehr denn je – und da gibt es eben viele Firmen – meistens sind das dann die Traditionsunternehmen - die auf der Strecke bleiben. Diese Unternehmen verlieren dann unweigerlich den Preiskampf gegen Billiganbieter, die dann noch in Billigländern produzieren lassen. Diese Profitgier geht übrigens bis in die allerhöchsten ebenen, bis zu den Politikern.

Ich hätte mich selbst beinahe dabei erwischt, ein W&L um 3.500,- Euro zu kaufen, das mich vom Klang her wirklich überzeugt hat. Zum Glück fand ich in letzter Sekunde noch meinen Schimmel C124 der jetzt bei mir um 7.800,- Euro zu Hause steht. Ich bin noch nicht so einer, der nur billig kauft und dafür Qualitätseinbußen hinnimmt.

Ich will damit sagen, dass billige Instrumente, oder generell billige Waren sehr oft vom ersten Eindruck her qualitativ in Ordnung erscheinen – immer gemessen am Preis/Leistungs Verhältnis. Und genau da liegt nämlich der Haken. Ein junger Mensch (habe selbst Erfahrung im Bekanntenkreis gemacht) kauft sich natürlich das billige W&L weil es für diesen Preis wirklich hervorragend klingt. Dem 16 jährigen ist ziemlich egal, ob das Klavier 20, 60 oder 80 Jahre hält. Er hat für die nächsten Jahre ein brauchbares relativ gutes Instrument. (Abgesehen davon finde ich es sehr bemerkenswert, dass ein so junger Mensch sich lieber ein Klavier an stelle eines Mopeds kauft.)

Wie viele Menschen gibt es noch, die beim Kauf auf Qualität achten ? Schon lange geht es im Handel nicht mehr darum wer die besten Produkte hat, sondern einzig und alleine wer die billigsten hat. Ja, wir leben ja auch in einer Wegwerfgesellschaft und viele sagen sich, wozu ein teures Gerät wenn ich es nach ein paar Jahren sowieso wieder am Müll entsorge.
Händler „müssen“ sich gegenseitig solange unterbieten (zb. Elektrobranche), bis sie die Waren sogar teilweise unter dem Einkaufspreis verkaufen. Das halten große Konzerne aus, die kleinen überleben das langfristig aber nicht.

Massenproduktionen sind die Verblödung der Menschheit und immer mehr Menschen schwimmen mehr oder weniger freiwillig in diesem Strom mit. Provokante, reißerische Werbung wirkt auf viele Menschen im laufe der Zeit wie eine Gehirnwäsche und irgendwann glaubt man dann wirklich, dass man genau diese beworbenen Waren unbedingt braucht.

Ja, und die Schere zwischen arm und reich wird auch immer größer. Nicht zuletzt ist die EU samt ihrer Währungspolitik an dieser ganzen Miesere schuld. Wie viele Menschen wird es in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten noch geben, die sich trotz drastisch steigender Lebenserhaltungskosten (Miete, Lebensmittel, Treibstoffe) ein Markenklavier kaufen können – oder wollen ? Wie viele Kinder werden lieber ein Instrument lernen wollen als vor der Flimmerkiste oder vor der Spielkonsole immer mehr zu verblöden ? Welchen Stellenwert hat heute eigentlich „eigene Musik machen“ in der Familie ?

Wer sitzt in den immer kleiner werdenden Konzertveranstaltungen von Klavierspielern, egal ob Boogie oder Klassik? Es sind die sogenannten Alten Leute. Ich finde es traurig und beschämend, dass der Altersdurchschnit bei Boogiekonzerten - zumindest in Wien – bei 60 Jahren liegt. Welche Zukunft hat da die gute Musik die nicht aus der Konserve kommt?

Bitte entschuldigt meinen emotionalen Beitrag, ich will auch keine Weltuntergangsstimmung verbreiten, aber ich glaube, wir steuern mehr und mehr doch sehr schlechten Zeiten entgegen ........
 
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Kati

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Was den Klavierbau angeht: Mein Klavierhändler/-bauer hat mir neulich gesagt, die "Großen" wie z.B. Yamaha bauen die Instrumente dem Klang nach für den Weltmarkt, dh. für den Geschmack des Weltmarktes. Der liegt - von der Größe her - nun mal in USA und teils in Asien. Was dort gefällt, wird gebaut, weil es sich sonst nicht genug verkauft. Langfristig werden wir uns daran gewöhnen müssen, wenn das so weitergeht. Irgendwann ist alles eine Soße. Auch eine Form der "McDonaldisierung" der Welt.

Hi Melodicus (und die anderen Leser hier!),

was zeichnet eigentlich den typischen US-Asien-Klavierklang aus?:confused: Das würde mich wirklich interessieren!

Ich persönlich (bzw. mit freundlicher Unterstützung von Eltern und Tante ;)) habe vor über 15 Jahren ein Seiler-Klavier gekauft (damals ca. 11.000 DM). Weil ich in einem städt. Mini-Appartment wohne und öfters umziehe, muss ich nun leider mit einem E-Piano Vorlieb nehmen. Im Vergleich zu anderen Klavieren (z. B. dem Schimmel-Klavier meiner Freundin) fand ich den Seiler-Klang eher gedämpft (nicht so brilliant), die Tasten etwas 'zäher', letzteres liegt aber vielleicht daran, dass es weniger gespielt wurde?).

Es ist sehr traurig, zu lesen, dass ein weiteres Traditionsunternehmen eingeht ... Dann wäre die Übernahme durch z. B. asiatische Investoren dennoch das geringere Übel. Vielleicht kann es Seiler-Bau-Tradition beibehalten, aber sich auf der Finanz-, Marketing und Managementseite optimieren...
 
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fisherman

fisherman

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Nur: warum ist es denn so gekommen? Schuld daran ist m.E. das jahrzehntelange Versagen der Politiker!

Ja, die Politiker sind das Problem. Aber nicht in der Form, wie Du es meinst. Was ich über das Management heutiger Unternehmen gesagt habe, gilt in Potenz für unsere Politiker: Entscheidungsfaul, populistisch, auf Absicherung bedacht. Der Fisch stinkt vom Kopf.

Wie die Führungskräfte des Staates, so die Führungskäfte der Wirtschaft, so wie diese das Mittelmanagement und so geht es weiter bis in den kleinen Bereich des Privaten: Selbstverantwortlichkeit, Entscheidungsfreude, Mut? Überall Fehlanzeige. Das zieht sich bis in die Erziehung der Kinder!

Die Älteren hier werden sich noch daran erinnern, welche Politiker (und Unternehmer) wir vor 30 Jahren hatten. Unbequeme, starrköpfige, mit allen Mitteln kämpfende, Überzeugungen verteidigende Charaktere. Wo sind die denn heute?

Irgendwann ist alles eine Soße. Auch eine Form der "McDonaldisierung" der Welt. Sehr schade!

So schlimm wird es nicht werden. Das gilt sicherlich für den Massenmarkt. Aber als Gegenbewegung werden sich Nischen für kleinere (allerdings meist höherpreisige) Anbieter auftun. Das haben wir bereits beim Bier erlebt. Erst wurden alle kleinen Brauerein plattgemacht, dann gabs den Einheitsgeschmack der sogenannten Fernsehbiere und weil es ein Teil der Verbraucher nun leid ist, erstarken kleine lokale Brauereien (oder es werden exotische Biere aus Südamerika an die Tanke gekarrt). Übigens auch eine Sache,die in den USA 10-15 Jahre früher passiert ist. Heute sind dort in vielen Supermärkten die Fernsehbiere in der Schmuddelecke verschwunden und 90% der Regalfläche wird von "local breweries" belegt.

Es gibt also noch Hoffnung. Small is beautiful.
 
fisherman

fisherman

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fand ich den Seiler-Klang eher gedämpft (nicht so brilliant), die Tasten etwas 'zäher'

Hah, genau mein Eindruck. Allerdings waren die von mir angespielten Seiler richtiggehend dumpf und die Tastatur richtig zäh (das ist genau das richtige Wort - nicht schwergängig, sondern zäh, wie mit Marmelade getunt...)

Danke, dass ich hier mal eine Bestätigung meiner Einschätzung erfahre. Brauchen wir ein Seiler als bloße Marke? Dann kaufe ich doch lieber ein Klavier, wo auch ehrlich draufsteht, was drinnen steckt (Yamaha) etc.

Ob das mit dem US/Asia-Stil für die großen Hersteller so stimmt, wage ich fast zu bezweifeln. Ich habe mal bei einem Händler ALLE Flügeltypen von Yamaha durchspielen können und die waren so extrem unterschiedlich, dass für jeden was dabei war (absoluter Favorit: C3). Was aber auffiel - gegenüber Bechstein, Grotrian, Steinway, etc): Irgendwie fehlte die "Seele".
Wahrscheinlich ist es wie mit den Bieren (s.u.) :mrgreen:

Sorry, keine bessere Beschreibung möglich.
 
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nikOld

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Hallo Leute, nette Diskussion

Leider ist in der heutigen Zeit alles, oder sehr vieles in der Wirtschaft nur auf Profit ausgelegt – mehr denn je
Tja... klingt fast so als sei die Profit-Wirtschaft schuld?!

Ja, und die Schere zwischen arm und reich wird auch immer größer.
Stimmt. Die reichen Leute, die viel Geld haben, bekommen auch viele Zinsen dafür. Und wer bezahlt diese Zinsen? Die Bank?
Nein - die will ja selber auch aus der Zinswirtschaft Profit erzielen.
Also wer bezahlt dann die Zinsen (die übrigens nach einer exponentiellen Funktion ansteigen)?
Der Mittelstand ist es nicht, der löst sich ja immer mehr nach arm und reich auf, wie wir gehört haben.
Also muss es die untere Schicht sein. Die, die sich Kredite aufnehmen. Sie "bedienen" quasi diesen Geldfluss von unten nach oben, der immer stärker wird, weil die Zinsen immer mehr werden.
Oder irre ich mich?

Nicht zuletzt ist die EU samt ihrer Währungspolitik an dieser ganzen Miesere schuld.
Wenn, dann wäre es ja die EZB oder? Und die is auch nur eine Bank


Danke für euere Aufmerksamkeit und spart nicht mit Kriktik, danke :o
lg NikOld
 
P

Pflaume

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Stimmt. Die reichen Leute, die viel Geld haben, bekommen auch viele Zinsen dafür. Und wer bezahlt diese Zinsen? Die Bank?
Nein - die will ja selber auch aus der Zinswirtschaft Profit erzielen.

Öh, das Ziel der Bank ist nicht nur das Geld an der Zinswirtschaft, sondern eher das Geld das sie von uns bekommen, denn das ist die Haupteinnahmequelle.
Die Zinsen die sie zahlen sind nur "Nebenposten" und Kredite die vergeben werden, damit macht man sich heute keine Arbeit mehr, die werden weiter verkauft.

Das meiste Geld machen Banken immer noch mit eigenen Aktiengeschäften, Wertpapieren, etc. die sie natürlich mit dem Geld das Du ihnen bringst tätigen. Deshalb gab es ja auch Milliardenverluste als die Börse so am schwanken war :D.

Rein theoretisch wäre jeder Gewinn den die Bank mit Deiner Kohle macht, Dein Gewinn :D, also lieber selbst ne eigene Bank aufmachen und Kohle scheffeln als das sich jemand anderes bereichert (lohnt sich aber nicht für die paar Kröten die man so als Normalsterblicher hat :D).

Gruß
Pflaume
 
R

robimarco

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Die Älteren hier werden sich noch daran erinnern, welche Politiker (und Unternehmer) wir vor 30 Jahren hatten. Unbequeme, starrköpfige, mit allen Mitteln kämpfende, Überzeugungen verteidigende Charaktere. Wo sind die denn heute?

Ja, und die heutigen schwammigen, profitgierigen, machtgeilen, ausschließlich auf ihr eigenes Wohl bedachten Politiker drehen sich wie der Wind weht ......
 
R

robimarco

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Hab da einen interssanten Beitrag bezüglich Zinsen gefunden:

Das Problem an den Zinsen ist hauptsächlich, dass sie sich der Denkweise des Menschen entziehen, das soll heissen, dass ein Mensch denkt, wenn z.B. ein Schiff sinkt, und es nach einer Stunde bis zur Hälfte gesunken ist, es nochmal ne Stunde braucht, bis es ganz weg ist, dass heisst, der Mensch denkt linear!
Aber das Schiff braucht nur noch 5 minuten für die zweite Hälfte, weil es immer an Gewicht zunimmt, da es ja immer voller läuft, denn es versinkt exponentiell!

Und genauso sind Zinsen, es ist ja bekannt, dass je höher die Schulden sind, die Zinsen höher werden, und diese Erhöhen wieder die Schulden, diese die Zinsen...usw...
Und das geht so ne Weile, nur ist irgendwann ein Punkt erreicht, wo es völlig unmöglich wird, dieses Wachstum aufzuhalten, da die Zinslast längst die Produktionsfähigkeit eines Staates übersteigt.

In Bibel und Koran gleichermaßen, wird die Zinswirtschaft angeprangert, jedem Mörder kann verziehen werden, nur dem, der Zinsen nimmt, nicht!

Es ist ja nur eine bestimmte Geldmenge im Staat im Umlauf, und wenn irgendeiner reich wird, muss dafür jemand anders arm werden..logisch.

Und Fakt ist heute, dass 80% des Vermögens in Deutsschland in Händen von 3% Prozent der Bevölkerung sind, und ich schätze, auf dem Weltball sieht das nochmal anders aus.
Dummerweise bringt sparen auch nix, weil Wirtschaft nur linear wächst und Zinsen exponentiell, ausserdem schwächt Sparen die Wirtschaft eh nur.

In der Gegenwart gibt es wenige Staaten, die ohne zinswirtschaft leben, und das sind eben solche, die heute als "Schurkenstaaten" gelten...
In der Vergangenheit gibts für die Deutschen zwei Beispiele...einmal im Mittelalter, nämlich von 1100 bis etwa 1450, gab es keine Zinsen...das sogenannte "Goldene Mittelalter" in dieser Zeit wurden auch die meisten grossen Kirchen und Schlösser gebaut.
Das "Dunkle Mittelalter" gab es mit Einführung der Zinsen und damit Verarmung der Bevölkerung.

Wer denkt, er zahlt keine Zinsen, liegt falsch, da in jedem Preis, den man bezahlt, die Zinsen miteingerechnet sind, die der Produzent des Produktes z.B. für den Kauf einer Maschine berappen muss.Und selbst wenn der Produzent keinerlei Zinsen zahlen muss, orientiert er sich immernoch am Preisniveau, das durch die indirekte Zinslast gehoben wird.

Zinsen sind im Prinzip also nichts, als die Verschiebung der Vermögens der Masse in die Hände von wenigen, die sowieso schon reich sind..
 
Altneuling

Altneuling

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Liebe Freunde
eigentlich ist die Wurzel allen Uebels der Werteverfall. das hoert sich wie ein Lamento der ewig Gestrigen an. Unbestreitbar ist jedoch heute, dass es nur noch einen Wert gibt, das ist halt Geld. Wehedem, der es nicht schafft , bis zu seinem 30. Lebensjahr den "grossen Fisch" an Land zu ziehen. er gilt wenig in unserem Land. Werte wie Humanitaet, Mitgefuehl, ordentliches Geschaeftsgebaren, sie sind nur noch bei den "Dummen" vorhanden. man muss halt auch bedenken, dass es doch eine wesentliche Zaesur gegeben hat, seit die konkurierenden Systeme Kapitalismus Kommunismus sich aufgeloest haben. nein , natuerlich nicht wirklich. der Kapitalismus ist geblieben, er hat die Idee der Gleichheit auch mitbesiegt. So werden halt alle Geschaefte, alle Aktivitaeten, egal ob von den Banken oder der Produktion nur noch vom Gesichtspunkt der Rentabilitaet gesehen. Nischenbildungen existieren und sie sollten gefoerdert werden. Ich erinnere noch gut , unsere "Streitlust in den 68ern. da waren die Menschen noch zu bewegen auf die Strasse zu gehen, heute sind sie vollauf dem Ueberlebenskampf ausgeliefert. Interessenlosigkeit und Konsum haben die Kritiker gesaet und damit den Weg zur kulturlosen Massengesellschaft bereitet. Deshalb ist ja auch unser forum hier, wo es doch so viele Interessen gibt , auch so wertvoll. zugleich wird es aber auch immer mehr zum Elfenbeinturm von kulturbeflissenen. Alle, sollten sich wieder an die Werte der individuellen Freihaeit erinnern und auch den Worten Taten folgen lassen.
Aufrufe zur Rettung eines Familienunternehmens werden natuerlich hier ebenso verhallen , wie mein Aktivismus.
Dennoch erinnern wir uns , wir alle haben ein fuenkchen Potential , wir alle sind Waehler. Zeigt es den Profitmachern, jagt die Politikerclique , die sich eh nur die Taschen fuellt aus den Tempeln. es hoert sich heroisch an, aber wenn ein jeder ein bischen mithilft, dann wird unser Leben wieder aus der Starre und Resignation kommen. Wir alle sind gefordert.
liebe Gruesse Sigurd
 
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Castati

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Der Thread hier ist wirklich eklig. Vielleicht überdenken hier einige mal, wie das Leben vor der "nur auf Profit ausgerichteten Wirtschaft(sordnung)" war und ob die undifferenzierte Kritik dann noch ihre Berechtigung behält. Auch wäre es nicht schlecht, sich über Währungen, Währungspolitik und dergleichen zu informieren, bevor man gegen die EZB wettert. Die Kritik hier ist auf dem gleichen Level wie "Beethoven ist scheisse" von einem Mallorca-Hit-Fan.

Waren vor 50, 100, 150 Jahren auch fast alle Menschen in Deutschland in der Lage, ein Klavier zu erwerben?

In der Gegenwart gibt es wenige Staaten, die ohne zinswirtschaft leben, und das sind eben solche, die heute als "Schurkenstaaten" gelten...

Das sind übrigens auch solche, in denen gerade die von uns geschätzte Musik ungerne gesehen wird oder verboten ist, weil im Islam nicht geduldet.

Das sind übrigens auch solche, in denen Menschen gefoltert und ermordet werden.

Das sind übrigens auch solche, in denen Frauen einen Scheiss wert sind.

... ist aber alles egal, sie sind ja gut, weil sie nicht bei der "Zinswirtschaft" mitmachen.

In der Vergangenheit gibts für die Deutschen zwei Beispiele...einmal im Mittelalter, nämlich von 1100 bis etwa 1450, gab es keine Zinsen...das sogenannte "Goldene Mittelalter" in dieser Zeit wurden auch die meisten grossen Kirchen und Schlösser gebaut.
Das "Dunkle Mittelalter" gab es mit Einführung der Zinsen und damit Verarmung der Bevölkerung.

Ja, das Mittelalter war schon eine geile Zeit. Die Menschen, von den Adligen und dem Klerus mal abgesehen, hatten gerade ausreichend zu essen, kein einziges Buch, denn sie konnten nicht lesen, geschweige denn ein Klavier und haben in ihrem ganzen Leben keine klassische Musik gehört, denn die gab es noch nicht mal. Aber zumindest waren sie keine Zinssklaven, also war die Zeit gut, nicht?


Ja, und die Schere zwischen arm und reich wird auch immer größer. Nicht zuletzt ist die EU samt ihrer Währungspolitik an dieser ganzen Miesere schuld. Wie viele Menschen wird es in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten noch geben, die sich trotz drastisch steigender Lebenserhaltungskosten (Miete, Lebensmittel, Treibstoffe) ein Markenklavier kaufen können

Was wünschst du dir? Ist das Yamaha-Klavier nicht mehr gut genug, soll jeder einen subventionierten Steinway bekommen?
 
 

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