Problem: Disziplin

S

Sulan

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15. Dez. 2007
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Hallo zusammen,

ich habe mir nun schon diverse Themen hier im Forum zum Thema "Motivation" durchgelesen und auch den Beitrag zum Thema "mentales Üben" fand ich sehr interessant, allerdings habe ich für mich noch keinen Anhaltspunkt gefunden, wie ich meine Übetechnik - vor allem aber die Disziplin zu üben - verbessern kann.

Wenn ich mich abends nach der Arbeit ans Klavier setze, dann spiele ich am liebsten ein paar Stücke, die ich "kann". Ich spiele die dann auch durchaus bewußt und mit Spaß, also dudele sie nicht herunter, aber ich übe eben nicht wirklich. Auch wenn ich mir wirklich fest vornehme, ein Stück, das mir gefällt, einzuüben, ist es mit meiner Übe-Disziplin nach ca. 20 Minuten vorbei. Dann spiele ich lieber noch ein Stück, das ich bereits kann, oder ich höre auf.

Es ist mir durchaus bewußt, dass ich arbeiten muss, um Fortschritte am Klavier zu erzielen, und genau das möchte ich ja. Nur die Disziplin am Ende eines Arbeitstages aufzubringen (und vor allem länger als 20 Min aufrechtzuerhalten), fällt mir unglaublich schwer. Haben andere nicht dieses Problem? Wenn doch, wie überwindet ihr es? Gibt es Tricks, den inneren Schweinehund zu überwinden?

Danke für Eure Ratschläge,
Sulan
 
Ich seh's ganz genau so wie Rosenspieß.

Außerdem möchte ich der verbreiteten Ansicht, Üben sei anstrengend, langweilig und stumpfsinnig und man müsse sich zum Üben eben zwingen entschieden widersprechen! :)

Wenn man sich zum Üben zwingen muß dann macht man beim Üben ganz bestimmt etwas falsch, und dann sollte man lieber garnicht üben. Üben bedeutet nichts anderes als sich mit Begeisterung und Hingabe in ein Musikstück zu versenken. Klingt irgendwie erotisch und ist es irgendwie auch ;)

Mangelnde Disziplin? Nein - mangelnde Begeisterungsfähigkeit!
 
Du spielt ja prinzipiell gern Klavier, ich höre aus deinen Worten nur heraus, dass das Üben neuer Stücke zu anstrengend / langweilig / nicht befriedigend genug ist.

Vielleicht liegt es daran, wie du übst?
Wie übst du denn?
 
Das hab mal irgendwo gelesen, oder gehört:

Man leert eine volle, neue Streichholzschachtel am einen Ende das Klaviers, spielt einen Takt und legt danach ein Streichholz auf die andere Seite. Jetzt spielt man den Takt so oft, bis alle Streichholzer auf der anderen Seite sind. Danach kann man den :D
 
Danke, dass Ihr so zahlreich geantwortet habt.

@Rosenspieß. Haydnspaß:
Sicher soll man nicht den Spaß verlieren und nur um das Fortschritte machen geht es mir auch nicht. Es geht mir eher darum, überhaupt mal erkennbare Fortschritte zu erzielen. Ich spiele nun seit ca. 18 Jahren auf dem gleichen Niveau - sicher bin ich nun musikalisch reifer und meine Interpretationen sind besser geworden. Ich möchte aber gerne auch technisch anspruchsvollere Stücke spielen können. Mit den Chopin Etüden liege ich an der oberen Grenze meiner technischen Fähigkeiten, aber sie sind definitiv für mich machbar. Nur das Einprägen der Fingersätze, das Einstudieren der Rhythmen und das Auswendiglernen stellt für mich eine echte Hürde dar. Das mag damit zusammenhängen, dass eine sehr ehrgeizige Lehrerin mir mal als Kind das Klavierspielen beinahe vermiest hätte - aber ich will hier nicht in die Tiefenpsychologie abdriften. Was mir fehlt, ist ein Rezept, wie ich mir das Üben "schmackhaft" machen kann.

@Stilblüte
Stimmt, das Spielen macht mir sogar einen großen Spaß. Ich könnte stundenlang irgendwelche Sonantinen vom Blatt spielen (natürlich auch mit Fehlern) und würde mich dabei sehr wohlfühlen. Nur beim Üben - selbst bei einfachen Stücken - verliere ich sofort die Lust und das Interesse. Das kann auch daran liegen, dass sich der Erfolg nicht mehr so schnell einstellt, wie das früher der Fall war.

Wie ich übe (wenn ich mich motivieren kann): Ich übe abschnittsweise, also fange z.B. mit 8 Takten an. Dabei mache ich dann folgendes:
1. Einzeln den Fingersatz herausarbeiten und eintragen (wo es nicht offensichtlich ist)
2. Je nach Stück fange ich dann einzeln (meisten) oder zusammen (z.B. bei rhythmisch oder melodisch auf beide Hände verteilten Stücken) in langsamem Tempo an zu üben.
3. Meistens unterteile ich dazu den Abschnitt nochmal in kleinere Stücke, abhängig von der Phrasierung, z.B. zwei Takte. Die übe ich dann in schnellerem Tempo mit beiden Händen und füge so peu a peu die 8 Takte zusammen.
4. Wenn es mit beiden Händen flüssig läuft, kann ich es meistens schon halbwegs auswendig - das verfestige ich dann, bis es auswendig sitzt.

Danach kommt der nächste Abschnitt dran.

@Christoph:
:shock: Ist sicherlich eine effektive (wenn auch nicht besonders effiziente) Methode, aber ich glaube, bevor ich damit anfange, wechsel ich zur Triangel.
 
Hallo Sulan,
ich kenne das auch (wenngleich ich bei weitem nicht auf Deinem Niveau spiele :)). Aber wenn ich abends müde von der Arbeit komme, fällt es in der Tat schwer, noch konzentriert zu üben.

Ich versuche, wenigstens 10-15 Minuten richtig konzentriert zu üben; das ist zwar nicht beeindruckend viel, aber besser als gar nicht zu üben. Manchmal siegt die Begeisterung dann plötzlich doch über die Müdigkeit und es geht länger - aber nicht erzwingen!

Hast Du denn Unterricht? Mir hilft das auch bei der Disziplin, weil ich so eben auf einen Termin hin übe, bei dem ich mich ja nicht vollständig blamieren will. Das spornt dann schon an. - Oder für die Workshops im Forum packte mich auch der Ehrgeiz dranzubleiben.
So ein Ziel / Termin ist hilfreich.

lg vom Ibächlein
:klavier:

@Haydnspass
Dass Üben weder langweilig noch stumpfsinnig ist, gestehe ich Dir sofort zu - dass es aber nicht anstrengend wäre, kann ich so nicht unterschreiben.
Wenn ich etwas Neues einübe, das mich auch wirklich fordert, dann brauche ich alle Energie - und davon ist nach einem Arbeitstag manchmal nicht mehr genug vorhanden, so dass die Konzentration wegbricht.

Mangelnde Disziplin? Nein - mangelnde Begeisterungsfähigkeit!
Bei Erschöpfung leidet auch die Begeisterungsfähigkeit - leider. :(
 
Hm, wie wäre es mal, wenn du die Noten im halben Tempo spielst? 20 Minuten am Tag reichen und du wirst merken, dass du sie nach einer Woche im ganzen Tempo spielen kannst.
 
Auch wenn ich mir wirklich fest vornehme, ein Stück, das mir gefällt, einzuüben, ist es mit meiner Übe-Disziplin nach ca. 20 Minuten vorbei. Dann spiele ich lieber noch ein Stück, das ich bereits kann, oder ich höre auf.
(...)Nur die Disziplin am Ende eines Arbeitstages aufzubringen (und vor allem länger als 20 Min aufrechtzuerhalten), fällt mir unglaublich schwer. Haben andere nicht dieses Problem? Wenn doch, wie überwindet ihr es? Gibt es Tricks, den inneren Schweinehund zu überwinden?
Hallo Sulan,
mir fallen mehrere Ideen ein, die mir sehr geholfen haben:

Übezeit:
-Mo-Fr entspannt spielen, am Wochenende üben
-vor dem Arbeitstag üben (mache ich seit ein paar Jahren)
-versuchen, den Arbeitstag nicht zu stressig werden zu lassen (klappt bei mir seit 2 Jahren ganz gut:cool:)

Motivation tanken:
-von guten Pianisten (müssen keine Profis sein) versuchen, etwas abzugucken
-realistische Ziele setzen (Vorspiele planen; Clavio-Workshops;-))

Übetechniken überprüfen
(seit ich den Online-Chang kenne, geht's noch besser):smile:
 
Du schreibst, dass du gerne und recht gut viel vom Blatt spielst - das ist doch großartig! Das ist eine ganz tolle Gabe, auf die du stolz sein kannst.
Was spricht denn dagegen, wenn die Hauptsache deines Spielens aus dem Vom-Blatt-Spielen besteht?
Schließlich musst du dir mit dem Klavierspielen kein Geld verdienen, sondern möchtest Spaß haben.

Wenn du dann an ein Stück gerätst, was dir besonders gut gefällt, wirst du es öfters vom Blatt durchspielen.
Die Noten werden dann automatisch sicherer. Und du kannst dir gezielt einzelne Stellen herauspicken, bei denen du immer wieder stolperst, und sie ein bisschen üben. So kombinierst du "spaßiges Spielen" und "anstrengendes Üben".
Absolut perfekt werden die Stücke auf diese Art und Weise vielleicht nicht, aber du willst doch keine Konzerte in der Carnegie-Hall geben ;-)

Ich kann gut nachvollziehe, dass es dich langweilit, immer nur Abschnitte zu üben.
Ich persönlich kombiniere immer: Abschnitte üben, größere Abschnitte üben, mal wieder zusammen im hohen Tempo versuchen, ab und zu ein entspannendes Stück zwischendurch.

Viel Spaß =)
Stilblüte
 
Hallo Sulan,
ich möchte hiermit auch ein paar Gedanken anbringen.

Ich kenne dein Problem gut: Müde und abgeschlagen von der Arbeit nach Hause zu kommen und eigentlich noch konzentriert üben sollen bzw. besser "wollen".

Ich denke, wichtig sind auf jeden Fall ausreichend lange Pausen, um vom Arbeitsstress abschalten zu können. Manche widmen sich zunächst mal der Nahrungsaufnahme und schauen dabei in die Flimmerkiste, andere kümmern sich um Familie oder Haushalt oder machen sonstwas. Anschließend könnte nun wieder eine anstrengendere Tätigkeit wie beispielsweise das Üben folgen.
Manchmal gibt es auch Tage, an denen das Üben inkl. Klavierspielen bereits als Erholung und Gegenspiel zum Arbeitsalltag genutzt wird. Das ist m.E. der Idealfall!

Zur Motivation:
Für mich sind besonders Konzerte und sehr gute Vorspiele, denen ich als Zuhörer beiwohne, motivierend. Ich genieße die Stücke, bin begeistert vom musikalischen Genuss und möchte anschließend sofort zum Üben nach Hause (auch wenns für mich noch ein weiter, weiter Weg ist, mich als gute Klavierspielerin bezeichen zu können!)

Zudem möcht ich im Klavierunterricht wöchentlich Fortschritte zeigen. Ich weiß, dies kann ich nur durch Üben erzielen, somit übe ich! Manchmal, wenn ich so gar keine Lust zur Anstrengung habe, beginne ich einfach mal zu spielen: Stücke, die ich gut kann oder die mir leicht fallen. Meist stellt sich die Übelust dann von selbst ein und ich kann brav meine Hausaufgaben machen. Zur Belohnung endet meine Übezeit dann wieder mit einem Lieblingsstück.

Soweit meinen Senf dazu. Viel Spaß und guten Ansporn wünscht dir
Madita
 
Eine Sache, die mir das Üben manchmal vermiest, ist, wenn ich zu streng mit mir selbst bin. Ich finde es ist ganz wichtig sich selbst nicht so großen Stress zu machen. Wenn man so überkritisch ist, tötet das die Lust am Klavierspielen.

Also mal über die eigenen Fehler und Schwächen lachen und es am nächsten Tag wieder probieren ;)

marcus
 

Es ist schön zu sehen, dass ich nicht alleine bin mit meinem Übeproblem. Vielen Dank Euch allen für Eure Tipps und Tricks. Ich werde mal das ein oder andere ausprobieren.

@Ibächlein, Dimo:
Ich glaube, das mit den Clavio-Workshops werde ich mir mal als Motivationshilfe nehmen. Da ich keine Gelegenheit zu Vorspielen habe, werde ich mir vielleicht auch vornehmen, ein Stück bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorspielreif hinzubekommen, so dass ich es ins Clavio Forum stellen kann zur allgemeinen Beurteilung/Belustigung ;)
Vor dem Arbeitstag üben ist leider nicht drin - dann springen mir die Nachbarn an die Gurgel (und bis ich mir ein eigenes Haus leisten kann, gehen wohl noch einige Jahre ins Land).

@ubik:
Ich übe schon in einem viel langsameren Tempo, ansonsten würde ich wahrscheinlich in zwei Wochen nicht einen Takt weiterkommen.

@Stilblüte:
Stimmt, ich möchte auch gar nicht in der Carnegie-Hall auftreten - ich mag sehr ungern vorspielen (auch so ein Kindheitstrauma), aber ich bin dennoch sehr perfektionistisch.
Das vom-Blatt-spielen werde ich sicher weiter ausbauen mit der Zeit (hat sich eh erst ganz allmählich ergeben), aber ich will eben gerne auch sehr anspruchsvolle Stücke (z.B. die Chopin Etüden) spielen können - und da hilft nur Übe-Disziplin. Ich werde es aber mal mit Deinen Tipps versuchen, die Abschnitte zu kombinieren und Variationen in Tempo etc. einzubauen. Ich glaube, das ist sowieso ein Schlüssel zum Üben: Das Üben interessant gestalten.

@Madita76:
Es stimmt, was Du über den Ansporn vom Klavierunterricht sagst. Ich hatte auch eine ganze Weile nochmal Klavierunterricht genommen, der mir wirklich etwas gebracht hat, aber der wurde dann so extrem teuer, dass ich aufhören musste. Der Lehrer war wirklich 1a, aber mehr als 250€/Monat war mir dann doch zuviel ;) Ich bin was Klavierlehrer angeht sehr wählerisch - von daher wird es nicht leicht einen günstigen und (aus meiner Sicht) geeigneten zu finden.

@.marcus.:
Das stimmt schon. Nur, brauche ich eine gewisse Selbstdisziplin, wenn ich mich langfristig verbessern will. Wie es ohne läuft, habe ich in den letzten Jahren ja genügend getestet ;)
 
Vielleicht solltest du mal anders an ein neues Stück herangehen: Studiere die Noten, probiere einzelne Stellen um die Fingersätze zu bestimmen. Mach dir dann einen Plan, wie das Stück aufgebaut ist, gib den einzelnen Teilen und Unterteilen Namen (z.B. 1 a-f, 2 a-d etc.) und dann fängst du an, die Teile von hinten nach vorne zu spielen. Achte auch darauf, wenn sich Teile wiederholen (denn die brauchst du ja nur einmal zu üben). Wenn der erste Teil in langsamem Tempo klappt, notierst du das im Plan und fängst den nächsten Teil an. Die "fertigen" Teile spielst du immer wieder durch und erforschst dabei die musikalische Bedeutung, veränderst so lange, bis es "richtig" klingt, dann erfolgt zu diesem Teil wieder ein Eintrag im Plan. Falls du noch etwas auf Tempo bringen mußt, käme jetzt ein dritter Durchgang, ansonsten bist du mehr oder weniger fertig :)

Anhand des Plans erkennst du, wie das Stück langsam wächst und du brauchst pro Übeeinheit immer nur ein paar Minuten zu "arbeiten".
 

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