Piano University von Gordon November Erfahrungen/Einschätzungen?


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Peter Ordnung
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Hallo liebe Clavio-Gemeinde,

ich hoffe der Beitrag ist im richtigen Unterforum gelandet, wenn nicht bitte an die Moderatoren, das wenn möglich zu verschieben.
Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Peter, ich "spiele" seit etwas 2 Jahren Klavier, allerdings habe ich bis jetzt hauptsächlich mit einem Online Kurs (music2me) gelernt und war auch ganz zufrieden damit. Ich habe auch mal zwischendurch Klavierunterricht genommen (bei einer Privatlehrerin) und das hat auch ein bisschen was gebracht, aber ich habe das Gefühl nicht schnell genug voran zu kommen, obwohl ich fast jeden Tag mindestens 45 min. übe.

Nun habe ich neulich bei YouTube eine Werbung für die "Piano University" von Gordon November gesehen und mich damit mal beschäftigt. Es geht dabei um das sogenannte "Intuitive Klavierspielen" und die Versprechungen, die er macht klingen allesamt zu schön um wahr zu sein: Schneller lernen als nach Noten, unabhängig werden, improvisieren können, Songs schreiben, you name it, alles soll damit besser und vor allem schneller gehen.
Billig ist der Spaß natürlich nicht gerade, der Online-Kurs soll (allerdings auf Lebenszeit) etwa 400 EUR kosten. Im Verhältnis zu jahrelangem Klavierunterricht ist das natürlich nicht wirklich viel, aber ich wollte trotzdem vorher möglichst unabhängige Meinung von erfahrenden Klavierspielern einholen, denn die Testemonials, die man dazu findet wirken nicht sehr authentisch. Seriös wirkt das ganze schon, ist also eher kein Scam, bei dem das Geld dann einfach futsch ist (deutsches Impressum und Zahlungsabwicklung über deutschen Dienstleister usw.)

Also: Kennt jemand Gordon November und das Lernprogramm, dass er anbietet vielleicht und kann mir eine Einschätzung geben? Benutzt hier jemand die Methode des "intuitiven Klavierspielens" und kann was zu den großen Versprechungen sagen?

Vielen Dank für eure Hilfe und frohes Musizieren!
Peter

PS.: Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass mein Anspruch an mich selbst was das Klavierspielen nicht unbedingt ist professioneller Klavierspieler / Orchestermusikant zu werden, ich möchte hauptsächlich Songs spielen und evntl. eine Sängerin und mich selbst zum Gesang begleiten. Aber alles im kleinen, privaten Bereich.
PPS.: Ich bin Ende 30.
 
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StefanN
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Ich habe mir das Vorstellungsvideo in YT angeschaut (ohne Ton, wird eh nur Werbegelaber sein). Das Inhaltsverzeichnis ist schon sehr aussagekräftig. :coolguy:

Sieht verdammt nach Spielen nach Gehör UND ohne jede Technik aus.

Zum Stichwort "Klavier lernen ohne Noten" gibt es hier schon einige Threads.

Auffallend ist, dass Hand- und Fingertechnik nicht ansatzweise erklärt wird. Ganz simpel: welcher Finger auf welche Taste; was mache ich, wenn ich mehr Töne als Finger spielen soll usw.

Der Kurs sieht stark nach einem Gehörsbildungskurs aus. Und setzt mMn sogar schon voraus(!), dass man Melodien nach Gehör nachsingen kann.

Es gibt durchaus viele Leute, die sehr gut hören und sich 1-2 Songs nach Gehör zusammengestückelt haben und sie auf einer Party mal so spielen können, ohne je Klavierunterricht gehabt zu haben und auch kein Klavier zuhause haben. Es klingt immer ganz gut, auch wenn die Handhaltung etwas unbeholfen aussieht.

Ich behaupte, dass diese November-Schule auch nicht viel weiter über das Niveau dieser Partypianisten bringt.

Dann muss man ein guter Autodidakt sein. Die meisten werden gar nicht über die ersten beiden Kursblöcke kommen.
 
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Nachtmusikerin
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PS.: Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass mein Anspruch an mich selbst was das Klavierspielen nicht unbedingt ist professioneller Klavierspieler / Orchestermusikant zu werden,

Bei so einem Satz könnte ich mich kringeln. Du bist Ende 30 und hast tatsächlich nicht den Hauch einer Chance, ein professioneller Pianist zu werden. Das braucht man nicht extra zu erwähnen, weil diese Möglichkeit sowieso nicht existiert.
Was das Orchester angeht:
Wenn du ganz feste übst, könntest du es vielleicht noch zum Notenwart eines Laienorchesters bringen. Was genau stellst du dir denn unter einem Orchestermuskanten vor?
LG,
NaMu
 
Peter
Peter
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Der Gordon November hat selbst klassischen Unterricht von seinem sechsten bis 19ten Lebensjahr erhalten. Studiert hat er BWL und als Promoter in der Musikbranche gearbeitet. Als Lehrer war er nie aktiv und ist pädagogisch schlecht bis gar nicht ausgebildet.
Er selbst hat von Kindesbeinen an 13 Jahre ganz konventionell gebüffelt, damit er das kann, was er kann.
Es widerspricht sich auch, als Erwachsener intuitiv wie ein Kind zu lernen. Das setzt kindliches Gehirn und Motorik voraus, was man als Erwachsener nun mal nicht hat.

Ganz wichtig zur Beurteilung solcher Onlinekurse: Es gibt beim Erlernen eines Instrumentes keine Abkürzung! Es gibt aber leider sehr viele Wege, ineffizient zu lernen.

Meine Meinung:
Die Versprechen finde ich sehr unseriös. Alleine der Satz "schneller lernen als nach Noten" macht überhaupt keinen Sinn.
Lustigster Satz: "...hochwertigen Videolektionen, die dich zu einem absoluten Allround-Pianisten machen (außer Klassik – das musst du woanders lernen). Komplett gaga.
Zudem: All das, was an seinem Unterricht positiv hervorgehoben wird, lernt man auch bei gutem Klavierunterricht.

Ich selbst halte viel von gut gemachtem Onlineunterricht, aber immer nur als Ergänzung. Ich sehe sowas eher als zusätzlichen Unterricht in Musiktheorie mit praktischen Übebeispielen. 400,- € ist dabei relativ preiswert, wenn gut und immer neu aufbereitet.
Falls Dich sowas als Ergänzung interessiert, kann ich diesen Lehrer empfehlen. Da habe ich mal ein Jahr lang reingeschnuppert. Kostet zwar 30/Monat oder 300 im Jahr, ist meiner Meinung nach aber jeden Cent wert. Sehr viele Lektionen gibt es frei verfügbar auf YT. Da kann man sich schon mal ein Bild machen.
Aber auch das ersetzt keinen guten Klavierunterricht und ist für mich immer nur als Ergänzung zu sehen.
 
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Peter Ordnung
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Bei so einem Satz könnte ich mich kringeln. Du bist Ende 30 und hast tatsächlich nicht den Hauch einer Chance, ein professioneller Pianist zu werden. Das braucht man nicht extra zu erwähnen, weil diese Möglichkeit sowieso nicht existiert.
Was das Orchester angeht:
Wenn du ganz feste übst, könntest du es vielleicht noch zum Notenwart eines Laienorchesters bringen. Was genau stellst du dir denn unter einem Orchestermuskanten vor?
LG,
NaMu
Hallo Nachtmusikerin,

ich finde deine Antwort leider wenig hilfreich und sie wirkt auf mich sehr herablassend.
Meine Aussage war ein Versuch klarzumachen, dass es um rein private Zwecke geht und sie war mit Selbstironie gespickt, denn die Tatsache, dass ich im Leben kein Konzertpianist mehr werde, ist mir schon klar. Ich hätte vielleicht einen Zwinkersmiley oder sowas benutzten sollen um das zu verdeutlichen.
Ich habe die Aussage nur gemacht, um Kommentare wie "Der Kurs ist nicht geeignet, wenn man im Orchester spielen will, weil man da keine Noten lernt." vorweg zu nehmen.
Es tut mir leid, dass dich das irgendwie getriggert hat, aber deine Antwort hättest du dir vielleicht sparen können.

Danke an alle anderen für Ihre Einschätzungen.
Ich werde mich noch weiter informieren und in der Zwischenzeit mit dem Online-Kurs, dessen Abonnement noch etwas läuft, weiter üben und evntl. nochmal nach einem/r Klavierlehrer/in suchen.
Sollte ich mich anschließend für den Kurs entscheiden, werde ich, wenn gewünscht, meine Erfahrungen hier teilen.

Viele Grüße
Peter O.
 
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Nachtmusikerin
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Was soll denn bitte ein Pianist im Orchester?
 
Rheinkultur
Rheinkultur
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Ich habe die Aussage nur gemacht, um Kommentare wie "Der Kurs ist nicht geeignet, wenn man im Orchester spielen will, weil man da keine Noten lernt." vorweg zu nehmen.
Im Gegenteil, auch Amateurensembles wie ein Musikverein oder ein mit Laien besetztes Blasorchester erwarten von Interessenten eine solide Vorbildung, bevor sie überhaupt mitspielen dürfen. Allerdings leisten dort viele Vereine auf dem Gebiet der grundlegenden Musikausbildung Beachtliches, indem sie Unterricht und Schulungen durch erfahrene Mitglieder mit entsprechenden Ausbildungsnachweisen und oftmals auch Leihinstrumente für kleines Geld anbieten. Sicheres Notenlesen und ausreichende Spielfertigkeiten werden beim Proben und Auftreten erwartet, da packt keiner eine Grifftabelle aus und beginnt mit Tönesuchen. Abkürzungen auf dem Ausbildungsweg gibt es da ebenfalls keine.

Was soll denn bitte ein Pianist im Orchester?
Feste Planstellen für Tastenspieler gibt es im klassischen Bereich kaum, das war und ist eher in bescheidenem Umfang in Bigbands und Tanzorchestern der Fall - und da wird es immer schwerer, überhaupt Betätigungsmöglichkeiten zu finden. Klavierparts in Orchesterwerken sind erst ab dem späten 19. Jahrhundert fallweise anzutreffen, wobei mitunter auch das Spiel anderer Tasteninstrumente (Celesta, Cembalo, Orgelinstrumente etc.) erwartet wird, das zusätzliche instrumentale Fertigkeiten erforderlich macht. Spezialisten für Keyboard und andere elektronische Tasteninstrumente sind zum Beispiel auch bei Musical-Produktionen gefragt - aber das hier ist dafür dann definitiv der falsche Faden.

Zu Online-Angeboten und/oder Ausbildungskonzepten für das Spiel ohne Noten und dergleichen gibt es hier bereits eine stattliche Anzahl existierender Fäden, wer sucht, der wird fündig.

Gordon November? Ich kenne nur Walter November - der war bei der Urformation der Toten Hosen als Gitarrist dabei, ohne Gitarre spielen zu können. Der wurde anschließend durch jemand anderen ersetzt, der Gitarre im punkrocküblichen Leistungsumfang spielen konnte, danach landete er bei den Zeugen Jehovas, kein so wirklich gelungener Tausch. Aber bei denen blieb er auch nicht lange:


https://www.youtube.com/watch/?v=AteLa7VLeIk

Ich habe aus den Versäumnissen meines verpfuschten Daseins gelernt: im nächsten Leben werde ich Punkrocker, das habe ich mir fest vorgenommen. In diesem Leben ist es dafür leider zu spät, musste ich heute erfahren: erst mit einer Opern- und Konzertsängerin Mozart-Arien im Studio auf CD eingespielt, dann heute nachmittag beim Chorwochenende mit den Kantaten I-III aus dem Bach'schen Weihnachtsoratorium beschäftigt und die Probe vom Flügel aus geleitet. So wird das natürlich nichts mehr mit dem intuitiven Klavierlernen. Umso lieber würde ich jetzt gerne eine Erfolgsstory lesen: Vor Corona als Punkrocker aktiv, dann dank Gordon November vom Ehrgeiz gepackt, mit intensivem Üben angefangen und heute professionell Jazz spielend. Das wäre doch mal was. Man wird ja wohl noch ein bisschen träumen dürfen.

LG von Rheinkultur
 
 

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