Orientierung auf dem Tastenbrett ohne Auge

  • Ersteller des Themas Normalo
  • Erstellungsdatum

Genau richtig. Das auf dem Notenblatt Stehende ruft im Spieler eine Klangvorstellung hervor, und diese Klangvorstellung führt dann zu dem "Klangwillen" (Martienssen), der wiederum die Bewegungsaktionen auslöst, die am Instrument eine Schallwelle erzeugen, welche wiederum rückkopplungs-regelkreis-mäßig den weiteren Verlauf des Klangwillens beeinflusst.

Deshalb ist es ja so fatal, wenn Anfänger ohne Klangwillen Tasten drücken ("ich muss erstmal die Noten draufkriegen, um Ausdruck und so kann ich mich erst später kümmern"). Dadurch verurteilt man sich UNWEIGERLICH zu unmusikalischem Spiel und schlechtem Vorankommen. Das ist physiologisch zwangsläufig!

Man kann nicht, wenn man auf un-audiomotorische Weise schon etwas fortgeschrittenere Stücke spielt, sagen: "OK, ich versuche, jetzt mal mehr hinzuhören und mir mal ein paar Töne auch vorzustellen usw." Das funktioniert nicht, weil der grundlegende audiomotorische bzw. visuell-audio-motorische Prozess nicht von Grund auf etabliert ist. Die einzige Chance ist, mit sehr einfachen Sachen anzufangen und von da aus langsam und gewissenhaft aufzubauen. Ich habe ehrlich gesagt noch von NIEMANDEM gehört, bei dem das am Anfang seiner Klavierspiel"karriere" versäumt wurde und der das in späteren Jahren nachholen konnte. Daher ist es so wichtig, für den Anfängerunterricht den bestmöglichen Lehrer zu wählen!
 
Leute, die von sich aus gleich audiomotorisch spielen, für die es also die "natürliche" Herangehensweise ist, Melodien nach Gehör nachzuspielen (und die oft einen Widerstand dagegen haben, Noten zu lernen und auch schlecht im Notenlesen vorsnkommen, weil sie alles immer gleich im Gehör speichern und daher unmotiviert sind, sich durch die Noten durchzuwühlen), nennen wir typischerweise die "musikalisch Begabten".
 
ich kenne einen Jazzpianisten, der sich alles über das Hören beigebracht hat, der nicht so wirklich viel Ahnung von Harmonielehre hat. Wenn er irgendwo einen neuen Akkord gehört hat, dann hat er ununterbrochen diesen Akkord auf allen Tasten geübt. Solange, bis er ihn schadlos in sein Repertoire übernehmen konnte.
Es wäre nie mein Weg, aber offensichtlich gibt es viele Wege, die dich zur Musik bringen.
Er ist im Hirn eher modern möbliert, also sparsam, dafür ist sein Ohr umso voller.;-)
Und seine Musik ist schön.
 
Ich lehne derartige Pauschalmethoden ab. Welche wirklich kreativen Musiker haben nach Suzuki gelernt? Welche Jazzmusiker? Mir fällt keiner ein. Das ist eine Ausbildungsmethode für Klassikvirtuosen, die dann super vorgefertigte Musik nachspielen können.

Außerdem sagt Suzuki meines Wissens nichts über Bewegungstechnik, und das ist ja auch eminent wichtig, dass das zusammen mit dem Auditiven richtig vermittelt wird.
 
Ok, meine KL meinte, ich solle waehrend des Spielens mitsingen. Wenn ich hasenbein richtig interpretiere, dann macht das insofern Sinn, dass man beim Singen eine Klangvorstellung hat/bekommt.

Ist das kontraproduktiv, wenn man nicht singen kann/schief singt? Oder wenn man den Notentext nicht in Stimme umsetzen kann? Also ich kann auf Kommando kein C oder so vom Notenblatt singen.
 
Wie ich schon sagte: Du kannst gerne so was machen, und vielleicht hilft es minimal (bei unsauberem/falschem Singen hilft es überhaupt nicht). Aber wenn der grundsätzliche audiomotorische Prozess in Dir nicht sauber von Grund auf etabliert ist, wirst Du in der Hinsicht nicht weiterkommen. Sorry.

Den Prozess jedoch zu etablieren würde so viel und so lange Arbeit bedeuten mit zunächst für Dich langweiligem Material, dass Du das nicht auf Dich nehmen wirst. Daher wirst Du mit 99,9% Wahrscheinlichkeit ein überwiegend visuell-motorischer Spieler bleiben, der nur begrenzte Möglichkeiten hat. Das sage ich nicht aus Gemeinheit, sondern aufgrund von 30 Jahren Erfahrung, damit Du realistische Erwartungen hast.
 
Sorry, normal lese ich Threads vorher ganz durch, bevor ich was schreibe, aber hier sind die Beiträge alle so ellenlang...

Edit 23.2.,11:11:jetzt alles gelesen

deshalb eine Nachfrage bei den KL hier: Ist es sinnvoll, Anfängern von vornherein oder zumindestens sehr bald zu gebieten, schon beim Üben nicht auf die Tastatur zu lunsen und im Zweifel erstmal den richtigen Ton zu ertasten/erhören, oder ist das eine noch zu große Quälerei für die erste Zeit? Lohnt sich so eine schwarze Restriktion?

Vielleicht jetzt Kinder bis meinetwegen 10 Jahren außen vor gelassen. Und auch nicht Sprünge, die bereits zu Henne 4 führen würden.

Also, meinen Klavierschüler (guter Amateur, Bühnenerfahrung usw.) kann ich immer noch ärgern, wenn ich ihm mit dem Arm den Blick auf die Tastatur versperre :teufel:
 
Zuletzt bearbeitet:
@Normalo Kannst du bitte den Threadtitel abändern und aus "Tastenbrett" Klaviatur machen? :bye:
 

Ich hab ueberhaupt keine Vorstellung von dem Prozess. Wie sieht er denn aus?

Martienssen hat ein Buch geschrieben, das zu einem großen Teil (vor allem was die Technik betrifft) aus Quatsch, der zudem schwerverdaulich geschrieben ist, besteht; es gibt aber ein paar Kapitel zum "Klangwillen" bzw. zu dem, was er "Wunderkindkomplex" nennt, die ich empfehle, da hier DIE Grundlage eines sinnvollen und verantwortungsvollen Unterrichts dargestellt wird: nämlich stets audiomotorisch und nicht visuell-motorisch zu spielen und zu üben.

Im oben genannten Buch wird sowohl der „Klangwillen“ als auch der „Neustart“, falls nötig, beschrieben. Ich fand es durchaus noch lesbar. Weil Du in China wohnst, hier der Link des Großhändlers:

Damit wärst Du voll im Bilde, was @hasenbein meint. Was davon auf Dich zutrifft, kann jedoch vermutlich nur Deine KL beurteilen.
 
Brett vorm Kopp ist für viele ja ein gewohnter Zustand. :party:
:heilig:
 
Kommt ein Zyklop zum Augearzt…
 
@Wiedereinsteigerin38 Vielen Dank fuer den Link!

Ihr koennt ja mal einen geeigneten Titel vorschlagen. Ich nenne es bewusst nicht "audiomotorische Orientierung auf der Klaviatur", weil das urspruenglich nicht das Thema war. Vielleicht "senso-motorische Orientierung...."? Meine Sprachgewandtheit hat Grenzen.
 

Zurück
Top Bottom