Diese "Gewohnheit" abzulegen, wäre grotesk.
Warum sollte man auch etwas ablegen wollen, das der Entwicklung und dem Vorankommen dient? "Vergleichen", hinsichtlich bestimmter Merkmale ins Verhältnis setzen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen im weitesten Sinne (per se überhaupt nichts Schlimmes also), ist dabei allerdings auch ein sehr weiter Begriff, was die Diskussion darüber nicht leichter macht. Vergleichen kannst du ja alles Mögliche: Ist- und Sollzustände, Wasserstoff und Sauerstoff, Arm und Reich, Äpfel und Birnen, ... Beim "zynischen Spiel des Sich-Vergleichens" (Sauer) hingegen dürfte es um etwas ganz Bestimmtes gehen, nämlich um die eigene Positionierung innerhalb von Status-, Hack- und Rangordnungen, um ein gesellschaftliches Oben und Unten, um knappe Ressourcen und um entsprechende Macht- und Konkurrenzkämpfe, um ein Gegen- statt ein Miteinander - das "Ich im Wir" dominiert das "Wir im Ich". (Und das, so sehr auch die Gegenwart davon geprägt sein mag, als natur- oder gottgegeben - und damit fatalistisch zur unausweichlichen Konstante des menschlichen Soziallebens - zu erklären...? Genauso gut könnte man es wahrscheinlich auch für "natürlich" erklären, sich von Pommes und Pizza zu ernähren - die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme ist schließlich biologisch vorgegeben, auch wenn es bei Ernährungsgewohnheiten, Tischsitten etc. kontingenterweise eine riesige kulturelle und historische Bandbreite und auch so manchen Wandel geben dürfte...)
Die wesentliche Frage ist doch nicht, ob verglichen wird (ja, immer) , sondern ob das Vergleichen zu Konkurrenz führt.
Ich würde eher sagen: ob der Vergleich zugleich ein (finales) Verdikt ist. Bzw. ums wieder etwas auf die Situation des (Klavier-)Lernens und das Fadenthema runterzubrechen: Sich durch Lernen/Nachahmen/Üben verbessern kann man auch ohne jeden Konkurrenzdruck, wenn auch sicher nicht ohne Vergleichen des eigenen Spiels mit der (eigenen) Klangvorstellung oder dem Vorbild des Lehrers. Eine bestimmte Stelle genau so spielen zu wollen, weil es schön und stimmig klingt, ist ein Ansporn. Sich selbst hingegen vergleichen mit anderen, die vielleicht schneller oder langsamer vorankommen oder besser oder schlechter spielen als man selbst, trägt dazu nichts bei, besser zu
werden. Darüber hinaus ists wohl ein sehr zweischneidiges Schwert: Bestenfalls kann das einer realistischen Selbsteinschätzung des eigenen Status quo dienen, oft - und insbesondere wenn der eigene Selbstwert wenig stabil ist - ist es allerdings vor allem ein Ego-Ding und entweder selbstzufriedene Bauchpinselei auf Kosten anderer oder kann schlimmstenfalls dazu führen, sich selbst, den eigenen Unterricht oder die eigenen Fähigkeiten derart in Zweifel zu ziehen, dass man sich überlegt, ob die ganze Zeit und das Geld nicht besser in ein neues großes Sofa, ein Netflix-Abo und Rotwein investiert wären. Man ist dann halt ein KKS, päng, aus. Ähnlich demotivierend wirken sich ja auch sicher schlechte Schulnoten oft aus. Und damit ist niemandem gedient.