Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen...
Im übrigen (und ohne jetzt besagtes Buch von Hanno Sauer zu kennen) wäre ich skeptisch, wenn irgendetwas angeblich in einer menschlichen "Natur" begründet sein soll, die schwer bis gar nicht von menschlicher Kultur, Geschichte, Gesellschaft etc. zu unterscheiden und quasi in Reinform herauszudestillieren sein dürfte. Derartige Behauptungen dienen zwar gerne dazu, bestimmte Positionen als vermeintlich unhintergehbar und unbezweifelbar in den Raum zu stellen und so zu zementieren - wenn es in der Natur des Menschen liegt, sich mit anderen zu vergleichen, ist gar nicht denkbar, dass das auch anders möglich wäre, dann ist das so gesetzt und gehört einfach unabdingbar zu seinem Menschsein, so wie
laut Sauer offenbar auch der ewige Kampf um Status und Ansehen und Klassenzugehörigkeit, fertig, aus -, bringen in aller Regel aber keinen wirklichen Erkenntnisgewinn.
Viel entscheidender finde ich in dem Zusammenhang die Frage, ob diese Vergleicherei und dieses "Wo stehe ich (im Vergleich zu anderen)?" einen motiviert und beflügelt oder im Gegenteil eher demotiviert und lähmt oder ob sie - insbesondere wenn man sich "nach unten" vergleicht - gar nur der Bestätigung des eigenen Egos dient. Es gibt beim Klavierspielen ja kein festgelegtes Curriculum, keinen allgemein verbindlichen Zeit- und Lehrplan nach Schema F (zum Glück) und jeder hat wahrscheinlich auch sein individuelles Lerntempo, seine Wege und Umwege. "Originalliteratur" gibt es in allen Schwierigkeitsstufen, sicher auch schon für Anfänger. Und sofern es mir nicht in irgendeiner Weise hilft, mein eigenes Spiel zu verbessern, ist das Vergleichen mit anderen wohl ziemlich nutzlos.