Musikalische Gestaltung als Mittel zur Bewältigung manueller Schwierigkeiten

Was ist eigentlich bei den Pianisten der Unterschied zwischen Tremolo und Triller? Bei den Sängern ist ein Tremolo ein unkontrolliertes Vibrato, was vom Triller nicht zu unterscheiden ist. Besonders Wagnersänger haben ein Tremolo entwickelt (eine Fehlentwicklung) um sich deutlicher über dem Orchester abheben zu können. Bei Ihnen hört man dann nicht wenn sie einen Triller singen.

Nielsson & Jones, Windgassen & Kollo: die hört man ohne unkontrollierte Vibrati :) - erstaunlicherweise obwohl die "Wagnersänger/innen" (Sopran & Tenor) waren! (aber sind auch quasi die Horowitze dieses Faches)

ich glaube, Du verwechselst was: es gab zeitweilig eine interpretatorische (ui, sowas gibt´s ja auch...:D...) Fehlentwicklung, welche in rezitativischen und dialogischen Abschnitten zu sehr zum "Sprechgesang" neigte und von sich behauptete, das ginge auf den heiligen Wagner höchstselbst zurück - aber sowohl diese Praxis wie ihre vermeintliche Ursache sind Unfug. Wagner wollte Textdeutlichkeit, allerdings sehr wohl singend (sonst hätte er sich auch ziemlich viele Noten spraren und Melodramen schreiben können). ganz wie Verdi auch.

und singen bzw "wie gesungen", cantabile - das ist nie falsch!!!

Gruß, Rolf
 
Überschneidungen

Wir müssen wirklich aufpassen, ob wir uns richtig verstehen, denn es wurde schon bemerkt, dass es mehr gemeinsame Schnittmenge gibt, als allgemein zugegeben.

@ Franz- die Empfehlung von Neuhaus, sich ähnliche Stellen in der Literatur zub suchen, um das Problem aus anderer Sicht zu üben ist sehr effektiv. Die Geiger haben ja direkt ihre Notenbücher mit der Compilation ihrer "schwierigen" Stellen. sowas wäre auch mal sicher ein Hit für einen Verleger, wenn es sowas auch für Pianisten gäbe- oder kenn ich ein solches Werk nur nicht?

aber auch diese parallelen Stellen müssen natürlich mit voller Konzentration auf das Klangergebnis geübt werden. Es geht doch einfach schneller, wenn ich den Blick immer auf das Ergebnis gerichtet lasse.

Alles, was ich spiele und am KLavier produziere merkt sich mein Gehirn, es ist sozusagen Teil meiner Über history. Und in dem Moment, wo ich nur ein bischen abseits der angestrebten Klangvorstellung übe - wenn sie nämlich in "zweiter reihe" steht, habe ich etwas geübt, was ich streng genommen für das Stück nicht 100 prozentig gebrauchen kann. Und das merken viele noch nicht mal und wundern sich, dass die Selle trotz unermüdlichen Übens nicht besser wird.

Die Verbesserung beim Üben verlangt nMm die unablässige Fokussierung auf das zu erreichende Klangziel. Wenn wir ohne diese Klangvorstellung, diesen gestalterischen Klangwillen üben, entfernen wir uns augenblicklich von angestrebten Ziel.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
aber auch diese parallelen Stellen müssen natürlich mit voller Konzentration auf das Klangergebnis geübt werden. Es geht doch einfach schneller, wenn ich den Blick immer auf das Ergebnis gerichtet lasse.

Alles, was ich spiele und am KLavier produziere merkt sich mein Gehirn, es ist sozusagen Teil meiner Über history. Und in dem Moment, wo ich nur ein bischen abseits der angestrebten Klangvorstellung übe - wenn sie nämlich in "zweiter reihe" steht, habe ich etwas geübt, was ich streng genommen für das Stück nicht 100 prozentig gebrauchen kann. Und das merken viele noch nicht mal und wundern sich, dass die Selle trotz unermüdlichen Übens nicht besser wird.

Die Verbesserung beim Üben verlangt nMm die unablässige Fokussierung auf das zu erreichende Klangziel. Wenn wir ohne diese Klangvorstellung, diesen gestalterischen Klangwillen üben, entfernen wir uns augenblicklich von angestrebten Ziel.

und wenn man bedenkt, dass im sich alles automatisch speichernden Hirn gerade bei der Beschäftigung mit Musik simultan mehrere Prozesse ablaufen, ja aublaufen müssen, weil Musik polyphones, vielgleisiges Denken impliziert und erfordert: ist dann ein zeitweiliges Unterteilen in 1,. 2., 3. usw. Reihe noch falsch? Klavierspielen, Musizieren - das ist mehrdimensional. Und wenn von den simultan ablaufenden Denkprozessen, um die man wissen sollte, gezielt wechselweise mal der eine, mal der andere im Vordergrund des trainierens/sichgewöhnens/aneigens/übens ist, ja dann tainiert das sogar das musikalische (mehrschichtige) Denken/Fühlen weitaus besser, als ein einseitiges Bevorzugen einer Pespektive (mag sie auch abstrakt umfangreich sin wie die "Klangvorstellung", welche allein aber doch auch schon alles ist, was Musik machen bedeutet).

oder verstehst Du - und diesen Verdacht habe ich - unter Klangvorstellung restlos ALLES? dann wäre ja der Begriff der Klangvorstellung gleichzusetzen mit "professionaller hochmusikalischer Gestaltung und Darstllung" - und diese von Lernenden zu fordern, käme mir didaktisch und pädagogisch etwas heikel vor ;)

wer polyphon denkt und spielt, ist gut beraten, auch einzelne Stimmen zu spielen, zu hören usw (darum ist ja das üben Bachscher Fugen ziemlich sinnvoll) - also ich sehe keinen Grund, polierbedürftige Teilaspekte des Klavierspiels so gesehen nicht auch mal für sich zu pflegen.

Gruß, Rolf
 
Wir müssen wirklich aufpassen, ob wir uns richtig verstehen, denn es wurde schon bemerkt, dass es mehr gemeinsame Schnittmenge gibt, als allgemein zugegeben.

Ich denke auch, dass wir viel mehr auf einer Linie sind, als es manchmal rauskommt. Das liegt vielleicht auch an den vorgetragenen Extrempositionen und natürlich am Vokabular, das jeder doch ein bischen anders versteht und dem entsprechend zum Einsatz bringt.

aber auch diese parallelen Stellen müssen natürlich mit voller Konzentration auf das Klangergebnis geübt werden. Es geht doch einfach schneller, wenn ich den Blick immer auf das Ergebnis gerichtet lasse.

Seh' ich genauso.

Alles, was ich spiele und am KLavier produziere merkt sich mein Gehirn, es ist sozusagen Teil meiner Über history.

Das ist bestimmt richtig, vor allem wir Hobbypianöre müssen wohl damit leben. So recht mag ich mich damit aber nicht anfreunden. Für mich ist musizieren auch ein kreatives Schaffen aus dem Moment heraus. Sokolov habe ich oft gehört. Bei ihm hat man nie das Gefühl, er spult irgend etwas Einstudiertes einfach ab. Das Stück entsteht indem Moment wo er es spielt völlig neu, als ob er es gerade komponiert hätte. Er hat des öfteren die gleichen Zugaben gespielt. Z.B. diese Chopin Mazurka klang für mich wirklich jedes mal ein bischen anders.

Und in dem Moment, wo ich nur ein bischen abseits der angestrebten Klangvorstellung übe - wenn sie nämlich in "zweiter reihe" steht, habe ich etwas geübt, was ich streng genommen für das Stück nicht 100 prozentig gebrauchen kann. Und das merken viele noch nicht mal und wundern sich, dass die Selle trotz unermüdlichen Übens nicht besser wird.

Ich weiß, was Du meinst, und in vielen Fällen stimmt das, besonders, wenn der Durschnittsschüler gedanken- und gehörlos drauflos übt.

Ich würde es aber doch differenzierter sehen. Nehmen wir z. B. wieder Isoldens Liebestod. Da gibt es am Ende dieses Akkordvibrato, der Höhepunkt, auf den konsequent hin gesteigert wird, eine emotionale und klangliche Eruption, dreifaches f. Ich denke nicht dass, es sinvoll ist, das ständig unter größter emotionaler Spannung im dreifachen f zu üben. Natürlich habe ich die Vorstellung, wie es klingen muss im Kopf, dennoch werde ich das sehr entspannt, langsam, genau, piano und fein differenziert üben und dabei sehr genau zuhören.

Die Verbesserung beim Üben verlangt nMm die unablässige Fokussierung auf das zu erreichende Klangziel. Wenn wir ohne diese Klangvorstellung, diesen gestalterischen Klangwillen üben, entfernen wir uns augenblicklich von angestrebten Ziel.

Das ist richtig.
Wie schon gesagt, mein "manuelles" Üben dieser Stellen kann man mit wenigen Vokabeln beschreiben.

spielen - wahrnehmen (hören, spüren) - korrigieren

"Spüren" halte ich für ebenso wichtig wie "hören". Ein guter Klang und musikalische Umsetzung der Klangvorstellung bedeutet nicht notwendigerweise, dass man wirklich locker und mit optimalen Bewegungen spielt. Auf den Körper muss man aufpassen, sonst kann das gerade bei richtig schweren Stücken fatale Folgen haben.

Wenn man von "Training" spricht denkt man schnell an Sport. Es gibt aber einen grundlegenden Unterschied. Wenn ich z. B. jogge, genieße ich es, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, da kann man prima räsonieren und über alles mögliche außer über das Laufen nachdenken. Beim musikalisch/pianistischen "Training" würde ich ein Abwandern der Gedanken nicht zulassen, da strebe ich immer nach größtmöglicher Konzentration.

Vor einigen Jahren habe ich einen Text für meine Webseite verfasst. Ein paar Kleinigkeiten müsste ich aktualisiseren, aber im Grunde gibt er ganz gut wieder, wie ich über die "musikalische Arbeit" denke.

http://www.klavierspiel.com/kreativ-klavierueben.html
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
I
Vor einigen Jahren habe ich einen Text für meine Webseite verfasst. Ein paar Kleinigkeiten müsste ich aktualisiseren, aber im Grunde gibt er ganz gut wieder, wie ich über die "musikalische Arbeit" denke.

http://www.klavierspiel.com/kreativ-klavierueben.html

Diesen gedanken auf der Webseite stimme ich voll zu.

Ergänzen würde ich, dass für Menschen, die die hier angesprochenen Stücke realisieren wollen - Pathetique, Liszt usw - der Anteil der Kopfarbeit enorm gesteigert werden sollte.

Was für die Tonleiter in der clementi Sonatine gilt kann auch auf schwere Passagen übertragen werden. Wie passt diese Tonleiter hier rein? Warum ist da ein crescendo? Es fängt alles schon früh an und im Grunde sollte es bereits bei Beginn des Unterrichts da sein, die Freude an klingender Musik.
eine Trennungslinie ist kaum zu ziehen. Ist eine 2-stimmige invention bereits ein virtusoses Stück oder erst der 3. Satz der Mondschonsonate oder doch erst eine chopin Etüde?

Man kann nie zu früh anfangen, so zu üben, dass ein schöner oder besser zutreffender Klang (denn manchmal soll es ja schrecklich oder erschreckend klingen)als Vorstellung gebildet wird.
 
Oh, das finde ich interessant, ich habe weit mehr Spaß am Zuhören bei einer gut durchdachten und gestalteten Invention als an einer grob runtergespielten Pathetique..... ich bin sehr froh, dass das mal jemand schreibt. Danke, klavigen.:)

Was mich wirklich beeindruckt, ist nicht der höchste technische Gehalt sondern die schönste Ausführung.

Zum besseren Verständnis sei hinzugefügt, auch ein "einfaches" Stück kann virtuos (gespielt) sein, wenn entsprechend ausgeführt. Zuindest in meinen Ohren. Will sagen, die Ausführung macht meiner Meinung nach die Virtuosität.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
was anspruchsvolle Sprünge betrifft: bei nächtlichem Stromausfall ohne Kerzen oder Taschenlampe haut jeder im Mephistowalzer daneben, sofern es dort im Tempo zugehen soll (ich meine die berühmte Sprungsequenz). also wird "sehen" schon mal mitbeteiligt sein, sodass pfennigfuchserisch ALLEIN fühlen, denken, klangvorstellen usw nicht so ganz alles abdecken, was zum gelingen dazugehört.

Nein nein.
Für schnelle Sprünge ist das Auge meiner Ansicht nach zu langsam um zu sehen, welcher Ton getroffen werden muss, vor allen dingen, wenn diese Sprünge in einem musikalischen Kontext stehen und gestaltet werden müssen. Bei der langsamen Übungsphase ist sicher das Auge maßgeblich um das "Sprung-gefühl " zu verfestigen doch anderweitig nicht.
Ich denke der Grund, dass man in der Dunkelheit :D schwierige Sprünge nicht bewältigen kann liegt daran, dass einem das Vertrauen fehlt den Sprung ohne den optischen Reiz meistern zu können. Dann bleibt die Vorstellung aus und der Sprung gelingt nicht.
zur pfennigfuscherrei-
Ich habe natürlich nicht gesagt, dass es reicht, wenn man "emotional" die Stelle im Stück empfindet, würde es reichen und die Stelle gelingt. Das wäre ja Schwachsinn. Ich habe nur daran gedacht, dass es wichtig ist entspannt zu bleiben, wenn man eine schwierige Stelle übt und das erreicht man mit Vorstellung (Klang-Wie fühlt es sich an) und Selbstvertrauen! Dadurch atmet man richtig und verspannt nicht. So gelingt einem eine schwierige Stelle, ein Sprung zum Beispiel, viel leichter.

Wenn ich nicht daran glaube eine Stelle im Stück zu schaffen, dann schaffe ich es auch nicht. Wenn ich denke ich wüsste nicht weiter in einem Stück, dann weiß ich nicht weiter. Nicht weil ich nicht weiter weiß, sondern weil ich denke ich wüsste es nicht.
Darum muss ich jedes Stück vor einem Auftritt bis auf das kleinste zerpuzzeln...auch blind spielen. Das habe ich allerdings, muss ich gestehen, aus Bequemlichkeit bis jetzt nur ausführlich bei Bach gemacht, dort ist allerdings auch die Notwendigkeit für solches Üben bei mir am höchsten.

Zitat von violapiano:
Zum besseren Verständnis sei hinzugefügt, auch ein "einfaches" Stück kann virtuos (gespielt) sein, wenn entsprechend ausgeführt. Zuindest in meinen Ohren. Will sagen, die Ausführung macht meiner Meinung nach die Virtuosität.

Da gebe ich recht. Es gibt ja immer noch zu Hauf Leute, auch angepriesene Musiker, die Stücke herunterspielen um zu zeigen wie toll sie doch sind...und sie merken nicht, das sie dadurch die ganze Dramatik versauen...mir wird nur schlecht wenn ich an das Orgelkonzert im Kölner Dom denke. Der Organist hatte wahrhaft eine gute Technik, doch erspielte so schnell, dass man nichts mehr davon hörte...und eine wirklich schlechte Registrierung...jajaja

lg
clara
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Un Gegenteil

.mir wird nur schlecht wenn ich an das Orgelkonzert im Kölner Dom denke. Der Organist hatte wahrhaft eine gute Technik, doch erspielte so schnell, dass man nichts mehr davon hörte...und eine wirklich schlechte Registrierung...jajaja

lg
clara

nein, er hatte eine miserable Technik, denn er konnte mit seiner Technik keine schöne Musik machen- er war vielleicht ein trainierter Orgelsportler.

Und wirklich- bereits bei scheinbar sogenannten "einfachen" Stücken hört man doch, ob da ein Könner oder ein Dilettant am Werke ist.
 
gut so kann man es auch sehen:D
Oder aber, er war ein sehr guter Pianist aber kein Organist. Willst du wissen wo und bei wem der alles studiert hat? Der hatte sogar einen Dr. (hat übers Registrieren geschrieben) und hatte bei Jean Guillou unterricht, der wirklich sehr serh gut ist. Er muss sich geärgert haben, dass sein Schüler ihn als Lehrer in die Biografie hineingeschrieben hat!
lg
Clara
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Nein nein.
Für schnelle Sprünge ist das Auge meiner Ansicht nach zu langsam um zu sehen, welcher Ton getroffen werden muss, vor allen dingen, wenn diese Sprünge in einem musikalischen Kontext stehen und gestaltet werden müssen. Bei der langsamen Übungsphase ist sicher das Auge maßgeblich um das "Sprung-gefühl " zu verfestigen doch anderweitig nicht.
Ich denke der Grund, dass man in der Dunkelheit :D schwierige Sprünge nicht bewältigen kann liegt daran, dass einem das Vertrauen fehlt den Sprung ohne den optischen Reiz meistern zu können. Dann bleibt die Vorstellung aus und der Sprung gelingt nicht.

kann man so sehen und dabei bleiben - viel Glück und frohes Gelingen, soblad Du Dich mit dem Mephisto-Walzer befasst :)

ich werde vermutlich nie verstehen, warum sich allerorten eine gleichsam "verächtliche" Haltung dem "schnöden manuellen" gegenüber breit macht... :D

Gruß, Rolf
 

Und in dem Moment, wo ich nur ein bischen abseits der angestrebten Klangvorstellung übe - wenn sie nämlich in "zweiter reihe" steht, habe ich etwas geübt, was ich streng genommen für das Stück nicht 100 prozentig gebrauchen kann. Und das merken viele noch nicht mal und wundern sich, dass die Selle trotz unermüdlichen Übens nicht besser wird.

Die Verbesserung beim Üben verlangt nMm die unablässige Fokussierung auf das zu erreichende Klangziel. Wenn wir ohne diese Klangvorstellung, diesen gestalterischen Klangwillen üben, entfernen wir uns augenblicklich von angestrebten Ziel.

und genau hier widerspreche ich!

berücksichtigt man das polyphone Denken, dann gibt es dieses Problem nicht!

um das an einem netten, von allen hochgelobten Bild zu verdeutlichen: habe ich nur das hellerleuchtete Haus (das Ziel) im Auge, achte aber nicht auf den unwegsamen Weg dahin, dann werde ich stolpern und lang auf die Nase fallen -- und worüber bin ich dann gestolpert? über hochtrabende Ambitionen...

darüber könnte man nachdenken...

ok. muss man nicht :D

und jetzt, ehe Unmut sich breit macht: bitte erkläre mir jemand, dass polyphones Denken (simultan ablaufende Prozesse, wenn mans so nennen will) nichts mit Musik zu tun hat

Ambitionen, Klangvorstellung, hehre Ziele - das haben viele! am realisieren der Ambitionen aber scheiterts oft genug...

mit empirischem Gruß, Rolf
 
"Spüren" halte ich für ebenso wichtig wie "hören". Ein guter Klang und musikalische Umsetzung der Klangvorstellung bedeutet nicht notwendigerweise, dass man wirklich locker und mit optimalen Bewegungen spielt. Auf den Körper muss man aufpassen, sonst kann das gerade bei richtig schweren Stücken fatale Folgen haben.
http://www.klavierspiel.com/kreativ-klavierueben.html

...:D...sehr ketzerische Erwägungen...:D...
 
Nehmen wir z. B. wieder Isoldens Liebestod. Da gibt es am Ende dieses Akkordvibrato, der Höhepunkt, auf den konsequent hin gesteigert wird, eine emotionale und klangliche Eruption, dreifaches f. Ich denke nicht dass, es sinvoll ist, das ständig unter größter emotionaler Spannung im dreifachen f zu üben. Natürlich habe ich die Vorstellung, wie es klingen muss im Kopf, dennoch werde ich das sehr entspannt, langsam, genau, piano und fein differenziert üben und dabei sehr genau zuhören.
http://www.klavierspiel.com/kreativ-klavierueben.html

...rein praktisch wären noch Überlegungen sinnvoll, die sich auf das endgültige Tempo dieser Stelle (sie ist berüchtigt genug) beziehen...

aber... das ist doch ein Beispiel der "abgehobenen" Sorte, welches obendrein leicht zu ketzerischen Gedanken veranlasst... :D

ein Beispiel für einen ketzerischen Gedanken, der dem Herrn sei´s gedankt nicht von mir stammt, sondern von Vitaly Margulis: "warum schnelle Stellen langsam üben, wenn man sie schnell üben kann?" ... das ist auch so eine Chimäre, dass man bei langsamem spielen dieselben Bewegungen macht wie bei schnellem... unausrottbar, wie so manches... langsames spielen gewöhnt den trägen (sic) Geist lediglich daran, die richtigen Tasten und Töne (ja ja, natürlich auch mit dem richtigen Klang! aber das ist nur Propädeutik) zu sehen/begreifen/erkennen/verinnerlichen - mehr nicht!!!! schnell isses deswegen in der Ausführung noch nicht, und locker/mühelos auch noch lange nicht!

lieber Franz: langsam spielen wird Dir hier nur bestätigen, was Du vom Blatt spielen kannst - denn langsam gespielt ist diese Stelle harmlos. Ich rate Dir, sie in mehrere Ziel-Akkorde aufzuteilen und immer zu diesen hin sehr sehr schnell zu spielen. Auch wenn sich Unmut deswegen ausbreiten sollte: das Akkordvibrato inklusive seines Effekts, seiner Wirkung, ist futsch, wenn es zu träge kommt (na die Klangvorstellung, die hier moderato predigt, möchte ich nicht hören müssen...:D...) - und vor Geschwindigkeit muss man keine Bedenken haben! Aber durch langsam üben erreicht man sie hier nicht (langsam üben ist nur eine Kontrollfunktion). - - P. Werner beschreibt die Methode des manuellen übens komplizierter Bewegungsabläufe sehr schön in seiner "neuen Didaktik des Klavierspiels" am Exempel der Coda von Chopins drittem Scherzo.
(ok, das alles SETZT ABSOLUTE KENNTNIS DES NOTENTEXTES BIS INS LETZTE DETAIL VORAUS - - -es sollte klar sein, dass dieses Stück nicht für Anfänger geeigent ist)
obendrein sehr relevant: auch diese Stelle (ja ganz besonders sogar) ist melodisch und muss melodisch gedacht werden!

Gruß, Rolf
 
Das ist auch ein wichtiger Gedanke zum Thema Üben:

rolf schrieb:

"langsam spielen wird Dir hier nur bestätigen, was Du vom Blatt spielen kannst - denn langsam gespielt ist diese Stelle harmlos. Ich rate Dir, sie in mehrere Ziel-Akkorde aufzuteilen und immer zu diesen hin sehr sehr schnell zu spielen."

Da ich am Klavier so wiet noch nicht bin, muss ich wieder aufs andere Instrument zurückgreifen.
Es hat sich herausgestellt, das viel langsames Üben nicht zum Ziel führt, wenn eine Stelle schnell gefordert ist.
Beim Streichinstrument kommt zudem hinzu, dass manche Fingersätze nur im langsamen Tempo praktikabel sind, jedoch nicht im schnellen.
D.h. wenn ich eine Stelle lange langsam übe, merke ich nicht, wo die Problematik im Tempo und Fingersatz steckt.
 
langsam spielen wird Dir hier nur bestätigen, was Du vom Blatt spielen kannst - denn langsam gespielt ist diese Stelle harmlos.

Eben!

Dieses Gefühl - daß die Stelle spielbar, harmlos, ungefährlich etc. ist - dieses Gefühl sollte man sich aneignen.


Es hat sich herausgestellt, das viel langsames Üben nicht zum Ziel führt, wenn eine Stelle schnell gefordert ist.

Das hängt natürlich ganz davon ab, was das Ziel sein soll. Wenn das Ziel ist, eine Stelle auf Teufel komm raus schnell zu spielen, führt sie natürlich nicht zum "Ziel".
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Aber es steht doch in dem von Dir zitierten Satz alles drin, Haydnspaß.

Wenn als Tempobezeichnung "allegro" oder "presto" drüber steht, ist das Ziel natürlich, das Stück in diesem Tempo zu spielen. Das meinte ich mit "gefordertes Tempo".

LG
VP
 
Dieses Gefühl - daß die Stelle spielbar, harmlos, ungefährlich etc. ist - dieses Gefühl sollte man sich aneignen.
.

ich häng die Stelle mal unten an ;)

sie ist langsam gespielt harmlos (aber auch nicht eben schön) - vergegenwärtigt man sich das nötige Tempo, ist die Aufgabe, das Gefühl zu entwickeln, dass sie harmlos ist, vergleichbar damit, einem feuerspuckenden Drachen oder riesigem hungrigem Krokodil ein Küßchen zu geben und die beiden niedlich und süß zu finden :D
 

Anhänge

  • 14 Liebestod.jpg
    14 Liebestod.jpg
    133,2 KB · Aufrufe: 22
Aber es steht doch in dem von Dir zitierten Satz alles drin, Haydnspaß.

Wenn als Tempobezeichnung "allegro" oder "presto" drüber steht, ist das Ziel natürlich, das Stück in diesem Tempo zu spielen. Das meinte ich mit "gefordertes Tempo".

LG
VP

Die Sache ist nur die: wenn einem das Tempo zu schnell ist, egal was da drüber steht, dann kann man das Tempo nicht dadurch erreichen, daß man sich zwingt, schneller zu spielen, als man es kann. Weil genau das zu den Verkrampfungen und Überbeanspruchungen führt, weswegen dann soviele mit Schmerzen im Handgelenk, in der Schulter etc. zu kämpfen haben.

Und ich rede jetzt mal garnicht davon, wie sich die Forcierung des Tempos auf die Klangschönheit auswirkt...


ich häng die Stelle mal unten an ;)

sie ist langsam gespielt harmlos (aber auch nicht eben schön) - vergegenwärtigt man sich das nötige Tempo, ist die Aufgabe, das Gefühl zu entwickeln, dass sie harmlos ist, vergleichbar damit, einem feuerspuckenden Drachen oder riesigem hungrigem Krokodil ein Küßchen zu geben und die beiden niedlich und süß zu finden :D

Oh Rolf...

mit deinen Horrorpartituren kannst du vielleicht Leute erschrecken, die beim bloßen Anblick von Sechzehnteltriolen in Ohnnmacht fallen (oder die nicht wissen, was ossia heißt ;) ). Du postest übrigens gerne Ausschnitte, wo Noten mit vielen Balken notiert sind - was mit dem Tempo erstmal garnichts zu tun hat.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Zurück
Top Bottom