Kritische Überlegungen zu Klavierwettbewerben für junge Pianisten

rolf
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@Kalivoda merk dir endlich, dass wie man lesen und schreiben lernt eine unverzichtbare Praeliminarie für einen Klavierwettbewerb ist, der erst noch stattfinden wird! ;-) :-D
 
pianochris66
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Warum? Ein kritisches Hinterfragen muss doch erlaubt sein. Es scheint ja Diskussionsbedarf zu geben. Meiner Meinung nach muss man das Thema sehr differenziert betrachten, Pauschalurteile helfen da nicht weiter.

Das grundsätzliche Für und Wider von Wettbewerben sollte nur nicht unbedingt in diesem Faden diskutiert werden, vielleicht kann man ja einen neuen eröffnen.

Ja klar. Aber auch ein "kritisches Hinterfragen" sollte in der Wortwahl angemessen sein und sich an Fakten, nicht an Vorurteilen, orientieren. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass man sich über diesen neuen Wettbewerb überhaupt nicht informiert hat, bevor dieser Beitrag geschrieben wurde. Und das ist dann zutiefst ärgerlich für alle, die sich da so engagieren und auch die Teilnehmer und deren Eltern.

Vielleicht können diese ganzen Beiträge, die sich mit der sogenannten Kritik beschäftigen, ja wirklich in ein eigenes Thema ausgelagert werden, wo dann nach Herzenslust über Pro und Contra von Wettbewerben diskutiert werden kann.

Mein Hotelzimmer ist für die Zeit des Wettbewerbs auf jeden Fall gebucht, ich freue mich drauf:musik064:.
 
Kalivoda
Kalivoda
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Nein, das ist keine Dressur. Denn Dressur bedeutet immer, etwas zu machen, um extrinsisch motiviert eine Belohnung zu bekommen.
Wir sollten da zwei Dinge getrennt halten: den eigentlichen Lernprozess und die dazu notwendige Motivation.

Jeder Lernprozess beginnt erst einmal mit rein mechanischem Nachahmen oder Ausprobieren. Erst langsam kann dann auch ein künstlerischer Ausdruck wachsen. Idealerweise geht das in kleinen Schritten Hand in Hand, aber Voraussetzung ist immer erst das mechanische Können. Dressur, wie es @Gefallener verwendet hat (oder wie ich ihn verstanden habe) ist das Zurückstellen künstlerischen Ausdruckes zugunsten eines rein mechanischen Lernens. In dem Sinne musst Du auch meine Antwort verstehen.

Der andere Punkt ist die Motivation. So ein Musikinstrument bietet zunächst einmal eine Menge Möglichkeiten zum rumspielen und ausprobieren. Neugierde ist eine wunderbare intrinsische Motivation. Damit kommt man jedoch nur bedingt weit oder der Lernprozess ist sehr langsam. Also braucht es einen Lehrer und um das zu tun, was der Lehrer verlangt, braucht es einen gewissen Grad an extrinsischer Motivation. Als Erwachsene haben wir gelernt, dass man Aufwand ins Lernen investieren muss, bevor wir die Früchte daraus ernten können. Kindern ist das noch nicht (so) klar, also brauchen sie kleinstufiges Feedback. Das Lob ist zunächst einmal natürlich auch eine extrinsische Motivation, aber in dem Maße, wie das Kind den Lernprozess selbst begreift und erfolgreich anwendet, wird die extrinsische Motivation zur intrinsischen. Dann wird es zum Selbstläufer...
 
Demian
Demian
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Ja, ich halte eine Auslagerung auch für sinnvoll.

Keineswegs stehen lassen kann ich die Aussage, dass jeder Lernprozess mit Nachahmung beginnt. In manchen Fällen und in fortgeschritteneren Lernstadien trifft das zu, aber gerade das (früh-)kindliche Lernen mit elementaren Lerninhalten entsteht aus dem Bedürfnis, ein Problem lösen zu wollen. So lernen Kinder z.B. das Sprechen (um sich verständlich machen zu können und das Laufen.
 
Tastatula
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ch habe auch hin undwieder an Sportwettkämpfen (Ski, später auch Berglauf und MTB) teilgenommen, obwohl ich da nie den Hauch einer Chance auf einen Stockerlplatz hatte. War mir egal, die Wettbewerbsatmosphäre war jedesmal geil und mir hat es genügt, wenn meine Cousinen oder Cousins gewonnen haben. Was meistens der Fall war. :pokal:
Ich finde, dass Jugendwettbewerbe im Sport anders sind, als solche in Musik. Oftmals sind bei Sportwettbewerben alle vertreten, die Freude am Sport haben, ähnlich den Jugend-musiziert Wettbewerben.
Ich hatte aber mal eine Zeit das zweifelhafte Vergnügen, mit einer sehr jungen, sehr begabten Geigerin zu Spezialviolinwettbewerben zu fahren, bei denen ein Wunderkind nach dem anderen spielte. Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch, bei mir ist wichtig, dass die Stimmung gut ist - was ich an den Wettbewerben, die ich aus meinem Sport kenne, schätze -.
Bei diesen Instrumentalwettbewerben war schon in der Organisation alles auf Lustfeindlichkeit gestimmt:
Kahle Wände, riesige Plakate auf der Bühne, einen Anstandsblumenstrauß in der Ecke.
Unfreundliche oder sehr sachliche Veranstalter.
Die Atmosphäre unter den Kindern und mindestens so auch bei den begleitenden Eltern war mehr als angespannt. Ich habe da nicht ein Fünkchen davon gespürt, was für mich Musik ist, auch wenn die Kinder fantastisch gespielt habem.
Das fand ich in hohem Maße ungesund und erweist unserer Kunst keinen Dienst.
Ich glaube, dass ein Wettbewerb, bei dem @chiarina mit federführend tätig ist, eine andere Stimmung verbreitet.
Bei den Bundeswettbewerben von JuMu ist das echt anders, aber die Spezial- "ich kann besseralsdu"- Veranstaltungen sind für mich ein absolutes Grauen .
 
Araponga
Araponga
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Mein Neffe ist jetzt 11,5 Jahre alt, spielt seit 2 oder 3 Jahren Klavier (weiß nicht genau) und hat in letzter Zeit eine regelrechte Leidenschaft dafür entwickelt. Er steht z.B. morgens extra früher auf, damit er vor der Schule noch ein bisschen üben kann. Meine Schwester und ihr Mann unterstützen ihn zwar, zwingen ihn aber zu rein gar nichts. Da heißt es eher öfter mal "Jetzt komm doch endlich mal vom Klavier weg, du musst noch dies oder jenes tun". Er hat sich kürzlich selbstständig die Mondscheinsonate ausgesucht, sein Lehrer fand die eigentlich noch zu schwer, und kann inzwischen den 1. und 2. Satz sehr ordentlich spielen. Den 3. übt er jetzt in langsamem Tempo (ich hatte ihm ein Video mit einer langsamen Aufnahme geschickt, das hier mal jemand eingestellt hat). Er hört sich Aufnahmen der Stücke an, die er übt und versucht Phrasierungen und Dynamik zu übernehmen. Das macht er echt gut und mit viel Gefühl.
Es kommt also durchaus vor, dass Kinder rein intrinsisch motiviert sehr viel üben und dann natürlich auch relativ jung schon relativ gut spielen können. Seine 2 Jahre ältere Schwester hat nur wenig Interesse am Klavier und spielt inzwischen deutlich schlechter, obwohl sie schon länger Unterricht hat.
 
 

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