Korrepetitor, Begleiter, Konzertmesiter - wer ist das?

sorell

sorell

Dabei seit
20. Sep. 2007
Beiträge
505
Reaktionen
157
Ich bin hier ein bißchen verwirrt....
Ich habe meine Ausbildung als Konzertpianistin und Klavierpädagogin in UdSSR in Moskau gemacht. Als Studienfach hatten wir zwei Fächer - einen Instrumentalisten und einen/eine Sänger/Sängerin zu begleiten. Natürlich, auch Chor. Wenn man einen Instrumentalisten begleitet, heißt das Fach "Kammerspiel", wenn man einen Sänger/Sängerin begleitet, heißt es "Konzertmeister". Später wenn man das als Beruf ausübt, heißt es sowieso "Konzertmesiter", ob man Sänger, INstrumentalisten oder Chor begleitet. Es gibt feste Sätze, wie es bezahlt wird. Ich war selbst viele Jahre als Konzertmeister an Musikschule und Hochschule tätig, wo ich Intrumentalisten, Sänger und Chor begleitet habe. Diesen Beruf ist ziemlich hoch geschätzt und etwas wenig bezahlt, aber trotzdem jeder weiß, dass es nicht leicht, einen guten "Konzertmeister" zu finden, der sofort vom Blatt spielen kann, anderen zuhören kann, und mal auch transponieren kann.
Hier in Deutschland war ich überrascht, dass es fast nirgendwo als Beruf zu finden. Ich dachte, dass es für mich kein Problem wäre, eine Stelle als diesen "Konzertmeister" zu finden, weil ich gilt als ganz gute in Russland. Leider, es war nicht der Fall...
Auch bin ich mit Bezeichnung von diesem Beruf total vewirrt. Könnt iht mir erklären?

Meine Schwester, die in Russland lebt, übt diesen Beruf als Hauptberuf aus. Sie reist mit verschiedenen Instrumentalisten zu Wettbewerbe, begleitet die an der Hochschule usw. Zudem hat sie einen Titel als Professorin bekommen, weil sie eine promovierte Arbeit (Vorstuffe zu Doktorarbeit) geschrieben hat. Sie beabsichtigt auch, eine Doktorarbeit zu diesem Thema zu schreiben. Jetzt veranstaltet sie schon drittes Mal eine internationale Konferenz zu diesem Beruf - "Die Professionalität des Begleites" oder so was ähnliches. Natürlich, fragt sie mich, wie es hier in Deutschland mit diesem Beruf steht. Wie wird die Ausbildung gemacht, wie wird diesen Beruf bezahlt, wo gibt es Jobbörse für diesen Beruf etc.
Das Problem ist, dass ich keine diesen Fragen antworten kann. Ich sehe mal, dass jemand jemanden begleitet, aber ich habe fast nie eine Einstellung als Begleiter oder Korrepetitor gesehen. Gab es, natürlich, was an Darmstädter Theater.... aber was sie bezahlt haben und welche Bedingungen sie hatten, war ich richtig schokiert.
 
C

Chrissi

Dabei seit
20. Feb. 2009
Beiträge
396
Reaktionen
3
Hier in Deutschland war ich überrascht, dass es fast nirgendwo als Beruf zu finden. Ich dachte, dass es für mich kein Problem wäre, eine Stelle als diesen "Konzertmeister" zu finden, weil ich gilt als ganz gute in Russland. Leider, es war nicht der Fall...
Auch bin ich mit Bezeichnung von diesem Beruf total vewirrt. Könnt iht mir erklären?
In Deutschland sind die Bezeichnungen ganz anders als in Russland. Als Pianist kannst Du hier nicht Konzertmeister werden, da Konzertmeister der Stimmführer (am 1.Pult) der 1.Geigen in einem Orchester ist. Sein Pultnachbar ist der 2.Konzertmeister. Es gibt also in der Regel pro Orchester zwei Konzertmeister und beide sind Geiger.
Als Kapellmeister wird meist der musikalische Leiter eines Chores oder Orchesters bezeichnet. Meist ist das der Dirigent. Normalerweise hat ein Orchester einen Dirigenten.
Jetzt ist sicher klar, warum es so wenig "Konzertmeister" und "Kapellmeister" gibt, wenn je Orchester nur zwei bzw. einer gebraucht werden.
Die Konzertmeisterstelle in einem Orchester ist übrigens die begehrteste und meist auch am besten bezahlte Position für einen Geiger in einem Orchester. "Besser" ist nur noch die Position des Solisten... ;)
Das was in Russland der Konzertmeister macht entspricht hier wohl am ehesten den Aufgaben eines Korepetitors, bzw. auch Liedbegleiters. Meist sind das Konzertpianisten. Einige haben wohl auch noch extra Liedbegleitung studiert. Da bin ich allerdings nicht ganz so gut informiert.
OT: Als ich in Russland zum Schüleraustausch war, war ich sehr verwundert vom Konzertmeister begleitet zu werden... Bis eben dachte ich ich hätte da etwas gewaltig missverstanden...
 
sorell

sorell

Dabei seit
20. Sep. 2007
Beiträge
505
Reaktionen
157
@: Chrissi: Danke für ausführliche Antwort! Aber es antwortet nicht meine Fragen. Wie heißt einer, der einen Sänger oder Instrumentalisten am Klavier begleitet? Wie ist die Bezeichnung vom Beruf? Man kann ihn auch nicht als Korrepetitor nennen, weil er keine Partitur ausübt.... der ist auch ein Künstler und ein Teil des Ansambles. Wie heißt er? Begleiter? Wenn ich "Begleiter" in Google eingebe, bekommen ich was anderes.
 
Rheinkultur

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.819
Reaktionen
9.060
@: Chrissi: Danke für ausführliche Antwort! Aber es antwortet nicht meine Fragen. Wie heißt einer, der einen Sänger oder Instrumentalisten am Klavier begleitet? Wie ist die Bezeichnung vom Beruf? Man kann ihn auch nicht als Korrepetitor nennen, weil er keine Partitur ausübt.... der ist auch ein Künstler und ein Teil des Ansambles. Wie heißt er? Begleiter? Wenn ich "Begleiter" in Google eingebe, bekommen ich was anderes.
Vor einigen Monaten ist unter der Bezeichnung "Verdienst Korrepetitor" im clavio-Forum (Hinweis von @agraffentoni) nicht nur über die Möglichkeit gesprochen worden, mit diesem nicht ganz einfach zu beschreibenden Berufsbild Einkünfte erwirtschaften zu können. Über den damit verbundenen Berufsweg war auch so einiges zu erfahren. Um nicht einige Dutzend Beiträge durchforsten zu müssen, ein paar Erkenntnisse zum Thema:

Mehrere Hochschulen (übrigens meist in den neuen Bundesländern) bieten einen vollwertigen Studiengang "Korrepetition" an. Freilich ist das nur eine von mehreren Möglichkeiten, sich für ein solches Berufsbild zu qualifizieren. Es handelt sich um eine Kombination von Inhalten unterschiedlicher Studiengänge, die auf einer Schnittstelle zwischen Klavier - Chor-/Orchesterleitung - Musikerziehung/-vermittlung - Musiktheorie/Arrangement/Partiturspiel und weiteren Disziplinen anzusiedeln ist. Insofern ist der Berufsweg mit einem Kirchenmusikstudium vergleichbar, das auch überdurchschnittliche Fertigkeiten in mehreren Disziplinen voraussetzt: Orgel-Literaturspiel, liturgisches Orgelspiel, Improvisation, Kirchenkunde, Orgelbaukunde, pianistische Fertigkeiten, Chor- und Orchesterleitung, organisatorische Fähigkeiten bei der künstlerischen Begleitung des Gemeindelebens in einem Verbund mehrerer Kirchengemeinden, neue Musizierformen (neues geistliches Lied, Jazz und Popularmusik)... .

Zurück zum Thema: Wer diesen Beruf ausübt, hat Arbeitsmöglichkeiten im Musiktheater- und im (Hoch-)Schulbereich gleichermaßen - und je nach Einsatzgebiet ändert sich auch die Berufsbezeichnung: Korrepetitor mit oder ohne Dirigierverpflichtung - (Klavier-)Begleiter - Studienleiter (auch Organisations-/Dispositions-/Verwaltungsaufgaben) - Liedgestalter - Kammermusiker - Piano-Direktion (Salonensemble)... - und viele treten auch als Klaviersolist, Ensemblemusiker, Arrangeur, Bearbeiter von Aufführungsmaterial etc. auf, je nach ganz individueller Spezialisierung. Wenn eine Google-Suche von diesen Bezeichnungen ausgeht, passen die Antworten auch zum gewünschten Thema.

In der Regel basiert dieses Berufsbild auf folgenden Voraussetzungen:
- Exzellentes Klavierspiel auf solistischem Niveau
- Vertrautheit mit Partituren und ihren Besonderheiten (verschiedene Schlüssel, transponierende Instrumente), Partiturspielkenntnisse
- Sicherer Umgang mit Klavierauszügen (Reduktion komplexer Satzbilder, schnelle Auffassungsgabe, Vermitteln eines Ensembleklangs mit pianistischen Mitteln)
- Vermittlung musikalischer Strukturen und Inhalte an Sänger und Instrumentalisten, Mitwirkung beim Einstudieren und Lernen von Solopartien
- Umfangreiche Kenntnisse zur Funktionsweise von Orchesterinstrumenten und der menschlichen Stimme
- Arrangiertechnische Begabung, Einrichtungspraktiken von Einzelstimmen und Ensembles, kompositorisch-kreative Erfahrungen
- Einfühlungsvermögen als Partner am Klavier und Teil eines Ensembles, improvisatorische Fertigkeiten, stilistisches Vertrautsein mit Jazz und Popularmusik
- Beherrschung von Symbolschriften vielfältiger Art (Generalbaßnotation, Spiel nach Akkordsymbolen in verschiedenen Stilistiken, rhythmische Sicherheit)
- Führungsbegabung, Kommunikation, Übersicht, Koordination...

Man sieht schnell, dass man mit den verschiedenen Aspekten einen ganzen Katalog füllen kann. Entsprechend viele Betätigungsfelder haben einschlägig qualifizierte, belastbare und leistungsfähige Naturen in der beruflichen Realität dann auch - wer dann noch Kenntnisse und Fertigkeiten auf weiteren Tasteninstrumenten einbringen kann (Cembalo, historische Tasteninstrumente, Celesta, Keyboards, Hammondorgel, Synthesizer, Kirchenorgel etc.), hat Zugriff auf einen der abwechslungsreichsten und lebendigsten Berufe, die man so als Tastenspieler ergreifen kann...,

meint Rheinkultur
 
C

chiarina

Guest
@: Chrissi: Danke für ausführliche Antwort! Aber es antwortet nicht meine Fragen. Wie heißt einer, der einen Sänger oder Instrumentalisten am Klavier begleitet? Wie ist die Bezeichnung vom Beruf? Man kann ihn auch nicht als Korrepetitor nennen, weil er keine Partitur ausübt.... der ist auch ein Künstler und ein Teil des Ansambles. Wie heißt er? Begleiter? Wenn ich "Begleiter" in Google eingebe, bekommen ich was anderes.

Liebe sorell,

wenn man an einer Musikhochschule Sänger und Instrumentalisten begleitet, heißt das "Korrepetitor", z.B. hier nachzulesen: HfMT Köln:*Lehrende . Es wird dort unterschieden zwischen Korrepetition Violine, Korrepetition Klarinette ...... und Opernkorrepetition. Der "Konzertmeister" deiner Schwester ist hier also "Korrepetitor", auch wenn diese Bezeichnung auch für dieses von Rheinkultur so schön beschriebene Berufsbild gilt:

"Es handelt sich um eine Kombination von Inhalten unterschiedlicher Studiengänge, die auf einer Schnittstelle zwischen Klavier - Chor-/Orchesterleitung - Musikerziehung/-vermittlung - Musiktheorie/Arrangement/Partiturspiel und weiteren Disziplinen anzusiedeln ist." (Zitat Rheinkultur)

Der Begriff "Korrepetitor" wird also unterschiedlich gebraucht. Du kannst durchaus schreiben, dass du in Moskau am Konservatorium Korrepetitor mehrerer Klassen warst (Sänger, Instrumentalisten....). Man kann natürlich mittlerweile Kammermusik und sowieso schon immer Liedbegleitung studieren, dann kann man den entsprechenden Abschluss angeben, aber Liedbegleiter würde ich mich nur nennen, wenn ich den entsprechenden Abschluss hätte.

Im Grunde steht überall einfach Pianist. Auch in Programmen von Liederabenden und Kammermusik heißt es nie "Korrepetitor", sondern "Pianist".

Liebe Grüße

chiarina
 
sorell

sorell

Dabei seit
20. Sep. 2007
Beiträge
505
Reaktionen
157
@rheinkultur
Danke, dass Du hier alles zusammen gefasst hast. Ich werde diese Diskussion am Wochenende lesen.
Ich habe schon auch gelesen, dass "Konzertmeister" hier ganz anderes bedeutet. Und "Korrepetitor" in Wikipedia hat auch eine andere Bedeutung als was ich suche. Natürlich, soll man sich nicht so eng eingrenzen, aber ich versuche mich, mit diesen Begriffen und was dahinter steckt zu konfrontieren und Unterschiede in Ausbildung da und hier zu suchen und zu finden, damit ich etwas da liefern kann (halt einen Beitrag zu dem Thema "Korrepetitor, Liedbegleiter, Kammermusiker-Pianist in Deutschland").
In Russland gibt es in jeder Musikschule, College oder Konservatorium oder Musikhochschule Stellen als "Korrepetitor, Liedbegleiter etc.", deswegen kann man sich immer da bewerben. Hier wird diese Tätigkeit meistens von Pädagogen selbst ausgeübt als zusätzliche Tätigkeit oder verstehe ich das falsch?
@chiarina: Liebe chiarina, Du hast, glaube ich, ganz genau formuliert, was ist es - einen anderen Musiker (egal welchen) am Klavier zu begleiten. Ja, und hier in Deutschland steht es immer "Pianist" oder "am Klavier"...

Noch an @rheinkultur:
"wer dann noch Kenntnisse und Fertigkeiten auf weiteren Tasteninstrumenten einbringen kann (Cembalo, historische Tasteninstrumente, Celesta, Keyboards, Hammondorgel, Synthesizer, Kirchenorgel etc.), hat Zugriff auf einen der abwechslungsreichsten und lebendigsten Berufe, die man so als Tastenspieler ergreifen kann...,"

Leider, kommen historische Tasteninstrumente und Orgel selbst in Russland sehr wenig in Einsatz. Ich erinnere mich, wie ich beeindrückt war, als ich erstes Mal in Moskau Orgelkonzert gehört habe. Es ist so selten! Wir haben keine Orgel in der Kirche. Dieses Instrument ist uns etwas fremd.... leider. Ich war vor Freude am zittern, als ich Orgel spielen dürfte. Das war für mich so was einzigartiges und besonderes. Ich war total außer mir und habe meinen Freuden geschcrieben: "Heute habe ich ein echtes Orgel gespielt!!!!!!!!!! Ich war am heulen! Das war so schön! Ich konnte mir nie in meinem Leben vorstellen, dass ich irgendwie Gelegenheit bekommen würde, dieses Instrument zum Klingen bringen!"
 
C

chiarina

Guest
In Russland gibt es in jeder Musikschule, College oder Konservatorium oder Musikhochschule Stellen als "Korrepetitor, Liedbegleiter etc.", deswegen kann man sich immer da bewerben. Hier wird diese Tätigkeit meistens von Pädagogen selbst ausgeübt als zusätzliche Tätigkeit oder verstehe ich das falsch?

Das ist richtig! Besonders an Musikschulen. An Musikhochschulen allerdings gibt es reine Korrepetitorenstellen (s. meinen letzten Beitrag: Liste MHS Köln), bei denen der Korrepetitor z.B. nur Geiger begleitet. Da kann man sich vielleicht bewerben.

Liebe Grüße

chiarina
 
Rheinkultur

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.819
Reaktionen
9.060
Der Begriff "Korrepetitor" wird also unterschiedlich gebraucht. Du kannst durchaus schreiben, dass du in Moskau am Konservatorium Korrepetitor mehrerer Klassen warst (Sänger, Instrumentalisten....). Man kann natürlich mittlerweile Kammermusik und sowieso schon immer Liedbegleitung studieren, dann kann man den entsprechenden Abschluss angeben, aber Liedbegleiter würde ich mich nur nennen, wenn ich den entsprechenden Abschluss hätte.

Im Grunde steht überall einfach Pianist. Auch in Programmen von Liederabenden und Kammermusik heißt es nie "Korrepetitor", sondern "Pianist".
Unterschiedlicher Gebrauch der Berufsbezeichnung für vergleichbare Tätigkeiten kann auch bedeuten, dass vielfach zwischen "Instrumental-Korrepetition" und "Gesangs-Korrepetition" unterschieden wird - dazu taucht die Bezeichnung z.B. bei großen Kantoreien auf, wenn oratorische Werke zur Einstudierung gelangen; das Leistungsprofil ist durchaus mit dem Einsatz im Musiktheater vergleichbar.

Statt "Liedbegleitung" hat sich der Begriff "Liedgestaltung" eingebürgert, da ja Sänger(in) und Pianist(in) gleichermaßen mit hohem künstlerischem Anspruch gestaltend tätig sind.

Den Begriff "Korrepetitor" wird man auf Konzertprogrammen nur in Verbindung mit dem Einstudierungsvorgang finden, da im Konzert oder bei Studioproduktionen fertige Resultate präsentiert werden sollen. Sitzt der Korrepetitor auch auf dem Konzertpodium am Flügel (durchaus möglich bei einem Projekt wie "Oper am Klavier"), tut er dies selbstverständlich als "Pianist". Überhaupt sind die meisten Korrepetitoren zugleich konzertant (oft auch noch pädagogisch) aktiv, je nach individuellen Schwerpunkten als klassischer Solist, als Klavierpartner in Chansonprogrammen, als Piano-Direkteur im Salonorchester, als Unterhaltungspianist ("Barpianist" klingt unverdientermaßen eher abfällig), als Bearbeiter und Arrangeur... - meist haben Korrepetitoren mehrere Studienabschlüsse und Ausbildungserfahrungen, allerdings stets in Verbindung mit dem Hauptfach Klavier. Im Kapellmeisterstudium ist dieses obligatorisch, da der übliche Berufsweg im Musiktheaterbetrieb mit der Tätigkeit als Korrepetitor beginnt. Wer sich auf Musical und Showbusiness im weitesten Sinne spezialisiert, erwirbt praktischerweise einschlägige Kenntnisse im Fachbereich Jazz und Popularmusik. Bei entsprechender Interessenlage ist ein Zusatzstudium im Fach "Liedbegleitung/Liedgestaltung" hilfreich. Das ist ja gerade das Spannende an diesem Berufsbild: Geborene Multitalente und Mehrfachbegabungen haben recht günstige Bedingungen bei der Gestaltung ihrer künstlerischen Laufbahn, während der Markt auf dem Gebiet der klassischen Solopianistik völlig übersättigt ist.
 
Rheinkultur

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.819
Reaktionen
9.060
An Musikhochschulen allerdings gibt es reine Korrepetitorenstellen (s. meinen letzten Beitrag: Liste MHS Köln), bei denen der Korrepetitor z.B. nur Geiger begleitet. Da kann man sich vielleicht bewerben.
Diese Positionen tauchen oftmals unter der Bezeichnung "Lehrkraft für besondere Aufgaben" auf - mit entsprechender Tätigkeitsbeschreibung zu den besonderen Aufgaben, die Klavierbegleitung und Korrepetition beinhalten. An Musikschulen und vergleichbaren Einrichtungen im Laienmusikbereich übernehmen die Lehrkräfte im Fach Klavier die in der Regel nicht schwierigen Begleitungsaufgaben selbst - allenfalls im ambitionierten Oberstufenbereich und in der studienvorbereitenden Ausbildung sind die Klavierparts anspruchsvoller gestaltet.
 
Rheinkultur

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
9.819
Reaktionen
9.060
Leider, kommen historische Tasteninstrumente und Orgel selbst in Russland sehr wenig in Einsatz. Ich erinnere mich, wie ich beeindrückt war, als ich erstes Mal in Moskau Orgelkonzert gehört habe. Es ist so selten! Wir haben keine Orgel in der Kirche. Dieses Instrument ist uns etwas fremd.... leider. Ich war vor Freude am zittern, als ich Orgel spielen dürfte. Das war für mich so was einzigartiges und besonderes. Ich war total außer mir und habe meinen Freuden geschcrieben: "Heute habe ich ein echtes Orgel gespielt!!!!!!!!!! Ich war am heulen! Das war so schön! Ich konnte mir nie in meinem Leben vorstellen, dass ich irgendwie Gelegenheit bekommen würde, dieses Instrument zum Klingen bringen!"
Ähnliche Erfahrungen habe ich auf einer Konzertreise nach Italien gemacht, wo selbst große Kirchen mit Orgeln ausgestattet sind, die hinter den Ansprüchen jeder Dorfkirche in der Eifel zurückbleiben. Erklärbar wäre das wohl am ehesten mit der großartigen Tradition des Chorwesens (ich sage nur "venezianische Mehrchörigkeit"), die es sowohl in Russland als auch in Italien gibt, und die natürlich die kirchenmusikalische Praxis entscheidend geprägt hat. In Mittel- und Westeuropa ist die Orgel in Kirche und Liturgie stärker präsent - und die Ausstattung der Kirchen trägt diesen anders ausgerichteten Traditionen Rechnung. Wo es große A-Cappella-Chöre gibt, deckt Orgelmusik ein anderes Spektrum ab.

Für Pianisten ist das Spiel auf einer Orgel wohl in der Tat ein Erlebnis der ganz besonderen Art: Während der Pianist klangliche Veränderungen und Farbgebungen allein über eine äußerst variable Anschlagskultur im Spiel vollziehen kann, kann der Organist eine Fülle von Registern unterschiedlichster Art miteinander kombinieren. Dazu kommen Spielhilfen wie Koppeln, einstellbare Freie Kombinationen bis hin zu großen Setzeranlagen, auf denen man als Alternative zum Musizieren mit Handregistern eine mehr oder weniger große Anzahl von Registerkombinationen abrufen kann. Man fühlt sich mitunter, als wenn man ein riesengroßes Sinfonieorchester unter seinen Händen und Füßen hat - wer mit diesem Reichtum an Klangfarben umgehen kann, kann dabei unglaublich viel Freude empfinden. Da man allerdings im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun hat, ist es für den Pianisten die größte Herausforderung, mit den mehr als zwei bis drei Pedalen zurecht zu kommen - versierte Organisten agieren mit den Füßen so virtuos wie Pianisten mit drei bis vier Händen;);););):
Cameron Carpenter - Revolutionary Etude (Chopin - Op. 10, No. 12 in C minor) - YouTube
John Philip Sousa - Stars and Stripes Forever - YouTube

LG von Rheinkultur
 
 

Top Bottom