"Klangfarben" am Flügel

Dreiklang
Dreiklang
Dabei seit
14. Nov. 2010
Beiträge
9.588
Reaktionen
1.169
Hallo liebe Foris,

neulich fiel bei einer Diskussion über einen Pianisten wieder der Begriff "Klangfarbe". Unter anderem hängt er ja mit der Qualität von Klavierspiel zusammen (wenn ein Pianist "Klangfarben" eben gekonnt umsetzt bzw. erzeugt, in seinem Spiel).

Eigentlich ( ;) ) würde ich den Begriff "Klangfarbe" am ehesten dazu verwenden, um verschiedene Flügel, oder Instrumente, miteinander zu vergleichen: der Klang des einen Instruments ist anders "gefärbt" als der Klang eines anderen.

Und wenn man die Klangfarbe eines Flügels verändern wollte, dann müßte man strenggenommen bauliche Veränderungen daran vornehmen ;)

Aber natürlich ist klar, daß "Klangfarbe" im Spiel eines Pianisten etwas ganz anderes meint. Ich habe ja auch selbst schon gewisse Vorstellungen, was damit gemeint ist.

Trotzdem, möchte ich diesen sicherlich interessanten Begriff einmal zur Diskussion stellen.

Wie ist das also mit den "Klangfarben" beim Klavierspiel? ;) Was meint das, wie "erzeugt" man diese, wie erkennt man diese, usw. ...?

Viele Grüße
Dreiklang bzw. Chris
 
rolf
rolf
Dabei seit
18. Feb. 2008
Beiträge
28.558
Reaktionen
18.849
Aber natürlich ist klar, daß "Klangfarbe" im Spiel eines Pianisten etwas ganz anderes meint. Ich habe ja auch selbst schon gewisse Vorstellungen, was damit gemeint ist.
gehen deine Vorstellungen so in die Richtung nuancierter, differenzierter Klang im Gegensatz zu plump? Im ersteren Fall wird es "farbiger" klingen. Spielt jemand das Hauptthema im Regentropfenprelude, welches oft genug wiederholt wird, jedesmal ein wenig anders ausdifferenziert oder "abschattiert", dann hat derjenige ein paar "Klangfarben" mehr demonstriert, als wenn er´s jedesmal gleich gemacht hätte.
ist also beim Klavierspielen eine Metapher für differenzierten und fein abgetönten Zusammenklang, ja Klang überhaupt.
 
Marlene
Marlene
Dabei seit
4. Aug. 2011
Beiträge
13.756
Reaktionen
11.042
Hat Skrjabin diese Vorstellungen von Klang und Farbe nicht sogar visuell umgesetzt?
 
rolf
rolf
Dabei seit
18. Feb. 2008
Beiträge
28.558
Reaktionen
18.849
Hat Skrjabin diese Vorstellungen von Klang und Farbe nicht sogar visuell umgesetzt?
also in dem Sinn, dass sein Farbenklavier blass klingt, wenn schlecht darauf gespielt wird, sicher nicht :)

bei Skrjabin ist was synästhetisches gemeint (Tonarten und Töne werden Farben zugeordnet) - die Klangfarbenvielfalt (Nuancierung etc) beim Klavierspiel ist damit nicht gemeint
 
fisherman
fisherman
Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.127
Reaktionen
9.263
3K, Klangfarben erzeugt ein guter Pianist an einem guetn Instrument OHNE bauliche Veränderungen. Er spielt ein und dasselbe so, dass es einmal (fast) wie ein Cembalo klingt und ein anderes Mal an eine Orgel erinnert. Das geht nicht mit jedem Flügel. Und auch nicht bei jedem Pianisten.
 
Marlene
Marlene
Dabei seit
4. Aug. 2011
Beiträge
13.756
Reaktionen
11.042
:confused:
bei Skrjabin ist was synästhetisches gemeint (Tonarten und Töne werden Farben zugeordnet) - die Klangfarbenvielfalt (Nuancierung etc) beim Klavierspiel ist damit nicht gemeint

Töne werden Farben zugeordnet... Vielleicht würden Anfänger die Noten ja leichter erkennen wenn jedes z.B. c grün wäre, jedes d blau, jedes e gelb... Und ein cis hellgrün, ein dis hellblau (und ein des dunkelblau). Aber ob man sich die Farben dann merken könnte...?
 
fisherman
fisherman
Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.127
Reaktionen
9.263
Nee, da wirst Du als Normalo irr. Aber wenn i-wann mal jemand wirklich so nett ist und alle # in hellgrau und alle b in blau druckt, dann wäre ICH happy.
 
C
Curby
Guest
Ich hab noch nie einen Pianisten gehört, der ein Klavier wie ein Cembalo/Orgel klingen lassen kann (jaja fast... nein nichtmal im entferntesten). Vielleicht kann mir Lotusblume diesen Zaubertrick im Januar mal zeigen...
 
mick
mick
Dabei seit
17. Juni 2013
Beiträge
11.985
Reaktionen
20.669
Ein guter Pianist kann beinahe jedes Orchesterinstrument auf dem Klavier imitieren. Natürlich bleibt ein Klavier immer ein Klavier, aber es ist doch Erstaunliches möglich.
 
thomas 1966
thomas 1966
Dabei seit
11. Aug. 2013
Beiträge
2.192
Reaktionen
2.323
:confused:

Töne werden Farben zugeordnet... Vielleicht würden Anfänger die Noten ja leichter erkennen...
Von Bontempi gibt es so Spielereien. Vermutlich hat kaum jemand Probleme mit einzelnen Noten(-folgen). Schwieriger wird es mit dem schnellen Erkennen mehrerer Töne zur selben Zeit und da zweifle ich an einer Erleichterung durch diese Farbcodierung. Akkorde und deren Umkehrungen zu kennen und das Lesen zu üben, halte ich für sinnvoller.
(Welcher Anfänger erkennt schon jeden Dreiklang :D auf den ersten Blick?)

Ist die Klang-Nuancierung auch auf einem Digi beim Spielen möglich oder müssen da die Einstellungen verändert werden?

Bei mir reicht eine Änderung der rLF um ein anderes Klangfarbenspektrum verfügbar zu haben. (Hören kann ich das, nutzen aber nicht.)
 

SingSangSung
SingSangSung
Dabei seit
13. Mai 2010
Beiträge
465
Reaktionen
199
Hi,

ich versuch´s mal. Unter anderem auch deswegen, weil meine - von mir sehr hochgeschätzte Klavierprofessorin - eigentlich aus jedem Flügel die schönsten Klangfarben hervorzaubern konnte. Wir hatten Unterricht in einem Raum, in dem ein sehr guter Bösendorfer stand und eine alte Klapperkiste. Ich am Bösendorfer, sie an der Klapperkiste, trotzdem klang es bei ihr immer besser (natürlich erst recht, wenn sie auch mal an den Bösendorfer ging).

Klar ist erstmal: Man kann laut und leise spielen, mit Pedal und ohne Pedal, mit und ohne una corda.

Ein guter Flügel klingt bei lauteren Tönen nicht einfach nur lauter, sondern auch anders (z.B. schärfer, brillanter, aggressiver, knurriger - je nach Instrument). Über die Dynamik beeinflusst man also auch die Klangfarbe. Da hängt aber tatsächlich viel am Instrument.

Dann die Klangbalance. Meist hat man ja Akkorde, Vielklänge. Bekannt ist, dass man "die Melodie hervorheben" sollte. Man kann aber viel mehr tun. Man kann jeden einzelnen Ton im Akkord mit dem richtigen Gewicht versehen.
Die Gesamtlautstärke ergibt sich aus der Summe der Lautstärke der Einzeltöne. Wenn ich aber die Melodie besonders stark betone, habe ich einen hellen Klang, wenn ich sie nur ein wenig betone, einen dunkleren. Wenn ich die Terz im Akkord stärker betone, klingt der Akkord anders, als wenn ich zB. die Septime im Akkord stärker betone.

Dann die Art, wie man eine Taste anschlägt. Wer schon mal eine Flügelmechanik ohne Flügel gespielt hat, weiß, dass diese auch so eine Menge Krach macht. Sie macht um so mehr Krach, je stärker der Finger auf die Taste aufprallt, und je schneller man die Taste loslässt. Oder umgekehrt: Wenn der Finger von vorneherein die Taste berührt hatte und sie nur noch herabdrückt, dann hat man weniger Nebengeräusche.

Will man also einen weichen Klang, so sind die Finger die ganze Zeit an der Taste, will man einen scharfen Klang, so hebt man sie vorher deutlich an (so wie im Hanon beschrieben, gräßlich, wenn man es immer so macht).

Dann das Legato: Legato wird meist beschrieben als "den neuen Ton spielen, dann erst den alten loslassen". Das ergibt aber nicht unbedingt ein Legato. Bei einer langsamen Linie müsste es heißen "den neuen Ton so anschlagen, dass sich der Klang in den Klang, der gerade klingt, nahtlos einfügt". Es kommt beim Legato also auch wesentlich auf die Dynamik an.

Es gibt sicher noch mehr Aspekte (viel mehr!), aber das sind einige Parameter, mit denen der Pianist die Klangfarbe dessen, was er spielt, wesentlich beeinflussen kann - meiner Meinung nach viel wesentlicher als das Instrument!

Viele Grüße,

SingSangSung
 
fisherman
fisherman
Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.127
Reaktionen
9.263
@ Curby: Cembaloähnliche Klänge auf dem Flügel schafft z.B. Gabriela Montero "mit Links". Und bei dem Orgelbeispiel hatte ich eher an einen weichen, stehenden bass gedacht, wie z.B. bei Guldas Einspielung der Aria in G (Siehe Faden: Schöne Musik)

@ Thomas:
Ist die Klang-Nuancierung auch auf einem Digi beim Spielen möglich
Auf meinem (für mich) nicht. Kawai CA-5 - olle Kiste. Und je länger ich spiele, dest größer wird die Diskrepanz zwischen Digi und Echtem.
 
C
Curby
Guest
@ Curby: Cembaloähnliche Klänge auf dem Flügel schafft z.B. Gabriela Montero "mit Links". Und bei dem Orgelbeispiel hatte ich eher an einen weichen, stehenden bass gedacht, wie z.B. bei Guldas Einspielung der Aria in G (Siehe Faden: Schöne Musik)

@ Thomas: Auf meinem (für mich) nicht. Kawai CA-5 - olle Kiste. Und je länger ich spiele, dest größer wird die Diskrepanz zwischen Digi und Echtem.

Ich bin da denke ich gnadenloser Realist und ein Klavier klingt für mich immer wie ein Klavier.

Aber ein Klavierklang ist doch auch mal was schönes :).
 
Peter
Peter
Bechsteinfan
Mod
Dabei seit
19. März 2006
Beiträge
22.581
Reaktionen
21.978
Wie klingt denn die Combo Querflöte/Cello aufm Klavier?
Mein KL hat mir zumindest Cembalo/Cello vorgemacht. Natürlich klingt ein Klavier wie ein Klavier, aber man kann eben auch andere Instrumente damit ausdrücken, genau so wie man Leichtigkeit oder Schwere, Fröhlichkeit oder Trauer.... ausdrücken kann.
 
mick
mick
Dabei seit
17. Juni 2013
Beiträge
11.985
Reaktionen
20.669
Wie klingt denn die Combo Querflöte/Cello aufm Klavier? Dann brauch ich mir diese Instrumente ja nicht mehr kaufen, sondern kann jedes mit meinem Zauberinstrument Flügel spielen :).

Nimm z.B das:


Da gibt es Cellokantilenen, Flöten, Klarinetten, und vieles andere. An einer Stelle höre ich sogar Flöte mit Celesta, was mich immer an die Rosenüberreichung im Rosenkavalier erinnert.
Wer hier keine Orchesterinstrumente hört, muss taub sein.

LG, Mick
 
C
Curby
Guest
Nimm z.B das:


Da gibt es Cellokantilenen, Flöten, Klarinetten, und vieles andere. An einer Stelle höre ich sogar Flöte mit Celesta, was mich immer an die Rosenüberreichung im Rosenkavalier erinnert.
Wer hier keine Orchesterinstrumente hört, muss taub sein.

LG, Mick

Ich höre da wundervolle, schönste Klaviermusik. Horowitz war ein Zauberer. Es ist aber immernoch ein Klavierklang.

Ich habe meine Meinung kund getan und sollte mich nun aus eurem romantischen Gedanken raushalten. :)
 
mick
mick
Dabei seit
17. Juni 2013
Beiträge
11.985
Reaktionen
20.669
Ich höre da wundervolle, schönste Klaviermusik. Horowitz war ein Zauberer. Es ist aber immernoch ein Klavierklang.

Ich habe meine Meinung kund getan und sollte mich nun aus eurem romantischen Gedanken raushalten. :)

Ohne, dass ich Dir jetzt zu nahe treten möchte: möglicherweise fehlt es Dir ein wenig an Fantasie. Ich sehe die verschiedenen Instrumente förmlich vor mir, wenn Horowitz spielt!

LG, Mick
 
C
Curby
Guest
Ohne, dass ich Dir jetzt zu nahe treten möchte: möglicherweise fehlt es Dir ein wenig an Fantasie. Ich sehe die verschiedenen Instrumente förmlich vor mir, wenn Horowitz spielt!

LG, Mick

Oh, ich kann mir das schon vorstellen, so ist es nicht. Das ist auch die Frage, was man hören will (danke Dilettant für die Worte). Ich weiß da steht nur ein Klavier, das nie wie eine Flöte klingt. Ich finde es auch interessant, was er nur mit Klavierklängen fabrizieren kann.

Ok da steht ein Klavier, dann zeig ma, was du mit Klavierklängen machen kannst, ohne mir (zwanghaft) vorstellen zu müssen, er möchte Instrumente imitieren. Es sind Klavierklänge.
 

Ähnliche Themen

 

Top Bottom