Indische Musiktheorie


Guendola
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Es ist schwierig, passende Fragen zu stellen, ich möchte mich jedenfalls mit der theoretischen Seite indischer Musik vertrauter machen. Eine Website mit grundlegenden Infos zu den Skalen habe ich zwar gefunden aber das kratzt gerade mal an der Oberfläche. Es wäre wohl am besten, mir einen Guru zu suchen aber im Moment reicht die Zeit nicht aus.

Konkrete Frage: Welche Websites könnten mir weiter helfen? Die können gerne auf Englisch oder Französisch sein, Indisch kann ich allerdings nicht.

Bislang gefunden:

http://www.chandrakantha.com/articles/indian_music/ (sehr komplex, etwas verwirrend für den Anfang, da man sich in diversen Richtungen durch die Texte klicken kann).
http://cnx.org/content/m12459/latest/ (Skalen)
http://www.perfectthird.com/Perfect Third.htm (ein wenig Info zwischen den Zeilen)
 
Faulenzer
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Hallo Guendola!

Ich weiß zwar jetzt nicht, ob Dir meine Antwort weiter hilft, aber da fällt mir ein ganz bekannter Sitarspieler Namens Ravi und seine Tochter Anoushka Shankar ein. Ravi Shankar ist ein sehr bekannter Sitarspieler sowie Komponist. Durch ihn ist erst das Sitarspielen über Indien hinaus "bekannt" geworden. Ravi lehrt grundsätzlich seine Schüler, die ihn als Guru verehren nicht nach Noten zu spielen, sondern rein nach Gehör und des Inneren. Da Ravi selbst aufgrund seines hohen Alters seine linke Schulter weniger einsetzen kann wie einst, spielt er kaum noch, aber unterrichtet weiterhin. Er sitzt sozusagen mittig und um ihn herum seine Schüler, er summt singt - zeigt auf einen seiner Schüler, welcher darauf sich "einspielt-/einstimmen soll, was sich in der gesamten Runde fortführt - bis alle Schüler im "Einklang" mitten drin sind.

Auf youtube habe ich eine Aufführung mit Anoushka Shankar und Joshua Bell Dir verlinkt - während J. Bell rein nach Noten spielt, spielen die übrigen nach Gehör .... und ihres Inneren

http://www.youtube.com/watch?v=ouAWJvYPHqk

+ Verlinkung Ravi Musiklektion
http://www.youtube.com/watch?v=8anrbaISxSo&feature=related
 
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Fred
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Hi Guendola,

vielleicht kann Dir Herbert Lang, wir unterrichteten vor Jahren eine zeitlang am gleichen Institut, weiter helfen. Er studierte indische Musik in Madras und wurde vom indischen Kulturrat (Indian Council for Cultural Relations) mit dem Gisela Bonn-Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der deutsch-indischen Beziehungen ausgezeichnet. Seine E-Mail kannst Du bestimmt über die Deutsch-Indische Gesellschaft bekommen.


"Mit Herbert Lang wird erstmals ein deutschstämmiger Interpret klassischer indischer Musik geehrt. Damit setzen ICCR und DIG ein ermutigendes Zeichen für all jene Nicht-Inder, die sich in jahrelangem mühsamem Studium indische Musik bis zur Bühnenreife aneignen und widerlegen das immer noch verbreitete Vorurteil, nur echte Inder könnten indische Musik richtig spielen. Die Preisvergabe macht deutlich, dass klassische indische Musik, wie jede andere Kunstmusiktradition auch, ihrem Wesen nach transkulturell ist. Künstlerische Qualität lässt sich darin nie durch ethnische Herkunft definieren, sondern nur durch Meisterschaft der tradierten Formen und ihre zeitgemäße Interpretation. Mit großer Verspätung also noch ein herzlicher Glückwunsch an Herbert Lang!"
 
Guendola
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Vielen Dank für die bisherigen Antworten. Ich werde mal versuchen, mich mit Herbert Lang in Verbindung zu setzen.

Für diese Ipod Seite braucht man wohl Itunes, ich bekomme lediglich eine XML-Beschreibung angezeigt.

Der Film über Ravi Shankar ist hochinteressant und sollte von jedem Musiker gesehen werden ;) Im TV hatte ich nur den Rest sehen können, vielen Dank für den Link!

Im Moment improvisiere ich mit den verschiedenen Tonleitern. Was indisch klingt, kann ich zwar selbst entscheiden aber es fehlt halt der direkte Bezug zum Verständnis und ich möchte nicht einfach nur vor mich hin klimpern.
 
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BerndB
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Die indischen Tonleitern (Hexatonik? Basis sechs Töne..) solle man ja noch im Ansatz verstehen können - das Sitarspiel variiert dies gern in den Vierteltonbereichen.

Ragas... Es gibt uralte Schulen, wie "man" Ragas zu spielen habe, die zu Teilen an den Tagesabläufen orientiert sein sollen: d.h. morgens spielt man andere Ragas als nachmittags oder abends..

Unglaublich spannend ist indische Rhythmik. Indische "Taktung" kann extrem komplex werden, was wir mit 2/4 (Marsch), 3/4 (Walzer etc.) und 4/4 kennen, und mit dem Wechsel zwischen 4/4 und 5/4 bei Mussorgskys "Promenade" schon als tricky befinden, das ist dem indischen Musiker pillepalle, noch goahrnix. Da solle es Ragas geben, deren Taktung sich nachvollziehbar erst nach 117 (!!) Schlägen wiederhole... Und es gebe Kenner, die das genau heraushören und zu vergleichen verstehen..

Einen klavierspielenden Einstieg in indische Musik allgemein und Ragas speziell übrigens bietet bei YouTube das Suchen nach Utsav Lal, einem ca. 16j. jungen Inder, der in Irland lebt und Ragas auf dem Klavier spielt, teils auch reist und mit indischen Sitarspielern gemeinsam konzertiert.

Aber all das ist nicht systematisch, sondern nur von außen beobachtete Facetten eines völlig anderen "musikgeografischen" Raumes - mein Beispiel dafür, dass man sich durchaus offen halten sollte für eine Betrachtung, die aus dem Eurozentrum der Musikklassik derer Mozart, Beethoven, Chopin, Brahms, Haydn etc. herausweisen mag, kann, darf.. Europa ist eben nicht der alleinige Nabel der Musikwelt, auch wenn wir das immer mal ganz gern denken mögen..
 
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Guendola
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Ich habe inzwischen festgestellt, daß http://www.chandrakantha.com/articles/indian_music/ eine großartige Quelle für Informationen ist. Dort gibt es auch ein Forum mit hilfreichen Mitgliedern.

Es sieht so aus, daß klassische indische Musik nicht sonderlich gut dokumentiert ist, obwohl es diverse Ansätze dazu gab, eine vereinheitlichende Theorie zu erarbeiten. Also wendet man sich am besten an einen Lehrer und studiert dann z.B. Gesang, Sitar oder Tabla. Man muß sich auch zwischen nord- und südindischer Musik entscheiden.

Ragas sind in der Tat die Basis für das melodische Spiel und repräsentieren bestimmte Stimmungen und ähnliches. Ein Raga wird durch die Skala, Auf- und Abwärtsbewegung, akzentuierte Töne und deren Ornamentik definiert, dazu kommt noch die Tageszeit, zu der ein Rag gespielt werden soll. Die letzten beiden Eigenschaften sind umstritten aber sie gehören zum Repertoire.

Klavier ist ebenfalls umstritten, jedenfalls als Melodieinstrument. Das liegt nicht nur daran, daß es kein klassisches indisches Instrument ist, sondern weil es diverse Verzierungen, die für die Ragas definiert sind, nicht wiedergeben kann und wegen der festgelegten Stimmung. Klavier und Harmonium werden aber heutzutage trotzdem von einigen als Soloinstrument benutzt. Dabei wird die falsche Stimmung ignoriert und die Verzierungen müssen halt so gespielt werden, daß der Charakter erhalten bleibt. Für jemanden, der gerade in klassische indische Musik einsteigt, sind das vermutlich nicht die idealen Instrumente.

Neben den Rags gibt es noch die Tals, das sind die rhythmischen Bausteine der Musik. Selbstverständlich müssen auch die einem Melodieinstrumentalisten bekannt sein. Der direkte Weg dorthin führt über ein Percussion-Instrument wie z.B. Tabla. Allerdings beruhen Ragas und Tablas auf der menschlichen Stimme und statt ein Melodieinstrument und ein Rhythmusinstrument zu lernen, kann man auch Gesang lernen, wo man alles gemeinsam bekommt.

Interessant (weil für westliche Musiker immer wieder erinnerungswert) ist die Tatsache, daß es völlig selbstverständlich ist, daß der Schüler die zu spielenden Dinge oft erstmal singen muß. Die Stimme ist halt das Vorbild, natürlich nutzt man in der Instrumentalmusik auch Fähigkeiten der Instrumente, die die Stimme nicht hat. Zwar besteht in der westlichen klassischen Musik die gleiche Grundlage, das wird aber gerne vergessen. Für Percussion gibt es dazu die Bols, Silben, die für unterschiedliche Anschläge eines Instrumentes stehen, und für Melodien einfach die Noten, wobei die Namen sich immer auf die Stufen der Skala beziehen, wie bei do re mi fa so. Indische Tonhöhen sind nämlich streng relativ, vermutlich ein Alptraum für Leute mit absolutem Gehör ;)

Schön finde ich auch die Legende, die erzählt, wie die Musik zu den Menschen gekommen ist: Die Götter stellten fest, daß die Menschen verwahrlosten, immer mehr Kriege führten, Werte ignorierten und so weiter. Deswegen beschlossen sie, die bislang rein himmlische Musik den Menschen zu vermitteln, um sie von ihrem bösen Treiben abzulenken.
 
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den indischen Musikinstrumenten gehören unter anderen:
Wina - Sarod - Sitar - Tabla - Mirdanga - Nagasare - Sarangi - Tambura ...

*zusätzliche Informationen sind unter google erhältlich :)

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Eine ausgesprochen interessante und praktisch orientierte Website - wenn man Französisch kann:

http://homepage.mac.com/patrickmoutal/macmoutal/homepage.html

"Praktisch" in dem Sinne, daß die theoretischen Grundlagen nur umrissen werden, dafür aber wesentlich ausführlicher als anderswo auf die musikalischen Aspekte der Ausführug eingegangen wird.

Teile der Website sind zweisprachig, Französisch und Englisch.

Wenn man kein Französisch kann, bleiben immer noch die zahlreichen Musikangebote auf der Website.
 
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Hier mal ein Beispiel für nicht ganz indische Musikpraxis auf meiner neuen Sitar (die noch etwas bearbeitet werden muß). Ziemlich stümperhaft gespielt, aber es gibt ein paar Stellen, bei denen man sich vorstellen kann, was gemeint ist :) Ich muß natürlich noch Unterricht nehmen, damit es besser klingt. Ich habe einfach ein bischen improvisiert und dabei aufgenommen. Und natürlich habe ich mich diverse Male in den Saiten und zwischen den Bünden verheddert, mit einem Mizrab - dem indischen Plektrum - zu spielen, ist gewöhnungsbedürftig, es ist praktisch eine Verlängerung des rechten Zeigefingers aus Draht, deswegen schlage ich auch fast immer die nächste Saite mit an.

...

Die Aufnahmequalität ist dürftig, ich wollte nur einmal schnell etwas hören, ohne dabei mit dem Instrument zu kämpfen.

Nochmals angehört und gelöscht. Es folgt in Kürze eine neue Aufnahme. Die Sitar hat jetzt ein paar neue Saiten und ich hatte die erste Unterrichtsstunde.
 
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