Hanon

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von David, 26. März 2006.

  1. David
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    David

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    Hallo,

    mich würde mal interessieren, was ihr von dem Buch Hanon, der Klaviervirtouse haltet.
     
  2. Tosca
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    Tosca

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    Zum "warming-up" benutze ich oft einen Satz von 5 Hanon-Übungen, tut mir ganz gut.
    Aber ich gebe zu, dass ich dabei "faul" bin und nur C-Dur mache. Wie ist das bei euch? Geht ihr die Tonarten alle fleißig durch?
     
  3. Hartmut
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    Hartmut

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    Hanon & Co

    Ich sehe Hanon eher kritisch.

    Zum Aufwärmen (hab ich an anderer Stelle schon mal geschrieben) würde ich eher ein paar fertige Stücke spielen, oder selbstgestrickte Übungen aus meinem derzeitigen Repertoire.
    Warum?
    Weil ich außer die Finger zu bewegen auch gleichzeitig noch Musik mache.

    Als Technik- Training halte ich ihn für untauglich.
    Warum?
    Weil Technik aus meiner Sicht zu vielfältig ist, um ein ein kleines Klavierbüchlein gefasst werden zu können.

    Beispiel: ich möchte ein neues Stück lernen, und an verschiedenen Stellen stosse ich an technische Schwierigkeiten.
    Wird mir Hanon weiterhelfen, wenn ich ihn regelmäßig geübt habe? Das ist unwahrscheinlich, da jede technische Schwierigkeit sehr spezifisch ist. Es wäre großer Zufall, wenn genau diese Bewegung, die mir schwer fällt, in irgendeiner Hanon- Übung enthalten wäre.
    Um wirklich mit Standard- Übungen alles abzudecken müsste ich viel zu breit streuen, das ist rein zeitmäßig nicht möglich (ich glaube, wenn ich mir etwas Mühe gebe, kann ich das sogar mathematisch "beweisen") und abgesehen davon riesige Zeitverschwendung, weil ich dann 90% der geübten Technik in meiner spezifischen Literatur nicht benötigen werde; ich hätte also "das falsche" gelernt.

    Die Alternative, die ich mir gesucht habe:
    ich bastele mir aus meinem Material meine eigenen kleinen "Hanon- Übungen", die genau MEINE SCHWÄCHEN in MEINEM ZU ÜBENDEN MATERIAL beheben.

    Beispiel:
    Zum Aufwärmen spiele ich aus Bachs Invention Nr. 8 die Takte 19+20, sowie 24+25 und 29 (im Fingersatz 4,2,3,2) für die linke Hand und verschiedene Läufe aus Au bord d'une source für die rechte Hand. Mit etwas Fantasie lassen sich die Passagen zusammensetzen und in einer Endlosschleife wiederholen, ähnlich einer Hanon- Übung. Was meine Finger machen, ist das gleiche, aber ich übe gleichzeitig mein Stück, und behebe die technischen Schwächen, die ICH habe. Das vervielfacht meine Lerngeschwindigkeit! :!:

    Ich verwerfe Hanon nicht grundsätzlich, aber zum großen Teil halte ich es für Zeitverschwendung. Abgesehen natürlich von den Tonleitern und Arpeggios, die nun wirklich zu den Basisfähigkeiten eines Klavierspielers gehören. :wink:
     
  4. Anonymous
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    Hanon ist jetzt nicht irgendeine Etude. Die Grundidee dieses Buches liegt darin, alle Finger möglichst gleichmäßig auszubilden. Selbst eigene "Hanon-Übungen" zu erfinden ist natürlich auch eine Möglichkeit, die aber wie der echte Hanon nur dann einen technischen Sinn hat, wenn sie in allen Tonarten in "Hanon-Methode" (Auf-und Abwärtsbewegung) praktiziert werden.
    Zum warming up spiele ich Hanon nach Möglichkeit chromatisch. Wenn die Zeit dazu fehlt, nehme ich mir zumindest die Tonarten vor, die sich auf mein Repertoire beziehen.
     
  5. Anonymous
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    Bernd,

    warum denkst du, dass es wichtig ist, die Übungen chromatisch zu machen?
    Ich tue das nach meiner Philosophie absichtlich nicht, da ich für mein Stück von 12 Tonarten 11 nicht brauche. Die übe ich nur dafür, dass ich sie evtl. zukünftig in irgend einem Stück mal benötige (was sehr unwahrscheinlich ist).
    Wenn meine Theorie stimmt, bin ich im Lerneffekt 12 mal so schnell (vereinfacht gedacht, weil mir die anderen 11 natürlich auch in gewissem Maße helfen, aber eben weit nicht so viel!)

    Wenn ich micht recht erinnere, spielst du Jazz, in der Improvisation kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es wichtiger ist, in allen Tonarten, in denen du spielst, dir beliebiges technisches Material anzueignen, da du ja im Idealfall vorher nicht weißt, was du spielst. Kann ich aber weniger beurteilen, da mir die Improvisation leider nicht liegt :cry:
     
  6. Anonymous
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    In einer Sonate brauchst Du zumindest zwei Tonarten (Tonika und Dominante).
    Ob chromatisch oder im Quintenzirkel, man sollte lernen, sich in allen Tonarten (nicht nur technisch) zu Recht zu finden. Das hat jetzt gar nicht unbedingt was mit Jazz zu tun.
    Es geht ja nicht nur um die Melodiefolge einer Übung, es geht ja auch um ein finger-technisches Problem (z.B. Spannung zw. 4.u.5. Finger), und dieses Problem wird Dir sehr wohl in anderen Stücken und Tonarten unterkommen.
     
  7. Hartmut
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    Hartmut

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    Ich gebe dir Recht, viele technische Herausforderungen wiederholen sich in den unterschiedlichsten Stücken.

    Was hältst du aber von der Idee, die dahinter steckt, nämlich die Passagen genau dann zu üben, wenn ich sie brauche (nicht vorher pauschal) Da ich nicht weiß, welche Stücke ich die nächsten 5 Jahre spielen werde, weiß ich nicht, welche Probleme auf mich zukommen. Um pauschal alles abzudecken, potenziert sich der Aufwand, und unter Garantie übe ich dann viele Dinge, die ich NIE brauchen werde. Wenn ich flexibel bleibe und genau nach der jeweiligen Anforderung übe, tue ich das doch viel zielgerichteter, oder wie siehst du das?
     
  8. Anonymous
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    Grundsätzlich würde ich mal sagen: "Sag niemals nie".
    Die Passagen üben, wenn man sie gerade braucht tut man ohnehin. Aber ich will ja auch für zukünftige Stücke (in anderen Tonarten) davon profitieren. Und da hilft es schon, wenn man eine kleine Sequenz in verschiedenen Lagen und Varianten durchgreift (das ist auch nicht zeitaufwendig).
    Damit wird das Auftreten technischer Probleme im Repertoire zumindest eingeschränkt.
    Das heisst, Du musst auch nicht immer wieder neue Übungen erfinden, was ja auch wieder zeitaufwendig ist.
    Wenn Du natürlich von vorneherein weisst, dass Du Dich nur in C-Dur und F-Dur aufhältst, ist das etwas Anderes...
    Bei Dir ist es allerdings, so wie ich das sehe auch ein Zeitproblem.
    Wenn Du nur eine Stunde Zeit hast, ist eine halbe Stunde Technik-Programm natürlich nicht relevant.
     
  9. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Ich glaube, Hartmut will darauf hinaus.
     
  10. David
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    David

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    Na ja ich finde bei Hanon schön, dass man nicht Notentext einstudieren muss, wie bei Czerny!
     
  11. Hartmut
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    Hartmut

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    @Wurst:

    Genau darauf will ich hinaus,
    Chuan Chang beschreibt das sehr schön, aber mich interessiert eben auch die Meinung (und vor allem die Erklärungen) derer, die das anders sehen :idea:
     
  12. Anonymous
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    Anonymous

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    Kenne den Link bereits. Hat natürlich was für sich, wenngleich der Autor offensichtlich generell was gegen Fingerübungen und Etuden hat.
    Ich bin gleichfalls nicht der Meinung, dass 60 Hanon-Übungen gleich Virtuosität bewirken (wäre dann ja doch zu einfach), geschweige denn, dass man üben soll bis es schmerzt, dubiose Anschlag-Praktiken, nur beidhändiges Üben und ähnlicher Schwachsinn. Das ist alles längst überholt.
    Das heisst aber nicht, dass Hanon-Fingerübungen generell schlecht sind. Es kommt ganz drauf an, wie man damit umgeht.
    Wenn ich mich mit einem bestimmten technisches Problem beschäftigen möchte, suche ich mir die entsprechende Hanon-Übung dazu aus. Um das Skalen-Denken zu fördern wechsle ich (innerhalb der Übung) alle 2 Takte die Tonart. Das bringt unumstritten auch technisch was.
    Natürlich kann ich mir solche Übungen auch selbst zusammenbasteln (was ich ja auch tue), aber insofern ist Hanon zumindest eine Aufzeichnung und ein Nachschlagewerk.
    (Die wenigsten machen sich ja die Mühe, sowas aufzuschreiben).
    Was man dazu für sich selbst braucht und herausnimmt, das bleibt jedem selbst überlassen.
    Das Aufwärmen selbst ist wieder ein eigenes Kapitel. Soll ja Leute geben, sie das mit autogenem Training schaffen. Ich gehöre leider nicht dazu...
     
  13. David
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    David

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    Es sind ja eigentlich nicht nur 60 Übungen. Es gibt ja auch noch die Übevarianten. Zb. bei der ersten Übung gibt es 20 Varianten, die sind ziemlich schwieriger. Also ich merks: Geläufigkeit wird wirklich trainiert.
     
  14. Anonymous
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    Bei mir sind nur 12 Varianten. Welche Ausgabe hast Du denn?
     
  15. David
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    David

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    Die von Edition Peters. Da hast du doch hinten drauf Übe varianten
     
  16. Hartmut
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    Hartmut

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    wer auch immer von euch sich in anderen Foren bewegt kennt vielleicht bernhard :wink:
    Scheint mir ein extremer Klaviergelehrter zu sein und wahrhaftig ausdauernd in seinen Erklärungen :)

    Bezüglich Hanon und Co darf ich ihn mal kurz zitieren. Auf die Frage, wie lange man täglich üben sollte, baute er eine Analogie zum putzen auf (wie lange sollte man täglich putzen?). Als es um die Dauer der Fingerübungen geht, sagt er folgendes:

    " Technical exercises. Don’t waste anytime with that. Before tackling the dishes in the sink do you spend one hour of sponge training? Of course not. You just clean the dishes and all the sponge skill will come from that. Of course you must not clean the dishes in any way you want , but use the opportunity to hone your sponge skills. Likewise, getting technique from pieces is not simply playing them, but using the piece to hone and develop your technical skills."

    Hat mir spontan so gut gefallen, dass ich's euch nicht vorenthalten will :wink:
     
  17. Freme
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    Freme

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    Ist der Hanon auch für Anfänger (Unterricht seit 7 Wochen) geeignet?
     
  18. Windir
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    Windir

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    ist auch für anfänger ja, aber du solltest hartmuts post ma lesen :>
     
  19. Hooly
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    Hooly

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    Alternativ zu Hanon kann ich auch "Grundlagen der Klaviertechnik" von Cortot empfehlen. Ist nicht ganz so langweilig wie Hanon, aber man muss dafür auch keine Noten lernen.

    Hooly
     
  20. kruemelknubbel
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    kruemelknubbel

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    ich finde es schult extrem die fingerfertig wenn man sie einmal richtig kann und nicht nur langsam vom blatt spielt. zum aufwärmen gibts nichts besseres.